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Full text of "Beiträge zu einem schlesischen Wörterbuche"

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© 

Beiträge 

zu einem 

schlesischen Worterkche 



Dr. Karl Weinhold, 

corr*ipondir<-ndcn Mitgliede der kauerlichra Akadeni« der Wi»«*o»chifl*i. 



Anhang zum XIV. Bande der Sitzungsberichte der philosophisch-historischen 
Olasse der kais. Akademie der Wissenschaften. 




Wien. 

Aus der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei. 

1858. 



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Erste Abtheilung. 



A — L. 



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ie bedeutenden Fortschritte, welche die deutsche Wortkunde 
durch das Riesenwerk von Jakob und Wilhelm Grimtn, und in 
gewissen Theilen durch die endliche Vollendung des mittelhoch- 
deutschen Wörterbuchs aus Ben ecke's Nachlass in unseren Tagen 
gemacht hat und noch mehr machen wird, legen jedem die Pflicht 
auf, mit Beiträgen die er etwa geben kann, nicht zurückzuhalten. 
Es bedarf nicht erst der Erwähnung, welche Mittel hierzu in unseren 
Mundarten vorhanden sind, und so kam es mir nahe, aus meinen 
schlesischen Sammlungen dasjenige zusammenzustellen, was ich zu 
solchen Zwecken förderlich hielt; in wiefern ich Recht* hatte, wird 
der Kundige bald erkennen. 

Die Aufnahme geschah nach drei Richtungen : ich verzeichnete 
alte allgemeine Worte die im Schlesischen noch fortleben, oder 
deren Belegung aus älteren schlesischen Schriftstellern erwünscht 
däuchte ; ferner diejenigen welche zwar weiter verbreitet sind, aber 
von den Schlesiern wenigstens für besonders schlesisch gehalten 
werden. Ihre Zahl ist die grösste, denn dem Lande eigeuthümliche 
gibt es sehr wenige, wenn Oberhaupt welche; wird es doch beim 
Forschen immer deutlicher , wie der Sprachschatz ein ganz allge- 
meiner ist, an den der einzelne Gau keinen Anspruch auf beson- 
dere ßetheilung machen darf. Freilich bilden sich mit der Zeit 
Breiten der Wort-Flora und man kann Grenzlinien ziehen, innerhalb 
deren gewisse Worte allein vorkommen. Indessen sind diese 
Marken weiter als ein einzelnes selbst, so grosses Gebiet wie 
Schlesien. Sie führen zunächst auf Ober- und Niederdeutschland, 
zwischen denen der mitteldeutsche Gürtel besondere Beachtung 
verdient. Diese mittleren Landschaften neigen sich im Westen 
gegen Norden, im Osten gegen Süden; Schlesien aber ist in dieser 
Beziehung vorzüglich lehrreich, denn es trägt das Ansehen vulca- 
nischer Sprachgegend. Durch eine Grundlage des Sprachschatzes, 
welche entschieden oberdeutsche Bildung hat, bairische sowohl als 

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alemannische, brechen rein niederdeutsche Worte in nicht kleiner 
Zahl durch und weisen auf die sprachliche Gährung hin , welche in 
diesem Ostlande durch die Einwanderungen aus verschiedenen Gegen- 
den sich erheben musste. Die Beruhigung und Einigung übernahm 
die staatlich-rechtliche Sprache, die obersächsische Kanzleisprache, 
welche den Worten trotz ihrer verschiedenen Heimat ein einziges 
Lautsystem auflegte. Meine Aufgabe war es, den Worten die ich 
verzeichnete, ihren Heimatschein auszustellen. Und hierbei lernte 
ich auch den Irrthum gründlich kennen, den ich früher einmal 
begangen, als ich eine Anzahl Worte für abgeborgt den slawi- 
schen Nachbaren hielt. Fast ohne Ausnahme erwiesen sie sich als 
ehrliche Deutsche. Die Belege dafür habe ich mehr meinetwegen 
gegeben, als für andere die meinen Irrthum nicht getheilt haben 
werden. 

Bei meiner Auswahl sah ich sodann auf das, was die Sinnesart 
und die Sitten derSchlesier darlegen konnte, um auch hier Wort und 
Sache ,zu vereinen. Gern hätte ich in dieser Hinsicht mehr zu 
geben gehabt, indessen sind dies eben nur Beiträge. Die volle 
Ausfuhrung war mir nicht beschieden, sondern ist auf andere Hände 
übergegangen, welche hoffentlich das Ganze glücklich durchführen 
werden. Hierzu .sollen diese Blätter meine Beisteuer sein. Im engen 
Zusammenhange mit ihnen steht meine Schrift: „Ueber deutsche 
Dialektforschung. — Die Laut- und Wortbildung und die Formen 
der schlesischen Mundart." (Wien 1853.) 



Die Anordnung ist alphabetisch nach der schriftdeutschen Form. 

Die Abkürzungen aind die in deutscher Sprachwissenschaft gebräuchlichen : 



gotb. gothisch, 
ahd. althochdeutsch, 
mhd. mittelhochdeutsch, 
obd. oberdeutsch, 



nd. niederdeutsch, 

mad. mittelniederdeutsch, 



nl. niederländisch, I frz. französisch, 



mnl. mittelniederländisch, 
alts. altsäclisisch, 
ags. angelsächsich, 
altn. altnordisch, 
norw. norwegisch, 
oblaus. oberlausitzisch, 



st. vb. starkes Verbum, 
schw. vb. schwaches Verbum, 
st. m., f., n. starkes Mascu- 
linum, Femininum, Neu- 



Die angeführten Titel der Wörterbücher und Idiotiken werden deutlich genug sein. 



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l 



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.1 



Ab, verneinende Partikel : nicht, nicht doch 
(Strehlen, Schömberg). 

aebicb, aebieht, adj. verkehrt, links. 
Das Tischtuch ist äbicht aufgedeckt. Vgl. 1 
Grimms Wörter)». 1, 58. - a Mb ich, 
albern, abgeschmackt. Diese übertragene 
Bedeutung herrscht auch in dem mit 
anderer Ableitung gebildeten Ibach, 
eppisch, albern, albern huchmüthig. 
„Nu doch, nu doch, sed ok nicb a su ep- 
pisch! e* Mensch is des andern wart." 
And. Gryph. gel. Dornrose. — Äbsch 
gehl durch ganz Mitteldeutschland. 

achte, Zahlwort. — Lange Achte, hoch- 
aufgeschossenes Frauenzimmer, so wie ein 
gebückt gehender Mensch krumme 
Neune heisst. Fischart in seinem Spiel- 
verzeichnisse im Gargantua c. 25, führt 
auf: krumme ueune. 

Atter» st. f., der Jungfer zu Ader 
lassen, mingere, wie bei Fischart, Gar- 
gantua c. 41 : so rouss ich vor hingehn, 
mein Unglück mit dein wasser abzuschla- 
gen und meim geselln ein ader lassen. 

Affe, schw. m. Von steifen und trägen Leu- 
ten sagt man : sie geben oder sitzen oder 
sehen aus wie gepfropfte Affen; 
Affen, denen der Hintere zugepfropft ist. 
— G An äffe, Gähuaffe, Maulaffe, der 
mit weit gähnendem Munde alles angafft. 
Älter ist Ginaff: ich gin und gaff und bin 
ir äff. UhUnd Volkslieder 642. West- 
phäl. Gienop. — Übrigens trat früh 
Vermischung mit Giraffe ein, wie aus 
Fischart'a Gargantua c. 39 erhellt: er 
bückt sich nach eim strohalm, verraey- 
nend es wer gold vnd richtet sich auf wie 
ein ginaff. — II o r n n f f e : ein früher weit 
verbreitetesGebäck: pretziln hornaffin und 
crutzebrot. Fundgruben 1,377 aus Klose 
von Breslau 2, 375 (1397). Die Hornaffen 
werden noch jetzt zu Fastnacht in Naum- 
burg a. d. S. und einigen andern thürin- ' 
gischeu Städten gebacken; sie haben die I 
Gestalt eines doppelten Hörnchens. Lep- 
sius Kleine Schriften 1, 253 (Magdeburg 
1854). Nach dieser Form heissen in 
Schwaben und der Schweiz auch die 
Zwickel zwischen den runden Fenster- 
scheiben Hornaffen. Tobler Appenzell. 
Sprachschatz 275. Vgl. ferner Frisch 
1, 40»-. Schindler 1, 31. — Tei gaff e: 



Spottname der Bäcker ; ursprünglich wohl 
ein Gebäck in Affengestalt gleich dem 
vorigen. 

After, st. n. was vom Getreide und ander m 
Samen bei dem Abhülsen und Dreschen 
sich ablöst. Knotafter: Spreu der 
Flachsknoten. Vgl. Grimm Wörterb. 1, 
185, 187. (Aftericht.)— Afterkuchen: 
kleine längliche Kuchen von grobem 
Mebl; auch Schusterjungen oder Schuh- 
sohlen genaunt 
Affinster, Alaster, »t.f. Elster; gewöhn- 
licher ist heute : S c h a l u * t e r. Vgl. über 
diese alte echte Form Grimm Wb. 1, 189. 
Ein Beleg aus dem sehr seltnen Wenzel 
Scherffer (Gedichte 691) sei vergönnt: 
Hier liegt verscharrt Aglaster Gritte, 
die mit der schwarzen schnabeltitte 
wuscli als ein alte schleiche Magd, 
ai, ai, liebkosender Laut kleiner Kinder. 

— ai machen, aieo, ein aiia ge- 
ben, ailen: streicheln, liebkosen; — 
aizen: küssen; — die Aize: der Kuss; 

— Aizel: Küsse heu. Se gitse mer en 
Aitze. Stoppe Parnass im Sattler 510. — 
Westerwald., rhein. er eiche, ay- 
g eiche (n.) ; — niederd. : eiken, 
e i e n ; — kärntner. : A i a , H a i a , f., 
Wiege, Bett; — auch holstein;: Eya 
(Kindersprache). 

all i allengen: an allen Enden, überall. 
Auch oblaus. — a 1 1 r e i t : allbereit, be- 
reits, in Scberffcr's Gedichten 43, 399, 
540. Vgl. Jeroschin 129'. (Pfeiffer, Bei- 
träge zur mitteld. Sprache, S. 118.) Bei 
Escheuloer 1 , 23, 73 u. o. a I g e r e i t. — 
A 1 1 e r g e I d : Grundzins. Abt Elias (1550 

— 1568) sagt in seinem Repertorium über 
die Urkunden des Sandstifts zu Breslau : 
poradlne est pretium agrorum, videlicet 
de quolibet mauso II. grossos poloni<nit*s 
et polest dici Allergeld alias Erdzins. 
Urkunden-Sammlung zur Geschichte der 
Städte in Schlesien und Oberlausitz von 
Tzschoppe und Stemel S. 10. — Aller- 
hand. Was ist allerhand? allerhand ist 
ein Gänsedreckel. 

Alber, st.f., Pappel. Vgl.Grimm Wb. 1,201. 

— Bei W. Scherffer erscheint ein Adject. 
alber (richtiger alberen): Die Pappel 
schwinget auf zur Höh ihr alber Äste. 
Gedichte 80. Vgl. Schneller 1, 48. 



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«Iben» schw. vb. herum »Iben, sich 
zwecklos umhertreiben, unnütz herum- 
laufen. Schwerlich zu Alp, sondern zu 
alber, albern. Vgl. albein, albern bei 
Schindler 1, 48. Sticler 33. 
Alp, m. der bekannte Heiästiger der Schla- 
fenden. In Schlesien hSlt man einen 
Strohhalm mit leerer Aere, der in der 
Stube Hegt, für deu Alp ; der Halm wird 
dessbalb augenagelt und verbrannt. — 
Den Menschen, welche Alpe sind, IS oft 
die Seele im Schlafe aus dem Munde in 
Gestalt einer Maus und drückt oft mei- 
lenweit entfernt«, die sie drucken tnuss. 
Du Alp! Schelte gegen Menschen und 
Kühe. Günther in den bei Grimm Wör- 
terb. 1, 246 ausgehobenen Stellen be- 
legt damit ein albernes Mädchen. — Alp- 
schwanz, Scheltwort, auch oblausitz. 
nd. Selkenstert, Selkentost, Mythol. 433. 
alt, »dj. so alt wie der nngris'chc Wald, 
Bezeichnung unberechenbaren Alters ; 
rgl. das Mährchen vom Wechselbalge hei 
Grimm Kindermährchen n. 39. Mythol. 
437. Auf die Frage, weist dn was? geben 
die Kinder die weitere Auskunft :allafass, 
oder : ein altes Fass.— Der Alte, kosende 
Benennung des membram virile ; mhd. der 
ebenalte. — Die K i n d e 1 a 1 1 e : Hebamme. 
Alter, st. f. eingehanste Getreideschicht. 
— Die Unteralter, die erste Lage des 
Getreides, die mit den Stürzenden auf 
dem Bansen anfliegt, altern, illdern, 
schw. vb., das Getreide in die Bansen 
schichten; bansen, tassen, eintasten. — ~ 
Auch oberlaus, und gewiss weiter ver- 
breitet, denn das Wort erscheint in den 
Fastnachtspielen (Samml. von A. Kel- 
ler 587, 2) und olterst mich auf einer 
Graspurd, in obscönem Sinn. Der zu- 
nächst liegende allgemeine ist premere, 
comprimere, der indessen erst aus dem 
besondern „einbansen" abgeleitet ist. — 
Im Westerwald heisst die Banse Oles, 
Oules, nach Schmidt Westerwald. Idiot. 
130 die leere Banse. Ableitung von 
dem Stamme al- scheint anzunehmen ; 
Alter wäre demnach die Masse des Nih- 
renden und der Raum für dieselbe, 
an ( anein,ane 4 ne, adv. immer während 
(Keichenbach), eigentlich: aneinander. 
Grimm Wörterb. 1, 318. — a n e v o 1 1, bis 
an den Rand voll. Breslau, Trebnitz. 
Angwt, st. f. die Ängster : die Angst ma- 
chenden schlimmen Kinder. 
Annen für Agenen, der Abfall von Flachs 
(Brechannen), die Spreu ; vgl. Grimm 
Wörterb. 1, 189. 
Antnn. Sehr viele Namen haben ihre 
Spottreime im Munde schlesiscber Kinder. 
Anton hat diesen: 
Anton sehmir a Bratwdn, 
sind a Licht An 
das* ma sahn kon, 
dass mer kinn zer Kerms fdrn. 



Apfel, Appel, st. m. Holzapfel: ich 
wollte, dass das junge Volk Holzapfel in 
dem Hindern hätte. A. Gryph. Säugamme. 
armKelier, adj. wenn ein Paar mit ver- 
schlungenen Armen geht, geht es arm- 
selig (Frankenstein). 
Aren, Acren, Amt, st. f. Ernte, ahd. 
aran,arn ; mhd.erne ; kuhlfind.Arn ; oblaus. 
Arne ; nd. Arn, Amt ; vgl. Schindler 1 , 1 18. 
— ären, schw. vb. ernten, einären, 
noch gebräuchlich. — In der Bedeutung 
pflügen bei Tzschoppe Stenzel Urkuu- 
densamml. 604: den ynnern gartin zol 
der hofeman eren. — ahd. arjan ; mhd. 
ern. Schindler 1, 97; Tobler 166. — 
amen, erarnen, schw. vb. ernten, 
erwerben. Logau Sinnged. n. 966. 
Arsch» m. Die kräftigen Redensarten, in 
denen dies Wort auftritt, dürfen hier 
eben so wenig verschwiegen werden, 
wie Grimm sie im deutschen Wörter- 
buche unterdrückte. Die euphemistische 
mache den Anfang: Setze dich hin, wo 
Anne Rosine Scholz sass , da sie Braut 
war; statt dieser A. R. Sch. ist „die 
Grossmutter 14 noch gewöhnlicher. — Halt 
die Fresse zum A. — Leck mich im A. und 
belss mich nicht. — Kannst mich schim- 
pfen wie du willst, nur schimpf mich nicht 
schwarz Arschloch ! — Gegenrede : Leck 
dirs ab, da wirds wieder weiss. — Zu be- 
merken ist, dass dem Adel vom Volkswitz 
ein schwarzer A. zugeschrieben wird. Dar- 
um kann der, der sein Gesäss beschmuzte, 
den Zurnf hören : du bist von Adel ! — 
Purgir dich, Teufel ! friss Flechtenmacher, 
sebeiss Siedeschneider, wische den Arsch 
an Feuermfiuerkehrer. A. Gryph. Horri- 
hilicribrif. — Du bist zu schlecht, als 
ilriss 111:111 dich in den A. steckte. Vgl. ich 
wolt mir im gsess nicht wünschen dein 
und wenn ich dich schon drinnen het, 
Ich dich heraus schütteln thet. J. Ayrer 
op. theatr. 2, 74. vorw. — Lauf zu, dass 
dir der A. nicht schimmelt! Auch nie- 
derd. Brem. Wörterb. 1,315.— ÄuLüder- 
lichen sagt man : es ist gut, dass dir 
der A. angewachsen ist, sonst hättest 
du ihn schon verloren. — Das hat den 
Winter im A., heisst es vom Wasser, das 
schwer siedet. — Wer Unglück hat, bricht 
den Finger im A. — Arschbecre: Brom- 
beere. — Arschklammer: Holzbirne, 
nach ihrer verstopfenden Wirkung. — 
Kaularsch, m. 1) gestuztes schwanz- 
loses Huhn. 2) die Froschbrut. Vgl. Kaule. 

— Leckarsch, m. der Letzte einer 
Reihe; bei den Kinderspielen, der zu- 
letzt ausgezählt wird. — Nackarsch, 
m. hei Scherffer Ged. 445 poetische 
Benennung Amors. — Taperarsch, 
m. tapriger , unhebilflicher Mensch. 

— irschlich, adv. verkehrt ; im 
schlesischen Munde ebenso unbefangen 
gebraucht wie bescheissen. — In den 



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- Bänke. 



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süddeutschen Dialekten firscbling. Vgl. 
auch Grimm Wörtern. 1, 567. 
As, Ost n. als Schimpfwort in Schlesien 
sehr beliebt, wie überhaupt in Mittel- 
deutschland. Ausser dem einfachen A. 
die Zusammensetzungen: Schindas, Scbin- 
deras, Sternas, Strangas. 

wie allgemein in den deutscheu Mund- 
arten für als. — a s ü, also ;a*suge*rne, so 
gern; echt schlesiscbe ausweichende Ant- 
wort auf neugierige Fragen. Vgl. Hol- 
teis Gedicht: Su gfirne. Schles. Ged. 74. 
LSCh, st. in. tiefe irdene Schüssel mit 
einem verspundeten Loch, vorzugsweise 
als Milcbbebilter gebraucht ; Milch- 
ä s ch e I , n. Vgl. Grimm Wörtern. 1,578. 



aetnehl Ausruf des Absehens und Ekels. 
Auch schwäb., frank., bess., wetterau- 
isch; im kämt, hetsch! Grimm Wörterb. 
1, 595. 

äussern, schw. vb. sich vor etwas äussern : 
ausser sich gerathen, erschrecken. 

nxtern, extern, schw.vb. quälen, bestür- 
men. — Das Wort geht von Schlesien 
bis in das Elsass, und am Rhein hinab 
nach Niedersachsen. Niederrheintsch tritt 
neben extern die Form exern auf. 

Atze, st. f. Lockspeise; vgl. Grimm, 
Wörterb. i, 595. — ata ein, schw.vb. 
wonach atseln: lüstern, gierig wo- 
nach sein, 
gebraucht. 



Über das schwankende Verhältniss von B und P vergleiche meine Dialektforschung S. 71. 



Habe, Btebe, st. f. Aschkuchen, Napf- 
kuchen. Grimm Wörterb. 1,1057. — Die 
Kinder machen die Bauen nach , indem 
sie Semmel in Kaffee brocken und die 
festgedrückte Masse aus der Tasse stür- 
zen ; vgl. die oberfälz. Baben. — Unter 
den Erklärungen des ursprünglich sla- 
wischen Wortes scheint die von Trojanski 
in seinem polnisch - deutschen Wörter- 
buche gegebene die annehmbarste, wo- 
nach das furchichte Gebäck aus Verglei- 
chung mit den braunen Runzeln eine! 
alten Weibes (baha) den Namen empfing. 
Kn husche, st. f. vermummtes Weibsbild. 
Alte Babusche. Aus dem Poln. babusia, 
altes Mütterchen, 
baffen, p a f f e n , schw. vb. die Lippen ge- 
räuschvoll bewegen : 1) den Tabakrauch 
mit Geschmatz ausstossen ; auch nd. ; 
2) schwatzen, keifen; 3) bellen, pa fz en, 
frequentat Nebenform. — G e p af z e, n. 
— mhd. belfelzeu. Weit verbreitetes, in 
fast allen Mundarten nachweisbares Wort, 
baehen, schw. vb., wie hd. 1) vpn Wirme 
durchziehen lassen , sich in der Sonne 
bihen, rösten. Figur!, die Wampe bähen: 
prügeln. Grimm 1, 1076.— Bähschnitte, 
st. f., 1) geröstete Rlhschnitte. 2) Fuss- 
tritt. „Ich aber werde ihr mit den Füssen 
vor den Hintern eine Bähschnitte nach der 
andern zuzählen." Stoppe Parnass 500. — 
In beiden Bedeutungen noch geläufig, 
backen, st. vb., seine sieben gebackenen 
Birnen nehmen: alle seine Habseligkei- 
ten zusammenraffen. — B a c k e, st. f. das 
Backen ; Obst auf die Backe schneiden, 
d. i. zum abhacken. G e b äc k e, n. 1) Back- 
werk; 2) die Menge des auf einmal Ge- 
backenen. Von einem weitläufigen Ver- 
wandten sagt man: er ist das kleine 
Brotel aus dem vierzehnten Gebäck e. 
balde, adv., 1) sogleich: nimm dir ha Ide 
Wagen; geh balde diese Gasse, 



dass du rascher hinkommst. V) zugleich : 
bringe balde Wasser mit , wenn du ein- 
mal gehst. Sie kann mit dem Briefe balde 
das Buch holen. 3) fast, beinahe: das 
Kind ist balde so schwer wie ein Grosses. 
Vgl. Grimm Wörterb. 1, 1083 f. 

balgen, schw. vb. drücken, kneten, knit- 
tern: das Tuch balgen, zusammen- 
balgen.— aerbalgen: zerdrücken, 
zerknittern. — Von balgen rixari ganz 
verschieden, verwandt mit walgen. Vgl. 
Grimm Wörterb. 1,1087. — nd. balgen: 
schlagen , so wie auch walken, das mit 
walgen eng zusammenhingt, schlagen, 
prügeln bedeutet. 

Baiser, Palzer, Pa Ister: Baltbasar. 
Ausser den von Grimm Wörterb. 1, 1005 
aufgeführten Engelbalzer, KlOkabaizer, 
Flennebalzer, ist hier die von Gomolke : 
»der Heller gilt am meisten, wo er ge- 
schlagen ist" (1734) erwähnte Redensart 
zu verzeichnen : „do sitzt a wie Plische- 
Baltzer." deren Beziehung mir dunkel 
bleibt. Im Engelbalzer bat sich König 
Balthasar zum Engel machen lassen ; in 
den übrigen Worten ist Balzer wie Bar- 
thei und andere Eigennumea allgemeine 
Benennung eines Mannes mit gering- 
schätzigem Nebensinne geworden. 

Bänke, st. f. Wollten auf beiden Bänken 
waschen: es mit keiner Seite verderben, 
Schweinichen bei Stenzel Script, rer. 
silesiac. 4, 53. — Die Bänke: die alten 
Kaufhallen der Gewerke , in denen die 
Zunftgenossen neben einander in ver- 
achliessbaren Abtheilungen feil hielten. 
In den schtesischen Städten kennt man 
noch Rrod- oder Semmelbinke, Fleisch- 
bänke, Schuhbänke. Das Haus oder wenn 
man will die Halle steht gewöhnlich in der 
Nähe des H»th Nauses, das nach schles ischer 
Sitte in die Mitte des Ringes (Marktes) 
gebaut ist Vgl. Stemel iu ». ürkunden- 



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Samml. für die Städte in Schlesien S. 192; 
Hüllmann, Städtewesen des Mittelalters 
1,304 ff.; Grimm Wörterb. 1, 1109. 

Barbara, in Grvphius Säugamme mit 
der Koseform Bische, aus poln. Basia. 
Die Barbaras gelten allgemein für brum- 
mig, daher wird auch die grosse Bass- 
geige „die grosse Barber" genannt. 
Wenn der Dudelsack werd broinma 
and die grusse Barber summa. 
Hoffmann schles. Volksl. 315 ; F. Ens 
Oppaland 3, 74. 

barbs, adj. zusammengezogen aus : harfuss. 

— barbsbeinig, pleon. Zusammensetzung, 
barmen« schw. rb. laut wehklagen , jam- 
mernd heulen ; von Menschen und Tote- 
ren gebraucht. Auch meissn., thüring. 
Vgl. Grimm Wörterb. 1, 1134. 

Bart, st. m. Zu erwähnen in der Bedeu- 
tung: Backen- und Rinnstreifen an den 
Hauben oder Kommoden. Vgl. Kommode. 

— Henneberg. Bartel : Mütze, Haube ; 
Pelzbartel. Rheinwald 1, 7. 

Bnrtfcel, Koseform von Bartholomäus; 
heute als Vorname im deutschen Schlesien 
nur selten in Brauch, im Polnischen häu- 
figer : Bartusz. — Ausser der verbreite- 
ten Redensart: wissen wo Bartbel .Most 
holt (Grimm Wörterb. 1, 1145) sind 
zu verzeichnen die Zusammensetzungen : 
Latschba rthel: sieh du Latschbar- 
thel, wie du dich betatscht hast. — 
Saubarthel, vgl. Sau. — Schmutz- 
barthel; Schussbarlhel: schus- 
liger, fahriger Mensch. — Trotzbar- 
th e l : Trotzkopf; glhste doch wie Trotx- 
barthel (Gomolke). — Es gilt hier über 
Barthel was über Balzer, Hans, Matz u. a. 
Bnstankarte, Baachtankarte, st f. die 
Tarokkarte, die gewöhnliche Spielkarte 
des schlesischen Bauers, gewöhnlicher 
als die deutsche oder Bichel-Karte. Statt 
der ursprünglichen 72 Karten zählt das 
Spiel nur 32. Die Namen der vier Arten 
lauten gut genug erhalten: Baschtno, 
Deonar, Kupe, Spade. Der König heisst 
das Re\ der Bube das Fantel. 
Baueh, st. m. Der Kinderreim nennt den 
Bauch Bauchsargla ; die Glieder wer- 
den darin so umschrieben oder benannt: 

Fussgängla, Bealängla, 

Knieknickla, Bendickla, 

Bauchsargla, Harzegriewla, Kinnla rund, 

Maulfrassla, Rotztaschla, 

Augaguckla, Starndla buch, LSusepiWh. 
Vgl. Fiedler, Volksreime und Volkslie- 
der aus Anhalt- Dessau, S. 24. Ein alter 
nicht gar feiner Scherz ist es, Elstern 
zu lehren, herantretende Mädchen mit 
Schwarzbauch zu begrüssen. Wen- 
zel Scherffer bezeuge dies in seinem Lei- 
chengedicht auf eine Elster des herzogt. 
Brieger Hofes: kam dann ein andres 
auch ans kelicht mir zu nah, so hiess es 
Schwarzbauch. Ged.694. — achlege- 



b 8 u c b i g, adj. mitschlagendem, vor Er- 
schöpfung zuckendem Leibe : wie wieder 
nach den awen gantz matt und hungrig 
sehn und schlegebäuchich ziehn. Opitz 
2, 43 (1629). — Vgl. schlehbauchig aus 
einer Wirzburg. Verord. bei Schindler 
1, 145; scblegbanvhen (vb.) ebd. 3,445 ; 
ad. slagbuken, Brem. Wörterb. 1, 157 ; 
bukslagen, Schütze 1, 170. 

bauchen, buchen, scbw.vb. 1) beim Blei- 
chen : die Wäsche eiubrühen (Reichen- 
bach), Grimm 1, 1166; 2) beim Strassen- 
bau : die Erdlage begiessen, welche über 
die oberste Kieslage geschüttet wird. 

Baude, st. f., 1) die hölzerne Krainbude 
oder Hütte ; Marktbaude. In den scblesi- 
schen Städten, z. B. Reichenbach, heissen 
Bauden im besondern die (steinernen) 
Häuser der Reicbkrämer, iu deren unter- 
stem , ursprünglich offenem oder lau- 
benartigem Geschosse die Verknufstische 
stehen. „Unter den Baudeu" bei den 
Reichkrämern. — Das 0 n u d e 1 : Laden 
der Vietualienhändler , der B ä u d 1 e r 
(Breslau). — 2) die Hütte der Hirten 
auf dem Riesengebirge , welche zum 
grösstentheil zugleich Herbergen für die 
Gebirgswanderer und Pascher geworden 
sind. Die meisten Bauden werden im 
Winter von ihren Bewohnern nicht ver- 
lassen, unterscheiden sich also hier- 
durch von den süddeutschen Sennhütten. 
Vgl. Grimm 1, 1169. 

Bäug-el, B ft g e I, st. n. (ßaug, Ring) ring- 
förmiges Gebäck, nd. Kringel, das nament- 
lich zu Lätare gebacken und an die 
„Sommerkinder" verlheilt wird. Auch 
ftsterr., bair. Schindler 1, 158. Vgl. 
Grimm 1, 1742, wo es statt unweit 
Röblitz heissen muss b e i Röblitz (in 
dessen handschriftlich im Frankensteiner 
Stadtarchive befindlichen Annales Fran- 
costenenses). 

ßauker, Beuker, st. m. Als Herzog 
Heinreich XL wieder in Liegnitz einzog, 
schnelles Volk: Gottlob, Gottlob I 
der Herr , so die ganze Stadt lustig 
macht, ist wieder kommen; es wird nun- 
mehro nicht so stille zugehen! Darvon 
dem Herzog Heinrich fast wollte der 
Name gegeben werden, dass man J. F. G. 
den Backer bieas. Schweinichen bei 
Stenzel Script. IV, 77. Erklärend steht 
bei B. Peucker, weiterbin (S. 99) heisst 
es : der Peucker kommt. — Wir haben 
also für Backer Banker zu lesen: Pau- 
kenschläger, Lärmmacher. 

Baum, Bim, st. ra. Die gebackenen Birnen 
werden scherzweise Baumkrebse ge- 
nannt. — Baumöl: ich bau dich, dass 
du B. sechst. Vgl. baumölen bei Grimm 
1, 1104 und Haupts Zeitschrift 8, 535. 

becaten, schw. vb., s. Bocht, Pocht. 

ßechtlinff, Bechtlich, st. m. Becher: 
„breng a flugs en Becbtlich guda Wein." 



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■ 



Bein 

Scbftnigs Gläzische Gedichte(Neisse 1842 ) 
S. 17. — Ableitung ron Becher, mit un- 
organisch eingeschobenem t? 
Bein, Ben, st. n. Wer hat die Beine ge- 
schränkt? fragt man, wenn plötzlich in 
einer Gesellschaft Stille eintritt. — Zu 
einem Hinkemlen : 

Du bist von Franksten, 
hast s kurz und a lang B«?n. 
(Reichenbach.) Die Stadt Frankenstein 
muM des Reimes wegen herhalten. — 
b einen , schw. Tb., ahd. beinan, beinon. 

— rerbeinen: mit Bein umkleiden, 
überhaupt umkleiden, verzieren: ein 
mächtiges Altar, verbeint von allen Sei- 
ten mit Hörnern. Opitz 2, 380 (1646).— 
beinern, b^nern, frequentat., die 
Beine rasch bewegen, rasch laufen. — 
beinig, adj. »c h I im |> b ä n ig: schief- 
oder krummbeinig; vgl. schlimm. 

Be>» Baer, st. m. männliches Schwein, 
Eber; in Schlesien brauchlich. l'ber da» 
etymologische vgl. Grimm 1, 1124, 1368. 
Vgl. auch Rennlaber, WeUaber. 

Bet, Baet, Bit, Biet, st. n. durch Fur- 
chen abgesonderter Ackertheil von fest- 
stehender Breite, daher als Flächenmass 
gebraucht. »Das ging fiber sieben Bete," 
beliebte Schilderung starken Durchfalls. 

— Die Schullehrer, die Förster, die Ar- 
beiter auf den herrschaftlichen Höfen 
erhalten so nnd so viel Bete Kartoffeln, 
Rüben u. dgl. als Deputat von der Ge- 
meine oder dem Dominium. Die Stellen, 
welche Grimm Wörterb. 1 , 1245 , aus 
Schweinichen zweifelnd anführt, sind 
ganz richtig. 

Bettriese, schw. m. bettlagriger Kranker. 
, Ach wer wollt — 

eines bis zum Tode kranken 
Bettriesen liebes Bräutlein sein? 
Scherffer Ged. 503. — ahd. bettiriso ; mhd. 
betterise. Das Wort dauerte nach uns- 
rer Stelle im 17. Jahrhunderte noch 
fort. Vgl. Grimm Wörterb. 1, 1738. 

Beutel, st. m. Der Sinn der Dorfnamen 
Fegeheutel bei Striegau, Leerbeu- 
tel bei Breslau, Zehr beutet bei Sa- 
ga n ist zu scharf, als dass man in ihnen 
Entstellungen und ein ursprüngliches 
Bätel: Hans, Wohnung (vgl. Wolfen- 
büttel u. a. — ags. hotl Haus, bjtljan 
bauen) annehmen dürfte. Niederdeutsch 
kommt Fegebüel mehrfach als Name von 
Wirthshäusern vor ; auch an den bremi- 
schen Flecken Fegesack ist zu denken. 

Bier würde in einer schlesischen Cultur- 
geschicbte keine geringe Stelle einneh- 
men. Schon 1224 lässt sich urkundlich 
Hopfenbau in Schlesien nachweisen (Sten- 
zel, Geschichte Schlesiens 1, 301 f.) und 
Weizen und Gerste gab das Land genug. 

- Die Städte erhielten von den Fürsten das 
Birschenkammecht und das B I e r- 
schrotammeebt sammt dem B i e r- 



— BIM. 9 

karren (officium seu conductus vini 
et eerevisiae. Stemel in der Urkunden- 
samml. für die Gesch. d. Städte 196). 
In den Rathskellern sehenklen sie tbeils 
das eigene von den brauberechtigten 
Bürgern gebraute Bier, tbeils fremdes, 
unter welchem das Schweidnitzer früh 
die erste Stelle erlangte. In dem Streite 
der Stadt Breslau mit Georg Podiebrad 
wurde den Breslauern die Zufuhr des 
Schweidnitzer Bieres abgebrochen : dar- 
umb grosser leid entstund denn so sie 
betten an ihren leiben soln leiden. Es 
thet wehe schweiduitzisch bieres zu dar- 
ben ; darumb die gemeinen leute zu diser 
zeit nicht heten geachtet wer künig were 
gewest, nur dass sie schweiduitzisch hier 
beten mügen haben und frieden ge- 
brauchen. Eschenloer 2, 213 (1470). 
Schweidnitzer Keller heisst noch heute 
der grosse Rathskeller in Breslau. Das 
Striegauer Bier, ein Nachbar des Schweid- 
nitzer, war dagegen in schlechtem Rufe: 
striegnisch Bier ist trübe wie eine Lehm- 
jauche. Frisch 1, 325. Als Biertrinker 
waren die Schlesier unter solchen Um- 
ständen auch in der Ferne bekannt. Im 
fünften Gedicht Philanders von Sitte- 
wald heisst es in einer Priamel : 
Holländer die keinen Butter essen, 

Flimming die Eyerspeiss vergessen, 

Ein Sachs der nicht gern Bier mit sauffet. 
Ein Hess der nicht gern beutben laufet. 
Ein Böhm ohne Gepscbe Karva matir, 
Schlesier der nicht tranck waitzenbier, — 
Schneeweissen Mohr und schwartze Zahn 
Auf Erden man nicht bald wird sehn. 
Aüsg. von 1650, II, 447. — Weissbier, 
Braunbier, Fassbier, Bitterbier, Doppel- 
bier, Märzbier sind die gewöhnlichen 
einheimischen Arten. Von dem Zeichen- 
ausslecken bei den schankberechtigten 
Häusern schreiben sich einige Redens- 
arten her: 

ob nicht das Hemd ihm zum Kaffer 
aushenckt? 

ob er beyn Knien nicht bitter bier 
sobenckt? 
W. Scherffer Ged. 410. — Heute sagt man 
von denen , welchen das Hemd zn den 
Hosen heraushängt , sie schenken 
Weissbier. — Biersuppe, aus Bier, 
Milch und Eiern mit Rosinen und ge- 
würfeltem Brod bestehend , ist die ge- 
wöhnliche Kindtaufsupue , daher auch 
Kindelsuppe genannt. 
Bild« st. n. Herauszuheben ist die Bedeu- 
tung Heiligenbild. Ausser in den Capellen 
sind die „Bilder" wie in allen katholi- 
schen Gegenden auch an den Bäumen 
und an Stöcken auf Strassen und Feld- 
marken befestigt. Am reichsten daran 
ist die Grafschaft Glaz und Ober- 
schlesien sammt dem Fürstenthum Mün- 
sterberg , was mit den confessionellen 



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I 



10 



RH weisse — blinzen. 



Verhältnissen zusammenhängt. — Von 
der Austheilung kleiner Heiligenbilder an 
fleissige und fromme Kinder durch die 
Geistlichen kommt die Redensart: er 
will sich ein Bildel verdienen; 
gleichbedeutend ist: sich ein Bildel 
einlegen; vgl. das ironische: der 
hat e Bildl kriegt, bei Schroetter 1, 171. 
— Ein rechtes Bild: Schelte für unan- 
genehme und hSssliche Leute, herge- 
nommen wahrscheinlich von den Bild- 
werken an Häusern und Strassen. Bil- 
der heissen auch die kleinen Pfeffer- 
kuchen in Gestalt von Mensehen, Thie- 
ren, Häusern u.dgl., worin die ursprüng- 
liche Bedeutung des Wortes als Bild- 
werk hervortritt. Vgl. Grimm Wb. 2, 0. 

Bilweisse, st. f. Hexe. Grimm Mytho- 
logie 441 ff. — Die de sprechen, iche 
wer gor eine Bülewesse, se thun 
ober unrecht; unde wem schods 
ichs gleich were? wan kimmerts, wenn 
ich a wing weishexen kinte ? A. Grvph. 
gel. Dornrose. 48. — Swor am Walpur- 
gisobende geschaht!, wenn de Pülewesen 
osfaren. ebd. 51. — Du Pileweissin ! 
A. Grypb. Horribilicr. 828. Im 16. Jahrh. 
wurden nachschlesischen Kroniken mehr- 
fach Frauen als Bilweissen hingerichtet: 
Hoffmann, Monatschrift für und von 
Schlesien 247, 702. P ü I e w e s e r : ein 
minnlicher Bilweiss. Se han dich verbrand 
asse wenn de e Piilewesser werst. A.Grvph. 
gel. Dornr. 10. Berndt in seinem schles. 
Idiotikon führt Pülwesse noch als schle- 
sisch auf; auch sollen nach ihm kleine 
ums Licht schwärmende graue Insecten 
Pülwesen oder Wettermändel heissen. 

Bimss, m. die Bimsse plur., in gemei- 
ner Rede die Brüste. 

biinssen, schw. vb. durchprügeln. Da 
als Nebenform zu dem gleichbedeutenden 
wamssen ein bamssen erscheint, könnte 
man bimss en als Ablautverb, hierzu neh- 
men. Besser dentet man aber birassen 
durch: mit ßimstein (bimez) streichen, 
überhaupt streichen. Vgl. Grimm 2, 30. 

Bindebrief, st. m. Glückwunschschrei- 
ben: Schert* und Bindebrief im Namen 
einer Frauen gesetzt als sie einen fiir- 
nebrnen Obriaten zu seinem Namenstage 
1639 beschankte. Scherffer Ged. 253. — 
Vgl. Grimm über schenken und geben 
und Wörtb. 2, 31. 

Binder heissen die Thiere, welche einen 
andersfarbigen Streifen rings um den 
Leib haben. 

Bise, st. f. Schnur oder Saite, in wel- 
cher das Spinnrad lauft. Auch nord- 
böhmiseb. — Das Wort scheint zunächst 
von bisen : rennen , laufen , abzuleiten, 
welches den deutschen Sprachen eben- 
sogut wie den slawischen gehört; in- 
dessen mag es begründeter sein, Bise 
als mitteld. Form für Binse zu nehmen 



(Fundgrub. 1, 360 ; Athia II, 15 ; nl. bies, 
nd. bese); ebenfalls für die Spinnrad- 
schnur ist nämlich Sende gebraucht, daa 
ursprünglich ebenso Binse bedeutet. Vgl. 
Sende. 

Bitsehole, Bitschaele : Pistole. Mit baud- 
büchsen und bizschälen, die in die feinde 
schussen. Eschenloer 1, 109. Der bischof 
brachte vier haufnitzen, die von Bressla 
achte und eine schone viertelbuchsen 
und sonst vil hakenbuchsen und bit- 
acholn und zwene Streitwagen, ebd. 2, 34. 

blachendern, piachen dem, sehw. vb. 
wehen, blasen: der Wind plachendert 
einen fort, Nördl. Niederschlesien. — 
Ableitung von blähen , ahd. blajan ; die 
Bildung wie in kasohamlt rn, Lahander; 
vgl. auch bliihendig: aufgeblasen, Grimm 
Wörterb. 2, 62 ; oblaus. plechern : Wind 
machen. Anton, Verzeichniss oberlau- 
sitz. Worte 3, 7. 

blank, adj. wie hochd. glänzend, auch 
von Thieren gebraucht : er brüllt wie 
ein blankes Leu (Jauer). 

blasen, st. vb., wie hd. Sprichwort: wer 
Geld hat, lässt blasen. — Ich werde dir 
was blasen, d. i. aufspielen: es wird 
nichts daraus. — B I a s e , sL f. 1) wie hd. 
2) Haufen, das zusammengeblasene, zu- 
sammengewehte: eine Blase Leute. — 
Nimm die ganze Blase: alles was da ist. 

Matschen, adj.,führt die Kernkronik 2, 720 
mit der Bedeutung furchtsam, schüch- 
tern auf. Es scheint mit dem ahd. mhd. 
bliic, Schweiz, blug, schwäb. blaug, die 
gleiches bedeuten , verwandt und aus 
blaugsam entstellt, vgl. schwed. blygsam. 

Blech, st. n. 1) wie hd. 2) Futtersaum 
der Frauenkleider. Vgl. Schindler 1,234. 
ßenecke-Müller 1, 203. — In der alten 
Redensart: einem ein Blech anschlagen = 
ihn verlästern , hat Blech auch die Be- 
deutung : Zeugstreifen ; sie bedeutet also 
eigentlich: einem unvermerkt einen Zeug- 
fleck zum Spott anheften. Vgl. das gleiche : 
einem ein spett anhenken, und Zarncke 
zu Brants Narrenschiff 21, 5. 

bleiben, st. vb. Bleib in Gotts Namen 1 
der gewöhuliche Abschiedsgruss. 

Bleramer, st. m. grosse türkische Bohne, 
dann überhaupt alles ungewöhnlich 
grosse , z. B. grosse Nelke. Kinder- 
sprache. — Vgl. ßlemme bei Grimm, 
Wörterb. 2, 103. 

blinzen, plinzen, schw.vb. wie hd. Grimm 
2, 128. In den Versteckspielen „plinzt" 
ein Kind, während sich die andern ver- 
bergen. — p I i n z n ig (nd. Form) blin- 
zend, mit geschlossenen Augen. Das lind 
ich plinznig. — Hüner plin z, m., den 
H. haben: wie blind an etwas offen 
Daliegendem vorübergehen. — Merkwür- 
dig erscheint neben diesen mit bl an- 
lautenden Formen , die auf ' 
die Form Unzen w. z. s. 



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blosslgr — bracken. 



11 



blofsslg'. bltWi«*, adj. nur, kaum ; in Schle- 
sien noch sehr gebraucht. Grimm 2, 151. 

Bloster, PIAster, st. n. fürBlAster: bla- 
sige Haut, die sich über Geschwüren, 
ebenso über der Milch bildet. — P I «1 s t e I, 
auch Ploster , Haut Aber dem Auge. — 
ploestern, plustern,' schw. vb. 
blasen, wehen. Der Wind plestert das 
Zimmer ans. Figürl. einen ausplestern: 
ihn fortjagen. — mhd. Mistern ; Schweiz, 
hlöstern, blasen ; einbldstern, einblasen, 
vorsagen. Stalder 1, 182. 

blühen, schw. Tb. recht reine Wische 
blüht, ist blüthenweiss. — Das Mädel 
blüht nur so: ist höchst sauber geklei- 
det. — Mir blüht etwas: droht ein Leid. 
Bei ausgelassener Lustigkeit wird die Erin- 
nerung an künftige Traurigkeit zugeru- 
fen: der Knobloch bläht, er will Häup- 
tel (Heitel) tragen. — Das Feuer hat 
schon geblüht: mit Ausbruch gedroht. 
— Vgl. Grimm 2, 156. 

Boblatsche, f., 1) Altan, hölzerner Gang 
am obern Stockwerk (böhmische Grenze), 
böhm. pawlacz. In den östlichen Mund- 
arten, aber auch am Rhein erscheinend. 
Schindler 1, 275. 2) Hütte, Bude (all- 
gemein schlesisch). 

Borht, Pöcht, st. n. 1 ) Das unterste vom 
Düngerstroh ; mhd. baht Sinus stercus ; 
2) schlechtes BetUtroh, überhaupt La- 
ger, Bett. — Bs schmeisst mit Pochte: 
es schneit (Charlottenbrunn) ; wie das 
schneien sonst durch dag Federschütteln 
der Holle erklärt wird , so hier durch 
das aufschütteln des Bettstrohs. 3) Ge- 
ineines Volk. — Pöchtrich, Poicht- 
r i cb, m. Keri aus dem Pochte : gemeiner 
schmutziger Mensch. — Vgl. über die- 
ses vorzugsweise mitteldeutsche Wort 
Grimm 2, 201. Oberlaus, obersichs. hat 
es die Form Bucht, Pucht zumTheil durch 
Missverständniss angenommen. Schweizer, 
ist es in Bacht Pfütze, Bächt Auskericht 
erhalten. Stalder 1, 123. — böchten, 
p echten, pechen, schw. vb. das 
Futter herumwerfen, zu Pocht machen; 
in gleichem Sinne verpachten. — 
zerpechten: Gras oder andere Ge- 
wächse zertreten. — herumpechen: 
umherlaufen, mit dem Begriffe des zer- 
störenden und schmutzigen. — Anch 
obertausitzisch. Ebenso war das Wort in 
Hessen üblich , wie eiue Stelle bei Burk. 
Waldis (Grimm, Wörterb. 1, 1215) 
beweisL Dies mittetd. Wort ist von dein 
alemannischen hechten (Grimm a. a. O.) 
völlig zu treunen ; dieses heisst den 
Berchtentag begehn , bachari, furari ; 
unser Wort gehört zu bAht. — Den 
Spruch bei Agrikola Sprichwort. 238b: 
„fahe viel an , becht lützel" deute ich : 
fang viel an, verdirb wenig. 

Bock, Buck, Bök, st. m. häufig in Schel- 
ten : H o I z b o c k , wildes störrische« Kind ; 



Lodenbock, Zutkenbock: Mensch 
mit langem zottigem Haar; Lumpen- 
bock; Meckerbock, Stotterer; 
Hörnerbock; Schielbock, schiel- 
äugiger Mensch. — bocken, schw. vb. 
wie ein Rock stossen. wild spielen. Ebenso 
das Frequentat. böckern, bockern. 

— böckig, wilderböckig: wild. — 
bockinzen: bockig riechen. Zu der 
Bildung — inzen vgl. Dialektforsch. 100. 

Boraten, Birnen, Bim, m. im preussi- 
schen Schlesien und der Lausitz Name des 
Silbergroschens, d. i. 12 preuss. Pfen- 
nige; im nördlichen Böhmen Benennung 
des Groschen Schein (3 Kreuzer W. W.). 
In Polen gilt der Böhmen (czeski) so 
viel wie in Schlesien, nämlich sechs poln. 
Groschen =• 12 Pfennige. Gomolkehat den 
säubern Spruch : schess Zesky , bess Pien- 
tocki. — Zweibömer, Fünfhömer, Zehn- 
bömer = 2, 5. 10 Silbergroschen. — Die 
böhmischen Groschen, die seit der Mitte 
des 14. Jahrb. eine sehr verbreitete Münze 
waren, haben begreiflich im Laufe der 
Zeiten ihren Werth vielfach geändert. 
Ursprünglich gingen 60 auf eine feine 
Mark. 

Bor^r, st. m., männliches Schwein , ahd. 
mhd. bare, bareb. Auch österr., kärntn., 
fränk., Westerwald. — nrhein. Bürg, 
Berch; nd. Barg, Boren; nl. Barg, Berg; 
meistens mit der Bedeutung : verschnitt- 
ner Eber, lat. porens. Wenn es einem 
Kinde anfstösst, so wird der Spruch ge- 
sagt : Prosit, mein Schwein ! was macht 
der Bork ? sind die Ferkel noch gesund ? — 
„Ja, ich wünschte dass mein Schwein 
ein sittes Ferkel möchte sein." 

Borate, st. f., übertragen auf ein starres 
widerstrebendes Kind. — börstlich, 
adj. starr, widerspenstig. — wider- 
hör s tl i c h , dasselbe. 

bocse, btsft, adj. 1) in alter Bedeutung: 
gering, schlecht. Namentlich : böses Geld. 
Wie ein böses Gröscbel bekannt sein: 
allgemein gekannt sein. — Er wird in 
seiner Stadt wie böse Geld bekandt. 
Günther 504. 2) erbost, zornig. Appen- 
zell, böse: leidenschaftlich, Tobler 70*. 
8cherzspruch zu einem, der böse ist : 
Biste btse ? — gih uff Schulses Wise, 
findst an Ala Hütt, werste wider gutt ; 
lindst an ala Tracha, muste wieder lacha. 
B ö s t, B A s t, f. Bosheit, Zorn.— b ö s t i g, 
bustig: zornig, vgl. Schmeller 1,210. 

Bottich, Büttich, Pitch, st. m. Leib, 
Bauch, namentlich von Vieh (Liegnitz). 

— De Gevattarn hatta sieb befrassa, dass 
a der Bittich hätte zerspring» miga. Stoppe, 
Parnass 512. — Pittich auch als Schelte: 
Mer Pittch I — ahd. botah, mhd. botech. 
Schmeller 1, 224. Anton 1, 8. 

brafreln, vgl. pragein. 
bracken, schw. vb. aussuchen, ausmer- 
zen; Fische aus dem Netze, Schafe aus 



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1 

I 



12 brauten 

der Herde wählen , um sie auszustossen. 

— Brackschafe, die schlechten aus- 
gestossenen Schafe. — Gebrncke. n. 
Ausschuss, Auswurf. Sis ok sittes Ge- 
bracke : schlechtes Volk. — nd. brak : 
gering, schlecht, von Sachen ; braken, 
die Waareo durchmustern. Frisch i, 124, 

— Bei Diefeubacb, goth. Wörterb. 
1, 235, allerlei verwandtes. Verwand- 
schaft mit brechen ist deutlich : braken, das 
Schlechte ausbrechen; brak, das Brech- 
hafte, Gebrechliche, das Breclienswerthe. 

brauten, schw. vb. zur Braut machen, 
verheiraten : 

nicht wunder ists, dass stets die Briefe 

lauten 

an Venus nur wenn Jungfern seyn zu 

brauten. 

ScherfferGed.398. mhd.briuten ; lS.Jahrh. 
brauten. 

brechen, st. vb. So Hessen sie es auch 
gehn wie es wolle und könne , denn 
J. F. G. der Herr bischolT sähe wol dass 
ein berr krüge, der andre tüpffe brach. 
Scbweinichen bei Stenzel Script. 4, 56. — 
Vgl. Fastnacht*». 166, 25 : prich ich hafen 
so brichst du krüg, uud die Nachwei- 
sungen Zarnckes zum Narrensch. 33, 7. 

breiten, brüten, ptc. gebrett, gebritt: 
vermögen, im Stande sein : ich habs nich 
gebrett, war es nicht im Stande, konnte 
die Arbeit nicht zu Ende bringen, war 
ihr nicht gewachsen. — einen breiten : 
ihn überwinden, namentl. im Ringkampfe. 
An breiten , breit machen, ist schwer- 
lich bei diesem Worte zu denken. Es 
bietet sich namentl. für die Bedeutung 
vermögen zunächst bereiten; indessen 
eine derartige Zusammenziehung des 
Praefix be ist unschlesisch. Das b muss 
zum Stamme gehören; ich vermuthe in 
unserm Worte das ahd. brettin, caedere. 
Die Bedeutung: im Kampfe fällen, hin- 
strecken , wäre also die erste, und die: 
eine Arbeit überwinden, durchführen, 
die abgeleitete. 

Bremmel* B r e m m e r, st. m. Zuchtstier ; 
auch Bremmerochs e. — ahd. breman : 
fremere, rngire ; mhd. brimmeu. — Auch 
Brummerbeutel heisst der Stier. Die 
Kinder rufen ihm beim Austreiben zu : 
Brummerbeutel, Vesperläutel ! (Falk en- 
berg). 

brensten, schw. vb., quälen, peinigen 

(.lauer). Schmid schwäb. Wörterb. 96 

prensen, drücken ; auch nd. 
brenzlfch, p r i n z I i c h t, adj. brandig ; es 

riecht prenzlicht. mhd. bremzelich. — 

prinzelinzig, ebenso. 

Herr Rreutigam, von Zeit du dich hast in 
den Orden 

des Ehslands eingelobt, bist printzeliutzig 
worden, 

von dar fiel dir die Gunst bevn Jungfern 
gants und gar. 



— brfihea. 

Scberffer Ged. 659. — Bei Ayrer, op. 
theatr. II, 127 ein Hauptwort Prinsel: 
also stinckts nach feur und prinssel. — 
Bair.brinzeln, prünseln, Schneller 1,264; 
westerw.brensen, brenseln, -ern, Schmidt 
36: schweizer., Schwab., fränk. bränteln. 
Tobler 75; Rheinw. 1, 15. 

brenen, schw. vb. mhd. briuwen; die 
unumgelautete Form ist schlcsisch nicht 
üblich, gleich wie im oberd. — Die über- 
getragene Bedeutung: etwas anstiften, 
bereiten, die mhd. und später sehr häu- 
fig ist, gilt auch schlesisch noch. Der 
Breuer erhält gleich dem Fleischer 
und Müller vorzugsweise den Ehrentitel 
Meister ; seine Frau die Meistern. 

Brief, st. m. Wie im bairischen (Schind- 
ler 1,254) und kärntischen heisst auch 
in Schlesien jedes Stück Papier, bunt 
oder weiss, das in Briefform gefaltet ist, 
Brief. Ein Brief Haar- oder Stecknadeln. 
Auch die Kartenblätter beissen Briefe, 
nach dem alten Gebrauche, mit Bildern 
bedruckte einzelne Blätter so zu neunen ; 
daher in der Gaunersprache briefen : 
Kartenspielen. Das bunte Papier, das um 
den Flachs auf dem Rocken gesteckt 
wird, heisst ebenfalls Brief, wie im We- 
sterwalde, Schmidt 164. Zum Unter- 
schiede von diesen Briefen heisst eine 
wirkliche Epistel Schreibebrief. 

Brickel, mit vortretendem Nasal Brin- 
ke! , st. n. Bröcklein, Brosamen. Sprich- 
wort : Brinkel machen Brod. — A brin- 
kel : ein bissei, ein wenig. Biste mer a 
brinkel gutt? — Lot mich a brinkel der- 
niedersilzeo. — brinkein, brickel n, 
schw. vb. in Brocken bestehen, zu Bro- 
cken werden. Es brinkelt : schneiet in 
kleinen Flocken. — Smag sich nu so 
lange brinkein ass wil , sagt Pilaumen- 
tuffel bei Stoppe, Parnasa 508, als er 
vergebens nach dem rechten Worte 
sucht. — Auch schwäbisch: brickeln. 

Brltschke, f. offener leichter Wagen; 
poln. bryezka. 

Brut» Brut, st. n. Das liebe Brot stets 
genannt. — Fersenbrotel geben : 
auf die Fersen treten. — Brotraffe, 
f. der Mund; kärntn. Brotlade. — hab 
ihr auch wol die Brodraffe zerdroschen. 
Scherffer Ged. 412. 

Ge-bruch, st. m., wie das einfache mhd. 
| bruch, Gebrechen: 

an dem gründe wol zu herachen, 
' ist bei ihm fast kein gebruch. 
I<ogau n. 2141. 

Bruch, st. f. mhd. bruoch, Hosen, braccae. 
Logau ii. 763, 1573. Wenig Tuch, kurtze 
Bruch. Abschatz, Sprichwörter. — Sie 
meinen dass Ihr todos los diabolos in der 
Vorbruch wie die Schweitzer in dem 
Hosenlatz traget. A. Gryph. Horribilicrib. 

brühen« schw. vb. intrans., brennen; das 
Feuer brüht; in der Wünschelburger 



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Brücke — Ditrm. 13 



Gegend noch durchgehend» gebraucht. 
Auch indem Hirtenliede aus Reichenbach : 
Brie Feieria brie! 
Mer hitta garne de K!e, 
Mer hitta garne de faula Ziega, 
Dau mer mlga beim Feieria liega, 
Brie Feieria brie! 
verbrühen, intr. verbrennen. Spruch : 
die Zeit rergiht, daa Licht verbriht, und 
das Weib stirbt noch nicht! ursprünglich 
einem Manne, der bei seinem sterbenden 
Weibe sass, zugeschrieben (Reichenbach). 
Brücke* »t. f. Brücke bauen, coire. Vgl. 
Fischart Gargantua (1590) c. 144: und 
spielten der faulen brücken und des 
thiers mit zweien rucken, 
brunzen, schw. vb. mejere; anzunehmen 
in sich begrunzen für bebranzen ; vgl. 
grunzen. 

Buhn, m., Schreckgespenst der Kinder. 
Sihste den Bubu ? — Bis stille, suste 
kimmt der Bubu. — poln. böhm. bubu, 
bobo, wozu Grimm, Wörterb. 2, 199, 
den Wauwau vergleicht. — nd. Bumann. 

Rufe für Bube, bei Eschenloer durchgän- 
gig , namentlich wie Bube für die Tross- 
knecbte ; aber auch für die Stegreif- 
ritter (1, 173). — Frisch 1, 149. 

Bukneten, die grossen Brote, welche den 
Hofegärtnern und andern Arbeitern auf 
dem Dominium als Theil des Luhnes ge- 
geben werden (Trachenberg). In der 
Geschichte des Herzogs Hans von Sagan 
von Mart. Kyntsch von Zobten (Stemel 
Script. IV, 14) heisst es: „da Hessen sie 
uns geben ein halb schock bachnitzen und 
zwe kannen mit bier." Cureus deutet : 
parvi panes aulici , Rite! übersetzt : 
kleine Hofebrote. Stenzel sagt a. a. U. : 
Puchnitenbrot sei in Schlesien nicht un- 
bekannt gewesen als das Brot, das aus 
den Resten des Teiges gebacken und 
an das Gesinde und die Armen gegeben 
wurde. 

Büne, Wü n e , st. f. Öffnung im Eise, für 
die Fische hauptsächlich gemacht. Auch 
oblaus. — Schweiz., schwäb. Wohne ; 
schwSb. auch Wule, Wuher. Scherz 2065 ; 



Frisch 2, 458 ; Stalder 2, 456 ; Scbmid 537. 
— Das Schweiz. Bühne (Stalder 1, 240) 
bedeutet Vertiefung in Metall , was das 
Vocab. von 1482 zu Wune verzeichnet. 
Büne, st. f. hölzerne Gallerie am oberen 
Stockwerke der Bauernhäuser ; sie ver- 
schwinden immer mehr. — Hühner- 
büne: Verschlag im Hause für die 
Hühner. 

Bunzel, tn. Stadt Bunzlau am Bober, heute 
weit mehr durch ihr treffliches Töpfer- 
geschirr als durch ihren Sohn Martin 
Opitz berühmt. Mit dem Bunzel- 
g eschirr wird ein bedeutender Han- 
del getrieben. Bunzeltippel, Buuz- 
lauer Topf. Bunzlich, puntsc ti- 
li cht, adj. von Bunzlau, namentlich 
bezüglich der Geschirre. 

Bunzel, P u n z e I , st. n. vul va ; Diminut. 
zu Bunz, das eins ist mit bair. Punz, 
Punzen, Panz : GefSss, Fass, dann über- 
tragen: Leib, BrusL Schmeller 1, 288. 

Busch, Pusch, st. m., bezeichnet sowohl 
Nadel- als Laubholz; Wald uud Holz 
(silva) werden ersteres selten, letzteres 
gar nicht gebraucht. Einfluss des slaw. 
bor liegt nahe. — Büschel, Pischel, n. 
Wildchen. — Fusenich t,n. Gebüsch, 
bei Scherffer Ged. 47. — Die Busch- 
wei b e r I e (Püschweberlan), Holz Weib- 
chen , bekannte mythische Waldwesen. 
Wenn das Gewölk am Gebirge reisst und 
die einzelnen Wolkenstreifon an den 
Bergen aufsteigen, heisst es : die Busch- 
weibel ziehen heim. — üeber das Busch- 
weib s. meine Frauen im Mittelalter 
S. 27. — Büschel, m. kleiner Busch 
oder Strauss, weniger von Blumen, wofür 
Riechel oder l'ukätel , als für Federn, 
Haare u. dgl. — Er hdt cm an ganzen 
Pischel Höre ausgerauft. — Lause- 
pusch , die Kopfhaare. 

Buttner, in. Bötticher , Fassbinder. — 
Spruch an ihn : 

Meister Büttner, buin bum bum, 
schlügt die alten Weiber krumm, 
schlag sie wieder grade. 



D. 

Über das Verhältniss zu T vergleiche meine Dialektforschung S. 75. 



Dnda, dfida, Lockruf der Hunde; daher 
in der Kindersprache Benennung des 
Hundes. Vgl. Schmeller t, 347. 

Dank, st. m. Der gewöhnliche Gruss der 
Landleute ist: Gott grüss dich! Der 
(ieg^ngrass : Schönen Dank! — Scherz- 
hafte Verdrehung des: ich danke schön, 
ist: „ich tanze schön und dreh mich 
hSsslich um.« — Eltern, welche durch 
die Geburt eines Kindes erfreut sind, 
lassen dafür von der Kanzel ab dün- 



ken. Bei Leichenbegängnissen dankt 
nach der Versenkung der Leichenbitter 
den geladenen Begleitern im Namen der 
Leidtragenden ab. Vgl. Grimm Wörterb. 
1, 19; Schindler 1, 383. 

Daniel, Danneil, Dan heil, mit dem 
Scherzreim : hat gebackne Birnen feil. 

Banst, st. m. Dunst. — d a n s t i g , adj. 
dunstig. Vgl. Dialektforsch. 91. 

Darm, st. m. als Schimpfwort beliebt, 
besonders für lüderliche Menschen. Eine 



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u 



Untersuchung der germanischen 
ten, die viele und bedeutende Ergebnisse 
liefern würde, bat die geläufige Verwen- 
dung- von Benennungen der Kör per Iii eile 
als Schimpfworte auszuführen. Auster 
dem einfachen Darm kommen schlesisch 
als Schelten ror: Laaterdarm: L. 
von eim Menachen der de bist ! — 
Schlitzkendarm. Im mnl. wurde 
trijpaac, Darmsack, auch ala Schimpf- 
wort gebraucht, vgl. Horae belg. VI, 
121, 259. — Schroeller 1, 396; SUIder 
1,267; Schütze 1,207. 
Darre, st. f. 1) Ausdörrende, abzehrende 
Krankheit: darumb ist in dieser Stadt 
(Freistadt) die Phthisis, die Darre oder 
Schwindsucht, eine erbliche und gar 
gemeine Kranckheit. Cureus-RäUl ( 1607) 
S. 304. — 2) Der von ihr behaftete 
Mensch; daa abgezehrte Thier. Das Wort 
in dieser Bedeutung tat als Schimpfwort 
geläufig : 

denkste denn, du Darre ! dass ich auf 

dich harre ? 
so ein KerleJ wie du bist, wichst auf 
unsertu Pferdemist. 
Hoflmanns scbles. Volksl. 95. — Zusam- 
mensetzungen: Saudarre; Schin- 
derdarre. 

achw. rb. 1) intr. finster wer- 
j, wie hd. — ahd. timbaren, demar 
crepusculum. Im Besondern a) trübe 
sein, dunstig sein ; es demmert heute, ist 
demmrigi die Aussicht ist nicht klar ; 
— b) voll Bauch sein, namentlich voll 
Tabak rauch. 2) trans. Düna 
machen: starke Tabakraucher 
Vgl. Rhein wald 1, 18. 
denken, schw. vb., zu erwähnen in der Be- 
deutung: dafürhalten, hoffen ; gewöhn- 
lich allgemein : man denkt, dass es hübsch 
bleiben wird, dass er noch gesund wer- 
den kann; — unpersönlich: es denkt 
mich: ich denke daran; so lange michs 
denkt : so lange ich denken kann. Es 
denkt mich noch ein spil. Logau n. 84. — 
bair. es denkt mir. Schindler 1, 383. — 
gedenken: 1) bei sich denken: da ge- 
denk ich mir wie 2) sich erinnern: 

man kanns ihm (sich) gar nicht geden- 
ken; — unpersönl. es gedenkt mich. — 
Es stirbt kein Mensch so jung, den nicht 
ein Fall gedenkt. Günther 834. — ver- 
denken: in Verdacht nehmen ; vgl. 
Benecke-Müller 1, 349; verdenkt den 
Geist nicht mehr der ganz sich euch ver- 
plticht. A.Gryph. schwärm. Schäf. 667. — 
Darum wer mich verdenkt, den aoll der 
Henker hohlen. Günther 375. — ver- 
dacht 1) in Verdacht genommen, ver- 
dächtig: warum werd ich verdacht? 
A. Crypb. Carl Stuard 4, 187. Der Welt 
nur bin ich gram, die Erd ist mir ver- 
dacht, ebd. 5, 228 ; 2) in Gedanken ver- 
senkt, bestürzt : diese Stück sieht selt- 



sam aus und macht mich ganz verdacht. 
A. Gryph. Stuard 1, 179. — rahd. verdaht. 
derffeln, schw. vb. rollen, wilzen , na- 
mentl. zwischen den Fingern rollen; 
überhaupt herumrollen, herumwischen. 

— Ursprünglich s dwergeln , quer gel n 

W. Z. 8. 

deuehen, schw. vb. rasch laufen, rennen 

(Reichenbach. Zofaten). — Vgl. mhd. 
(liuhen, ahd. tuht impetus. — Schweiz, 
tfchen, bair. deichen, teuchen: schlei- 
chen, lauern. SUIder 1, 280. Schneller 
1, 351. — In dem Bergreihen von der 
Kirmes der vollen Pauren (Bergkreyen, 
Zwickau 1533, n. 42) verleych uns dey- 
ner tollen sinn zwo oder drey, daa wir 
die groben pawren erdeychen, d. i. er- 
laufen, einholen, erfassen und zausen. 
Hr. Schade in seinem Abdruck des Wei- 
marscken Exemplars eines nah verwand- 
ten Druckes erklärt: erdeichen, büssen 
lassen. 

deuNJten, schw. vb. a) intr. rennen ; a us- 
d e u s s e n : ausgreifen im Laufe, n a c fa- 
de u s s e n nachrennen (Reichenbach) ; 
b) trana. rennen machen, jagen, „den 
wolt ich deuasen !" (Trebnitz). — nd. 
deisen , afdeisen: wegeilen. Brem. 
Wörterb. 1, 190. nl. deizeu, deinzen: 
zurückweichen ; schw üb. deinsen, dein- 
selen: davonschleichen. Ist die Annahme 
der Verwandtschaft mit mhd. diezea be- 
gründet, so hiesse deusseu oigentl. rau- 
schen, sich mit Geräusch bewegen. 
Dieb, «t Von Kindern wird in ihre 
Bücher geschrieben : 

Dieses Büchlein ist mir lieb, 
wer roir's stielt, ist ein Dieb ; 
es sei Herr oder Knecht, 
so ist er an den Galgen gerecht. 
(Reichenbach.) — Ein ganz gleicher 
Schreiberreim (nur steht für Herr ruyter) 
bei Naumann Serapeum 8, 349. Jung ist 
dagegen der Zusatz : N. N. bin ich ge- 
tauft , N. N. bin ich geboren, wer es 
findt, ich haba verloren. — Eine jüngere 
Variante dieser Verse ist: 

Dieses Buch ist mir lieb; wer mirs 

stielt, ist ein Dieb, 
wer mirs aber widergibt, der ist mir 
lieb (Schweidnitz). 
Dieek, st. n. Diecher im plur. Schenkel 
des Geflügels, ahd. dioh; mhd. diech. 
Schindler 1, 352 ; Brem. Wörterb. 1, 188. 
dicke, adj. 1) dicht : ihre dicken acharen. 
Opitz 2, 14 (1629). Wie wenn ein dickes 
Feld viel Blumenarten zieht. Günther 380. 

— In solcher Bedeutung noch in Benen- 
nungen dichtgebauter Theile von Dör- 
fern : die dicken Häuser, ein Thcil von 
Ernsdorf bei Reichenbach, von Gröditz 
bei Schweidnitz. — Hockerdicke, 
dicht dass sie auf einander hocken : bia 
se aa wie besoffne flieg» warn hocker- 
decke drenne liege. Schönig Gl&ziscbe 



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15 



Gedichte 8. 4. — 2) d i c k ; im besondern 
schwanger; weiter verbreitet Steider 
1, 281 ; Schmidt 46. — eine dicke ma- 
chen , altachwed. gmra konu dighra. 
3) jemand dicke haben : satt , über- 
drüssig haben. — D i c k e I, m. liebkosend 
und scherzhaft : dicker Mann. Vgl. 
Schneller 1, 356. 
dflle, pron. dieser (Glaz). Dialektforsch. 

(lim mein, schw. vb. In dem Geschenk 
„dem guten Willentrinken" der Schwarz- 
und Schönfärbergesellen zu Reichenbach 
von 1783 heisst es : „wer unter wären- 
dem Geschenk dimmelt oder täuscht, 
soll in der Gesellen Strafe sein." Ist 
es ein heimliches Spiel ? Die folgenden 
Verbote betreffen Würfel- nnd Karten- 
spiel, ferner winken mit den Augen, 
Fingerzeigen, Fussstöaae wihrend des 
Geschenks. 
Ding-, st. n., Dinger plur. Hat auch der 
Schlesier nicht jene Nachlässigkeit an 
sich, mit welcher in Osterreich der Ding 
für alles, Menschen wie Sachen und Be- 
griffe, angewandt wird, die man im Au- 
genblick nicht benennen kann, so gilt das 
Wort doch anch ihm als Bezeichnung von 
mancherlei. — Ding wird gern für Rin- 
der nnd besonders Mädchen gebraucht: 
ein hübsch Ding, dummes Ding; dann 
für geisterhafte Wesen (vgl. wiht) : ein 
weisses, ein graues Ding; euphemist 
für die Geschlechtstheile, wie ziemlich 
allgemein. — Die Dinger : Sachen.Sprichw. 
angebotne Dinger sind selten was gut. 
Galemacheding: der gelbmachende 
Safran. — Pf eff er ding, Zucker- 
ding: kleine Gestalten von Pfeffer- 
kuchen oder Zuckerteig. — D i n g r i c h, 
m., verächtliche Benennung eines Manns- 
bildes : W<»te was a Dinglich „is ? i 
Dingrich is a Ldgasäk. — Ausgedinge 
n., Leibgedinge, Leibzucht, besonders: 
der ausgedungene Theil, den sich die 
Aeltern (und zuweilen die Verkäufer) bei I 
der Uebergabe des Gutes vorbehalten: 
ein kleines für solchen Zweck in dem 
Hofe erbautes Haus, Beheizung und Be- 
leuchtung, Pflege und meist der dritte 
TheÜ des Obstes. Im Ausgedinge sitzen ; 
Ausgedingemann. Für Ausgedinge auch 
Auszug. Auszügier, m. der Ausge- 
dingemann. 

Diaterle, n. kleines dürftiges Kind (ttei- 
cbenbach). Vergleicbnng des mageren 
Kindes mit der mageren Pflanze. 

Dwffgel, Teckel, m. kleiner Hund. 
Schmeller 1, 360. 

dollen, t u 1 1 e n, schw. vb. feine Wäsche 
fälteln , was am Dolleisen geschieht, 
einem länglich runden, spitz zulaufenden 
Werkzeug von Metall ; obersflchs. thü- 
ring. dollen, glocken; obtaus. duddeJn. 
— Duddeleisen, Glockeisen. 



«Ionen, schw. vb. spannen; die gespannte 

Schnur am Papierdrachen dont; straffe 
Saiten donen : wie aber hinwieder, wie 
man zu sagen pflegt, die Saiten am bär- 
testen donet. Schwein. 2, 54; ein voller 
Leib dont; das Baucbla ddnt, dass ma 
kAn an Flug druff tiU schldn; alles stark 
gefüllte dont; von dem wiegenden Gange 
dicker Leute wird ebenfalls gesagt: sie 
donen. Uebertragen auf die Fülle der 
Seele': vor Wutb donen; ahd. mhd. 
donen. Schmeller 1, 377. — g e d o n e, 
gedune, adr. gespannt, straff; gedone 
vull, gedone gehen : straff, angestrengt 
gehen (Hirschberg). Vgl. Haupt zu 
Engelhart 174. 

Donner, Dunner, st. m. Die Gänse gehn 
zum Donner = zum Teufel. — Donn- 
rich, m. donnernder Schlag, starker 
Puff; harte Schelte. — aufgedon- 
nert, ptc. aufgeputzt; verd onn er t 
verflucht; donnerisch, dgl. 

Dr&b«, m. st. Treffer, Schlag; auch oblaus. 

— nd. Bildung. — Magdeburg. Dräps, nd. 
Draper, obsäcbs. Treffer, bair. Triff. 

drnng-e, gedrange, adj. gedrängt, enge, 
straff: in den gedrangen Schranken, 
Günther 981 ; so ächzet die gedrange 
Brust ebd. 183 ; mit der Vernunft ge- 
drangen Zügeln, Lohenstein Ibr. Bassa 
2, 345; mit den gedrangen Stricken, 
ebd. 3, 221 ; thuts euren obren wohl, 
thuts fremden doch gedrange, Logau 
n. 12S9. — mhd. gedrange. Stalder 1, 
296 ; Schmeller 1, 414; Brem. Wörterb. 
1, 246 ; Schütze 1, 246. 

Drehe, st f. Wendepunct; überhaupt 
Ort, Punct : nnt die Drehe wars. — 
Umdrehe: Ort des Um Wendens; das 
Umwenden selbst — Drehlade: ver- 
drehter Mensch — Dreher, m., Schaf 
von der Drebkrankbeitbefallen. — d r e h- 
nig, dränig, adj. drehend, schwind- 
lig; verdreht, verrückt; nd. draenig. 

Dreck, st m. in Schlesien schlimmer als 
Köln erachtet und darum in anständiger 
Rede vermieden. Dreck findet sich in 
verschiedenen kräftigen Redensarten : das 
ist so übrig wie Dreck zu Weihnachten. 

— Ich schämte mir den Dreck aus den 
Angen ! — Er thut, als ging ihn kein 
Dreck und kein Wetter nichts au (Oppa- 
land). — Der Kerl thut, als wäre Dreck 
sein Vetter (von einem Hochmüthigen). 

— Faules Frauenzimmer, wer wird denn 
immer dasitzen , wie ein gepfropter 
Hundsdreck (Trebnitz). — Du blitzblauer 
Hühnerdreck 1 — Dreckel mit nischte 
bestreut; Umschreibung für nichts, so 
wie Mückendreck für etwas win- 
ziges : Flesch wie an Daumakuppe und 
Putter wie a Mickadreck (Zenscberlied). 
Dreckschleuder: ein Maul wie 
eine Dreckschleuder. Von zänkischen 
Eheleuten heisst es: die hat der Teufel 



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1 



16 



Drcmmel — egren. 



mit der Dreckschleuder zusammen- 



I, Tremmel, st. m. 1) Knüttel, 
Prügel. — ahd. tremil; mhd. dremel, 
bair., oslerr., kwrntn. — dr emmein, 
schw. vb., schlagen; gedremmelt voll: 
gedrückt voll. 2) die kreisförmige Bahn, 
in welcher die Thiere bei Bewegung von 
Maschinen gehen müssen (Reichenbach). 
— Schweiz, drümmelu, tröinmeln : im 
Kreise herumgehen, taumelnd gehen. 
Drüinmel, Schwindel. Stalder 1, 313; 
schwab. trümeln, trümseln: wanken, 
taumeln. Schmid 144; bair. türme In : im 
Kreise hcrumwirbeln. Türmel : Wirbel, 
Schwindel ; türmisch, schwindlieh-Schmel- 
ler 1, 456; kärntn. Turm, Schwindel. 
Vgl. Frisch 2, 393. — Die zweite Bedeu- 
tung ist von der ersten etymologisch 
völlig zu scheiden. Vgl. Türmelung. 
dreschnken, schw. vb. prügeln; Dre- 
scbake kriegen. — nd. dreachaken, 
trischaken, trasaken ; ndrhein. traschate ; 
Westerwald, treschnke; bair. elsäss. 
drischeken. Wahrscheinlich eben solche 
Ableitung von dreschen als kabaken 
von kappen w. z. s. Schmidt Westerwald. 
Idiot. 263 deutet es von dem Karten- 
spiel Trischaken und erinnert an Kar- 
nöffeln, das auch Kartenspiel und Prügel 
bezeichnet. 

en, schw. vb. drücken , zaudern. 



— droksen, druksen, frequent. Bil- 
dung. — Drockfülsel, imperativ. 
Bildung: Zauderer. 
Drossel, st. f. wie hd. — alte Drossel : 
altes Weib (Waldenburg). — ahd. dros- 
cela ; mhd. und obd. Droschel ; nd. 
Drossel. 

Drasehmftn, m. Hochzeitbitter und Lu- 
sligmacher; er trSgt eine bebänderte 
Gerte, im obersten Knopfloch ein lang- 
herabhängendes Tuch und ein Rieche! 
mit Flittergold (Olaz, Trebnitz); poln. 
druzba, Brautführer ; druzka, Braut 

Drüssel, st. m. Rüssel, Schlund; mhd. 
drüzzel ; erhalten im schles. nur in : 



Brummdrüssel, 
Brummbär, mürrischer Mensch. 

(I ii in m , t u m p, adj. es steht tump geuung, 
ist tump genung geraten : hübsch genug, 
gut genug. — Ironischer Ausdruck des 
Gegentheils, des Klugen, das wenigstens 
mhd. auch das sinnlich Feine und Schöne 
bezeichnet. — schwindeltumm, 
schwindlich, auch bei Logau. — tu mp- 
lieh, verdreht. Frisch 2, 394. — 
Dümling, Timmlich, Tumlaoki 
dummer Kerl. 

dünne, adj. es steht dünne wie armer 
Leute Korn; die Schönheit steht hei euch 
gor dünne und fast wie armer Leute Korn. 
Hoffmanswaldau u. andr. Gedichte 4,300; 
dünne machen (cacare) wie ein Advocate. 

Dups, m., Podex (Obersehlesien), aus dem 
polnischen dupa. 

dürfen, vb. anom. wird in Schlesien gar 
nicht gebraucht, sondern nach alter 
Weise dafür türren gesezt, w. z. s. — 
Bei den schles. Dichtern begegnet dürfen, 
wie mhd., häufig gleich bedürfen : ich 
darff kein waffen. Opitz 1 , 312; ein 
wachsend Übel darf geschwinden Wider- 
stand. Lohenstein, Agrippina 4, 151. — 
Was die Kirche glauben heisst, soll man 
glauben ohne wanken? also darf man 
weder Geist, weder Sinnen noch Gedan- 
ken! Logau 8, 26; so darf ich keines 
Segens mehr. Chr. Gryph. HO (3. Ausg.). 
Wo dürfen im Volke gebraucht wurde, 
scheint wie bei andern verwandten Zeit- 
wörtern das Verb, fioit. ausgefallen zu 
sein; vgl. de darfst mer gar nich vil, se 
wil ich der alle bede bene in kle'ne < 
nierschlön. A. Gryph. gel. Dornr. 

dürre, adj. dürre wie eine Schindel, 
wie ein verheiratheter Sperling. • 
klapperdürre ; spindeldürre. — Diirr- 
I en,d er : von dürren Lenden , oder aus 
dem dürren Lande ? 

Dusel, Tusel, sL m. früher schw. m., 
Schwindel, Betäubung; Rausch: kann er 
denn nicht guttezwey Tuseln vertragen ? 
Scherffer 419. Vgl. Stalder 1, 330. 



E. 



eben, ebene, ebent, adj. als Füllwort 
gleich halt und gleich ungemein ge- 
brauchlich: es ist eben so; ich kann 
eben nicht; er meinte eben, es wäre zu 
theucr; — bejahend : eben; nun eben = 
nun freilich ; eben drum = grade dess- 
wegen. Aus der Bedeutung: gleich- 
massig, genau (Benecke-Müller 1,408), 
die in vielen Fällen des schlesischen 
Gebrauchs noch zu finden ist, entwickelte 
sich überhaupt die verstärkende und 
bejahende. — Auch fränkisch, schwä- 
bisch, Schmid 1S4 ; Frisch 1, 213. — Die 
Nebenform e b e n s t kann entweder als 



durch Einschiebung des euphon. s in 
ebent entstanden sein, oder sie ist, was 
glaublicher, Superlativ zu eben (mhd. 
ebenist, Tristan 8240). 
Kduard, mit dem Spottreim : 
Eduard, Kartoffelsack, 
hol um'n Dreier Scbnupptabak. 
Abkürzung : Ede, mit dein Heim : 
Ede koch He*do, 
Koch Hundedreck zu. 
Deminutiv: Edla; Nardla (Neustadt; vgl. 
Dialektf. 70). 
egren, »gen, schw.vb. eggen ; ahd. egjan. 
— mit einander ägen: zanken (Jauer) ; 



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vgl. hecheln und b«i SUIder 1 , 330 
egen. 

ehe» db, aeb, partic. eb der Tag quam; 
e*b ich das thfit ! — 4b auch schwäb., 
Schweiz, und md. — compar. thnder; 
rgl. Grimm Gramm. 3, 594 f. ; Lach- 
mann z. d. Nibel. 204, 4; Schmeller 1, 3. 

— Superl. ehest: ehester Tage, näch- 
stens; — adj. ehest, ehrest. Schwein. 
2, 288. ehestes Logaa. Schweinichen. 

Ei« A, Ae, st. n., Deminut. Eila, £la, plur. 
Elan. Was mir nun dieses vor sorgen 
hat gegeben, ist leichtlich abzunehmen, 
dass es nicht ganseier auszubrüten sein 
gewesen. Schweinichen 3, 79. 2) iiode. 
Spruch : Haseneier klappern nicht, Enten- 
milch die schlickert nicht ; vgl. Schmel- 
ler f , 40. — Eilaknicker: kleines 
Taschenmesser; vgl. Kniefike. 

elehelg-anz, 4chelganz, adj. unge- 
schickt von Gestalt und Wesen, klotzig, 
grob ; vgl. Grimm Gramm. 2, 576 und 
zu Andreas 1700, wonach e*cbel auf eich- 
heil, ags. achäl, roboris instar vegetus, 
zu führen wäre. — Das gleiche eichel 
kommt vor in eichelweis: eichel- 
weis d. i. zu gleichen Theilen erben. 
Scherz 1, 283; Schraid 158; wenn nicht 
hier eine Zurückführung auf aequalis 
vermuthet werden darf. 

eifor, e i v e r, 4 v e r, adj. scharf, beissend : 
eivere Lauge. Logau 1534 ; Frisch 1, 
219; ahd. eivar, eipar: amarus acerbus; 
nd. efer : scharf, ätzend. 

ein-, eines, genit. Advb., einmal, bei 
den Schlesien! des 16. u. 17. Jahr h. häu- 
fig; ebenso einig: einzig bis in das 
18. Jahrb. gebräuchlich. — e i n I ü txi g, 
elitzig, adj., einzeln, besonders allein 
stehend, ledig ; a elitziger Junggeselle. 

— ahd. einlutzic; mbd. einlutze; bair., 
österr., kämt, änlatz, flnlötzik; schwäb., 
westerw., rhein. : eiuletzig. 

ei »am, dam, adj. 1) schrecklich; auch 
als Steigerung in solchem Sinne : eaem 
vil derieben; 2) mürrisch, wunderlich: 
esem thun, sich übel geberden ; 3) furcht- 
sam, schüchtern. — Stamm : ahd. agi, 
egi, Furcht, Schrecken. Ein altes egisam 
ist nach unserm Worte anzusetzen. 

elende« blende, i'elende, adj. na- 
mentlich mit der Bedeutung : siech, ver- 
krüppelt. — appenzeller, übel, zum 
erbrechen geneigt. — Ein schlesisches 
Miihrchen erzählt, wie der Tod den 
Elend aus der Welt hat holen wollen, 
der Elend hat sich aber auf einen Baum 
geflüchtet, wohin ihm der Tod nicht 
nach konnte, und da ist denn der Elend 
in der Welt geblieben. 

Elgrut, Dorfname. In Schlesien gibt es 
nicht weniger als 42 Dörfer dieses Na- 
mens. Das Wort hat manchen Deutung; - 
versuch über sich ergehen lassen müssen: 
es ist bald auf alahguot Tempelgut, bald 

Aattiog iam XIV. Bd.d.SiUb. 4. phil.-hiit. Cl. 



17 

auf eldguot Feuergut geführt worden. 
Das Wort ist aber slawisch : poln. Ligota, 
böhm. Lhota : steuerfreie Ansiedlung. 
Nach Wocel's Grundzüge der böhm. Alter- 
thumskunde 54 gibt es in Böhmen 290, in 
Mähren 90 Dörfer Lhota, Lhotka, die von 
den Deutschen Elbota, Elhoten, Ölhütten, 
Welhotn, Elgoth ausgesprochen werden. 

Elisabeth hat den Scherzreim: mach 
Rlissla fett — Da der Elisabethtag 
(19. November) gewöhnlich schlechtes, 
schmutziges Wetter hat, führt er den 
Namen beschissne Lise. 

F.mse, »t. f. Ameise, Logau n. 761. In 
Emse herrscht der mitteldeutsche VocaL, 
wie in der gemeinschlesischen Form 
Omsse der oberdeutsche; vgl. Grimm 
Wörterb. 1, 277. 

Ende, st n. zend, zends, zengs, 
zenst, genit. Adv., bis zu Ende, völ- 
lig, ganz; mit andern OrUbezeichnan- 
gen :zengs nüm, zengs rüm: ganz, 
hinuin; zends aus, zengs zenst 
naus: ganz hinaus, immerfort. Hieraus 
ist ein Substantiv gebildet : d e r Z e n d- 
a u s , ein gewaltiges Stück Weg zum 
Ziele. — Diese Formen linden sich auch 
obersächs., oberpfälzisch (zeng, zenst), 
Schmeller 4, 276 ; schweizer, zent ume, 
Stalder 2, 469; nd. tens. — Ende- 
kretscham, Kretscham am Ende des 
Dorfs (Dreissighuben bei Reichenbach) 
wie o*tg<>thl:ind. der Bauer am Dorfende 
eudiikarlheisst (bjgdab. 1,6). — enden, 
engen, schw. vb., zu Ende führen, aus- 
halten, ertragen; auch oberlaus. Über 
ng für nd vgl. Dialektforschung 69. 

Emierle, st. n., Engerling: Made der . 
Maulwurfsgrille; Maikäferlarve. Mit glei- 
chem der Mundart gewöhnlichen Tausch 
von ng und nd in Obersachsen. Frisch 
1,228; ahd. engirinc; mhd. engerlinc : 
glis. curculio. — Enderle hecken', 
Bezeichnung der höchsten Langeweile. 

Engel, »t. m. Engel aus der llolzkammcr, 
Holzengel: ursprünglich hölzernes En- 
gelbild, übertragen: steifer hölzerner 
Mensch. — Posaunenengel : bausbäcki- 
ger Mensch, nach den posaunenblasenden 
Engeln, deren Bildsäulen an den Altären 
der meisten Kirchen stehen. — En- 
gerle tragen, ein Kinderspiel : es 
wird ein Kind von zwei andern unter 
dem Arm gefasst und schwebend ein 
Stück getragen unter dem Spruch : wir 
tragen den Engel in Abrahams Schooss. 
Das Appenzeller Engeli ufzücba ist ver- 
wandt. Tobler 169. 

enterach, adj., 1) unheimlich, grauslich; 
2) unbehaglich, unwohl. — ahd. antrisc ; 
mhd. entrisch. Tgl. Grimm Mvthol. 491 ; 
Schmeller 1, 77. — Auch bair., österr. 

eppitch, vgl. äbich. 

er, h ä r , ha, pron. pers. — Über den 
Gebrauch mit Er den Ehegatten zu 
b 



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18 .hrbar 

bezeichnen, vgl. Dialektf. 138; Schnieder 
1,91; Schütze 2, 116. 

ehrbar* e r b r, adj. ehrbar Ihon, zurück- 
gezogen seiu , für sich gehen. 

Erde« »t f. Erdbirnen, Aperna : 
Kartoffeln. — Er dz ins, Grundzins, 
im 16. Jahrhundert in Schlesien noch ge- 
braucht. Stenzel Tzschoppe Urkunden- 
sa mm). S. 10. 

erne, ernt, arne, arnt, ant, pari, 
irgend, etwa. Mitteldeutsche Entstellung 
von iergen, wovon schon im 12. Jahrh. 
Beispiele sich finden. Benecke-Müller 1, 
746 ; nirne, nerne, nernt: nirgend. 
Vgl. Dialektforschung 143. 

essen, assn, st. vb., was vorhanden nn 
essender Waare 'und Proviant. Schwein. 
2, 64. Vgl. Frisch 1, 233.— Esse- 
schwein, Mastschwein. Schweinichen 
2, 144. 182. 

esehern, äschern, schw. vb.. Bich ab- 
eschern, ereschern: abarbeiten, ermüden, 
erhitzen. Vgl. Grimm Wörtern. 1, 585. 

Esel« st. m. Esel müssen vor Alters in 
Schlesien viel gezogen worden sein, da 



Fahre für Theater (StrSuhof bei Festen- 
berg). Entstellung aus Fabelei? 
frefneh, adj. feindlich; mir heute nicht 
begegnet, aber bei Logau n. 1259 : 
Jhr jungfern , glaubt es mir , dass 
euch das wort zu führen, 
so frech und so gefach gar schwer- 
lich will gebühren, 
geväch ist die rad. Form für mhd. 
gevlch, die u. a. bei Jeroschin häufig 
begegnet; vgl. Pfeiffer, Beiträge zur 
mitteldeutschen Sprache 1, 163. — ags. 
gevdh. 

Faden, m. Lange Faden, faule Maden ! 
Spottspruch auf Mädchen, die mit langen 
Stichen nfihen, um rascher fertig zu 
werden. 

Fneke, st. f. Hündin. — Schwab., bair., 
kärntn. ist Fack ein grösseres Ferkel 
(Frischling) ; isländ. fakr (bei Biörn 
Halderson Hkr), Renner, Ross. Der zu 
Grunde liegende Begriff scheint Renner, 
Herumlaufer : Schweiz, facken, fackeln, 
sich hin und her bewegen, herumlaufen. 
Slalder 1, 348. — Schwäbisch heisst 
übrigens der Fack oder Feck : Fresser. 
Schmid 175. 

falseh, faltsch, adj. aufgebracht, zornig. 
— Ebenso Schweiz., österr., kämt., 
frSnk., nd. — Schmeller 1, 529; Stalder 
1, 353; Tobler 175; Brom. Wörlerb. 
1, 340. 

Fahne, als schw. m. noch häufig gebraucht ; 
die Bedeutung vexillum überwiegt. Die 
Fahne heraushängen: das Hemd zu den 
Hosen heraushängen lassen. Spinnweben, 



F&rte« 

sie für besonderes Landeserzeugniss gal- 
ten; vgl. Fischart Geschichtklitterung 
c. 12 : mit dieser weis, wann dieses gel- 
ten solte, möcht einer ein jden haut- 
juckigen vogel für ein gauch ansehn, ein 
saw für einen Baier, ein schlesischen 
esel für aller hasen grossmutter , ein 
pommerisch storckennest für salat. — 
Dass Schlesier haben den Esel ge- 
fressen, 
Ist entweder nichts oder bleibet ver- 
gessen ; 

sonst würden die fremden sich eigen 
gewehnen, 

nach schlesischem Futter sich nimmer 
zu sehnen. 
Logau 677. Den Grund des alten Bei- 
namens : Eselfresser, den übrigens nicht 
bios die Schlesier trugen (Grimm 
Mvthol. 43, Anm.) weiss ich nicht auf- 
zuklären. Der goldene Esel in Reichen- 
stein wird schwerlich die Ursache sein. — 
W a I d e s e I : schnarchen, scheissen wie 
ein Waldesel. 



die von der Decke hängen, werden scher- 
zend Freierfähndel genannt. — Die ur- 
sprüngliche Bedeutung pannus tritt her- 
vor in „Fahndet", dünnes dürftiges 
Kleid ;Rotzfahne: Schnupftuch. Vgl. 
Schmeller 1, 533 ; Auton 8, 5. 
faiiften, st. vb. fangens spielen, fer fang- 
las spieln; vgl. Dialektf. 133 und Appen- 
zelter, fangis inacha, fohis tho. — an- 
fangen, trans. Streit anfangen: Meine 
zwei Schwäger konnten der Unfläterei 
nicht abgehn, sondern fiengen fast mit 
allen Leuten an. Schwein. 2, 182. — In 
diesem Sinne nicht hlos in Schlesien 
noch heute üblich. 
F aittel, F e ntel, st. m. 1) Bube in der 
Bastankarte ; Spadefantel. 2) Bube, durch- 
triebener Schalk. — Indem das Wort 
unter 1. romanischen Ursprungs ist 
((ante), verlockt es auch n. 2 unmittelbar 
damit zu verbinden. Indessen bietet sich 
ein den germanischen Sprachen ureigenes 
Fant dar: mhd. vanz : altn.v nd., nl. fant, 
feqt: Schelm, Schalk (Grimm Wörterb. 
l,204);schweiz. fanten (alfanzen), Possen 
treiben. Vermischung trat zwischen bei- 
den, dem germanischen und romanischen 
fant ein, so dass selbst bair. Spadifankl, 
schwäb. Sparrafandcl die blosse Bedeu- 
tung : Schelm annahm. Ueber die weite 
Verbreitung von Fantel vgl. Rheinwald 
1, 30. 

Fürte, st. f. Fahrt Wasser : so viel auf ein- 
mal in zwei Kannen oder in einem Zuber 
getragen werden kann. — Wegefart: 
Wagengeleise (Waldenburg). 



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FMS — Feuermann. 



19 



Fass, st. n. Es lauft aus andern Fässern : 
verhält »ich anders. A. Gryph. Carl Stu- 
ard 3, 614 ; Tgl. SchmeUer 1, 570 aus 
anderm Fasse gehn. — 0 e f ä s s e, n., 
Geschirr, Kochgeschirr. Das hilabrich 
Gefässe: hölzerne Küchengeräthe ; als 
Kannen, Schaffe u. dgl. 

Fn«sole, f-, Bohne, faseolus ;bair., österr. 
Fisole ; poln. fasola. 

latseh, adj., lappig, schlaff, von Kleidern 
und Menschen. — k la tsc h efa l scb e- 
n a s s : nass dasa alles klatscht und hängt. 
Vgl. Westerwald, fulche: kränklich, 

Tatschen, schw. vb. wickeln: die Kinder- 
mägde „gehn Tatschen," indem sie 
das Kind in einem Mäntelchen, daa sie 
selbst zugleich halb bedeckt, austragen. — 
einfatschen, mit dem Kindermautel 
umhüllen. — faaciare, ahd. fascdn, österr., 
bair. falschen , einfatschen : mit dem 
Wickelband umhüllen ; Fatschenkind : 
Wickelkind; schwäb. fi lachen, nrhein. 
fiesche. 

Faude, f., 1) Schilf, staudenartige Sumpf- 
gewäcbse (Reichenbach). Ein schilfiger 
Teich bei Lampersdorf Kr. Steinau heisst 
das Faudensee. — Ob Zepter ihr nicht 
faule Fauden sein. Lobenstein Ihr. Sul- 
tan 2, 640. 2) die faule mit Sumpfte wüch- 
sen versezte Teicherde, welche getrock- 
net als Dünger gebraucht wird (Reichen- 
bach). Verwandt ist isländ. fausk, ver- 
dorrte und verweste Wurzeln und Bäume ; 
mit fauskagröf wird wie mit Torf ge- 
beizt. Olafaen und Povelsen Reise durch 
Island 1, 125. — Anton 8, 6 sagt, Faude 
bedeute in der Ober-Lausitz eine mit 
Strauchwerk bewachsene Anhöhe ; setzt 
aber selbst hinzu, man sage : er hat noch 
eine gute Faude Haare auf dem Kopfe. 

faul, adj. f a u I e Ma gd 1) Wachtelkönig, 
Ralius crez. 2) Lychnis flos cuculi. F a u- 
liug. Foilich, m. Faulenzer. Sag es 
dem Schlaafe, dem Feulig, schon au. 
Scherffer Ged. 420. 

Fauns, Fem, pl. Femen, die Fettaugen auf 
der Brühe. — ahd. feim spuma ; über die 
verwandten dieses Wortes Grimm Gesch. 
d. deutsch. Sprache 1001. Vgl. auch 
Frisch 1,252; Schroetter 1,531; Stalder 
1, 358, 360. 

Faust, st. f. habe meinem ältesten Bru- 
der die ganze Haushaltung vertraut und 
ihm in die Fäuste als ein Kind dem Vater 
gesehen. Schwein. 2, 151. — Fäustel, 
Fistel, in. Hammer der Steinklopfer. 
Frisch 1,252. — F ä us t i g k e i t, f. ja 
sprichst du, diese Bach ist kottig dick 
und trüb, auch wegen Fänstigkeit ganz 
wustig umb und an. Opitz 1, 311 (1629). 
— Faustmauke, f. nach Berndt 
schles. Idiot, eine von Rog^enniohl in 
Wasser gekochte Speise, die in Stücke 
zerlegt mit brauner Butter begossen 



g-eg essen wird. — fäustern, festern, 
schw. vb. fortprügeln, fortjagen, nd. 
feistem. — Aus Umstellung entstand aus 
fausten (SchmeUer 1, 575 ; Schmidt 56. 
ahd. fitsten) f a u z e n : ohrfeigen. — Die 
Fauze : Ohrfeige. 

Fazenetel, n. Schnupftuch, ital. fazzo- 
letto ; aus österr. Zeit noch beibehalten : 
österr., bair. Fazilett, Fazinett. Schind- 
ler 1, 579; Tobler 175; Frisch 1, 252. 
— Das ital. Wort ist wahrscheinlich aus 
unserm Fetzen entlehnt. Diez romau. 
Wörterb. 401. 

Fechel, st m. 1) Schleier, velum, bei 
Günther 594: vertausche demnach nur 
den Fächel vor die Haube, an eine Braut 
gesprochen, die früher ins Kloster gelten 
wollte. — Schwäbisch Fechel: Leinwand, 
die an den Schleier geheftet wird. Schmid 
184. 2) Fächer : Fechel Wind zu machen. 
Logau 5, 82; Frisch 1, 283. 

Feh, st. n. das im Mittelalter vielbekannte 
Pelzwerk, Buntwerk, noch erhalten in 
Fächmantel, einem kurzen, etwa 
bis zur Hüfte reichenden Pelzmantel, 
den noch manche alte Weiber tragen. 
Fehmütze dazu .gehörige Pelzmütze 
(Reichenbach). 

feiern, sebw. vb. ohne Arbeit, ohne Dienst 
sein. — f e i r i g , adj. arbeitslos, dienst- 
los. Sonst müst er feyrig sein und mit 
den seinen ruhn. Stoppe 399. Die feiri- 
gen Handwerksburschen laufen wider rum 
wie die Hunde. Auch oberdeutsch ver- 
breitet. SchmeUer 1, 552. 

Fern«, Fersche, st. f. Fersenbrotel ge- 
ben : auf die Fersen treten. 

ferte, ferte, färten, adv. voriges Jahr. — 
fertig, adj., vorjährig, mhd. vert. — 
Oberdeutach allgemein und auch md. 
nachweisbar. SchmeUer 1, 564, 586; 
Schmid 190; Tobler 185; Anton 1, 
10; 17, 15. 

ferzeln, schw. vb. umherfahren, geschäf- 
tig hin und herlaufen. — auaferzeln 
die Stube : durch häufiges Aus- und Ein- 
gehen die geheizte Stube erkälten. Die 
Kernkronik 2, 720 schreibt förtzeln. — 
Oblausitz. ferzeln, pörtseln. — Das Wort 
ist als frequentat. Ableitung von Fahrt 
zu deuten. Die durch bair. umher- 
scbaisaeln (SchmeUer 1, 571, 3, 406) 
nahe gelegte Ableitung von farzen, fur- 
zen ist abzuweisen. 

Teste« adj. ein fester Mann , ein zuver- 
lässiger. — Der Regen hängt bener sehr 
feste, heisst es in trockenen Jahren. 

Feuermann, m. grosses Irrlicht , von 
dem die schlesische Phantasie viel zu 
erzählen weiss. Die Feuermänner, welche 
sammt allen erlösbaren Geistern haupt- 
sachlich in den Adrenten umgeben, suchen 
den Leuten aufzuhocken, bieten auch 
wohl ihre Dienste als Leuchter an. Durch 
ein „bezahls euch Gott!" kann man sie 
b* 



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I 



20 Fieblff - 

los werden and zugleich erlösen. Spoft 
vertragen sie nicht. Als einmal eine 
Magd, der ein Feuermann heimgeleuch- 
tet hatte, am andern Abend ihn für ihre 
Angst spotten wollte und bei ihrem hin- 
teren Tische zu Gaste lud , kam der 
Feuermann wie der Wind herzu und ver- 
brannte sie mit dem Misthaufen, auf dem 
aie sass. 

Fielt!»;, st. m., n. Viehweg, Viehtrift. 
Fast jedes grössere Bauerngut hat seinen 
Fiebig, aber auch die Gemeinen hatten 
einen gemeinsamen. Auf dem Fiebig 
stund zuweilen der Galgen; darum wird 
Fiebig auch für Galgen gesetzt : 

Wer deinen Ruhm zu verwüsten ge- 
denkt, 

Der hat sich selber ans Fiebig ge- 
henkt. 

Holtei an Göthe. Fiebig ist ein geläufiger 
schlesischer Familienname, wie ander- 
wirts Viehweg. 
Fiedel» st. f. 1) wie hd. Geige. Stille mit 
der Fiedel! Gebot des Schweigens. — 
Fiedelharz, Kolophonium. Günther 381. 

— fiedelkrumm: krumm wie ein 
Fiedelbogen : 

Mei Schatz is kugelrund, wie Scholzes 
Pudelhund, 

hat fidelkmmme Bene, kül schwarze 
Zene, 

das is scharmant (Volkslied). 
2) ein hölzernes Strafwerkzeug, das Hals 
und Hände des Verbrechers umschloss 
und in dem er ausgestellt wurde. 
Wenn ber wern ein Himmel komma, 
do bot de Plog an End genomma, 
do hets ke Fiedel und ke Klause. 
Lied vom Bauernbimmel, nach der oppa- 
ländischen Gestalt (Ens Oppaland 3, 73), 
übereinstimmend mit der kuhländischen 
bei Meinert 99. In der schlesischen (Hoff- 
mann-Richter 3 IS) steht: do hots ke 
Prügel Stock noch Klause. Vgl. Scherz 
391 und Kaiteubäck Pantaidingsbücher 
1, 99: die knecht in kotter und die 
menscher in die fidl gespört vnd gelegt. 

— f i e d e 1 n wie hd. — bumfiedeln: 

1) hin und her fahren ; mit dem Messer 
die Kehle bumfiedeln , abschneiden. 

2) supprimere aliquant ; nd. pomfideln, 
engl, bumfiddle. — Bumfi edler, 
hoino lascivus. — verbumfiedeln, 
verwirren, zerzausen. — Vergleichung 
von fiedeln und coire ist alt und häufig: 
Krone 23708. Minnes. v. d. Hagen 3, 
211 ; 768. FastnachUp. 161, 9; 239, 21. 
Fischart Gargant. c. HO. Regis zn 
Rabelais 2, 419. 

fleken, schw. vb. coire ; auch nd. Schütze 
1,315. — Die ursprüngliche Bedeutung: 
berühren, schlagen, reiben, die sinnlich 
und geistig gebraucht wird, ist erhalten 
im Schweiz., Schwab., bair., kirnt., 
fränk., he*». 



Filz, st. m. wie hd. — F i I z h u t ; da ge- 
fallen Worte, die einem auf der Zunge 
vergehn wie ein Filzhut. Hoflmannswal- 
dau u. andr. Ged. 5, 152; vgl.: Kuchen 
zergekn in dem Mund als ein Filzhut. 
Fastnachtsp. 374, 27. 
Finger, st. m. Kinderreim: 

Der ist der Daumen, der schüttelt die 
Pflaumen, 

Der klaubt sie auf, der trägt sie beim, 
Der isst sie alle alle allein. 
Vgl. Meier Kinderreime aus Schwaben 
S. U; Fiedler Volksreime aus Anhalt- 
Dessau 24 f.; Woeste Volksüberliefe- 
rungen aus der Grafsch. Mark S. 2. — 
fingcrstabenakt. Kernkronik 2, 
720, sehr hfiuflg. 

Finke, schleeisch weiblich gebraucht. 
1) Buchfink. 2) penis, noch erhalten in 
Bullfinke: Ochsenziemer. — nd. Brem. 
Wörterb. 1, 393 ; Schütze 1, 316. 3) Hure, 
Beischliferinu. — Mistfinke, m. 
schmutziger Kerl. Frisch 1, 268; vgl. 
Knollfinke, als Schelte der Bauern bei 
Karajan Frühlingsgabe S. 54. 

finster, adj. finsteres Brod, Schwarzbrod, 
pain bis. 

Fipe, f. Tabakspfeife, halb verhoch- 
deutscht aus Pipe. 

flrg-eln, schw. vb. quälen, vexiren. Kern- 
kronik 2, 720. — Bair. fergeln an einem ; 
hier zugleich die ursprüngliche sinnliche 
Bedeutung: hin und herfahren, reiben, 
wetzen, Schnieder 1, 562 ; also Ableitung 
von fahren. 

Firl, Ferl, m. hurtiger behender Mensch; 
sich rasch drehendes Ding (Hirschberg). 
— Firlefanz, m. Tand, Possen, 
Alfanzerei. — Früher (schlesisch nicht 
nachweisbar) Name eines Tanzes: do 
pfiff er ihr den Firlefanz wol nach der 
Dörfler Sitten, do tanzten sie den Hotto- 
stan. Bergkreien von der Kirmes der 
vollen Bauern : Bergkreien. Zwickau 
1533 n. 41. In dem Abdruck» Berg- 
reihen. Nach dem Exemplare der Biblio- 
thek zu Weimar. Weimar 1854, n. 42. 
Vgl. firlefei MSHag. 3, 252, bei Fischart 
Geschichtklitt c. 8 (1590) in Tirlefey 
gewandelt. — nd. (Hildesheim) Firle- 
fanz : Possenreisser. — Firletanz, 
m. kleine Papierscheibe, die sich auf 
einem durchgesteckten Hölzchen wir- 
belnd drebt; übertragen: ein bewegli- 
cher Mensch. — gefirle, gefirre, 
adj. hurtig, behende. 

Fischek&tel, W i s ch e k a t z e I : Fang- 
spiel, Hascheminnchen (Brieg). Vgl. 
wischen. 

flspern, schw. vb. 1) leises Geräusch 
machen ; 2) kleine Schritte machen, 
trippeln — auch bair., achwfib., scbweiz. 
Vgl. wispern, engl, whisper. — In die- 
sem und dem vorangehenden Worte zeigt 
sich Tausch zwischen f und w im Anlaute, 



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i 



Fist — fiascheln. 



21 



der im Inlaute ebenfalls nachweisbar ist. 
Dialektforsch. 75. 
Fist, >t- na. 1) Blfihung", 2) der einen 
Fist lisst ; Nebenform Fiss. — Bofist: 
Bubenfist, weisslicher Erdschwamm; 
mnl. boriste. — Hemde fl ss, Spott- 
ruf an Kinder, die sich im Hemde 



Hettdeftss, Hemdeflss, jag die Hühner 

ei den Gries« ! 
jag se nich zu weit nein, dass se ne 
drinne stecken blein. 
Rauch fiss w. z. s- — ftsten, 
fissen, schw. Tb. pedere. — Allge- 
mein germanisch : Frisch 1, 270; Schwei- 
ler 1, 577; Brem. Wörtorb.. 1, 39». 
nl. Tjsten, altn. fysa, engl. fizz, fizzle, 
franz. resser. 
fltscheln, schw. vb. reiben, mit stum- 
pfem Messer schneiden ; vgl. fiedeln. — 
zer fitschein, zerreiben, schlecht 
zerschneiden : zerfitzeln zerpitzeln zer- 
krimmern zerkrauen. Scherffer Ged. 652 ; 
alles zerniffelt zerfitschelt zerfeget, ebd. 
409. Auch östorr., schwib., Westerwald. 

— engl, fidge. — Ableitung von fiedeln. 
Vgl. bair. fitschein, plaudern ; futschen, 
rutschen. — österr., kirnt., bair., 
schwib., Schweiz., fränk. fitzen: mit 
Ruthen streichen. 

Fitze, f. ursprünglich: Faden,' ebd. vizz; 
schwib. machen eine bestimmte Zahl 
Fiden eine Fitze, mehrere Fitzen einen 
Schneller: Schmid 194. — fitzen ist der 
technische Ausdruck für das sondern 
und umbinden einer solchen Fadenzabi. 
Frisch 1, 270. — Schlesisch hat sich 
Fitze missverständlich nur in der Bedeu- 
tung: „verwirrter Fadenknäul" erhal- 
ten ; eine Fizse machen : Wirrung uud 
Knoten in den Fiden machen. — v e r- 
f i z z e n , die Fiden verwirren. 
Flachs» st. m. Zu Fastnacht muss die 
Haitersfrau springen, und so hoch sie 
springt, so hoch wichst der Flachs. 

Die Fastnacht fällt schon ein ; 

so Ihr wol werdet springen, 

so wird der Flachs gelingen 

und desto höher sein. 
Scherffer Gedichte 530. 
fl Adern, flaedern, flftdern, schw. vb. 
flattern, von dem flatternden Flügelschlag 
der Ginse u. a. Vögel in der Luft und im 
Wasser. — Schwab, fladern, flodern, 
Andern ; kirnt, fladern ; (ledern ; bair. 
f! nudern, fledern, fludern; Schweiz, flau- 
dern; nd. fladdern, fluddern ; nl. flod- 
deren ; vgl. westorwild. pladern, plutern. 

— Jungfer Fladergeut heisst im Nürn- 
berger Fastnachtkalender (Fastnachtsp. 
1105) die schnelle Katherine: so kumt 
dann Jungfrau Fladergent mit irer glaten 
smir vnd macht vns geng das vnderloch 
vnd auch des magen tür. Vgl. Hamburg : 



i, f 1 & m s c h, adj. Für den Einfluu 
der Flamländer auf die Germanisalion 
Schlesiens, zeugt das flämische Hufen- 
mass, das sich lange erhalten bat (Sten- 
zel Tzschoppe Urkundensamml. 141) und 
das flämische Recht, nach welchem die 
Stidte Neisse, Otmachau und Kreutz- 
burg und das Dorf Pogel bei Wohlau 
ausgesetzt worden. Das Dorf Flämisch- 
dorf (Fläming! villa) bei Neumarkt hat 
von ihnen den Namen. Urkundliche Zeug- 
nisse für starke flämische Einwanderun- 
gen lassen sich indessen nicht auffinden. 
— Im deutschen Mittelalter hiess vlae- 
inisch fein gebildet, und vlaemen war eine 
Modesache, denn der rührige Volksstamm 
bildete für Deutschland die Vermittelung 
westlicher Cultur, und vielfach übertra- 
fen darin die Fliminge die Franzosen. 
Schweizerisch bezeichnet flämisch das 
feine, zarte (Stalder 1, 376) ; im Ge- 
gensatze hierzu heisst flämisch im Sehl Ba- 
sischen: grob, ungeschickt, gross, plump. 
Ein flämischer Kerl. 

Ihr flämisches Gesicht ist wie der 

Spitzenkram 
aus dessen Fachern nichst ein Dieb 
die Waaren nahm. 
Günther 457. Dieser schlesischen Bedeu- 
tung schliesst sich an die Bedeutung: 
zornig, die das Wort im ba irischen Walde: 
mürrisch verdriesslich , die es in Hes- 
sen, Franken und Niedersachsen führt 
(Schmeller 1, 588; Schmidt 59; Brem. 
Wörterb. 1, 402). In Nordböhmen findet 
sie sich ebenfalls und sie ist auch in 
Schlesien geläufig, mit dem Übergang in : 
tückisch. — Frisch und 8chmidt stellen 
flämisch zn flennen ; ich nehme es buch- 
stäblich als flämisch und glaube, an eine 
Umkehr der Bedeutung, wie dieselbe 
öfter eingetreten ist — Zu erwähnen ist 
übrigens , dass im Westerwalde die 
Flihm die weiche Haut heisst, welche den 
Bauch des Rindviehs mit den Hinter- 
schenkeln verbindet, 
flanschen, schw. vb. zerreissen, zer- 
flanschen; vgl. ahd. Hannen und flen- 
nen. Der Begriff des klaffenden liegt zu 
Grunde. Hess. Uenzen, das Gesicht ver- 
ziehen. — Flanschen, m. 1) Mund, 
namentlich der breite klaffende Mnnd; 
mbd. vlans, bair. die Flenschen; 2) brei- 
tos Stück Fleisch, besonders aus klaffen- 
der Wunde ; kirnt. Flentsche in beideu 
Bedeutungen. 
Flappe, «t. f. Mund, Maul, in gemeiner 
Rede. Auch am Main und Rhein ; auf dem 
Westerwalde Flapch, Flapsch. — nd. 
Flabbe, Flibbe ; din., schwed. Flab ; nl., 
engl. Aap. 

Anschein, schw. vb. den Mund zum la- 
chen verziehen, lächeln. Frequentativ- 
Bildong aus fletschen, vgl. Dialektforsch. 
82. Auch hairisch steht Flätschen und 



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22 



FUetx — Flansch. 



Flaschen, die Ohrfeige, neben einander. 
Schneller 1, 393 f. Vgl. fluschen. 

Fleets» in. ungcsi'hlifl'enerKerl. — f I e t z ig, 
ungeschliffen, grob. Stieler 516: Flötz, 
Flätz, scurra. homo impodens et insul- 
sus — flätzig, agrestis, rusticus. — 
achwfib. Fläz, fanler Bursche ; westphäl. 
Fläts, hisslicher Mensch. — t 1 Ii t s i c h, 
adj. hässlich, schmutzig. 

Fiedel, n. s. Fleute. 

Fleder-w i s c h , m. 

Gesern Abend um die Zeit 
war mir gar nicht übel, 
tanzt der Herr von Flederwisch 
mit der Jungfer Zwiebel. 
Flederwisch jungfer bei A. Grypb. 
8äugamme eine solche, die sonst Schnepfe 
oder beschuhte Wachtel heisst. 

flennen, schw. vb. 1) den Mund verzie- 
hen : und Miuler auf mich flennet. Lohen- 
stein Ibr. Bassa 1, 35. 2) weinen. — 
abd. flannen. — Die Bedeutung weinen 
auch Schweiz., Schwab., bair., riord- 
böhin., hess., nd. Im östlichen Hessen: 
den Mund zum Lachen verziehen. Vilmar 
Proben e. hess. Wörterb. 65.— Flenne- 
b a I z e r , s. Balzer. 

Herren, schw. vb. dasselbe wie flennen, 
(Habelschwert). 

Fleute, f. Deminutiv : das Findel: vier- 
eckige Wolltafel, die auf dem Hammel-, 
eisen aufgekrempelt ist; vgl. Frisch 
1, 276. 

Hetzen, fletschen, schw. vb. 1) breit 
dasitzen ; fletschen und reflexiv sich hin- 
fletschen : sich breit niederlassen. Flet- 
sche Puttel ! Zuruf an zahme Hennen , 
worauf sie sich niederhocken. 2) schwer- 
fällig dasitzen, hocken : der fletscht im- 
mer zu Hause. — ahd. flazzi , altn. 
flatr : ahd. flazza palma, flezzi pavimen- 
tum,area; vgl. Fastnachtsp. 261,10: 
dass mir die nas ist flach zuquelscht 
und auf dem antlitz ligt zufleischt. — 
Der Grundbegriff nnseres Wortes ist 
»flach, breit." — Von ihm völlig zu schei- 
den ist das folgende 

Hetzen, schw. vb. vergiessen, Wasser ver- 
schütten. — Der F 1 e t z : Lache verschüt- 
teten Wassers; auch oblaus. — bair. 
Flotz, Schweiz. Hetzen, fletschen, flot- 
achen, Gefletz, flitsch. Tobler fuhrt ein 
roman. bletsch, nass, anf. Das Wort ist 
eines Stammes mit fliessen und ist rich- 
tiger flötzen zuschreiben. 

flexen, adj. freundlich, zutraulich; flexen 
zu einander sein (Jauer). Aus flexible? 

flink, adj. hurtig, bebende. Auch als Hunde- 
name häufig. — Auch ka'rnt., vorzüglich 
aber nd. und von hier ins Dan., Schwed. 
nbergegangeu. — Die Bedeutung glän- 
zend (Frisch 1, 278) ist nicht sch le- 
sisch, tritt aber heraus in flinkem, 
schw. vb. schimmern, blitzen. — Flin- 
kerwerk, n. glänzendes aber werth- 



loses Zeug. Im Ablaut und gloiihbodeu- 
tend flunkern mit der besondern 
Nebenbedeutung: Blendwerk machen; 
einem etwas vorflunkern, vorspie- 
geln. — nd. flinkem, flunkern, din. 
flinke (putzen, säubern), flunke. Vgl. 
anch bair. Flanken, Flank: Funke. 
Flltzpfeil, Fritschepfeii, F i t- 
s c h e p f e i I , m. kleine Armbrust der 
Kinder, deren mittlerer Theil aus einer 
Schindel gemacht ist ; ungenau für Flitz- 
bogen; nd. Flitsba^en, dfin. Flitspiil. 
Das einfache Flitz, Flitsch bedeutet Pfeil, 
Geschoss, und ist aus dem nd. oder nl. in 
das Franz. und die andern romanischen 
Sprachen übergegangen : walton. fliehe, 
frz. flache. — Schlesisch hat sich die 
Form Fritschep feil zur Herrschaft 
gebracht. Zu ihr stimmt das ital. freccia, 
altspan. frecha ; vgl. Diez roman. Wör- 
terb. 154. 

Du hast ja das Geschoss 
der Liebes-Mutter selbst fürlängst 

gegürtet loss, 
umb durch den Pfritsch und Pfeil dein 

Antlitz auszurüsten. 
Lohenstein Agrippina 2, 115. — Mein 
dürrer Arm bricht Pfritsch und Pfeil 
entzwei. Ebd. 4, 380. — frank., bair. 
Pfitschepfeil. — schwäb. Flitsche : De- 
gen. Verwandt mit Flitz scheint die 
Flitte, Flete: Aderlasseisen (Frisch 1, 
278, bei Logau öfter), das wohl nicht aus 
phlebotomum entstellt ist. — f I i t z e n , 
schw. vb. 1) heranflitzen, herange- 
' flizt kommen : heranschiessen, eilig her- 
zukommen ; bair. Hitschen, flattern. — 
F I i t s c h e r n, f. Schwingfeder, nd. Flitze, 
Pfeil ; rasches keckes Weib. 
Flosa, st. n. 1) fliessendes Wasser, Bach: 
der du so schönes kraut trägst umb die 
reinen flösser. Opitz 1, 245. Erhalten in 
dieser Bedeutung in der Grafschaft Glaz, 
namentlich um Reinerz, wo das Kalk- 
floss, rothe, weisse Fl., Mühlfloss, das 
Hellerflössel, Prunkeflössel. 2) Lache 
verschütteten Wassers ; überhaupt kleine 
Lache: Flösselmacber , kleine Hunde. 
Auch bair. Schnieder 1, 592; schwäbisch 
Floz. 3) wie hd., zusammengefügte Baum- 
stämme, die als Flössholz auf den Flüssen 
herabkommen. Das Flössholz wird von 
den Bergen oder den Wäldern ans Was- 
ser „gerückt." 4) verbundene Balken 
und Bretter, die am Ufer als Tritt, zum 
Wasserschöpfen oder Waschen befe- 
stigt sind. 

Floetel, n. dünner ii rm lieber Rock ; vgl. 
Pfeitel. 

FhVder, n. Gerinne an der Schiense der 
Teiche. Frisch 1, 283 ; Schindler 1, 586 ; 
bei Jeroschin (Pfeiffer 266): üf des stran- 
dis vlüder. 

Flunneh, Fluntscb, m. Maul, verzo- 
gener Mund, verzogenes Gesicht. Auch 



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23 



oblausitx. — mhd. vlans ; vgl. oben 
Flanschen. 

fluschen, flutschen, flutschein, 
schw. vb. 1) den Mund a) zum Lächeln 
verziehen ; vgl. flischeln ; — b) den 
Mund zum Weinen verziehen (Mittel- 
walde). 2) von statten gehen ; auch nd. 
Det fluscht beter, rief die pommcr'sche 
Landwehr, als sie die Kolben nahm. 

flüftchern, schw. vb. das Gefieder auf- 
blasen ; vgl. fludern, fladern. 

Föve, schw. m. ; F 0 v e n, f. Pfau (Reichen- 
bach) aus mhd. pfAwe. — kfirntn. Pfafe. 

Fotze, Fatze, f. 1) vulva ; der Wur- 
zel nach : die gebärende , nährende : 
ahd. fuotjan, mhd. vuoten, altn. foeda, 
ags. feda, nd. Coden ; 2) Frauenzimmer 
in gemeiner Rede. — Für beide Bedeu- 
tungen s. das Schweiz., schwäb. Fotz, 
Futz ; bair., österr. Fotze, mit der Grund- 
form Fut.— 3) Mund. Auch bair., österr. 
fözzig adj.leckerfözzig: lecker- 
mfiulig. — meckerfözzig: schnip- 
pisch, lüstern. Aus der Bedeutung Maul- 
schelle, welche Fotze im Baier. hat, 
lässt sich das schles. Ballfatze : d. i. Ball- 
scheit, erklären. 

främper, adj. vgl. ahd. vrambäri, ausge- 
zeichnet, herrlich, gross. — fram- 
pern, schw. vb. putzen: aufge- 
frampert: aufgeputzt ; verframpert : 
verputzt, überputzt (Reichenbach). Vgl. 
ahd. gaframbarjan, commendare; altn. 
schwed. frambera, frambira, dän. fram- 
bäre: hervorbringeo, darbringen. 

Frans, Reim : Franze, zieh die Kuh beim 
Schwänze ! 



Schweine, nach ihrem dem oui, oui ver- 
glichenen grunzen. 
I'rate, *dj. mager, von Menschen und 
Thieren ; frate ingerm Gesichte, blass 
und mager von Gesicht. — Der Frate : 
der kleine Finger, bei Scherffer Ged. 406. 
Wenn sich von andern gleich alles 

vergangen, 
muas doch der Fratte mit etwas noch 
prangen. 

ahd. vratön sauciare; vreti, livor vul- 
neris. — mhd. vrate, wund ; vrete, Wunde. 
— Schweiz., schwab., bair. fratt, wund, 
besonders durch reiben ; durchfreiten : 
reiben, scheuern (frotter). — kämt. 
Frate, Waldlichtung. 

ßreidifr, adj. mnthig, kühn ; ahd. vreidic. 
Schmeller 1, 600. — Bei Eschenloer 
häufig; auch noch bei Schwei nichen 
(Stenzel Script. 4, 51), wo sein nu eure 
kriegsleute? seid ihr freidig, so thut 
es nach. — frech und freidig. Eschen- 
loer 2, 184. 

freies, schw. vb. zu erwähnen wegen der 
alten Verbindung mit dem Dativ: einem 
Mädchen freien (Waldenburg); vgl. 
Grimm Gramm. 4, 694. 



Freise, F r ilse , st. f. ; Fräs, st. m. 
Krämpfe der Kinder (Glaz, Reichenbach). 
G e f r te s e I , m. dasselbe. Auch bair., 
österr. — Grimm Mytbol. Uli ; Schmel- 
ler 1, 617. 

fressen, st. vb. Kust mers und friss mers 
nich ! als Sprichwort bei Robinson tau- 
send in Schlesien gewöhnl. SprüchwÖrt. 
und Redensarten (Leyden 1726). Go- 
molke (der Heller gilt am meisten wo er 
geschlagen ist) hat: Kosten leit nich 
weit vo Frissen. — Fr e s s e , st. f. Maul ; 
eine Fresse haben : beredt sein , im 
schlimmen Sinne. — Lichtmesse Schnee- 
fresse. — Gefräss, n. Maul; Schweiz., 
schwäb., bair., österr. Gfräss, Gfriess ; 
hess. Fräs, Gefrös. 
Freund, st. m. wie altd. und obd. vor- 
zugsweise der Verwandte ; Freund- 
s c b a f t : Verwandtschaft. Es kommt 
nicht aus der Freundschaft: bleibt bei 
der Familie, f r e u n d e n sich zu einem : 
dass der Musen alter stam 
her vom hiinmel anfang nam, 
macht dass auch ein edelman 
sich zu ihnen freunden kan. 
Logau n. 74. 
Friede, st. m. in Friede, mit Fr., zu 
Fr. lassen : in Ruhe lassen , Friede Ge- 
mach geben, dac pokoj. Vgl. Schmeller 
1, 602. — Wenn das zu Frieden bleibt 
(ruhig, ungestört), Lohenstein Ihr. Bassa 
1,412. 

Friesen, st. vb. pari, gefriesen, derfrieaen : 
erfroren. — G e f r i s t e : Frost ; vgl. 
Gefräste bei Kl. Hitzlerin 88. Gfrüst H. 
Sachs. — ahd. friesau. Das alte s hat 
sich im Inf., Präsens sg. und Part. prät. 
dieses Zeitworts in den meisten Mund- 
arten obd. wie nd. erhalten. , 

Frinkcr, st. m. Freier (Mittelwalde), 
wos seil ich denn met su am Monla 
macha ? 

dobo icha andarn Frinkarn ogeachloin. 
Schönig Glaz. Gedichte. Das seltsame 
Wort ist nach Ausscheidung des Nasal 
auf frik (hd. frech) mit der Bedeu- 
tung: gierig, besitzsüchtig , zurückzu- 
führen. 

Frttaehepreil, vgl. Flitzpfeil. 

Frucht, *L f. Zu den Koseworten für die 
Geliebte: du edle süesse Frucht, du 
schöne Frucht, die in Liedern des 15., 
16. Jahrb. begegnen, steht die schlimme 
Bedeutung von „Friichtel" im Sehlesi- 
schen im Gegensatz. Sis a seht Frichtel ! 
a liderlich Frichtel. 

frute* adj. tüchtig, ausrichtsam ; nur sel- 
ten (Reichenbach). — ahd., mhd. vruot ; 
süddeutsch fruotig, fruetig: munter, 
emsig, rüstig. 

Fuchs, at. m. Der Fuchs braut, wenn 
die Wolken an den Bergen reissen und 
in einzelnen Streifen aufsteigen (vgl. 
Buschweibchen). — Der Fuchs brennt, 



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wenn das Feuer aus der Esse schlügt, 
bei Töpfern und Schmieden. — fu ch s- 
feuerroth, sehr roth. — fuch- 
sig, adj. 1) fuchsroth, namenti. von 
abgegriffener Kill>erscheidemünze: fuch- 
sige Böhmen; 2) aufgebracht, zornig; 
fuchswild. 

flachsen, schw. vh. 1) Mühe, Verdruss 
machen : „das hat mich geratlich ge- 
fuit" ; auch schwäb. , bair. rexiren, 
plagen; 2) stehlen, besonders in der 
frequent. Form : füch sein , fixe In; 
auch bair. Schindler t, 508. — ver- 
fuien wie verfizzeu, die Fäden 
verwirren. 

fuchtig-, adj. zornig, unwillig. — Auch 
bair., kamt. — Schweiz, fuchten: zan- 
ken, schmähen. 

Füllsel, st n. Füllung in Geflügel, Wurst 
u. dgl. — Möhrenfülsel: Gebfick 
in Babenform , aus geriebenen Mohr- 
rüben, Semmel, Eier, Zucker, Rosinen ; 
bei den Kirmessen gewöhnlich. Drock- 
fülsel: Schelte für einen drocken- 
den langsamen Menschen; Imperativ- 
Bildung. 

fumfelea, verfnmfeien, schw. vb. 
durch Nachlässigkeit verderben. — nd. 
Wort; es bedeutet dort: in Lustbar- 
keit leben, dabei etwas verthun, durch 
Nachlässigkeit verlieren, überhaupt ver- 
derben. Brem. Wörterb., Schütze, Richey. 

Fümmeldüse, f. Kopfputz der Frauen ; 
überhaupt auffüllende Tracht. — Vgl. 
nd. Fnmraelke: nachlässiges Frauen- 
zimmer; nrhein. Fimel, Fimelche: stil- 
les, zartes Frauenzimmer. — In einem 
Gedichte in Neukirchs Sammlung von 
Hoflmanswaldau u. a. Ged. 5, 345 bezeich- 
net Fimmel einen Weiberrock. Fimmele 
heisst Schweix, der samenlose (weibliche) 
Hanf. Stalder 1, 370. 

rummeln, schw. vb. coire. — Der Grund- 
begriff ist auch hier reiben : bair. rei- 
ben, nd. umbertasten, zusammenraffen ; 
rhein. fomeln, hollSnd. fommelen : be- 
fühlen , betasten , zerknittern ; schwed. 
fumla : herumwühlen, nachlässig arbei- 
ten ; in letzterer Bedeutung auch dan. 
fumle. — kärnt. feamlazen : die Augen- 
wimpern rasch auf- und zumachen. 

funt für fulnt, vollends, völlig — funtze- 
mal: vollends zumal, pleonastisch funt- 
zemalitze: vollends jetzt; funzemal nu: 
heute. 

funkeln, finkein, schw. vb. funkeln; 
es ist eine Katze, die also mit den Au- 
gen funkelt. A. Gryph. Ilorribilicrib. — 
finklig: funkelnd. — finkelna- 
gelneu: neu dass es funkelt; auch 
von Kleidern gebraucht. 



Kunze, st. f. 1) schlecht brennendes 
Licht; wir steckten Fremden nur die 
Ilellerfunzen an. Güuther 1 100. 2) Läinp- 
chen (Breslau, Reichenbach, Glaz). 
KublSud. Fonz : Lampe; Wetlerau., nd. 
Funzel, Funsel ; frank. Fonse, Fonsel : 
LSmpchen. Verwandt mit Funke, altn. 
fuui: Feuer, Feuerasche. 

Fürbsen, plur. Vorschuhe; zusammenge- 
zogen aus Fürbuss , Vorbuss : die Aus- 
besserung, Flickung am Vordertheil. 
Redensarten , in deneu das Wort vor- 
kommt: sich Fürbsen machen lassen: 
für die Zukunft sorgen ; man muss immer 
auf fürbsen gedenken ; heb dirs uf 
ferbsen uf : für künftig. — oblausitz. auf 
den Fürhss aufheben. — Stieler 262 : vor- 
büssen praesuere, praeartare; Strümpfe 
verbUssen , quod Thuringi ferbsen et 
fürbsen efferunt, tibialia reaplare, i. e. 
Kappen ansetzen ; Ferbsung i. e. Ver- 
büssung, sutela. Vgl. altbüezer, schuoch- 
büezer. 

Furche, st. f. wie hd. — Furcben- 
scheisser: Landwirth. 

furchten« schw. Tb. c. gen. der ge- 
brannte furchtet des Feuers. Schweinich. 
II, 45; sieb des Todes fürchten: zum 
Tode, ungemein fürchten. 

fuhren, schw. vb. wie hd. — abfüh- 
ren, Part, abgeführt, d. i. schalkhaft, 
durchtrieben ; bei Opitz öfter. Vgl. Grimm 
Wörterb. 1, 42. — ei n f fi h r e n : ein 
Kleid einf., d. i._durch häufiges tragen 
beschmutzen, verderben. Schiefer ein- 
führen : einjagen. — verführen: trei- 
ben ; LSrm, Wirtschaft verf. ; ein Gethue 
verführen: sich seltsam benehmen. 
Ja schiel ich hier und da die liebe 

Wirtbschaft an, 
die er und sie verfuhrt. Günther 451, 

furkeln, forkelu, forcheln, schw. 
vb. i) intr. hin- und herfahren, „was 
vor ein Röpel mit forkelndem Hinken." 
Scher ffer Iii. — auch oberpfälz. 2) trans. 
hin- und herführen, herumwerfen, zau- 
sen : einen herumforkeln. Vgl. Fast- 
nachtsp. 332, 6 : und firkelten mich hin- 
und herwider. — durchforkeln : der Wind 
durchforkelt einen : durchbiist nnd zer- 
zaust. Vgl. ags. frrcljan ingerere. 

Furz, Forz, Farz, m. 

Besser ein Furz entrant, 
. als ein Dorf abgebrant. 
Wie ein F. im Bade auffahren, herum- 
fahren ; gewöhnlich, auch bei Stoppe Par- 
nass 525: dass ihr eines Wortes wegen 
so auffahren soltet wie ein Forz im Bade. 
— Forae, Farze.f. sehr kleine 
Pfeife aus abgelöster Weidenrinde, die 
einen quakenden Ton gibt. 



Di 



grabsch — giunlich. 



25 



O. 

{rnhseh, adj. albern, dumm. Berndt führt 
nuf: „der Gabsch," dummer Kerl ; bair. 
gäbisch : verkehrt (Schmeller 2, 9), ist i 
verwandt; gabsch und gäbsch sind Ab- 
leitungen von gab, einem weit verbrei- 
teten Worte, dessen Grundbegriff th5- 
richt tSndelnd ist. Schweiz. Gappi Gopi : 
kindischer Mensch ; kirnt. Goape : Tölpcl ; 
appenzeller, göpisch , glupisch : tin- 
delnd; gappen, gopen, ganpen: possen- 
haft tändeln, kindisch spielen. Stalder 
i , 417; Tobler 229. Vgl. auch Gauf 
Scherz, gaufen scherzen bei Frisch 1, 
325. — Wächter hat gapen, ludijicari 
illudere, Henisch gopen: spielen. Hierzu 
das altn. gabha : delndere, deeipere, 
gabb : ludilioatio. Romanisches : provenz. 
altfrz. gab : Spass, Spott ; ital. gabbo, 
gabbare , Diez roman. Wdrterb. 158. 
Auch im Slawischen sind verwandte : poln. 
gap : Tölpel. Keltische anklingende Worte 
bei Diefenbach goth. Wörterb. 1, 169. 
Gabgehe, st. f. Handvoll; vgl. nd. Göpse, 
nl. Gaps, hohle Hand. — Vgl. ferner mhd. 
göufse. bair., öslerr. Giufel , Gaufen, 
Gafe : Handvoll.— Anderes s. bei Schmidt 
westerw. Idiot. 64 und Diefenbach in 
Kuhns Zeitschr. f. vgl. Sprachf. 2, 54. 
«■nriern, schw. vb. mhd. gatern vereini- 
gen. — vergadern,nd. vergaddern : 
dess wasservolks vergadern. Scherffer 
Ged. 83. Kalbfleisch und Ochsenfleisch 
in einen Topf vergadert ungleich seudl 
und kocht, ebd. 653. Aus der heutigen 
schles. Mundart ist mir das alte allge- 
mein german. Wort nicht bekannt, 
g-akent schw. vb. schreien , schreien wie 
eine Gans ; dumm schwatzen ; mhd. gagen, 
g'Agen. — gaksen mit der Ablautform 
gi k s e n : nicht giksen noch gaksen kön- 
nen : ganz albern sein. — mhd. gakezen, 
nd. kakeln, kfikeln, engl, cackle. — G a k e, 
f. 1) Kehle ; nd. Keke, Käkel; 2) schreien- 
der Vogel: Gans, Krähe; 3) schwatz- 
haftes, dummes Frauenzimmer. — g A- 
k i g , adj. schwatzhaft. — g A k s c h, adj. 
läppisch albern. Vgl. Stieler 594 Gfike : 
femina loquacula, graculus , monedula; 
gallisch: multiloquus, vanjloquus. 
g-akern, schw. vb., vgl. das Schweiz, ga- 
kern: sich hin und her wiegen. Stalder 
1,413 und mhd. gagern. — vergakern: 
verkommen, namentlich durch Aller zu 
Grunde gehen, von Menschen und Waa- 
ren. Vergakertes Frauenzimmer : alle 
verschrumpfte Jungfer ; „ihr alden ver- 
gakerten Knechte." Scherffer Ged. 650. 
— Schweiz, v er gagern: aufhören sich zu 
bewegen, verrecken. Vgl. auch gickeln: 
beben, zucken. Schmeller 2, 25. 
gAkrich, adj. bunt. — Nürnberg, geg- 
kericht , buntscheckig ; schwlb., henne- 



berg., oblaus. gackelig, gakrich. — mhd. 
gickelve'h. 

Gäl, st. m. Ruf, Schrei; einen lauten 
GAI lassen , laut schreien. Euer mord- 
gali rufft für Gott und fordert blut für 
blut. Gryph. Gibeon. 559. — mhd. gal. 
oblaus. Gall. — galten: gellen, laut 
rufen. Schmeller 2, 30 ; vgl. gillen. 
GalitAchkensteia, m. Vitriol, auch bair., 
österr., kämt. Schmeller 2, 29 ; Schweiz. 
Gallülzelstein: Belemnit. 
C*nlle, st. f. nasse quellige Stelle im 
Acker; auch bair. Schmeller 2, 30. Das 
Wort bezeichnet Oberhaupt einen Ein- 
schluss von andermStoffe: imAlgäu heissen 
steinige Flecken im Acker Griessgallen, 
Srhmid 243; in der Lausitz dieselben 
Sandgallen; nasse Flecke: Wassergallen 
oder Sor- oder Sauergallen. Anton 8, 10. 
waasergfillig , gillichtig bei Pictorius 
morastig; nd. Galle: fauler Fleck im 
Käse. Brem. Wörterb. 2, 478. — Zwei- 
felhaft ist ob hiermit zu verbinden : 
Wassergalle, f. nicht ausgebildeter 
Regenbogen, von dem nur der untere 
Theil erscheint. Solln Wassergalln itzt 
Regenbogen sein? Lohenstein Agripp. 
4, 395. Ist wie Wasser-Gall, ein falscher 
Regenbogen , Lobenstein Blumen 91 
(1689); vgl. isi. bafsgall, fries. weV- 
gall, auch hd. Wettergalle. 
Galle in Bergnamen: Weissgalle, 
Berg bei Schömberg. Im Canton Uri 
heisst ein Berg Windgalle, vgl. Wacker- 
nagel in Haupt Zeitschrift f. deutsch. 
Alterth. 6, 291 , der hierbei und bei 
dem vorhergehenden Galle an mhd. gelle 
errinnert. Vgl. übrigens zu unsertn Wort 
Schweiz. Galm : Gipfel , Bergrücken. 
Stalder 1, 416. Wer keltische Ableitun- 
gen liebt, denke an gall, goll , col : 
Gipfel, Höhe. 
Galater, m. in: Rothgalster: rothhalsige 
Taube (Reicbenbach). Galster kann sei- 
ner Abkunft von gal-an nach, überhaupt 
jeden schreienden Vogel bezeichnen. 
GAmelt ra - ungeschickter alberner Kerl. 
— gtmlich, adj. ungeschickt. Vgl. 
Gummel. 

jgämlich, gamlich, g Arne rl ich , adj. 

1) wunderlich, seitsam : da war aber 
ein unredlich münch zu S. Bernhardin 
mit gemlicben mancherlei geberden uf 
dem predigstul. Eschenloer 2, 58. Aide 
Loite s£n wunderlich unde gämlich. 
A. Gryph. gel. Dornrose. Auch noch 
beute erhalten, besonders : verdrüsslich. 

2) unbehaglich, unwohl. — mhd. ge- 
melich (ahd. gamanllh): lustig, hei- 
ter, wie auch im Schweis, u. schwäb. 
Scbmid218; Stalder 1, 419; Schmeller 
2, 46.— SUeler hat 619 gamel, gimlich, 



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26 



Gnmper — gerben. 



1) lascivus, 2) moros us. Diese weite 
zu unserer schles. stimmende Bedeutung 
ist durch ganz Mitteldeutschland verbrei- 
tet, und ist auch nd. und nl. (gheme- 
lic). — Vgl. auch FastnachUp. 406, 5 : 
ich hör euch pitten gamlich sach, das 
pringt mir grossen ungemach. 754, iO: 
es steht gnr gämlicb in der weit. 

pmpep, gampern, adj. nur erhalten 
im negativen :ungampern, ungamp- 
rig 1) steif, ungeschickt; schon rahd. 
in solchem Sinne: ungaraper unde herte 
rindes hiute. Renner 12516. Auch bair., 
kirnt. 2) unbehaglich: sis mer gar un- 
gampern im a Magu (Langenbielau). An 
das al;d. gambar ist nicht zu denken. 
Gamper ist Adjectivbildung aus dem 
Stamme von gampen : hüpfen, scherzen, 
und bedeutet: lustig; Schweiz, ist wirk- 
lich ein Adj. gämperisch : lustig, gecken- 
haft, nachzuweisen. Ungamper ist also : 
unlustig; damit vereinen sich die schle- 
sischen Bedeutungen sehr gut. 

Gärtner, Gaertner, eine besondere 
Classe der Dorfsassen, zwischen Bauer 
und Häusler in der Mitte stehend , den 
niederdeutschen Kotsaten oder Kossä- 
ten und den Brinksittern entsprechend. 
Sie haben nur einen Garten bei dem 
Hause und waren vor der Ablösung der 
Grundherrschaft zu Zins und bestimm- 
ten Diensten verpflichtet, wofür sie ein 
bestimmtes Mass an Getreide, eine ge- 
wisse Anzahl Brote und andere Vortheile 
empfingeu. Ihre äussere Lage ist durch 
die Ablösung verschlechtert. Man unter- 
scheidet Grossgärtner, die so viel 
Feld hatten, um ein Pferd darauf halten 
zu können; Dreschgärtner, die zu 
Dreschdienst verbunden waren. Im all- 
gemeinen hiesseu sie zur Unterscheidung 
von den Freigärtnern, die keinen 
Frobndienst leisteten, Hofegärtne r. — 
Die ersten hortulani werden in Schlesien 
1204 erwähnt; ihre Verhältnisse znr Herr- 
schaft wurden in besonderen Urkunden 
„den Gärtnerbriefen" geordnet. Sie bil- 
deten eine freiere Classe der Hörigen. 
Vgl. Stenzel in der Urkuudensammlung 
für die Städte 58, f. Geschichte Schle- 
siens 1, 216. — Solche Gärtner kom- 
men auch in der Lausitz und in Bran- 
denburg vor. 

Gntschrieh, m. geiler Kerl, namentlich 
von alten Männern gebraucht. — Eine 
Ableitung durch die Bildung -rieb von 
gätsch, laseivus, petulans, das sich in 
der Schweiz erhalten hat. Stalder 1,426; 
vgl. ahd. getilös; mhd. geteUts. 

gat gehkern, schw. vb. sich begatsch- 
kern: sich durch begiessen beim trin- 
ken und essen beschmutzen. — gatach- 
krich, adj. schlüpfrig, schmutzig. — 
Schweiz. Gätsch : Koth, Unrath ; gftstig : 
schmutzig, hässlich. 



gäuten, schw. vb. »ngäulen: anglotzen 
(Jauer). 

(«nutze, st. f. Krankheit der jungen 
Hunde. — gauzen : bellen, bei Frisch 

1, 326; Schmid 223. 

geben, gAn, st. vb. — Gebe werk: 
Steuer, Kriegssteuer. 

Seufzen nicht der Schlesi Bauern, 
wirdt denns Gahwerk ewig dauern ? 
ScherlTer Ged. 633. 

geil, adj. lustig, ausgelassen, namentlich 
von Pferden und Rindvieh gebraucht. 
Geilheit, f. Fröhlichkeit, kraftvolle 
Lust; sich vor Geilheit (Ausgelassen- 
heit) nicht lassen können. — Die alte 
Bedeutung dieser Worte ist erhalten. 

Geisler. m. Name der Fleischer, welche 
nur kleines Vieh schlachten (Breslau). 

gel, gael. gAle, adj. gelb; ahd. gelo, 
mhd. gel; Schweiz, bair. md. gäl, nd. 
geel.quitt egAl. — RutmacbgAl: Sa- 
fran (Habelschwert) ;GAlemacheding: 
dasselbe (Trebnitz). — G Albrotel: 
rundes Weizenbrötcben, mit Safran und 
Eiweiss bestrichen, ein Ostergebäck in 
und um Breslau. — GAlmannel, GA1- 
schwappe: gelber Pilz. — Gehi- 
schnabel, Günther 997 und allgemein. 

gelue, adj. unfruchtbar, nicht milchend. 
— Allgemein germanisch. Frisch 2, 338; 
Schmeller 2, 40; Stalder 1, 417; Brem. 
Wörterb. 2, 497. 

gelt» g e 1 1 , g e 1 1 e ; bei der Anrede in 

2. plur. geldet, in 3. gllden Se, ge*l- 
lense; überall in zweifelnder Frage, 
etwa = nicht wahr? Das Wort ist auch 
Schweiz., elsass., schwäb., bair., henne- 
berg., obsächs., oblaus. — Fischart hat 
geltet? — Es gehört zum Zeitw. gelten; 
wenn man dies in der Bedeutung zu- 
geben, wie das engl, yield belegt, fest- 
hält , heisst also unsere Partikel: gibst 
du es zu? 

Gelte, st f. in Schlesien der hölzerne 
Melkkübel. — ahd. gellida. Frisch 1, 
338; Schmeller 2, 44. 
Gerade, st. f. Die Vorausnahme der näch- 
sten weiblichen Verwandten vom Erbe, 
hauptsächlich Schmuck und Einrichtungs- 
sachen; vgl. Grimm llechtsalterth. 576 f. 
Meine deutschen Frauen 133. — Hier zu 
erwähnen wegen des Logauischen Sinn- 
gedichtes n. 690. 

Im Opplischen fürstenthum, ist es 

nicht schade, 
bat jungfer noch frnue nie keine 
gerade. 

gerben, schw. vb. 1) wie hd. 2) speien ; 
auch Schweiz., schwäb., kämt.; eigent- 
lich : würgen beim essen und beim sich 
erbrechen; vgl. Fastnachtsp. 55, 27. 
das» sie oft gerben nn dem Hnngerwein. 
Von dieser Bedeutung entspringt die 
Redensart: speien wie ein Gerbertmnd, 
eine Gerbersau , die in alterer Zeit 



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begegnet (Frisch 1, 342) an<l in Schle- 
•iea noch allgemein ist. In Philander von 
Sittewalds Gesiebte 1 , 428 (Ausg. v. 
l(i<)6) heisst es: andre lagen da, speye- 
ten and kotxeten als die Gerberhunde, 
wo die Ausg. ron 1650 nur liest: als 
die Hunde. 

gerne, adv. hervorzuheben in der Bedeu- 
tung: mit willen, absichtlich; etwas 
gerne thun, gerne sagen. — auch oblaus. 

— su gerne, asu gerne; vgl. as. 

— compar. gerner. — Gerne, f. ahd. 
gern!, mhd. gerne, gernde, erhalten in 
Liebegern e: aus Liebe gerne etwas 
thun, auch aus lieber Gerne: mit Ab- 
sicht und Willen. 

Gerate, Gaerschte, G 4 r s c h t e , st. f. 
wie hd. — Du Satan aus der Gerste 1 
Schimpfwort (Reichenbach). 

ver-gessen» st. vb. ich babs zu Stetade 
vergessen, ganz und gar (Goinolke). — 
vergesserlich, adj. vergesslich: roa 
is ju gar zu vergesserlich. Stoppe 
Parnass 507. 

gretlich, adj. passend, schicklich: dass 
8ie einem viel {Tätlichem werde ge- 
treuet Scherffer Ged. 412. — Frank, güt- 
lich : passend, schicklich. Schmeller 2,80. 
Schweiz, gattlich, gattig: artig, ordent- 
lich; gattigen: ordnen. Stalder 1,427; 
vgl. auch Frisch 1, 323. — Aus demsel- 
ben Stamme ist das mhd. getelinc. 

<• otze, schw. m. — Käsegetse: Ge- 
bäck aus Käse, Bier, Zucker und Mehl in 
beliebiger Form. — Ö I g e t z e : unbehilf- 
licher, steifer Mensch ; wie ein ölgetze 
dastehen; vgl. Schottel Haubtspr. 1131: 
„ein Ölgötze ein rechter Götze, ein Öl- 
götze ist ein Mensch , der nirgends zu 
nütze ist, da weder Verstand noch Witz 
bei ist" — Das Wort hat mit Götze nicht* 
zu thun: obpfülz. Gätz: Brei. Schmel- 
ler 2, 88. Im Erzgebirge Götze: Pfan- 
nenspeise aus Mehl, Eier, und Milch; 
es ist Bildung aus gessen: essen. Öl- 
getze bedeutete ursprünglich nach mei- 
ner Vermuthung eine in Öl gebackene 
Speise, bei der sich zeitig durch die 
Namensähnlichkeit Verwechslung mit 
einem Bilde aus den Olbergen, den be- 
kannten plastischen Darstellungen der 
Ölbergscene, eingemischt haben mag. 

Steuden, g e i d e I n , schw. vb. schickem, 
scherzen. Das Gegeidle, die G e i d I e, 
Subst. hiezn (Neusatz). — Geuder, 
Geider, st m. wollüstiger Lecker. 
Scherffer Ged. 552. In dem mhd. giuden 
liegt neben dem Begriff grosstbun der 
von üppig, fröhlich sein. Vgl. ßenecke- 
M filier 1, 530; Frisch 1, 346. — Die 
Deminutirforaien giudel, geudeln sind alt. 

g-cu stern, gestern, schw. vb. über- 
giessen, überfüllen; sieh den Magen 
überge*stern. — Das lausitx. gest- 
voll (Anton 8, 13 ; 18, 11) ganz voll, 



gleiche. 27 

beide Hände voll, gehört wohl hierher. 

— ahd. urgussi abundantia , ubargussun 
affluere sind verwandt. 

frilten, gibsen, schw. vb. schreien mit 
gedrückter, gepresster Kehle. 

Die für drang zwang pein und schmach 
endlich mehr kaum konten gieben. 
Logau 1. Zugabe 201. Ablautform : ga p- 
s e n ; vgl. Schweiz, gipsen : knarren ; 
ins Gespräch einreden. Stalder 1, 442. 
Gickel, m. Hahn, (hess.. Tränk.) Gickerle : 
Hähnchen ; G a c k e r 1 e : Hühnchen. 
Gickerle Gackerle 
gieng übers Ackerle: 
als die liebe Sonne schein, 
gieng Gickerle Gackerle wieder heim. 
Kinderräthsel. 
Gickel, Gittel, Gitschel, Kits ehe I, 
st. n. heissen die Fruchtkerne in Obst 
und Schoten. Kann man das Wort als 
eine kindliche Vergleichang der zusam- 
mengereihten Kerne mit der zusammen- 
liegenden Hühnerschaar nehmen? Vgl. das 
vorangehende Gickel. Die Honiggefisse 
von Acouitum werden die Täubel genannt. 

— Wechsel zwischen k und t in Gickel 
und Gittel überrascht nicht; die Form 
Gittel führte zu Gitschel und Kitschel, 
die Bennenung des Kätzchens, so dass 
wir hier in eine ganz eigene Ansch;iu- 
ungsreihe hineinkommen. — rhein. 
Ketsch, Kitsch: Kerngehäuse. Müller- 
Weitz Achener Mundart 104. 

grillen» schw. vb. gellen, überlaut schreien ; 
auch laut singen. Gillende Krämpfe: 
tobende Krämpfe. Vgl. ahd. gilön ulu- 
lare. — Schwab. Giller: Hahn. 

CHtte, vgl. Gütte. 

«ilnsn, der Drummeln Widerglam. 
A. Grvph. Karl Stuard 2, 13. — Wenn 
es nicht für Galm verdruckt ist, was 
ich nicht ergründen kann, so haben wir 
hier das deutsche Wort, das dem alt- 
nord. glamm (n.) Klang, schwed. Ge- 
schwätz , dän. glom : Schall , Gebelle, 
entspricht. 

GlÄven,pl.Kinnladen;Glavenkrampf: Rinn- 
backenkrampf (Breslau, Reichenbach). 

GlRKhlume, f. Trollius europaeus (Rein- 
erz). Henneberg, grosse Glotzblume. 

gleich, gleich, glich, glebch, 
g 1 e , Einschiebpartikel , hauptsächlich 
in fragenden und zweifelnden Sätzen, 
vielfach mit dem Sinne : es soll, es heisst. 
„Es hat gleich geregnet ? Es sind gleich 
viel Menschen da gewesen." — Auch 
lausitz. , obsächs. — Wie die schles. 
Nebenform glebch und das oberpfälz. 
glau' (Schmeller 2, 411) deutlich ma- 
chen , ist gleich aus glaub ich entstan- 
den ; vgl. das thüring. mech = mein ich, 
halt w.z.8., mhd. waniu, waen. 

gleiche, adj. adv. 1) eben, gerade; 
gleiche schreiben ; hängt das Tuch glei- 
che ? auf gleicher Erde : zu ebener Erde, 



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28 gleiten - 

parterre; mit gleichen Beinen aus dem 
Bette springen : mit beiden Beinen zu- 
gleich ; gleiche machen: ausgleichen. 
Du kannst alles eben machen, welches 
krumm und ungleich war. Christ. Gryph. 
129 (3. Aufl.) ; 2) gerade, soeben: er 
ist gleich fortgegangen. Vgl. Schnieder 
2, 425; Brem. Wörter». 2. 318. — 
gleichfalls, Dank auf den Wunsch 
nach aufgehobener Mahlzeit wohlge- 
speist tu haben (speistzabn). — gleich- 
so wohl, gleisewull: gleichwohl; das 
Wort war vor der Zeit bei Gott — und 
selber Gott — doch gleich sowohl der 
Sohn. Opitz 1, 53 (1629); wenn 
gleich mags doch , pleonast. Wieder- 
holung zweier Synonyme; wenn se 
glei dass se: obgleich sie . . . 
gleifen, gläfen, schw. vb. — serglei- 
fen: spreizen, sowohl in sinnlicher als 
geistiger Beziehung: die Beine sprei- 
zen; sich geziert benehmen (Reichen- 
bacb). Vgl. ahd. gleif obliquus; gleifan 
obliquare. 

glimm, adj. glimmend, bei Lohenstein: 
die noch glimme Glutt. Agripp. 5, 566; 
in deinem glimmen Herzen, ebd. 4, 442. 
Heute mir nicht begegnet. — glim- 
men bei Lohenstein noch stark ge- 
beugt: sie giam noch in der Asch. Ibr. 
Bassa L, 464; dass ihre Liebes-Glutt 
doch nicht verglummen würde, ebd. 
1, 132. Also auch ein Infinit, g 1 u m m e n ? 

glit neben, schw. rb. gleiten, nd. glit- 
schen, glisken , nl. glitsen , schwäb. glit- 
schen. — glitschig, g Ii tsch k ri ch, 
adj. glatt zum gleiten, schlüpfrig: ron 
Fetze glitschig, Schweiz, schwäb. glit- 
schig, glitscherig. — glittern: auf 
der Eisbabu hingleiten; nd. gleisern, 
glisken, glitschen. 

g-lumpern, glungeln, schw. vb. klun- 
kern : herum- und herabhängen, schlot- 
tern; ahd. clunga glomus; Schweiz, 
glunggen: nachlässig gekleidet her um- 
laufen; bair. klanken, klenkeln: schwin- 
gen,, schwanken. 

glupscht adj. tückisch , ein niederdeut- 
sches Wort ; nd. glupsch , nl. gluipsch : 
tückisch ; nd. glupen , nl. gloepen, 
gluipen : lauernde schielende Blicke thun, 
lauern. Nebenbedeutung gierig , ge- 
frissig, iu nd. glupsch, nl. gluipsch, 
dän. schwed. glubsk ; vgl. .Möllenhoff 
zn Klaus Groth Quickborn 292 (3. Aufl.). 

Glotzen, pl. Augen; Nebenf. Glutzken, 
stiere Augen (Breslau, Reichenbach). 
Vgl. glotzen. 

Gntakes, Gniskus, m. Knicker: dass 
er sit ddss ich ke" knauser oder gnis- 
kes bin. A. Gryph. gel. Dornrose. 
Gniskus thut niemanden nichts, den- 
noch ist ihm niemand gut, 
eben darum weil er nie keinem etwas 
gutes thut. (Logau n. 25S4.) 



grnbschen. 

nd. dän. gnisk, gnidsk : knickerig, gei- 
zig ; schwed. gnidare : Knicker, Knauser ; 
vgl. ags. gneäd sparsam. — Das Wort 
bedeutet eigentlich: knitternd, vgl. ahd. 
gnitan, schwed. gnida ; vgl. gleiche Be- 
deutung sinnlicher nnd sittlicher Art 
in knickern , knitschen , knispern. — 
rhein. Kniebcs , Knicker von knipe, 
kneifen. 

gokeln!, go ekeln, schw. vb. gankeln, 
sich rasch hin und her bewegen. Gokle 
nicht vor dem Fenster herum! — es 
gokelt was vor mir hin und her, ich 
weiss nicht was ! — im Lichte gokeln : 
in der Flamme hin und her fahren, mit 
dem Feuer spielen. Wer gokelt, pisst 
sich in der Nacht ein. — G d k e I m ä n- 
n e I : Herumtreiber ; vgl. bair. Gauk- 
männle : bewegliche Puppe. — Es ent- 
sprechen bair. gauken, gaukeln ; schwäb. 
gaugen, gogen; Schweiz, gäuggelen, gö- 
gelen ; mhd. gogelen. 

Gokseh, Gdksch, m. 1) Hahn, Haus- 
hahn ; vgl. süddeutsch : Gogkel , Gok- 
keler; tnfiring., frünk., hess. Gökel, 
Göker, Gickel. — frz. coq. — 2) alber- 
ner unbehilflicher Mensch ; auch von 
Frauenzimmern im masc. gebraucht 
(Reichenbach). Vom ersten zu schei- 
den; vgl. mhd. gogel; schwäb. Gagen: 
du nun grobe Menschen; bair. Gogken : 
Narrenspossen. 

Gold, st. n. als Kosewort gebraucht, wie 
in älterer Zeit; vgl. Fastnachtsp. 402, 5 
nnd bei Göthe. 

Goli'tschke, f- emberiza; vgl. verschie- 
dene landschaftliche Namen dieses Vogels 
bei Popowitsch Versuch einer Vereini- 
gung der Mundarten 138 f. 

Gtirge * Girgel: Georg. Von einem 
steifen Menschen heisst es : stiht a doch 
do wie a hilzern Girgel. Die Georgs- 
bildsäulen traten dem schlesischen Auge 
vielfach entgegen; Breslauer Kinder nen- 
nen noch heute den steinernen Neptun 
auf dem Brunnen des Neumarktes den 
Gabeljürgen. 

Gote, m. Kürzung von Gottfried; gleich 
diesem Namen zur Bezeichnung eines alt- 
fränkischen etwas albernen Kerls ge- 
braucht. Alter Gote , langer Gote. 

Gott, G o t. — Herrgott, Hergottel : Chri- 
stusbild, Crucifix. Einen steifen Menschen 
vergleichen die Breslauer dem „po Ischen 
Herrgottel" auf dem Neumarkte. 

grabsehen, «chw. vb. hastig zugreifen. 

— Grabsche, f. 1) Hand ; 2) das 
zugreifen; in die Grabsche werfen, zum 
fangen auswerfen, als Geld, Obst u. dgl. 

— Niederd. Wort : nd. grapsen, engl, 
grasp, nd. in di Graspel smieten. Vgl. 
schwed. grabba, mit der ganzen Hand 
zugreifen. — nd. nl. grabbeln, engl, 
grabble. — Vgl. ferner mhd. gripfen, 
Schweiz, gripsen, grapen. 



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Grachel — Graupe. 



29 



Urach ei, Graichel, st. f. 1) 
Schoss an Gewachsen; 2) Granne der 
Gerstenähre; Schweiz. Grichel: Spreu 
tod Getreide; Reste des Futters; 3) dürre 
Finger, Arme, Beine, auch auf die gante 
habere Gestalt fibertragen ; 4) die mit 
Querhölzer versebene Stange, an wel- 
cher im Stall die Pferdegeschirre auf- 
gehängt werden. Vgl. das folgende 

Gragrel, Graegel, st.f. 1) dürrer Zweig, 
namentlich ein gabelförmiger; 2) die 
gespreizten Beine. — GrAgelwerk: 
Sperrwerk des Daches. — grAgeln, 
g r a e g e I n , aehw. vb. breitbeinig, über- 
haupt ungeschickt und schwerfällig ge- 
hen. — Die Beine in die Höhe recken: 
sich grageln wie ein Frosch. — gr Beg- 
lich, br jtgräglich, adj. breitbei- 
nig , ungeschickt , unbehilflich. Auch 
oberlaus. Vgl. Schweiz, grägen : hart 
und steif werden, ürägel : etwas Hartes, 
Steifes; hageres Vieh, dürrer Mensch, 
schlechtes Obst. Grägle: alter Reben- 
schoss. Stalder i, 469; grageln: die 
Beine spreizen: Pictorius. Dies Wort 
ist auch bairisch, in der Oberpfalz: 
klettern, Schindler 2, 107. — Verwandt 
ist auch bair., österr., steir., kämt, 
krachsein : klettern. Etwas ferner steht 
westerw. Kratl, Kräel, Kraal, was zu 
gratein, grätschen überführt; s. grät- 
schen. — Ohne gutturalen Anlaut : ober- 
pfäla. regeln, Schweiz, raggen: klettern, 
kriechen. 

graetig-, adj. rerdrüsslich, unwillig. — 
schwäb. grätig, grätisch; gräen: un- 
willig machen; sich vergräen : sich be- 
kümmern. — oblaus. grätsch. Vgl. ahd. 
grätac, ags. graedig, altn. grädugr : gie- 
rig, goth. gredags : hungerig. 

gram, adj. 1) feindlich abgeneigt, a) activ : 
einem gram sein. Hier lerne ich dir 
falsche Seele gram zu sein. Günther 354; 
b) passir, verhasst: mit was schlimmen 
gramen Leuten. Schweinich. 2, 204. 
Octaria die grämst« dieser Welt. Lohen- 
stein Agrippina 5, 308. 2) refleziv : gram 
tragend, betrübt: seid eifrig gram be- 
trübt. A. Gryph. schwärmend. Schäfer 
686. Vgl. mhd. gram. — Gram, st. m. 
Feindschaft: sie deducirt den Gram des 
Wolfes mit dem Schafe. Günther 979. 
Die Gunst in Gram, die Lieb in Haas 
verwandeln, ebd. 1010. Gramschaft, 
f. bei Opitz 1, 148 (1629); Schweini- 
chen 2, 251 ; Lohenstein Armin. Thusu. 
1, 75 (2. Aufl.) — gramhaft, gram- 
haftig, adj. verdrüsslich ; neidisch. — 
g r a m m e 1 n , schw. vb. ärgern , ver- 
driessen: das Ding grammelt mich. — 
grammlich , g r i es egr am m lieh, 
adj. grämlich , ärgerlich , auch nord- 
höhmisch ; vgl. mhd. grisgramen. — 
Grammler, Gräramler,m. Zänker, 
Murrkopf. Scherner 398. — Grämmel- 



grillen, f. Herr und Frau die haben 
Grimmel-Grillen. Scherffer Ged. 607. 

— ergremsen, schw. vb. böse ma- 
chen, von wunden Gliedern gebraucht; 
in wüthenden Schmerz bringen. — mhd. 
ergremzen ; aebweiz. gramsein : kribeln, 
jucken. 

grammeln. herumgreifen, betasten, s. 
krammein. 

Granne» st. f. Barthaar der Gersten- 
< ähre. — mhd. gran ; auch mitteldeutsch. 

gratachen, schw. vb. 1) grätschen: 
unbehilflich schreiten; herausgr:itschen : 
langsam aus einer Thür schleichen. — 
Gr «Usch, m. Tölpel, vgl. PldUch, 
Trötsch. — 2) grätschen: plump 
zugreifen ; ungeschickt tasten. — be- 
gratschen : betasten. — Grätsche, f. 
Hand. — Beide Worte gehören zusammen 
und werden nur aus äusserem Grunde 
von der Mundart geschieden; sie sind 
auch sonst bekannt und aus dem 15., 
16. Jahrh. zu belegen: Frisch 1, 368. 

— In der Bedeutung von 1. lebt das 
Wort im bair., schwäb., fränk. ; in der 
von 2. im kärntischen. — Die einfache 
Form graten und abgeleitetes graiteln 
in Baiern: grosse weite Schritte ma- 
chen. — Nebenform: gritten, griggen 
bei Frisch 1, 374. Grageln (vgl. oben) 
ist verwandt. 

gran, g r ö , adj. grau. — Die graue, näml. 
Kuh: habe also dem Sprichwort nach- 
gelebet : wer zu hofe sein wil, mos itzo 
oben bald unten ligen und wie jener 
aagte: die grohe ausziehen, wohin sie 
gespannt wird. Schweinichen 3, 105. — 
kitzgrau: sehr grau; auch bair. 
Schmeller 2, 98; 347, Schweiz, kazgrau. 

— Graumännel, n. elbischer Geist 
in grauer Gestalt, meist mit rothem Käp- 
chen. von dem schlesische Sagen viel 
erzählen. — Einem Trunkenen „ist das 
Graumännel aufgehockt". — Grau sind 
auch die sächsischen „Mönche" (Som- 
mer Sagen aus Sachsen und Thüringen 
S. 35 ; 172) und die dänischen und nor- 
wegischen Nissen. 

Grau, st. m. Ekel, mhd. gruwe, nd. Gro. 

— Der Grau geht einen an. (Ein gu- 
ter Koch) giesst Söder auf und Senf 
daran, die dienlich für den Grau. Logau 
2, 84. 

Graupe, st. f. 1) wie hochd. die geachro- 
tene Gerste, süddeutsch Gerstel, Grauss ; 
2) kleines Hagelkorn; in einem deut- 
schen Hymnar des 15. Jahrh. (Grätzer 
Univers. Biblioth.) eysgrupe. — bair. 
Grauss. — graupen, graupeln, 
schw. vb. mit kleinen Hagelkörnern 
werfen : 

Es fängt an zu tröppeln, es_ kommt ein 
Mann mit Appeln ; 

es fängt an zo regnen, es kommt ein 
Mann mit Degen; 



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30 Grnntsehke 

es fingt an zu scbnein , es kommt ein 

Mann mit Wein, 
es Hingt an zu graupen, es kommt ein 
Mann mit Raupen. 
Rinderreim. — Gräupner, m. Händ- 
ler mit Mehl nnd trockenen Gemüsen. Vgl. 
österr. Gräussler, mhd. gruzaere. 

Graut*rhke, Gritschke, st. f. eine 
graue schlechte Birne ; aus poln. gruszka. 
Um Äpfel sorg ich nicht, du wirst sie 

prösser bringen, 
als onsre Grautschken sind, die wir zu 
Halse zwingen. 
Günther Nachlese 260 (2. Aufl.). Sonst 
auch Kruschke, K rutsche; vgl. Diefen- 
bach bei Kuhn Zeitschr. 2, 51. 

greinen, schw. vb. 1) zanken. — grein- 
süchtig: ihr seid zwei alte grein- 
nnd zanksüchtige Haderkatzen und Du- 
mulduanten. A. Grypb. gel. Dornrose. — 
G r e i n e r : Zänker , Murrkopf ; ist 
heisst es : junger sitze und alter grei- 
ner lauf. Logau 1622 ; 2) weinen, be- 
sonders Ton dem stiten weinen kränkli- 
cher Rinder. — Greine, f. das wei- 
nen : die die lache mit der greine stets 
in einem säkklen hat. Scherffer 859. — 
mhd. grinen. Beide Bedeutungen sind 
obd. und theilweise auch md. erhalten; 
nd. dagegen nur die von weinen, mit 
dem Gegentheil : lachen (holstein., dfin., 
schwed.). Nl. grünen, engl, grin : knur- 
ren, grinsen. 

freien, schw. vb. laut schreien, brüllen, 
widerlich singen. — Gegröle, n. — nd. 
grölen, grälen. — schwed. gräla : zanken. 
Vgl. schwäb. , bair. grellen , grillen : 
brüllen, heulend weinen. 

Grenze, bei Logau Granze : Pomeranze, 
n. 884. — In einer Urkunde Herz. Hein- 
rich V. von Breslau vom 31. Oct. 1291 
heisst es: metas ipsorum et ejusdem 
civitatis sie distinguimus ut ab ipsa civi- 
tate Olavia metae, quae polonice Grae- 
nizen dicuntur, usque ad campos villa- 
rum — porrigantur. Stenzel Tzschoppe 
Urkundensamml. 414. Grenze ist be- 
kanntlich ein slawisches Wort , polu. 
granica. — Über die Grenzegehen: über 
die Feldmarken, ins nächste Dorf gehen 
(Trebnitz). 

Griebs* G r i e b s ch , st. m. 1) Kernhaus 
des Obstes; 2) schlechtes fleischloses 
Obst; 3) alles zurückgebliebene ge- 
ringe. — Adamsgriebsch : Adamsapfel, 
Kehlkopf. — Auch lausitz., thüring., hen- 
neberg. Vgl. Griewe. 

Griegs s viel Gäste senten sich uach voll- 
und fetten Schüsseln, jedennoch war 
kein Griegs vor ihre Manier da. Günther 
1100. — Griegs, etwas zukriegendes? 
Vgl. schwäb. Grickes, Spottname schlech- 
ten Branntweins. 

Griewe» st. f. 1) der beim Ausbraten übrig 
bleibende feste Theil des Speckes. — 



Griewen ums Maul haben: Ausschlag um 
den Mund; 2) im Wachsthum zurück- 
gebliebener Menscb. — ahd. gn'upo, 
mhd. griebe. — In simmtlichen deut- 
schen Mundarten : obd. Griebe, Greube, 
Kreibe, Graube, Grub; md. Griewe; nd. 
Grieve, Greve. 
Grind, m. kommt in der alten obd. Neben- 
bedeutung Kopf noch schlesisch vor in 
den Redensarten: einem eins auf den 
Grind geben; einem auf den Grind 
steigen. 

grinsen, schw. vb. 1) wie hd. 2) das 

Gesicht im Schmerz verziehen (Namslau). 

— grins ein: frequent weinerlich 
klagen, murren. — Grinaler, Grin- 
selkopf: Murrkopf; und wenn der 
alte Griasler aus der Haut führe. Stoppe 
Parnass 499; oblaus. Grinsel-Büehse, 
-Peter, -Trine. 

Grit. sehe, Gritschke, st. f. 1) Grille, 
Heimchen; 2) kleines dürftiges Kind. — 
Die zweite Bedeutung hat mythischen 
Boden, da die Seelen der kleinen Kinder 
im Gefolge der Heimchenköniginn Bertha 
einherziehen; vgl. Grimm Mythol. 2S3. 

— Würzburg. Grixe. — Der Name ist 
nach dem Geschrei: Schweiz, gritzen, 
gritzgen: einen Laut von sich geben, 
schreien. Stalder 1, 482. Tobler 235; 
vgl. Grille : grillen, grölen. 

Grifte, Grete, Margarethe. Wie allge- 
mein, wird diese Kürzung für Mädchen, 
Frauenzimmer überhaupt, jedoch meist 
im neckenden oder im tadelnden Sinne 
gebraucht. Ihr tummen G ritten ! — 
Schlumpergritte. — Hier liegt verscharrt 
Aglaster Gritte. Scherffer 694. — Nu 
walts die Gritte ! (Gomolke) euphemi- 
stischer Fluch. 

Groeger, Grfger:aisa rechter Tinte- 
griger (Gomolke). 

Gruschen» m. 1) der gute Groschen, 
1 5 preuss. Pfennige. — Gröschel: 
drei Pfennige , Dreier ; Zweigröschel, 
Zweigroschler,m. Sechspfennig ; 2) über- 
tragen auf jedes Geldstück; gelbe Grö- 
schel: Goldstücke. Bekannt wie ein 
böses Gröschel ; vgl. böse ; 3) die run- 
den geldstückartigen Früchte von Rhi- 
nantus crista gaUi , Gröscheikraut, Pfen- 
nigkraut — Rlagegröachel: De- 
nunciantenlohn. — Rlempnerg ro- 
se hei: die runden Blechstückchen, die 
von Klempnern beim aufstemmen runder 
Eisen ausgebrochen werden; beliebtes 
Kinderspielzeug. — Pategröschel': 
Patengeschenk ; Sparpfennig. 

Grube* st f. schlechtweg wird dar- 
unter die Düngergrube verstanden ; vgl. 
ahd. gruoba, latrina. — Kartoffelgrube : 
Aufbewahrungsgrube _ für Kartoffeln , 
mit kegelförmiger Überschüttung. — 
Kriechgrabe: gewöhnlich haben die 
Bauernhäuser keinen Keller, sondern im 



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Grule 



31 



Garten ist eine übermauert*, mit einer 
Thür versehene Grube, welche als Keller 
dient, die Kriechgrube. — Grub el- 
ball spielen: In gerader Reihe hinter 
einander liegen so viel Grübchen, als 
Kinder spielen. Eins schiebt nach dem 
andern einen Ball darüber; in wessen 
Grübet der Ball fällt, der bekommt ein 
Steinchen hinein : „er bekommt ein Kind ;" 
wessen Grübet leer bleibt, ist eine reine 
Jungfer. Wer das Unglück hat, sein 
Grübchen zuerst voll zu haben, rauss 
unter den Püffen der andern sämmtliche 
Grübet ausräumen. — Auch bair. grü- 
beln. Schmeller 2, 100. Aehnlich ist das 
schwfib. kindein, Schmid 313, und rolen, 
holen, ebd. 437. 

Grule, f. Grossmutter, Grule mut- 
ter. — Wohl nichts anderes als das nd. 
gruli, graulich : die vor Alter graulich 
gewordene, decrepita. Vgl. das Schweiz. 
Pfuchihni, Stinkähni; Stalder 1, 92, 
eine in der Ansicht uusers Altherthums 
begründete Nennweise , dem nur die 
volle Lebenskraft begehrlich und anmu- 
thig erschien. Vgl. Grimm bei Haupt 1, 23. 

Grümpen, m. Geldbeutel (Reichenbach) ; 
wohl von der zusammengekrumpften, zu- 
sammengeschnürten Gestalt. Westerwäl- 
disch heisst Krumpel ein zusammen- 
gedrücktes Zeug oder Papier oder dgl. 

Grumpel . G r o m p e I , n. Krümchen 
Brod, „Brickel," und gleich Brickel im 
Glazischen für „etwas, ein bischen" ver- 
wandt: „ich mach mer ne en Grompel 
draus." Scbönig. grümplich, grimm- 
lich, adj. krfimlich, griessartig: die 
Puttcr is weiss und grimmlicb (Hirsch- 
berg).Pim pegr im perle: kleine Flie- 
gen (Breslau). Vgl. Krumpe Grumpe bei 
Frisch I, 552; Schmeller 2, 386; Rhein- 
wald 1, 90. 

grüne, adj. Spruch : rot und grün steht 
wunderschfn ; vgl. rot vnd grön da prin- 
net die lieb schön. Kl. Hätzlerin 1S6. 
Demgemäss lieben die Landmadehen beide 
Farben an Kleidern und Kommoden. — 
Die grüne Seite; vgl. Fischart Gar- 
gantua c. 42: setz den lieben schelmcn 
da neben mich an das eck hin an meine 
grüne seit. — G r ft n , m. das grünen, 
sprossen, in: der Widergrün; den 
Widergrun kriegen wird von auswachsen- 
dem, „erwachsendem" Getreide gesagt. 
Wie man sagt: vor Aerger oder Ungeduld 
auswachsen, so auch in solcher über- 
tragener Bedeutung: den W. kriegen 
(Jauer). Vgl. bair. der Gruen: der 
junge Schössling. Schmeller 2, 112. — 
grunenxen: grün riechen ; vgl. Dia- 
lektforsch. 100 f. 

grunzen, scliw. vb. wie hd. — sich he- 
grunzen vor Lachen; wahrscheinlich 
ist es entstellt aus dem unverständ- 
lich gewordenen bebrunzen : bepissen ; 



brunzen kommt schlesisch nicht mehr 
vor; vgl. auch das nd. ik dagte, ik scholl 
mi bepölken. 

Grusebel, f. Gänschen. — schwäb. Gru- 
se). Das Wort ist nach dem Geschnatter 
gebildet, schweiz. grnscheln : lallen, 
Stalder 1, 486, der hierbei an das lat. 
gratitare erinnert. 

gucken, schw. vb. weniger für schauen, 
sehen im allgemeinen, als für das heim- 
liche lauernde sehen. — Guckeh 
Auge in der Kindersprache. Guck- 
1 5 c h el : Schauloch.— G u c k e , f. Name 
einsam liegender Wirthshiiuser, z. B. bei 
Girlachsdorf, Kreiss Reichenbach. — 
Guk rille, Kukrille, Gigrille, f. 
alte baufällige Hütte; dann: alles alt- 
fränkische, sonderbare; auch auf Men- 
schen verwandt, in scherzhafter Anrede : 
alte Gukrille, wie altes Haus. Zu der 
Bildung dieses Wortes vergleiche das 
dän. Gribbeuille: garstiges Weib. 

Gummel, «t. f. alberne Weibsperson 
(Reichenbach). Vgl. bair. Gummel, Gam- 
mel: starkes Weibsbild, schwäb. faules 
geiles Frauenzimmer. Schmeller 2, 46; 
Schmid 218. Im schwäb. hat es die Ne- 
benform Gampel, und Schmid bringt ea 
daher zu gatnpen , gumpen : hüpfen, 
springen. Zu dem Begriff des albernen, 
der im achlesischen Gummel liegt, vgl. 
die mhd. Spuren des Wortes : gum, 
giemolf, narre, tdre. M.S.Hagen 2, 215«. 
derselbe gumelanz M. S. H. 3, 236*. — 
Verwandtschaft mit dem Stamme gam 
scheint vorhanden, wovon gaman:jocus. 
lusns. 

Gunke, st. f. schlechtbrennendes Licht. 
Schweizer, heisst gungeln , gunggeln : 
sehwanken von flüssigen Dingen ; Gunke 
bedeutete also wohl das flackernde Licht. 
Schweiz. Gungel : schales Getränk, über- 
haupt etwas schlechtes. Stalder 1, 497. 

Ganke, st. f. Unke, nach dem schreien 
des Thicres. 

GurehengHt, m. Birnenart (Reichen- 
bach). — Der erste Theil ist das alte 
gure, Stute, das noch in den süd- 
deutschen Mundarten fortlebt. Schmel- 
ler 1, 63; Stalder 1, 499 (mit der 
Bedeutung Hure) ; Schmid 250. 

gurgsen, schw. vb. gurren, gurgeln in 
den Eingeweiden. — mhd. gurgeln, bair. 
gurrezen , schwäb., Schweiz, gorzen, 
gorksen. 

Gasehe, f. Mund. — K o mm i s sgnsche, 
Kumssgusche : grobes gemeines Maul : 
sie wüm em de dicke Kumssgusche wul 
kloppen (Gomolke). — Gosche, Gusche 
ist weit verbreitet : bair. österr. ; auch 
md., und selbst nd. Goske. Brem. Wör- 
terh. 2, 531. — Guschel, n. Mäul- 
chen, Küsseben. — derguscheln, 
schw. vb. erküssen, durch Schmeiche- 
leien erlangen. 



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32 



42 litte 



Hahn. 



Gütte, G i 1 1 e , J ü 1 1 e , st. f. MSdchen ; 
xa belegen nicht aus heutiger Mundart, 
sondern aus A. Gryphs geliebter Dorn- 
rose : selde sich wul a Mensch einbil- . 
den, dass enne sittene undankbare Jütte 
ufm GoUboden laben selde. — Dornrose 
is anne junge Waschgütte ; se war der su 
vil nütze ass ein Ferkel de Mütze. — nd. 
Jütte, Jit: Frauenzimmer, mit schelten- 



dem Nebensinne : dov« Jitte , dumme 
Jitte. Jungfer Jitte mit dem holten 
Titte : Mädchen ohne Busen. Brem. 
Wörterb. 2, 694. Dietmars, bezeichnet es 
auch die Ziege, wobei zu errinnern, dass 
auch bair. Heppen die Geiss und ein 
junges Mädchen benennt. Schmeller 2, 
221. — Kämt GüUche : Mädchen, 
Geliebte. 



haben, schw. vb. Ging und gäbe ist die 
alte Verwendung von es hat =s es gibt : 
was hat« denn ? es hat Feuer. »Viel Hel- 
den hat es izt, so hats auch viel Poe- 
ten." Logau 605. Vgl. alt/ranz, il a ■= 
il y a , poln. ma. Der alte Spruch : 
Hetich ist ein böser Vogel, Habicb ist 
ein guter (S.Frank, Sprichwörter 1541, 
Bl. 193) lautet im Schlesischen mit Be- 
nutzung der Form haber (haben wir) : 
Haber ist besser als Hetber. — h a b- 
h a f t i g , adj. fassend, greifend : hab- 
hafüge Worte , Worte die greifen 
(Langen öls). 

Hagel, HAI, Hoil, m. in Flüchen wie 
Donner verwandt: dass dich der Hoil 
hule! — die Gänse sind zum Hagel 
gelaufen. 

Hacke, f. Auf die alte Hacket Trink- 
spruch, der den Wunsch ausdrückt, es 
möge beim alten bleiben. Symbolisch 
wurde und wird noch hier und da in alt- 
schlesischen Kreisen eine kleine silberne 
oder goldene Hacke (Beil) an des Be- 
chers Band gehfingt , die mit diesem 
herumkreist und bei dem leeren dessel- 
ben nicht herabfallen darf. — Von der 
alten Hacke reden , verzeichnet Frisch 
1, 391. 

haekig», h & k i g, adj. lustig, ausgelassen 
(LobrU bei Jauer). 

haikel, h a e k e I , h A k e I , adj. wähle- 
risch , ekel , bedenklich. Allgemein 
deutsch. 

halbig', adv. halbwegs; mitteldeutsche 
Form; nd. halwege, halwig. 

Hall, m. (Hirschberg), H a 1 1 a s m. (Bei- 
chenbach) : Lärm, Geräusch. — h a 1 1 i- 
zen, h a 1 1 e* z e n , schw. vb. lärmen, 
schreien. — einander hallezen : lieb- 
kosen, wahrscheinlich auf lärmende Art 
(Jauer). Vgl. die entlehnten poln. For- 
men halas, halasowae 1 . 

Halm, m. Griff, Stiel : Axthalm. Halm wird 
gesprochen für Halbe(n): ahd. halap, 
halb ; mhd. halbe , balm ; tirol. kämt. 
Help, Helb ; bair. Halb, Uelben ; ags. 
helf ; mnd. nl. engl, helve. — Verwand-' 
tes bei Diefenbach goth. Wörterb. 2, 514. 

halt, haldich, hailich, hAlich, 
b a c h : Füllpartikel mit der Bedeutung : 
ich halte dafür, nun eben, freilich: in 



der Schweiz, Schwaben, Baiern, Deutsch- 
land, Österreich, in der Oberlausitz und 
Schlesien gäng und gäbe. Schon ahd. 
eingeschobenes hallo. Die schlesischen 
Formen zeigen deutlich , dass dieses 
halt eine verbale Form ist, und auch der 
Form nach dem waniu, mein», achtes, 
säebs. gläubch, gläch, entspricht : halte 
ich dafür, ist die Grundbedeutung. Vgl. 
Schmeller 2, 184 ff. ; Schmid 256 ; mhd. 
Beispiele bei Benecke-Müller 1,619. Das 
ahd. mhd. halt : vielmehr, sondern, aitn. 
heldr ist von diesem halt zu trennen. 

Halt, m. 1) Bezirk, District, namentlich 
für geistliche Gebiete verwandt : Herzog 
Niclas hatte einen halt, Vjast genannt, in 
versatzunge , zu S. Joanniskirche ge- 
hörende. Eschenloer 1, 222. — Der 
Zätsche Halt: Bezirk um den Zobten- 
berg bis zur Säcularisation der geist- 
lichen Güter (1810) dem Sandstift zu 
Breslau gehörig. — 2) Hinterhalt: hier 
lag er oft in halt, mit rosen wol verhägt, 
wenu er die jagd bestallt. Logau 1257; 
und kamen unwans uf den halt, darinnen 
uusere feinde waren. Eschenloer 1, 102. 
— halten, st. vb. 1) zurückhalten, 
bewahren, bebalteu : wer hält, der bat. 
Sprichwort. 2) dafür halten, meinen : 
ich halde, er bot de gebatteln oUe in der 
schnüre. A. Gryph. gel. Dornr. Vgl. halt. 

hammea, »chw. vb. essen, in der Kinder- 
sprache. — Auch oblaus. 

Hammer, st m. in Flüchen : dass dich 
der Hammer ! vgl. Grimm Mythol. 166. 
951. — hammern, schw. vb. es 
hämmert nur so: die Suppe ist ver- 
salzen, verhamroert (Beichenbach, Treb- 
nitz). — verhammert = verdammt, 
verflucht , als Steigerung gebraucht : 
verhammert kalt (Waldenburg). — Nie- 
derdeutsch: Schütze 2, 96; Brem. Wör- 
terb. 2, 575. 

Hamperle, n. Füllhamperle: Fül- 
len. — obpfäiz. Hämpel: Pferd; vgl. 
Happel. 

naha, m. im 17. Jahrh. in Schlesien noch 
kurz gesprochen ; vgl. bei Logau 1850 : 
Hanne (plur.). Von zu kurzen Kleidern 
sagt man: sie wären länger, hätte der 
Hahn nicht gekräht. — Piep bahn, 
penis, auch nd. ; vgl. Dialektforsch. 114. 



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Hahn, für Hain, Hagen, wie md. allge- 
mein. Die Stadt Hainau wurde in ilterer 
Zeit nach der Ansprache auch Hanau, der 
Han, geschrieben; Bolkenhain spricht 
das Volk PulkahAn. — Hahn: Name meh- 
rer Berge und Hügel im Reichenbacher 
Kreise. 

Dand, st. f. Sprichwort: eine Männer- 
hand düngt mehr als zehn Kader Mist. 
— Handscbke, schw. m. Hand- 
schuh; schon im schlesischen Land- 
recht hanezke, Fundgruben 1,375. Die 
Verkürzung Handsch ist obd. und md. ; 
die Bildung -ke nd; vgl. auch dän., 
schwed. Handske , isla ad. hanzki. — 
Hauschkerle, n. kleines dürftiges 
Kind. — H a m p f e 1 , f. Handvoll ; weit 
verbreitete Kürzung. — Hamprich: 
Handwerk. — über handsweile, 
adv. binnen kurzem; vgl. mhd. einer 
hende wlle. 

bannen, schw. vb. Kinder warten ; ban- 
nen gehn : mit Kindern auf dem Arme 
zum Besuch gehn (Reichenbach, Schöm- 
berg). — Hannepampel: Warte- 
kind ; kindischer einfältiger Mensch. — 
Ist bannen aus banden entstanden: auf 
der Hand tragen ? Vgl. mhd. bände- 
let, mit der Hand fassen; achwib. 
handsen : betasten, verzärteln ; Schweiz, 
banden : banen, schneiden. — Das kirnt, 
hansen , zum Plaudern zusammenkom- 
men, gehört nicht hierher, sondern zu 
hansa. Vgl. auch ahd. hanna, hevihanna : 



tlans, glazisch Hannes. Zu erwähnen 
die Verbindungen : Hans Dampf, 
einfältiger Tropf; Hans Hoppe: 
Hopfengeist : 

so wird mit lust gezecht ; 
wil einem dann im haupt Hanna Hoppe 

meister werden, 
der tret auf jene aeit und senke sich 
zur erden. 
Scherffer Ged. 85 ; für Hans Hoppe fin- 
det sich auch blos Hoppe : so sie zum 
Biere sassen in den Kretscbemheusern 
und der Hoppe ihre Heupter besessen 
hatte. Esehenloer 2, 81. — Hans in 
allen Gassen, auch schlesisch ; vgl. 
Stoppe Parnass 240. — Narrbans. 

Hans, m. gefütterter Unterrock der Wei- 
ber, Stepprock (Schömberg). — bair. 
Hansel : Unterrock; im Pinzgau das den 
Rumpf bedeckende Oberhemde der Wei- 
ber. Schmeller 2, 216 ; Schwöb. Hän- 
sele : enger Reifrock. Schmid 261 

Hantsehel, n. Füllen (Trebnitz) ; schwäb. 
Heintschele. 

hapern, schw. vb, stocken, nicht fort- 
können. — häprich, adj. stockend, 
holprig. — Auch oblaas. henneberg. — 
Niederd. Wort: nd. hapen, haperen,bab- 
belen : stottern ; nl. haperen ; din.happe, 
schwed. happla» 

Anhang tum XIV. Bd. d. SiUb. 4. phil.-hist. Cl. 



happen, «chw. vb. schnappen, 

H a p s , m. Biss, Schluck. — happig, 
happich, adj. gierig. — nd. nl. — 
happig kommt auch kämt, vor. 

Happel, n. Pferd. — Happerle,n. 
Ziege in der Kindersprache. Vgl. Ham- 
perle ; zu happen = hoppen, hüpfen : 
daa hüpfende, bewegliche ; din. Hoppe : 
Mähre, Stute ; bair. Heppe : Ziege , im 
Pusterthal daa Schaf. 

Harnisch, m. ein gröberer Zeug. Ge- 
meinkleider von hämisch und parchent. 
Schweinich. 1,68; auf knecht und jungen 
die notdurft von hämisch und barchen, 
Hess sie rot und weiss kleiden, ebd. 2, 83 ; 
brauner hämisch zu hosenpuffen 1, 46. 

ge-harnl*cht, ptc. wie ein geharnischter 
Mann dasitzen: steif vor Kälte, oder 
auch vor Schreck. 

harle, Lockruf der Enten (Trebnitz) ; 
arrle , arrle (Liegnitz, Öls). Vgl. das 
hiervon entlehnte niederschles. poln. ha- 
ruazy, Enten. 

haseliern, schw. vb. gegen einen h., mit 
jemand scherzen. — hasierlich, 
artig, fein. 
Lachrieb lacht so gerne ; ist es denn 

natürlich ? 
Lachrich lacht ao gerne; iat es wol 
hasierlich ? 
Loga n 994. Auch md. nd. — schwäb. 
haseliren : lärmen , zanken , Schweiz, 
grossthun, prahlen. Das obd. hisig : weich, 
glatt; ahd. hasan schiin, hasanfa schön 
machen, glätten, lässt sich mit der md. nd. 
Bedeutung von haseliern und hasierlich 
leicht verbinden. 

hatschea, hutschen, schw. vb. hin- 
ken, schleppend gehen. — Ziemlich all- 
gemein in Ober- nnd Mitteldeutschland. 

hauen, st. vb. 3. prs. bibt. — Das Ge- 
treide wird nicht geschnitten , sondern 
mit der Sense gehauen. — Demnach ich 
aber eines unversehens dazu kam , dass 
er mich bei J. F. G. tapfer in daa 
aalz hieb und zu ganzer unachuld 
angab. Schweinich. 2, 70. — Hau, m. 
Hieb : durch einen hantigen Hau seines 
Schwerdts. Lohenstein Arm. Thusn. 1, 43. 

Haube, f. wie hd. — Mehrfach erscheint 
es in den Namen von Berggipfeln : Sturm- 
haube auf dem Riesengebirge, die Stroh- 
haube auf dem Eulengebirge. — Gleich- 
bedeutend mit Koppe. 

Haufe, schw. m. sie koffert da wie a Hau- 
fei Ungelücke : ganz zusammengehockt. 
— zu häufen: zusammen, nd. to hope, 
früher allgemein germanisch ; nachweis- 
bar bei Opitz und Logau. 

Hau«, st. n. 1) wie bd. 2) Hausflur. Im 
Hause steht ein Schrank, ein Bettler. — 
Häusel, n. Abtritt , Scheisshäusel , 
Schimpfhütte. Auch schwäb. in dieser 
Bedeutung Hiusle, nd. Hüsken, engl, tue 
littlehouse,dän. Lillehus, gaaepaaHuuset, 



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34 



heben - heim. 



schwed. gä pa hoset. Dm Häusel steht 
auf den Dörfern ganz eng am Hanse, 
mit dem Röcken gegen die Strasse. — 
Häusler, m. Dorfsasse, der ein Haus 
ohne Feld besitzt ; auch süddeutsch, 
fränkisch , oblausitz. — nd. Hüssel, 
Hüsling. — Der Häusler wird von Ade- 
lung und Campe zum Mietsmann gemacht, 
was er durchaus nicht ist. Der Miets- 
mann, schlesisch Inwohner, hiesa früher 
Hausinne: 

Wenn Jungfern eure flöh, die ihr habt 
xu hausinnen, 

was sie gehört gesehn , vermelden 
solten künnen, 

wie mancher fragte sie, der lust zu 
freien hat, 

eh als den besten freund um einen 
guten rat. 
Lo^au 9S2. Der Inwohner heisst auch 
Hausmann, 
heben* st vb. 1) aufheben, in die Höhe 
heben : heute wird gehoben, nämlich der 
Dachstuhl. — Die Leiche heben : auf die 
Bahre heben ; dafür auch das Compos. auf- 
heben : alda ist der von Seidlitz mit recht 
aufgehoben worden und gen Stroppen 
begraben. Schwein. 2, 203. — einen 
heben, nämlich einen Schnaps ; vgl. auf- 
heben in der Bedeutung trinken bei 
Grimm Wörterb. 1, 664. 2) fassen, fest- 
halten, vgl. Schmeller 2, 138. 
hedö, Hirtenruf beim Eintreiben des Viehs ; 
vgl. heida ! Gewöhnlich verbinden die 
Hirten mit dem Rufe noch ein Liedchen ; 
auch die schweizerischen Kühreigen sind 
Lieder beim Eintreiben, Tobler 124 f. 

Hed6 hed6 ! Viehla nei ! 

werd ne bAle Zeit eitreiba sein? — 

6 no lange nil o no lange ni! 

de faule MAd hdt no ne Agericht. 
(Reichenbach). Schweizer, bair. hai I Ruf 
an das Vieh. 8chmeller 2, 127; Tob- 
ler 252. 

Hefe, H b v e , st. f. Germ, Berm. — Hatte 
einen gnädigen herren, ungeachtet der 
fuchsschwanzer viel und gemein waren 
und mich oft zur Unschuld die stiegen 
nauf trugen, welche hernach selbst die 
Hefen aussaufen und wegtra- 
gen musten. Schweinichen 2, 313. — 
Redensart : 
Er wird nicht einmal einen Krug hin, 
um die Hefen nach Hause zu trAn ; 
oder : 

Er wird die Hefen im Arsche heim trAn, 
er wird kein Fässlein dazu hftn. 
vgl. Fischart Geschichtklitt S.177 (lS'JO) 
mein Schwester ist ein bierfass, sauf ihr 
die heften auss dem Arss. — Reim : 
Adam und Eva 
gienga noch HeVa, 
Adam hot da Krug zerschlAn, 
Eva mftss de Scherba trAn. 

(Frankenstein.) 



Heft, st. n. 1) Handhabe des Schwertes 
und Messers, dann übertragen auf das 
Messer selbst. Mordheft, Günther 511. 
Hiervon nach alter Anschauung auf den 
Penis übertragen. Vgl M. S. H. 2, 115. 
2) Nase, als Handhabe des Gesichts. 

Heftel, st n. Häkchen zum Einhaken in 
die Öse oder in „das Schlingel." — 
Heftelmacher: fibularins, Nadler; 
Frisch 1, 304; z innen wie e i n Hef- 
telmacher: eine verdrüssliche zin- 
kische Miene machen ; vgl. sein häfflle- 
macherisches bentzen , greinen, bai ba- 
sisches puffen schlagen stossen und 
schinden. Abele 1, 475 (8. Ausg.) — 
kärntn. HafUmacher : Mensch der sich 
mit kleinlichen Sachen beschäftigt. 

Heide, H e d e , st. f. wie im ganzen nord- 
östlichen Deutschland bezeichnet Heide 
aue^i im nördlichen Schlesien die mit 
Nadelholz bestandenen Landstrecken : die 
Lühener , Sagansche , Görlitzer Heide. 
Heidelerche: Haubenlerche, alauda 
sylvatica. Von dem netten Vogel über- 
tragen auf ein sauberes schlankes Mäd- 
chen : se is su nette und geschlank wie a 
Hddelarchla. — Er hott oich ja su nette 
gemacht wie de geberscht (gebürstet) 
Hedelarchla (Reichenbach). Im Herbst 
singt die Heidelerche : Piuerla, Piuerla, 
sae mer a Kerndia mftJ Im Sommer da- 
gegen : Piuerla, Piuerla, ich scheiss dir 
druf; vgl. den Gesang der Ammer bei 
E. Meier Kinderreime aus Schwaben 
S. 32. — Heidereiter: Spottname 
der Landwirthe; vgl. Stoppelhopser. 

Heidelberg, Name mehrerer schlesischer 
Berge , für Heidelbeerberg , wie der 
gleichbedeutende Walberg am Tegern- 
see für Walbeerberg (Schmeller 4,61) ; 
vgl. auch Frisch 1, 434. 

ge-heien, sehw. vb. verspotten : wo man 
mit solchem schmucke mich nicht nur 
spöttlich schminkt und äffet und geheibt. 
Lohenstein Ibr. Bassa i, 29. G e h e i e, 
n. Gespött; hier und da noch briuchlich 
in Schlesien und im Kuhländchen. — 
G e h e i e r , m. Spötter : aber die an- 
dern Buler von Flandern , Käsebrod- 
Freyer, Mllgdegeheyer. W. Scherffer 476. 
— Die ursprüngliche Bedeutung dieses 
abd. mhd. nicht erscheinenden Wortes 
scheint schlagen , schneiden , werfen ; 
aus dieser sinnlichen entwickelte sich die 
eines gewaltsamen berührens der Seele : 
ärgern, zornig machen, zanken, spotten. 
Vgl. Frisch 1,450 ; Schmeller 2, 132; 
Stalder 2, 31 ; Schmid 269. 

heiern, heuern, sch. vb. heirathen 
(Urieg) ; mhd. bten. 

heim, 1) n a c h h & m e, nach Hause ; z e 
hime: daheim, zu Hause ; d e r h & m e, 
daheim. Sprichw. Oberall gutt, aber 
derhetae am besten ! echt schlesische Um- 
kehrung des ubi bene ibi patria, das ein 



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35 



Lump erdacht hat. Aach deut»ch-böh- 
misch. — h e im lieh, adj. 1) anheimelnd, 
freundlich : sis so hemlich dobinigta. 
2) klar, freundlich, Tom Wetter: heim- 
lich Wetter, Stoppe 250 ; ein heimlicher 
Abend trockne die Pfützen eine« schlüpf- 
rigen Tage» auf. Lobenstein Arm. Thuan. 

1, 71 (2. Ausg.). 3) zutraulich, für 
Tbiere gebraucht Frisch 1 , 437 ; 
Schindler 2, 194. 

Heiterncssel, Hitternessel, f. 
kleine Brennnesselart. Hitternesselu und 
Eier sind Futter der Auerhflhuer. — 
Hitternesselu in Kornbranntwein im wohl 
rerschlossnen Topfe im Backofen ge- 
kocht, während das Brod bäckt, geben 
einen guten Gichtspiritus. — ahd. heitir- 
nezila, mhd. heiternezzel ; vgl. hei, uri- 
dus ; heien, brennen. — fränk . Ktternesiel, 
schwed. eternässla, nd. hiddernettel , 
hiddern, brennen. 

Heke, f. Kuh; schwäb. Hag, Haigel, 
achweic. Hegi: Zuchtstier. — mek- 
leuburg., hamb. Höke : Ziegenbock. — 
obd. Hacke) , Hagsch : Eber ; Hecke : 
verschnittenes Schwein; vgl. Höksch, 
engl, bog : 8chwein, einjähriges Lamm, 
hogget: zweijähriges Schaf. — Kel- 
tisches bei Diefenbach goto. Worterb. 

2, 360. 

Hecke, f. wie allgemeiner : Hegung der 
Jungen; Nest mit den Jungen, beson- 
ders von Vögeln und Kaninchen ge- 
braucht. — Die Thiere aus einem Wurfe 
oder Neste ; in weiterem Sinne : Vereini- 
gung, Gesellschaft ; bei der Hecke sein : 
dabei seio. — Hecke, stärker inlautende 
Form für Hege (vgl. hege und begge, 
Hecke). — westfil. Hägge : Bett, Ehebett, 
hecken, schw. vb. nutrire : die wol- 
cken hecken blitz, der abgrund kaltes 
eisen auf mein verdammtes haupt. Lohen- 
stein Agrippina 5, 37. 

hell«, gehelle, gehall, adj. am 
gehalla liechta Tage. Stoppe 528. — ge- 
belle noch üblich z. B. im Österreich. 
Schlesien. 

Hengst, m. übertragen auf die leiden- 
schaftlichen Liebhaber irgend eines Ge- 
genstandes: BHderbengst, Mädelhengst, 
Taubenhengst. Keck wird auch das kleine 
Taschenmesser, die Knieflke, Klössel- 
hengst genannt . Auch oberlaus. — 
Klupphengst: halbkaatrirter Hengst, 
eigentlich ein Hengst , dem die Hoden 
unterbunden, gekluppt, sind; vgl klupen 
bei Schmeller 2, 361. 

Her, Hsr, Heir, ra. das männliche 
Thier, hauptsächlich von Kaninchen und 
Schweinen (Reichenbach, Liegnitz). Her 
ist die nd. Form von er : vgl. er, hol- 
stein. mit Verkleinerung heeken, «ecken. 
Schütze 2, 116. 

herbe, «dj. erherben: erzürnen, 
Opitz 2, 91 ; Lohenstein lbr. Bassa 1 , 236 ; 



Rpichar. 3, 672; Aprippiua 5,24. — mhd. 
verberwen. 

Herr, m. Wie in Ober- und Niederdeutsch- 
land als besondere Bezeichnung des Geist- 
lichen gebraucht Schmeller 2,230; Brem. 
Wörterb. 2, 623. — H e r r 1 e Zwerge, 
die im Herrleberge wohnten, dem Hügel, 
an dessen Fuss Langenbielau liegt. Sie 
zogen von hier nach dem Zobten. 

Hesse, f. Kniestück der Schinken oder 
Keulen. Henneberg. Hasse, nd. Hesse. — 
ahd. hahsa, mhd. hahse, hehse. — be- 
hauen sieb : sich bis an die Kniekehle 
beschmutzen. 

Het, n. Haupt, Haupt (Opitz 1, 43. 1629). 
Deminut. He'tel : Kraustet — Entspre- 
chende Formen mit ausgeworfenem p 
oder b schweizerisch und md. — Die 
Labialis ist auch im nl. hood, engl, head, 
fries. had, haud, hoot ausgefallen. 

II et sehe, f. Kröte (Glas). Auch bair. 
süd Uro lisch.; fränk. Hitsch, oblaus. flet- 
sche und nutschge, Westerwald. Hutch. 
Wie es scheint nach dem schwerfälligen 
„bauchenden oder hutschenden" Gange; 
das Westerwald. Hutch bezeichnet dage- 
gen die hockende : hutche, hocken. 

hifern, hivern, schw. vb. mit den 
Zähnen vor Frost klappern, sich schüt- 
teln vor Kälte (Reicheubach). Oblausitz : 
sich zusammenhiefern : sich vor Frost 
ziiftiimmenducken; hiefrig: zusammenge- 
duckt, geschrumpft Anton 19, 13. — 
Vgl. abd. hiufon, alts. hiuvon, ags. he6- 
fan : klagen, jammern ; dän. hive : keu- 
chen, schwer athmen. 

hyern, schw. Tb. wiehern, wiehernd la- 
chen; westerwild. Bicheln. Schweiz, 
appenzell, heya, hnja: stark rufen. Hu- 
jerli : Pferd in der Kindersprache. 

hiltpritschen, ein Neckspiel mit Einfälti- 
gen oder Gutmüthigen, die sich anführen 
lassen. Sie werden zum Fange von Hilt- 
pritschen aufgefordert und mit einem 
Sack mitten ins Feld gestellt, in dem sie 
die Hiltpritschen auffangen sollen, die 
ihnen die andern zutreiben wollen. Diese 
entfernen sich in der Dunkelheit — denn 
dieser Spass wird Abends getrieben — 
und jene bleiben mit dem aufgehaltenen 
Sack so lange stehen, bis sie merken, dass 
sie gefoppt sind. Vgl. Brendel Heimath- 
klänge. Freiburg in Schi. 1852, S. 19 f. 
— Den Namen weiss ich nicht genügend 
zu deuten. 

himpern, sch. vb. drückt das sehnsüch- 
tig unruhige und das klagende Verlan- 
gen aus ; man himpert nach etwas ; 
kränkliche Kinder himpern. — nd. him- 
peln : wonach verlangen ; schwäb. him- 
peln, hempeln : zanken ; bair. himpezen, 
himphezen: schluchzen; vgl. auch nd. 
himen, nl. himmen : keuchen. 

Hinke-perz : und dass Mercur nunmehr 
als ein podagricus dem Hepbiboseth 
c * 



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36 



gleicht und zu des ganzen landes schmerz 
als ein rechter Hinkenperz zu Fusse ge- 
hen rouss. Stoppe Parnass 3911, Vgl. nd. 
Uinkepis. 

hinsehen, schw. vb. aushöhnen ; bair. Wen- 
zen: höhnen, narren. Verwandt sindikärat. 
hienen : heulen, nd. hiensken : winseln, 
wiehern. Hinsehen ist hiernach nicht für 
Ableitung aus höhnen zu nehmen. 

hinte, »dv. heut: bei Schweinichen heun- 
ten , Opitz Gryph. Lohenstein : heinte, 
heint — mhd. hlnaht, hinte, obd. hinaht, 
hincht, heint. 

hinter, hinder, hinger; ahinter, 
ahinger, aninger: nach hinten, 
rückwärts. 

Hirlitze, f. Hornias; bei Dasypodius 
Hörlitze. Frisch 1, 469; Schneller 2, 
237. In Schwaben heissen die Cornel- 
oder Hornkirschen Hirlitzen oder Dlr- 
litzen. Schmid 129. 

ge-hirm, adj. in: ungehirm, adv. 
ungeheuer ; auch gleich diesem zur Stei- 
gerung verwandt ; ein ungehirmer Teich 
(Liegnitz). — abd. ungahirmi : impor- 
tunus, ungahirmigdn : insolescere ; mhd. 
ungehirme : ruhelos , wild ; vgl. auch 
Frisch 1, 449, — Schweiz. Ghirmi: 
Ruhe, Ruheplatz, ghirmen: ausruhen, 
gehorsam sein. 

hi*ch, für hübsch : Kernkronik 2, 721 ; 
Stoppe Parnass 512; Schönigs Gläz. 
Gedichte. — auch kärntisch. 

Hitzel, m. Henker, Schinder (Hirschberg) ; 
dass dich der HiUel (Berndt). — hätte 
der Hützel das ! Scherffer 413 ; poln. hycel. 

ho, in^j. Zuruf an Pferde und Kühe. Beim 
Treiben der Kühe folgende Zusammen- 
setzungen mit ho: beim Austreiben: 
höras ho ho! oder höraa horas ktlahd! 
oder : hönas hdnas hönäs hö t beim Ein- 
treiben : hflrei hdrei > oder hönei hdnei t 

Holter, m. Haken. — hoekern,hae- 
kern, schw. vb. haken, Haken machen 
bei schlechtem Stricken und Schreiben. 

Hocke, Hucke, f. 1) Last, die man 
aufhockt. Bürde; 2) der Rücken als 
Trüger der Bürde. Redensarten : sich die 
Hucke voll lachen ; einem die Hucke voll 
lügen ; vgl. nordböhm. einem die Hucke 
a bissei richten: ihn ausschelten. — 
Huckesalz tragen: ein Rind auf dem 
Rücken tragen. — Auch oblausitz. — 
Pfad hucke: Pfadhoker, Wegelagerer. 
Stenzel Tzschoppe Urkundensamml. 838. 
— hockern, hökern, schw. vb. 
frequent. zu hocken : 1) kauern ; 2) auf- 
hocken, aufspringen ; 3) klettern. — ho- 
ckerdicke , vgl. dick. 

Höksch, m. zudringlicher Kerl; für 
Haksch : Eber, vgl. Heke. 

Holhippen, f. zusammengerollte Oblaten, 
hohle Hippen ; kippe der deutsche Name 
fSrOblate. Frisch 1,455.— Unter 



teten Namen waren die Holhippen im An- 
fang dieses Jahrb. auch noch in Schlesien 
bekannt. Noch österr., bair., schwib. 
holhippen« ho Iii per n, hallip- 
p e r n , schw. vb. höhnen, sticheln, spot- 
ten ; und ihr schandfleckt und hollüppert 
enander hi, wie die kleine beschissene 
kinder. A. Gryph. gel. Dornr. — und 
ich werd auf alle weis ausholippet 
ausschantirt. Scherffer 4S4. Noch in 
Schleaien gebraucht, wie in Oesterreich, 
Baiern, Schwaben; in der Oberlausilz 
ebenfalls sammt einem Subst. Holipel, 
Holips: einfältiger Mensch (Anton 8, 
23). Der Stamm ist hippen ; Schweiz, 
huppen : auszischen. Stalder 2, 63 ; wie 
nun aus wanken ein verstärktes holwan- 
ken gebildet wurde (ein hollwankert- 
aches Wort = hin- und herwankendes, 
zweideutiges. Abele seltsame Gerichts- 
händel 2, 305; 8. Aufl.), so 
pen ein verstärktes holhippen. 
Holle, der Name dieser 
Göttinn ist in der Entstellung zu Höle 
noch in Schlesien bekannt , und zwar 
in: Popelhöle, Frau des Popel- 
manns, w. z. s. — 8 p 1 1 1 a h ö 1 e : Spil- 
len- oder Spindelholle, gespenstisches 
Wesen , das sich um den Fleiss der 
Kinder, namentlich beim 8pinnen erkun- 
digt, und den faulen eine Zahl Spillen 
hinwirft, die sie binnen gegebener Frist 
abspinnen müssen. Im Gläzischen und 
Troppauischen Spilladrulle. Weil 
die Spillahöle als vermummtes Gespenst 
gedacht wird, überträgt man ihren Na- 
men und den der Popelhole auf verhüllte 
vermummte Personen (Retchenbach, 
Langenbielau). 
Holz, H u 1 z , n. Du würdest dich zu 
einem hölzlin lachen. A. Gryph. Seug- 
amme. — Knieholz, die verkrüp- 
pelten zwergartigen Kiefern auf den 
hohen Kimmen der Sudeten ; aus ihrem 
Holze werden allerlei Sachen gedrech- 
selt, die in den sch leaischen Bädern und 
auf dem Gebirge feil geboten werden. — 
Als Stämme Knybolz sich auf dem Ge- 
birge zeigen. Stoppe Parnass 401 ; bei 
Lohenstein Armin 1, 13, steht dafür Krum- 
holz. — Holzbock, übertragen auf 
ein wildes Mädchen ; vgl. tuo nit als ein 
hoizpock wild. Kl. Hätzlerin 94. 
Hoppe, vgl. Hans. 

hoppen, schw. vb. hüpfen ; eine ebenso 
hd. wie nd. Form ; mhd. hoppen, Schweiz, 
hoppen, nd. hoppen, dän. hoppe, schwed. 
hoppa. — Hoppepferd: Grashüpfer, 
Heuschrecke. — hoppern frequent 
hüpfen lassen , namentl. auf den 
schaukeln : dabei der Spruch : 
Hopp hopp Reiter! 
wenn er fällt, da leit er, 
er wider ufstieht, 



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37 



hopsen: hüpfen, bair., Schweiz. — 
Hopser, m. 1) Sprung, Tan« ; 2) der 
Hüpfende. Bachhopser : Spottname der 
Bachbewohner; so werden die Ernadorfer 
von den Reichenbachern B. genannt. 
Stoppelhopser : Spottname der Bauern. 
Hose, f. 1) wie hd. 2) Hülse ; Klee in Ho- 
sen, d. i. in den Satnenklappen. Redens- 
art: Sis Jacke nk wie Hose; s'is Hose 
wie Jacke nnd Strümp wie Niederschuh 
=3 es ist ganz gleich , es kommt auf 
eins heraus. Hosengatter, Hosen- 
kascher, Hosenlatz, Hosen- 
thür e I : derselbe Theil der Hosen, 
hot, Zuruf an Wagenpferde für rechts, 
sehwade für links; statt schwade in 
einigen fiependen (Reichenbach, Lieg- 
nitz, Trebnitz, Öls) hier giste, eine 
Deutung des nd. harwist, links. Schwade 
wird ohne weiters gleich links gebraucht 
Hot ist fast allgemein obd. und nd. in 
der Fuhrmannssprache ; für links ver- 
zeichnet die andern Ausdrücke Grimm 
Gramm. 3,310. Vgl. ferner FastnachUp. 
248, 4 : hotte host sunder und swuder 
herein. — Stenzel Scriptor. 4, 282 do 
sei der kotsche schwude zugefahren nach 
Panewitz. — Logau n. 536. 
Wer mit pferden reden wil, 
Darf den Amadis nicht »II, 
hotte stob, tschwnid und o ! 
wer es kann mit fuss band mnnd, 
kann der spräche meisten grund. 
Neu anfgebutxter kurzweiliger Zeitver- 
treiber (1700 o. 0.), S. 526. 

Wnh segnes propellit equos, o -deti- 
net illoa, 

hotta tenet dextram, servat tibi füste 
(scbwude) sinistram. 
Von diesem hot die Bildungen der Rin- 
dersprache: hotto hi machen: fahren; 
hotto, holtel, hottohi: Pferd. — Schweiz, 
hotten, fahren; Hottel, Huttche, Hotti- 
huh : Pferd. — bair. Hottelein, hottein. 

— nd. Hopeerd. 

Hotzsel, f. dürres Stück Vieh. — schwib. 
Westerwald, oberlaus. Hutzel: gedörrte 
Birne ; hutzeln (fränk. obpfüls.) zusam- 
menschrumpfen. 

Hübel, m. mit dem Deminut. Hiberle : 
Hügel ; auch oberlaus, nnd nordböhin. 

— Hügel ist in Schlesien nicht bräuch- 
lich ; Hübel kommt auch in den Dorf- 
namen : Giesshübel, Krummhübel, Stein- 
hübel in Schlesien vor, ebenso als Fami- 
lienname, mhd. hüebel, hübii ; mnd. huo- 
vel, Dürnberg. Büppel, mrhein. Hubbel, 
westfäi. Hüewel, nl. nrhein. Hovel, Heu- 
wel. — Das Wort theilt sich mit Hügel 
und Bühel in das deutsche Land ; es ist 
vorzugsweis md. und westniederdeuLsch. 
Hübel bezeichnet seiner Herkunft nach 
im allgemeinen Erhebung, wesshalb in 
der Jägersprache die kleinen Erdbiuf- 
chen in den FusssUpfen der Hirsche, und 



schweizer, ein Klümpehen oder Knäuel 

ebenfalls Hübel heissen; nl. Hobbel • Hol- 

per, Höcker, Knoten. 
Hüffe, f. Hüfte (Reichenbach). — ahd. 

huf, mhd. und obd. hüffe. Frisch 1, 472. 
hüllen, schw. vb. winden, wickeln : Garn 

hüllen. 

Hummel, f. gewöhnlicher H u m m 1 e r, m. 
— Wilde Hummel : wildes Madchen. — 
Hummeln haben : vor Sorgen unruhig sein. 

Humpe, Humpen, schw. m. Stück Brod. 
Nd. Wort, auch din. Humpling : Fetzen, 
Fladen. Humpe kommt übrigens auch 
schwib. vor. Schmid 201. 

Hüneprlttt drum sie auf der krücken ritt 
und sich stellt als hünepritt. 
Scherffer 642. — ? 

Hund, m. vor die Hunde gehn: 
zu Grunde gehen ; mer hau a halba Acker 
umwühlt, der ganze Summer is vor die 
Hunde geganga. Stoppe Pamass 535. — 
Die Zeit waren J. F. G. Instig und guter 
Dinge, hiessen einen hund schla- 
fen und sorgen. Schweinieben 2, 
73; ich aber blieb bis an den drit- 
ten Tag alda und Hess einen hund 
trauern, der nicht zu fressen kann 
bekommen. Ebd. 2, 82. Hundel, n. 
frieren wie die Hundel. — Hunde- 
kirche, Schlucht in den Trebnitzer 
Hügeln, dem Katzengebirge. Auch bei 
Mergentheim im Würtenbergischen gibt 
es eine Hundskirche, d. i. ein Kalkstein- 
loch, wo der Sage nach ein Hund einen 
Schatz bewacht. Panzer Beitrüge zur 
deutschen Mythologie S. 140. 

Huppe, f. kleine Pfeife von Weiden- oder 
Holiunderrinde, die einen schnarrenden 
Ton gibt, nd. Hupup. — schwab. Hupe, 
Hube : Horn oder Rohr um in die Weite 
zu rufen ; hupen : durch die Hope oder 
die hohle Hand rufen, Schweiz, hupa, 
pupa, bair. steh*, huppen : durch einen 
Ruf sich in die Ferne hin kund geben. 

Hure, f. nackte Hure: die Herbstzeitlose, 
Colchicum autumoale. 

Hürdler, m. Fuhrmann mit Holz und 
Frachtgütern , wahrscheinlich wie schon 
Frisch 1, 478 erklärte, von den Hürden- 
oder Flechtenwagen. — Hürdler- 
p f e r d : da ihre Pferde gewöhnlich zu 
den schlechtesten gehören , überhaupt 
Name eines abgetriebenen geringen 
Rosses (Breslau). 

Husch, das rasch vorüberhuschende: 
a) kurze Zeitweile : auf einen Husch 
jemand besuchen ; auch oblaus. ; b) rasch 
vorübergehender Regen. — rhein. Jusch. 

huschen, schw. vb. raufen. — Husche, 
f. das raufen der Haare. 
Calvus der ganz kahl am köpfe, meint 
man, werd ans holz noch kleben : 
sorgt drum selbsten wie der benker 
ihm wird doch die husche geben. 

Logau n. 2269. 



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38 



husche — Irtc. 



geschickt bei seilen ein- 
zupacken, 

soll ihm die Schwarte nicht von mancher 

Husche knacken. 
Günther 418. — Schweiz., schwäb., bair. 
Husche : Ohrfeige ; rhein. Jusche : Tracht 
Prägel. 



hüsche, Lockruf der 

gansei : Ginschen. 
h us ehern* schw. vb. ei nhus ehern : zu- 
sammenkauern, einhüllen. — bair. hu- 
scheln: sich vor Frost schütteln. 

■t, m. Husten; auch bei Logan 1323. 
— ebenso Fastnsp. 94, 16; 243, 26. 



I. 

ja, bei Gryphius jo, in der Grafschaft Glaz 
und an der böhmischen Grenze jft. o j a: 
adjectirisch in der Bedeutung „wahr" 
und als vornehmer wie dieses gebraucht: 
sis o ja (Kolbnitz bei Jauer). 

jaedern, schw. vb. herumjagen , umher- 
schweifen. Ableitung von JAd , Jagd, 
oblaus. jägern. 

Jnner, m. Vormäher (Silber bei 8prottau). 

— Der Jan : Streifen Getreide, Gras, 
Furche Kartoffeln, die zu ernten sind ; obd. 
md. allgemein. Schnieder 2, 268 ; Höfer 
3, 86; Schmid 294; Stalder 2, 72; 
Schmidt 78. — mhd. jAn, jAnen, gewin- 
nen ; frz. gagner. 

JtYr, J d r , J d r , n. ze Jore : voriges 
Jahr. — Die mhd. Bedeutung von ze 
jare, nächst«» Jahr, bei A. Gryph. gel. 
Dornr. ze jore ward ich denn a gefre*ter. 

— Gross Neujahr, wie allgemein 
Dreikönigstag, und in folgender Redens- 
art für die bildliche Darstellung der h. 
Dreikönige : stibt a doch do wie a gross 
Neujahr (Gomolke). 

Ichts, etwas, begegnet noch bei A. Grrph. 
Gibeon. 581 ; schwärm. Schiif. 673; Lo- 
henstein Ihr. Bassal, 12. 13. — icht 
was, etwas. Scberffer 280. 541. — 
Grimm Gramm. 3, 51 f. 

jeeben, schw. vb. jagen, trans. und in- 
trans. — sich a b j e c h e n : sich ab- 
hetzen, durch Laufen erschöpfen. — 
Je che, f. jagende lärmende Menge, 
für Rinder und Thiere gebraucht, ober- 
laus. Jecht. — mbd. jechen. M. S. II. 
3, 113; jechung im voc. praedic. bei 
Tobler 284. jfichen, fugare ; Jächer, Je- 
chling. Stieler 876. elsäss. jöchen : jagen, 
treiben, umherlaufen, schwäb., Schweiz, 
jauchen, jeichen, steir. jiuken; vgl. nd. 
jachtern. — jechen verhält sich zu jlu- 
chen wie Schechen (w. z. s.) zu scheuchen. 

jener, pron. vgl. Dialektforsch. 141. — 
jennrfbend: gestern (vgl. hinte). — 
jenntAg, jenntig, jemtj: neu- 
lich. — „jemtge ist ein solches Wort, 
dass das schlesische Bauernvölklein sehr 
in Brauch hat, damit einen gewissen Tag, 
wenn der ihnen nicht bald zu benen- 
nen wil, meinend." Scberffer Ged. 584.— 
jessjärig: vorjährig. 

jesen, jnien , st. vb. gähren. Der An- 
laut wechselt mit j und g regelrecht 
vor e und i: j vor e, g vor i; vgl. 



mhd. jehen hierfür. — da gischt e^r 
schäumt und schnaubt, Opitz 1, 9. — 
e r j ä s e n (ptc.) ergohren , namentlich 
von Eiter aufgeschworen (Trebnitz). — 
durchjäsen: durchgoren von Schweis« 
(Reichenbach). J ä s c h t , m. durchgän- 
gig und richtig von den schlesiscben 
Dichtern geschrieben. Lohenstein Ihr. 
Bassa 1, 10; Agripp. 3,519; 3, 725; 
Günther 493. — Allgemein deutsch ; das 
Wort musste aber wegen seiner festen 
Regelmässigkeit in der Form hier auf- 
geführt werden. 

Jenas, Herr Jeses,Jess; Jekerscb, 
Jetersch, Jettersch; Jeker- 
las, J «Iter las; Jdmine, Jener. 
Je- je"! — je nei, je" nei! je- 
sein, schw. vb. jammern , namentlich 
kntzjammern. „kotzen" und jeseln" (Bres- 
lau). — Schweiz, jeeeln und jesenen. 
Stalder 2, 76. 

tlst, adv. „ilst ist ein Schlesisch Bauern- 
wort , heisst so viel als zu zeiten , zu- 
weilen." Scberffer Gedichte 585. — ilsta 
(Glaz) ; ilstemal (Reichenbach, Glogau). 
henneberg , hess. alst, alstemal, aus als 
mhd. alles; vgl. Grimm Wörterb. l t 
246. 262. 

Ilster, n. Iltis, zuweilen auch für Ratte 
gebraucht. Du dies Ilster ! Schelte (Lan- 
genbielau) ;vgl. zu der Bildung din. Uder, 
schwed. Hiller : Iltis. 

Imbiss» m. lause, f. Frühstück der 
Feldarbeiter um neun Uhr (Neusalz) ; vgl. 
die spätere mbd. Form immez, nd. Imt, 
schwäb. Immes, Immis. 

In<te,adv. 1) irgend (Oppaland) ; 2) immer- 
hin (Glogau) : je stirb inde hie ; kioit 
inde hin. A. Gryph. gel. Dornr. — mhd. 
iener, iender. 

Inlet, Indelt, Innelt, in. die Bett- 
federkissen , über welche der Überzug 
kommt; nd. Inlede, lnlid; eigentlich 
„Einlage" in den Überzug. 

Ihne, pron. poss. der 3. plur. ans miss- 
verstandener Höflichkeit für Ihr ge- 
braucht. Da ist Ihne Hut (Reichenbach). 
Auch bair., österr. ; vgl. Schindler 
Grammatik §. 732. 744. 

Inselt, n. Unschlitt, ahd. unslit. - In- 
sellicht: Talglicht — SchmeUer 1, 85; 
Schmid 5-5. 

irne, vgl. erne. 

Irte, vgl. Ürte. 



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jükeln — kammein. 

chlecht tu | werden: 

den. — - 

adj. jung werden: geboren I Brem. Wörtern. 2, 709. 



jukeln, j ü p e I n , scfaw. Tb. schlecht tu i werden : In dein Jahre bin ich jung wor- 
Pferde sitzen, den. — Allgemeiner : Schneller 2, 268 ; 



k »backen, schw. vb. durchprügeln (Rei- 
chenbach). — Die Bildung -ak-en darf 
nicht irren, ebenso wenig wie bei dre- 
schaken. Kabaken ist Weiterbildung von 
kn j>|>f ii , das in älterer namentlich obd. 
Sprache für derb ausschelten, ohrfeigen 
begegnet. Frisch 1, 500; Schmeller 2, 
316 ; Stalder 1,86. — Zu erwähnen ist 
nd. kabbauen: sich lärmend tanken. 
Kahache, f. altes wackliges Gebinde; 
ebenso in Danxiger Mundart (Förstemann 
bei Kuhn 1, 41). Die liefischen Deut- 
nennen wie die Polen und Russin 



Kahak eine Schenke. — Zu vergleichen 
Holstein. KaliulV : altes schlechtes Zimmer 
(8chütze 2, 209). nd. Kabuse, dän. 
Kabvse, schwed. Kabjrsa: Schiffsküche; 
engl, cabine : Kajüte, Hütte. Zelt Ob 
wir das allen diesen Worten tu Gruude 
liegende Kab im Keltischen suchen sol- 
len , wie Diet roman. Wörterb. 86 für 
cabin, cabinet, cabane will, oder ob wir 
nicht lieber ein nd. cab, caf aufzustellen 
haben, wozu Kobe, Kofe, gehört, möchte 
sich zu Gunsten des Deutschen entschei- 
den lassen. Vgl. auch ahd. chupisi : Hütte. 

Kachel, f. die alte Bedeutung Gefäss hat 
sich in dem ebenfalls früher oft er- 
scheinenden Seichkachel erhalten, das 
man zuweilen noch hört. — Ofen- 
kacheln mit Sand oder Sägespänen ge- 
füllt, dienen auf dem Lande blutig als 
Spuckknapfe. 

Kartei, Kasel, m.Russ.Ram; Kadels- 
r d m. Man versteht darunter besonders 
den im Handel vorkommenden Kienruss, 
der von dem Kadelsmann in ganz klei- 
nen Fässchen auf einem Schiebkarren im 
Lande verfahren wird. Der Sack, in 
welchem der Rosa über dem Herde auf- 
gefangen wird, heisst Kadelsack. — In 
einer medicin. Handscbr. des 14. Jahrh. 
kadel: Unreintgkeit im Öl. Fundgruben 
1,378. Bei Schert 749; Frisch 1,495; 
Kad: Rnss; oblaus. Kadel: Kamin. Vgl. 
aslav. kaditi; poln. kadic: riuchern. 

kAfera, k ä w e r n , scbw. vb. schwatzen, 
plaudern. — Kawergritte: ge- 
schwitziges Frauenzimmer. — G e k a- 
f e r e : Geschwätz. — kafsen,kaf- 
t e n , schw. vb. mit gleicher Bedeutung; 
auch vom Hundegebell gebraucht. — 
oblaus. westphil. kiffen : kläffen, hosten ; 
Schweiz, kafeln: plappern, keifen, nagen ; 
rbein. kiuern: langsam sprechen, nd. 
kauein: schwatten, zanken; holl. ost- 
fries. kavelen: plaudern, reden. Vgl. 
ahd. gachewen: vocare. 



, schw. vb. hocken, kauern, 
aus diesem Wort entstanden. Frisch 
1, 427 deutet kauern aus gehauren, desi- 
dere bei Pictorius; indessen heisst es 
auch engl, cower. — fränk. hess. kau- 
chern, hauche. 
Kaffer, K äffe r , m. Gaffer, Gucker, mhd. 
haphasre; erhalten in der Bedeutung 
1) herausgebaute Dachluke, die mit einem 
Liede verschliessbar ist; hat der Kuller 
ein Fenster , heisst er : Kafferfenater : 
; 2) Latz, Hosenlatz : Hosen- 
Auch oblaus. — k a f f e r n : gaffen, 
klaffen; der Schlitz der Röcke kaffert. 
Kalb, n, Feuerkalb: Rohr durch wel- 
ches die Feuer angezeigt werden. — 
Von einem altfränkischen Menseben sagt 
man: er is vo damals, wo underm älen 



Fritze der K a I b s k nppümzwe' Grüschel 
war. VgL Holtet schies. Gedichte 67. — 
Kilbermelker, Spottname auf Graf 
Dohna, »den Seli^macher," der neben 
der Durchführung des Restitutionaedictes 
auch neue Steuern brachte, und auf die 
Kuh vier Kreuzer wöchentlich auflegte. 
Wuttke Schlesien 2, 37. 
Kalinkenbere, f. Wasser ho Runder, Vi- 

burnum opulus; poln. kalina. 
kalitschken gehn: die Schule schwen- 
zen(Reicbenbach). — Vgl. schwäb. zgala 
gehn : Besuche machen ; bair. galauschen 
in folgender von Schmeller 2, 29 aus- 
gehobener Stelle: nit zusammenlaufen, 
schwezzen, galauschen und niederritten, 
kallanchen , schw. vb. prügeln, hauen ; 
durcbkallaschen. — Kalla'sche, f. 
Prügel; nd. gallern, begaliern, dörgal- 
lern : schlagen. Brem. Wörterb. 2, 478. 
Kaiuder, ein- und zweispännige Plau- 
wagen, die aus der Breslauer Odervor- 
stadt nach den nächsten VergnÜgungs- 
orten (Oswitz, Rosenthal u. s. w.) mit 
md übervoller La- 



schlechteu Pfe 
dang fahren. 
Kalünken, pl. 

(Reichenbach), Demiuutiv des nd. Kalune. 
Kalüppe, f. Hütte, baufälliges Gebäude ; 
auch in Böhmen, Mähren, Österreich ; 
oblans, Kalnpche, weatpreuas. Galupe.— 
Slav. Wort: poln., böhm. chalupa. 
kammein, schw. vb. kämmen : die Wolle 
oder den Flachs auf dem Kammeieisen, 
einem viereckigen mit Drathzähnen be- 
setzten Breto, aufkratzen. Die Kammel- 
eisen sind an einer Bank festgemacht, 
welche das Kammelrössel 
heisst. Vgl. Frisch 1, 

— kampeln: «..**.,,■,>... 



— o - , 

I ffanz poetisch 
498 und uutea 



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i 



40 kampeln 



karmanzeln. 



aufkratzen : er muu ihm kampeln auf 1 
sein graues wich teih aar. Scherfler 441 ; 
Scbmeller 2, 301 ; Stalder 2, 84. 

kampeln , schw. rb. streiten, zanken ; 
sich kampeln, herumkampeln. Gekam- 
p e I, n. Streit, Zank. Vgl. Mich. Beheim 
Buch v. d. Wienern 246, 12: von dem I 
auch aller kampel awitracht und baderung 
erschain. Bair., schwib. Vod Scbmeller 
und Schmid xu Kamp s Kamm gestellt 

Kaenicht» n. der junge Kiefernbestand von 
12 — 15 Jahren. — loh habe früher hier- 
bei auf das poln. chojna, junge Fichten- 
waldung, hingewiesen, wogegen Dielen- 
bach in Kahns Zeitschrift 2, 54 mir ein- 
geworfen hat, das Wort habe echt 
deutsche Bildung. Dies habe ich nie ge- 
läugnet; ich behaupte nur, dass das ae 
sich eher ans dem poln. oj als aus ie in 
kien entwickelt, und der Stamm von Kfi- 
nicht also trotz der Urverwandtschaft 
mit deutschem Kien, aus dem Poln. her- 
übergenommen wurde. Die meisten Ein- 
wanderer bemühen sich die Bildung der 
neuen Heimath anzunehmen. 

Kanne« st. f. Wasserkanne: rundes 
hölzernes nach oben sich verengendes 
Geffiss, eine Elle hoch, mit einem hölzer- 
nen Henkel. Zwei Kannen Waaser ma- 
chen eine FarL Kannen und Zuber sind 
die notwendigen Küchengeräte für das 
Wassertragen ; sie stehen so zusammen 
wie sie Wolfram v. Eschenbach im Par- 
zival 184,23 setzt: sich vergdz da sel- 
ten mit dem mete der zuber oder diu 
kanne. — Sie hat gute Wasserkannen, 
sagt der derbe Witz von einem diok- 
beinigen Frauenzimmer. — Geschwolleu 
wie eine Wasserkanne: von der Bein- 
geschwulst Wassersuchtiger. 

Kant, n. langes viereckiges Stäbchen, 
als Lineal in den Schulen gebraucht ; nach 
den vier Kanten benannt. 

Kante« f. Ecke, Rand; schlesisch ganz 
gebräuchlich, nd. Kant. 

Kappe, st f. 1) ursprunglich ein den 
ganzen Körper bedeckendes Gewand, vgl. 
meine deutschen Frauen im Mittelalter 
449. Wir müssen diese Bedeutung an- 
nehmen in den Redensarten: einem die 
Kappe waschen: ihm derbe Vorwürfe 
machen, und in der gleichbedeutenden, 
mir heute nicht mehr vorgekommenen, 
einem eine Kappe geben, zuschneiden : 
mit welchem denn J. F. G. übel zu- 
frieden gewesen und den abgesandten 
»tätliche Kappen gegeben. Schweini- 
chen 2, 247; itzo aber geht es über 
Kesseln her und ich helfe ihm die kappen 
fleissig zuschneiden, ebd. 2, 361. Bei 
H. Sachs : alte kappen geben. — Kappe für 
Kutte : eine mummerei, welche ich auch 
machen liess auf sechs personen, als drei 
münche und drei nunnen , in weissen 
kappen mit roten zeckeln. Schweinichen 



2, 94; vgl. Frisch 1, 800. 2) Kopf- 
bedeckung: Rothkappe, ein Rolhbemütz- 
ter; auch ein Pilz mit rothem Kopfe 
heisst so. Schwammkappe : schlechte alte 
Mütze. — Namentlich heissen Kappen die 
schönen herzblattförmigen Hauben der 
Landfrauen , die eng am Kopfe anlie- 
gen, mit Spitzen oder Streifen besetzt 
sind und hinten in eine Schleife mit 
langen Bindern ausgehen. Bei reicheren 
ist die Kappe von Gold- oder Silberbro- 
cat ; beim Abendmahl und den Leichen- 
begängnissen ist sie schwarz mit weissen 
Streifen. Die Kappe ist die bessere Kopf- 
bedeckung; für gewöhnlich wird die 
Kommode getragen, w. z. s. 3) Getreide- 
oder Heuhaufen» der zum Trocknen auf- 
gestellt ist; eigentlich die darüber ge- 
legte Deckgarbe; einkap pen , das Ge- 
treide in Schober setzen (Jauer). 

Kappelüpieler« m. Taschenspieler (nördl. 
Niederschlesien). Die riebtigere Form 
wfireKapspieler, d. i. Kapfspieler, Schau- 
spieler ; vgl. mhd. kapfspil, Schauspiel. 
Passional III, 302, 27. 498, 67 (Köpke). 

Kapsch, m. Kleider tasche der Frauen- 
zimmer, Schubsack. — einkapsen, 
einkabschen: in den 8chubsack stecken, 
einsacken (Schömberg). — Nordböh- 
misch : die Gapse , poln. kapsa, kapsza : 
Tasche, Beutel. — Wohl von latein. 
capsa : capsa dicta quod capiat in se 
atque serret aliquid. Dufresne. 

knransen, kuranzen, schw. vb. 1) pla- 
gen , quälen ; nd. karanzen, kurranzen : 
peitschen , prügeln , westfäl. kranzein. 
Ist das Wort als eine Ableitung von dem 
obd. zu belegenden keren, kären : necken, 
ärgern (Scbmeller 2, 321) zu fassen? — 
2) herumlaufen, umherschweifen. Ablei- 
tung von karren, herumkarren: herum- 
fahren ? 

Kartie, st f. Kümmel, carum carvi. Frisch 
1, 501 ; nd. dfin. Karve. — Karbe- 
striezel : länglich runde Semmel mit 
Kümmel bestreut. 
Karl, Karle. Der edle alte deutsche Name 
muss sich manchen Neckvers in Schlesien 
anheften lassen: 

Karle Schnarle Farzabdn, 
j'4 de 41a Weiber hem. 

Karl am An 
hots Weib der schiin, 
s Kind derbissa, 
in Dreck geschmissa, 
ufgehoba, 
in Mist vergrob*, 
Karla mei Sftn 
kan sechserlei thun : 
kau fidein, kan geigen, 
kän Hiberstruh schneiden, 
kan ackarn, kan saen, 
kan Farzla verstraen. 
karmanzeln, schw. vb. sich bespassen, 
Scherze mit einander treiben, stets von 



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41 



Personen verschiedenen Geschlechtes ge- 
braucht (Reichenbach), 
karnöffeln, karniffelu, schw. rb. 
wie allgemein deutsch : prügeln, quälen. 

— Karnöffel, m. quileriacher, launi- 
scher Mensch. — Hier ist das Wort 
besonders zu erwähnen, weil aich in neue- 
ster Zeit in Landshut eine Karnöffel- 
gesellschaft gebildet hat: ein Bür- 
ger verein, der jibrlich ein Armbrust- 
und Büelisenschiessen unter festlichem 
Aufzuge abhält , wobei Geschenke, 
welche die Mitglieder machten, verstei- 
gert oder verpascht werden. Der Rrlös 
wird einer Casse zur Unterstützung armer 
Bürger übergeben ; der Stifter der Ge- 
sellschaft ist ein dortiger Schneider. VgL 
Schlesische Zeitung 1 850,Nr.l96, S.1669 ; 
1854, Nr. 425,8. 1829. Ursprünglich war 
eine Karnöffelgesellechaft eine Spielge- 
sellschaft, die das vor mehreren Jahr- 
hunderten beliebte Karnöffelapiel pflegte. 
Scherz 762. 

Kartauae, f. einen bei der Karts use 
kriegen : beim Kopfe kriegen. Weit ver- 
breitet : ao hin» ihn bald bei der Car- 
thausen. Grobianus übers, von Hellbach 
51 (1567) ; Frisch 1, 166; Schnieder 2, 
333 ; Stalder 2, 90. 

Kartelle, ein Wollenzeug des 16. Jahrh. 
in einem roten samtstuhl mit roten 
kattecken. Schweinich. 1, 102; vor mich 
roten samt zum kleide mit roten kat- 
tecken durchzogen, ebd. 2, 83. Die hosen 
mit roten und weissen kattecken, ebd. 3, 
78. — Auch bei Fischart Geschichtklitt. 
e. 56. Vgl. Frisch 1, »02. 

Karviäl, m. Blumenkohl, ans dem ital. 
caralo fiore. — Schweiz. Karifiol, Kar- 
dlfiol, Kartefiol. SUIder 2, 88. 

kamen , schw. vb. verkarzen : die Fäden 
des Garne* verwirren. —Vgl. nd. karren: 
ungeschickt schneiden, verschneiden. 

Kasche.f. 1) Grütze, Heidegrütze : He*de- 
kasche ; poln. kasza. — 2) Kleister, 
Pappe. Kascbedeckel : Pappdeckel. 

Ka«che, f. polnische Koseform von Ka- 
tharina: Kasza; wie Grete und KHte für 
Müdeben oder Frau überhaupt gehraucht : 
der vierte soate , ich hoa menner Kaache 
ann Kannvel Wasser überm Kuppe runger 
gegussa. Stoppe Parnass 510. Vgl. Kate. 

kaschandern, schw. vb. herumstreifen, 
bei Scherffer 556: 
keiner die zu weit gewandert 
und im land herumkaschandert 
Die Bildung ander, die wir auch in La- 
bander und plachendern sehen, verhüllt 
uns den Stamm kasch nicht, der auch 
auftritt in dem ähnlich bedeutenden 

kaschela, schw. vb. gleiten auf der Eis- 
bahn, schindern. — K a s c h e I, f.; Eisbahn. 

— An das hebräische werden wir 
nicht denken dürfen trotz' der gleichen 
Bedeutung: gleiten. 



Kaese, Käse,m. Die seh lesischen Zie- 
genkäse, Koppenkäse, Kräuterkäse kön- 
nen sich unter ihren Brüdern dreist 
schmecken lassen. Die kleinen Quärgel 
kommen den berühmten Olmützern nahe. 

— Kisenäppel, die Fruchtböden der 
wilden Pappelrose (Malra rotundifolia) ; 
bei Fischart Gargantua S. 196 (1590) 
Pappelskässlin ; vgl. auch Frisch 2, 39. 

— Käsebrod- freier: flatternder 
Liebha her : 

aber die andern Buler von Flandern, 
Kasebrod-Freyer Migdegeheyer. 

Scherffer 476. 
Kaspar, Kaschper, selten in Schlesien. 

— kaschpern mit einer : sie lieb- 
kosen, meist im stärksten 8inne ; vgl. 
schwäb., bair. kaspern : necken , pla- 
gen; aber Kasperschmalz anstreichen 
heisst dort schmeicheln. 

Kasten, m. Lade, Trübe. Ein echter 
Kasten ist blau oder roth angestrichen 
und mit grossen Blumensträussern be- 
malt. Ein Mensch wie ein Kasten: grosser, 
starker Mensch. — Beikästel: Sei- 
tenbehäitniss im obern Rande des inwen- 
digen Kastens, zur Bewahrung kleiner 
Gegenstände, das Schmuck- und Spar- 
kästlein der Landfrauen. «Das ist noch aus 
der Grossmutter Beikästel« sagt man von 
lange nicht gesehenen oder gehörten 
Dingen. — nd. Bilade. 

Kantraun, m. Schöps, Hammel s dem sag 
ich dass die Rh auch süsser pflegt zu seyn 
als fett Kaschtraune Fleisch gekocht mit 
geelen Rüben. Scherffer 537. — Aus dem 
ital. castrone in die süddeutschen Mund- 
arten, die es noch bewahren, gekommen, 
und von hier weiter nach Norden ge- 
drungen. 

Kate, Käthe, Katharine. Folgender 
ikonologiseber Denkvers wird oft genug 
auf weltliche Schöne angewandt : 
Barbara mit dem Thurm, 
Margretel mit dem Wurm, 
Kathrindel mit dem Rädel, 
das sein drei schöne Madel. 
(Österr. Schlesieu). Witterungsvers auf 
Kntharinentag (25. November) : 
Kate stell ok 's tanza ein, 
du must im StalJ beim Vieche sein. 
Vgl. Böbel Usus- und Feldweisheit. Ber- 
lin 1854, S. 54. — Kitel: Rotkatel: 
Rothkelchen. Rotkatel oder btos Kate! 
fangen t vor Frost eine rothe Nase krie- 
gen. — KotkAteihaum : Evonimus, Vo- 
gelbeerbaum, Spillbaum ; vgl. die ver- 
schiedenen Namen desselben bei Popo- 
witsch Versuch einer Vereinigung 548 f. 
katern, katzen, katsehen, kot- 
teln, kudeln, schw. vb. verschie- 
dene Formen derselben Bedeutung : ver- 
wirren, verderben, namentlich Fäden und 
Haare verwirren; für letzteres beson- 
ders kotteln nnd kudeln : wirren, zausen ; 



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42 



Untschen — kllstern. 



die Kotteln oder Rudeln: Loden, 
wirre Haare; k Adlig: wirrhaarig. Ru- 
deln ist indasPoln. übergegangen : kudly, 
langzottiges Haar ; kudla, zottiger Mensch 
und Hund. — katern wird vorzüglich 
Ton dem verderben der Wische durch 
schlechte Behandlung gebraucht, ver- 
waschen; katzen, katschen Tora wirren 
der Fäden ; Ratache, rerworrener 
Fadeiiknoten; vgl. das gleichbedeutende 
schwfib. Rautsen. 

kataehen, knatschen, achw. vb. kauen, 
zerkauen. — k atschig, adj. zer- 
kaot, weich, weichlich; weichkatsehig, 
dasselbe. — knatschen führt auf kneten; 
verwandt sind bair. schwfib. knötschen, 
knotschen, knutscheu, Schweiz, knut- 
schen, kätscben : kauen. 

Kascher, Rascher, m. 1) Fiachbamen, 
wie hd. und od. 2) Hosenlatz, Hosea- 
kascher ; vgl. hierbei Fastaacbtsp. 640, 
14 den Fiach darein pringen. 

Katse, Kitsche, f. Redensarten : ein 
beschfimter zieht ab wie eine gebadete 
Katze; vgl. H. Sachs 1, 483 (1560) die 
brocken schlicket der nasse Kuab und 
zog ab wie eine nasse Katz. Was put 
in die Kele läuft, lauft nein wie 'ne 
barbaeKatze. Geht etwaa wider Er- 
warten: „ichwin m's Ratzel fi r sch- 
lich." — Die lichten Wolken daa sind 
die rechten Katzen, heisst es von weissem 
Gewölk. Die Strabelkatze ziehn: 
aich zanken und raufen, namentlich von 
unverträglichen Eheleuten gebraucht. 
Bei Berndt: die Stragkotze ziehn; ob- 
laus. die Strauchkatze, die strenge Kutze 
ziehn; henneberg. die Streng katze ziehn; 
in den Faatuachtap. 38, 26 die strebe- 
katzen ziehn; nd. Strevekatt: wider- 
spenstiges Frauenzimmer. Vgl. Schindler 
2, 34S; Zarncke zum Narrenschiff 64, 31. 

Kandel, n. zwei bis dreijähriges Pferd, 
das noch nicht zugfähig ist. 

Haue, f. 1) bühnenartiges Gerüst im Vieh- 
stall, das in Fächer getheilt, die Schlaf- 
stitten des Gesindes enthält (Reichen- 
bach); nd. Koje, nl. kovi, diu. schwed. 
koj. 2) hölzerne Hütte über der Schacht- 
einfahrt (Waldenburg), bair. Kauen. 
Schindler 2, 273. Schwed. koja, Hütte. 

kaufen, schw. vb. wir a kent, dir werd 
a ke*fa (Glizisches Lied) ; vgl. Fischart 
Gargautua c. 28: wer euch kent, der 
kauft euch nicht. 

Kaule, f. Kugel; md.Rüle, Raule; schwed. 
kula ; übergegangen in poln. knla. — 
Kegelkaule; (iarukaulc: Garnknaul. — 
Butter-, Fleisch-, Räsekaulen: KUisse von 
diesen Stoffen. — Kaularsch: 1) Henne 
ohne Schwanz, bess. Kullarsch, bair. 
Keilarsch. 2) Froschbrut: Kaulquabbe, 
Raulkrolen, nd. Kulpadden. Diese drei 
letzten nicht sehlesischen Namen gehören 
wohl zu nd. Rule, Grube. — k a u 1 i c h t, 



kin lieht, adj. 1) kugelig rund, rahd. 
kiulicht. Der kiulichte Berg : Name meh- 
rerer schlesischer Berge. 2) schwan- 
ger. — k 1 u 1 e r n, 1) schw. vb. mit der 
Kaule schieben ; 2) intr. rollen, wälzen. 
Vgl. Rulle, kullern. 

kaum, adv. in der Bedeutung von eben, 
halt, gebraucht: gut, da brauch ichs 
kaum nicht zu sagen. Wenn diu nicht 
magst, behalt ichs kaum. 

kaupeln, schw. vb. Tauschhandel trei- 
ben, feilschen; in der Kindersprache. 

— fränk. thüring. kauten: tauschen, 
bair. kaudern : mäkeln. Wechsel zwi- 
schen t und p. 

Keg-el, m. der lange hölzerne Arm, den 
die Bierhäuser als lockendes Zeichen 
b ^strecken ; übertragen : das Bier- oder 
Wirthshaus selbst: llothkegel u. a. bei 
Breslau. Frisch 1, 507. 

Keike>, f. Keichhusten (Glogau). mhd. 
klebe: daz asthma das ist diu ktche. 
Fundgruben 1, 378. 

Kellen» bei Schweinioben 3, 77: Kellen 
zum gebraten, Deminut. von Kohle : 
Rella (Reichenbach) wie Rella, Röllchen. 

Kerb, m. Einschnitt, Vermerk auf dem 
Rerbhols: 
so sei das alte gern in dessen schooss 

vergraben, 
der drüber seinen kerb wol halten 
wird und haben. 
Logau 799. — Rerbe , f. gleichbedeu- 
tend. Zwischen den Dörfern 8eichau 
und Pömbsen im Jauerschen liegt eine 
Bergschi acht , davon der Volkswitz : 
zwizehber 8eche und Pumbsen gtt der 
Wag durch de Rerbe. 

Kerle, m. 1) Verwahrung gegen die Benen- 
nung Rerl: wess a denn, was a Rerle 
ts? — a Rerle ia a Soidreck. — Ist 
auch bairisch. Schmeller 2, 329 ; 2) der 
Geliebte des „Mensches ;" 3) Rarl (Glaz). 

— Jungkerle, m. Jüngling. Ein rüsti- 
ger Alter geht noch wie ein Jungkerle. 

kifen, kfven, schw. vb. 1) kauen, na- 
gen; auskiven : ausgekivte Samenkörner, 
leere Hülsen ; 2) keifen : sie kieflet tag 
und nacht. Opitz 1, 97. — kifeln, 
frequeot. hierzu ; sis schade , dass ihrch 
su mit einander kifelt. A. Gryph. gel. 
Dornr.; Rernkron. 2, 722. — klfig, 
adj. zänkisch, scharf von Worten. — 
mhd. kifen, kiben. — österr., bair., 
achwfib., achwetz. — Die Bedeutungen 
nagen und zanken gehen durch alle 
Mundarten ; in den nördlichen überwiegt 
die ethische Bedeutung. 

Klfe, R ! v e, st. f. die Winde, von der 
das Garn durch daa Spulrad auf die Spille 
gedreht wird (Reichenbach). 

kllstern, schw. vb. hüsteln, Schleim aus- 
werfen. — Rilster, m. schleimiger 
Auswurf. Auch oberlaus, obpfälz. bair. 
kilsteru, geistern, gilgezen. Schmel- 



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Kind - Klaustern. 



43 



ler 2,40. 293; obsächs. kelstern. Eine 
Erfurter Glowe bei Haupt 2, 207 : viscum 
quod est rindblood s. biliitr. Die Mar- 
burger Handschr. liest gilliatr. — shd. 
giis cerebrum. Die Grundbedeutung des 
Worte« scheint Schleim; Tgl. auch 
Qualster. 

Kind, n. »WeO iedeman nun muss die 
lieb gewinnen, so wolt iedwede frau bey 
ihr sein liebes k i n d." Lohenstein 
Liebeszunder. Wenn man wiederholt ein 
Anerbieten ausschlagt, kann man hören: 
immer nicht liebes Kind, immer ok du 
strumpzälicher Hund. — Kindel- 
markt: Weihnachtsmarkt, die leUten 
acht Tage vor dem heil. Abend abgehal- 
ten. — Kinderschmiede: Ehebett. 
Stoppe Parnass 383. — hindern, 
k i nd e 1 n , schw. vb. t) Kinder gebiren ; 
ahd. chindon, mhd. kinden; weiter ver- 
breitet, z. B. schwibisch kindern , kin- 
dein ; nd. kindern. — 2) kindein : kin- 
disch sein, tändeln: 
Verdruss zu mindern 
kindein Manner oft mit Kindern. 
Logau 1082. Kindelei, f. 
was in meiner jugend mayen 
von der Venns kindeleyen 
ich gezeichnet auf papier. 
Logau 1150; vgl. Schneller 2, 310. — 
kindschen, schw. vb. kindisch sein, 
kindisch spielen und scherzen ; sehr be- 
liebtes Wort. Auch oblaus.; obpfälz. kind- 
einzen. Schindler 2, 310. 
Kinkerlltzen, plur. Flitterstaat, z. B. 
ein flinkerndes aber werthloses Halsband 
(Trebnitz), 
kirmcln, kernein, schw. vb. 1) lal- 
len der kleinen Kinder, namentlich be- 
zeichnend ihre Töne bei angenehmen 
Empfindungen; überhaupt schmeichelnd 
stammeln. Hfiufig bei den Dichtern des 
17. Jahrhunderts: 

was das liebe kindelein 
wird mit h:i I b ein munde machen, 
was es kürmeln wird und lachen, 
werden lauter verse sein. 
Opitz 1, 220. — als wenn das liebe kind 
mit kürmeln und mit lachen an unser 
haupt sich drückt. Logau 798. — vom 
süssen namen söhn ein kürmelnd exem- 
plar. Logau 908. Auch oberlaus, und 
schweizer. 2) lärmen, schreien.— G ek e r- 
mel, n. Lärm. Vgl. carmnla seditio, 
lex Bajavar. 2, 3. ags. cyrm, Lirm, 
westjifal.Kurmel, durch ein »ndertpreehen; 
nd. nl. karmen, kermen: wehklagen, 
stöhnen; schweizer. es kirmt: das Gerücht 
geht. 

Kitsche, f. Katzen weibchen, bair. Kitzin. 
schwib. henneb. Kitze. — kitsch, kitschl 
Lockruf der Katzen ; hiervon poln. kio* 
kie! — kitsch aus! — res ok Kitsche! 
Scheuchrufe der Katzen; bair. katsch 
aus! — kitschein, schw. vb. Junge 



werfen, von Ratten gebraucht, wie bair. 
von Ziegen und Rehen. 8chmeller2,346. 

kttx, keitz: kitzgrau, kitzblau: blau- 
grau, hochblau (Reichenhach, Glogan); 
auch bair. schwib. Schneller 2, 347 ; 
Schmid 333. 

kitzen, schw. vb. plagen : womit gekizt 
sein (Reichenhach). Vgl. 
kitzen, bekutzensich nm einei 
jemanden befassen, um ihn I 

klabastern, schw. vb. prügeln ; anch 
ohlaus. — Ableitung von klapfen, klap- 
pen, klopfen ; nd. klabastern : ungeschickt, 
unordentlich herumlaufen-Schütze 2, 261. 

Klabatachke, f. Klabatsch her , m. 
Mund, Maul. Ableitung von einem auch 
beim vorigen zu erwägenden klahcrn, 
was im bair. = klappern ist : also das 
Klappernde, Lärmende. — nrbein. Kla- 
batter: Klapper, Klappermaul, ebenso 
Klabot. Müller-Weitz Aebner Mund- 
art 108. 

klabustern, achw. vb. kleben, kleistern. 

— klabustrig, adj. schmierig. 
Kindt, f. Kleidung, Gewand. — In seiner 

ersten rauhen klofft Scherfer Oed. 597. 
Klaftel, n. nicht blos in deminutiver 
Bedeutung. — oblaus. Klrfft, Kluft ; leztere 
Form auch in einer Redensart, die Go- 
molke aufführt: sis gar n Klufftspiel um 
de grün Eche ; mir nicht klar. — bair. 
Kliftel ; in der alten Gaunersprache klaffot. 
Klneke, st. f. schlechter Rock. — kla- 
c k e n , schw. vb. sich kl. = sich herum- 
prügein. — Klacke ist das kleckige schmu- 
tsige Gewand; nd. dän. Klak: Schmutz, 
Kleks. nd. klak 
steht die 
schmieren. 

Klamp, m. Krampf (Frankenstein). — 
Nebenform zu Krampf, wie mbd. krim- 
pfen und kl impfen neben einander stehen. 

— bair. österr. Klampfe, Klammer, 
klatsch, klatschen, wie hd. — Nebenform 

Klitsch, klitschen. — klatschen»»* : 
nass dass es klatscht. — Kl atschpelz: 
Schafpelz, wahrscheinlich so genannt, 
weil er ohne Falten am Rücken glatt hin- 
untersizt, „klatscht", wieder schles. tech- 
nische Ausdruck dafür ist. — Klitachel 
Butter, n. Stückeben Butter, */ 8 Quart — 
klatschen, schw. vb. plätschern. — 
aus klatschkern: die Wäsche aus- 
spülen ; übergegangen ins poln. klaskao. 

Klaas muss im 10. Jh. in Schlesien sehr 
beliebt als Vorname gewesen sein ; vgl. 
Fiscbart Geschichtklitt c. 10: schöne 
namen reizen auch zu schönen thaten, 
darumb muss es Gargantuhisch auf den 
glückfall ausserlesen sein , nicht dass 
alle Schlesier Furmansdaus , Lübecker 
Till etc. heissen. 

Klaustern, pl. Lumpen, Fetzen, alte Klei- 
der. — ? nd. Kluster, was dicht zusam- 



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44 klelben - 

klelben, st vb. kleiben and bekleiben 
kommen in der alten Bedeutung: Worae! 
fassen, ebensowohl bei den Schlesien) des 
17. Jh. als noch heut*: allgemein schle- 
sisch vor. Vgl. auch Cureus-Rätel (1607) 
514 : davon sol der name diesem ort be- 
klieben sein. 

klemmer, adj. dicht, klebrig- (Breslau, 
Trebnitz) : in klarem leite rm klemmern 
Dreck (HofFmann Monatschft. f. Schlesien 
227). — klemmig bei Frisch 1, 518. nd. 
klam. 

Klinke, f. Name eines kldnen Bergbaches, 
der im Eulengebirge entspringt und nach 
kaum zweistündigem Laufe bei Reichen- 
bach in die Peile geht. An dem Einflüsse 
liegt das Schloss Klinkenhaus , zu dem 
mehre in Ernsdorf verstreute Hfiuaer ge- 
hören. „Auf der Klinke" heisst nach mit- 
teldeutschem Gebrauche die Ufergegend 
dieses Büchleins. — ahd. chlinga, cblingo ; 
mhd. klinge. Auch nhd. erhalten : Frisch 
1, 523 der auch bei Frankfurt a. d. O. 
einen Ort „die Klinge" anführt.— Schind- 
ler 2, 359 ; Schmid 317. — Nk für ng 
ist dem Schlesischen gemiss, vgl. Dia- 
lektforsch. 38. 

klinkern, klimpern, anzusetzen in 
Klinkerding, klingendes Instrument : 
welch auf klinker dingen 
mit den blinden wol kan fingern. 

Scherffer 559. 
schwed. klinka pa ett piano. — Heute in 
Schlesien, wie mir scheint, abgestorben. 

klinseln, schw. vb. weinerlich klagen.— 
OekÜnsel, n. — und martert unser 
Herz mit thSrichtem geklinsel, Günther 
467. — bair. klinseln : klingeln, klirren. 

klitschen , s. klatschen. — klitschern: 
klatschen, klimpern; gezahltes Geld klit- 
schert — klitschig adj. nass dass es 
klatscht; unausgebackenes Brod ist kli- 
tschig. 

Klitsche, f. kleines ärmliches Landgut, 
„besonders auf lehmigem Boden." Holtei. 

Klöss ( Kloessel, Kl Issel, n. Der 
Schlesier kennt nur Klösse, keine Knödel, 
Noggerln oder Klumpe. Es gibt Mehl- 
klösse , unter denen die „wissenen" 
(weizenen) die besteu sind ; KartofTelkl.; 
Hefenkl.; Moh klösse zu Weihnachten; 
Pfannenklösse = Pfannkuchen, Krapfen; 
polsche Klösse: Bauerbissen, viereckige 
weiche Pfeffernüsse (Brieg). — K I ö s s e 1- 
h e n g s t : Taschenmesser. — Der Spruch : 
e* Liesel zwe* Klissel, weist jedem Frauen- 
zimmer das seine zu ; der Brustlatz heisst 
daher die Klisselschosse, der messingene 
Schnürriegel der Rührlöffel. 

Klupp-hengst, s. Hengst. 

Kluppel , Klippel, m. gleich hd. 
Kluppe : Holzklobe ; übertragen auf 
einen klotzigen Kerl. Auch oberlaus. — 
Zu Kluppe vgl. Schindler 2, 360, Tob- 
ler 110. 



Klunae, f. 8chlucht, bei Scherffer 152: 

aus der berge hölen und klunsen. Frisch 

1 , 525 ; Schindler 2, 360 ; Stalder 2, 109. 
Kraot, m. Schmutz, Dreck (nördl. Nieder- 
schlesien). — Vgl. motschen. 
knallen , schw. vb. 1) wie hd. — 
Auf der Brücke zu Paris 
sass ein altes Weib und schfss 
in ein altes Butterfass, 
sapperlot wie knallte das t 

Von einem recht reinlichen Hauswesen 

sagt man : es ist so rein, dass es knackt 

und knüllt. 2) supprimere aliquant. 
kBaspern , kn ispern, knuspern, 

schw.vb. knappern, nagen. — knusprig, 

adj. 1) scharf gebacken, dass es knittert, 

wenn darauf gebissen wird. 2) lecker, 
knutschen, schw. vb. knastern, hörbar 

kauen ; natschen. — Vortritt des k vor 

Liquide ist im Schlesischen mehrfach zu 

bemerken. Dialektforschung 85. 
knatschen, schw.vb. natschen, weinen. 

Nebenf. knutschen, 
knäubeln, kniumeln, knaumein, 

schw. vb. nagen , kauen , von Menschen 

und Thieren gebraucht. — Vgl. ausser 

knaupeln und klüubeln (Schindler 2, 350) 

nd. nl. knauen, knibbeln. 
Knauf, Knef, st. m. Knauf. — Knefel — 

Kniffelnulde : Stecknadel. Auch oberlaus. 

— Vgl. bair. Knaffel. Schnieder 2, 372. 
Kniuke, f. K n tf i k e r, m. kleines Mes- 
ser zum Zusammenlegen, Taschenmesser. 

Niederd. Wort, Verkleinerung von Knif, 

hd. Kneif, Messer, das in allen gennan. 

Sprachen und Mundarten nachweisbar ist 

und von uns zu den Franzosen kam (ca- 

nif). Dumme Vornehm thuerei macht aus 

Knifike Kniefuge, 
knirtreln , k n e r g e 1 n, schw. vb. 1) zwi- 
schen den Fingern rollen, drücken über- 
haupt, zerknirgeln : zerknirgelt zerknit- 
tert zerwalket. Scherffer Oed. 409. — 

2) quälen , verdrüsslich machen ; intr. - 

verdrüsslich sein. — Vgl. nirgeln, 

nergeln. — In den Schweiz. Vierwald- 

sUdten nirggeln, nirggen : fingern, geizig 

sein. Stalder 2, 238. 
knirren, schw. vb. knarren : dass alles 

knirrt und knarrt. Scherffer 43. 
knischein, knescheln,knuscheln, 

schw. vb. kauen, zermalmen , namentlich 

bezüglich zäher Spdsen. — Vgl. knischen , 

Frisch 1 , 528; Schmid 319, henneb. 

knuschen. 

knitschen, schw. vb. knittern, zusammen- 
drücken ; zerknitschen : zerknittern. — 
K n 1 1 s c h,m.etwasZusammengedrückte8, 
Gefaltetes: Knttsch Geld, Pack oder Beu- 
tel mit Geld. — knttsch ig adj. kniltricb, 
knickrich. — Das Wort ist den obd. 
Mundarten gemein : Scherz 804 ; Frisch 
1, 528; Schindler 2, 377; Schmid 319. 
Nebenformen : knutschen , knotschen, 
knautschen : els&ss., pfälz., Westerwald., 



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knispern — Kompoper. 



45 



oblaus. ; knatscben , knetschen : . frin- 
kisch ; knutsche : rheinisch ; nl. kneuzen. 

— Vgl. ahd. knistjan, Schweiz, knüsten, 
mhd. knutzen (Paseional). 

knispern, schw. vb. knittern, knappem. 

— knispricb, adj. knittrich, knickrich. 
vgl. Gniskus, knaspern, knuspern. 

Knoblauch , K n o b I i eh, m. der Knob- 
lauch blüht, er will Helel tragen : 
Redensart bei übergrosser Lustigkeit, 
die als Vorbote tob Leid gilt. — Sprich- 
wort: Ein Knoblaucbskopf we- 
niger oder mehr verdirbet das Gebnnd 
nicht. A. Orypb. Seugainme. Knoblochs- 
kopf : eine Schelte : 

denn jetzo eilt dein Her« noch einer 

Dierne zu, 
der jeder Rnoblochskopf bis an den 

Nabel gucket 
und jeder galanthomroe in Aug und 
Antlitz spucket 
Günther 401. Knoblauchsessen, 
eine Festlichkeit des 16. Jh., zu der sich 
gute Freunde einluden ; Ton Knoblauch 
selbst wird nichts dabei erwähnt. Vgl. 
Schweinichen 2, 248. 327, und den noch 
hent zu Halle a/8. gefeierten Knoblauchs- 
mittwoch. Scherz 805. 
Knöchel t Kniehel, na. 1) wie hd. 
2) kleine Bodenerhebung ; auch für Hü- 
gel gebraucht (Jauer, Goldberg, Liegnitz). 

— knöchen, kn 5c he In, schw. vb. 
quälen, plagen. — oblaus. trink, schwib. 

Knorren, schw. m. wie hd. Knoten in 
Holz und Bein. — Knörndel,n. Ellbo- 
genknoten. — knorrverworren: 
zum Knoten, d. i. höchst verworren. 

Knospe» f. Knösplein, Knispla : Kindlein, 
swdr das enztige Knispla. — Sehr ver- 
schieden von der schon früh erscheinen- 
den Bedeutung Klotz, grober Kerl t komm 
her du dölpel, knosp und filz. Grobian 
von Hellbach 34. Vgl. Schmeller 2, 376. 

Knotte, f. Samenkapsel des Flachses. Den 
Flachs k n o 1 1 e n : die Samenkaspeln ab- 
m'ssen. — Merkwürdig wegen der bewahr- 
ten Kürze, die das Wort in seiner anderen 
Bedeutung (Knoten) auch im 8chlesi- 
schen nicht hat. — Auch frlnk. in jener 
Bedeutung Knotten ; nd.Knutten, Knütten. 

Knübel, st. m. Finger knöchel, Fingerge- 
lenk. — derknübeln, schw. vb. müh- 
sam erarbeiten. — Auch oberlaus. — Seinse 
•o gutt um a Stückel SeYe ! Antw. Nimm 
Knübelsefel d. i. nimm die Knöchel 
zu Hilfe, reib tüchtig. — mhd. knuhil, 
knübel. — obpfilz.,bair. , schwib., Schweiz, 
erhalten ; Schweiz, in der Bedeutung Ge- 
schwulst, Berggipfel; daselbst auch das 
Zeitw. knübeln : stochern ; erknübeln : 
herumstochern, mit Mühe erhalten. Steider 
2, 116. — nd. Knuvel; altn. knüi; nor- 
weg. knue, knuv. 

Knudel, st. f. Nudel, in übertragener 
Bedeutung auf einen dicken, runden 



Menschen; rhein. Knuddel; vgl. bair., 
österr. Knödel. — knudein s. v. a. 
nudeln, w. z. s. 

n Äsen, schw. vb. kauen, schlingen. — 
verknusen: verhauen , verzehren; 
übertragen, einen verknusen : verdauen, 
ertragen. — nd. knuseln, verknusein ; 
auch in der Übertrag. Bedeutung ; dän. 
knuse. — Vgl. ahd. knusjan, knnssan : 



knuspern, s. 

knutseil, knurzen, schw. vb. hocken, 
sitzen bleiben (Reichenbach, Glatz). — 
Österr., bair. knotzen, Westerwald, knu- 
tzen : zaudern. — In anderem Sinne in 
dem Spruche von allem Hausrath: schaff 
wannen zuber , da die fr s wen. teglich 
eindewen, knorzen und sudeln, waschen, 
peneben , laugen und prndelu. Fast- 
nachtsp. 1219. 

Kobel, m. Gelenkknochen der Schafe. 
Mit fünf solchen Knochen wird ein Fang- 
spiel, das kobeln, gespielt, indem einer 
nach dem andern in die Höhe geworfen 
wird, bis zuletzt alle fünf mit der umge- 
drehten Hand in einem Griff gefangen 
werden. Andere Bedeutungen des Wortes 
bei Schmeller 2, 275 f.; Frisch 1, 580. 

kochen, schw. vb. wie hd. — Ihr müsst 
nicht denken, dass ihr euern Limmer- 
jungen vor euch habt, mit dem ihr kochen 
könnt, wie ihr wollt Stoppe Parti ass 526. 
In solchem Sinne auch Westerwald., pfttlz., 
schwib., henneherg. es einem recht ko- 
chen: ihm die Meinung sagen. — ver- 
kochen: 

nim dern ok, du werschts ju sahn, 
wie a werd mit dir verkucha. 

Gläzisches Lied. 

Kommode, f. 1) die gewöhnliche Kopf- 
bedeckung des weiblichen Geschlechtes 
auf dem Lande; sie besteht aus einer 
Kappe von Seide oder Kattun, umschlos- 
sen vom weissen Bande, das hinten in 
eine Schleife mit langen Bindern aus- 
geht; das ist die gewöhnliche oder pol- 
nische Kommode. Ist an der Kom- 
mode ein gefältelter Backen- und Kinn- 
streifen, so heisst sie Bartkommodo 
oder Barthaube (s. Bart). Läuft von 
der polnischen Kommode ein spitzer 
Ausschnitt, die Schueppe, nach der Nase 
herab, so ist es eine Schneppenkommode. 
— Auch westerwild.Kotn m o d che, Backen- 
kappe; nassau. Matrazekappe. — Ober- 
laus. Kornette ; hambnrg. Knippskornett ; 
Schweiz, ebenfalls Kornette, von dem 
franz. cornette. Diese kleidsame, rein- 
liche Kopftracht ist also ein Rest franz. 
Mode. 2) Polster, das unter das Kumt 
der Pferde gelegt wird (Liegnitz). 



Brüder weichen und hinten stehen blei- 
ben und zogen dieselbigen kompoper 
(al. Kargor) des morgens frühe weg". 



i 



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46 



Schweinichen 2, 79. — Das Wort ist 
schwerlich richtig. 

Komürke« f. Kämmerehen, Stübchen ; »us 
poln. komörka, Verkleiner, toi» komora, 
Kammer, Stube. Auch in andere ostdeut- 
sche Grenadiaiekte übergegangen. 

Kopf, Kopp, Kupp, m. Fensterkopf: 
Fensterbrett (Glas). — In der Bedeutung 
Becher, Trinkgefass (mhd. köpf) noch 
bei Eschenloer, z. B. 2, 104: darumbe 
vor ihrem abschiede baten sie dieBressier 
unab etliche koppe und Hessen iglichem 
solchen herren einen schönen hengst und 
einen überguldeten kopp iu ihren her- 
bergen bringpn. 

Kopp«» Kuppe, f. Spitze j Fingerkuppe ; 
besonders aber Bergkupp«, Bergspitze, 
in zahlreichen Namen auf den Sudeten, 
deren höchste Erhebung die Riesen- 
oder Schneekoppe, auch kurzweg die 
Koppe heisst. — mhd. gupfe, kupfe, 
kuppe ; Tgl. Mystik. I, 207, 18: under der 
kuppen des berges. — Frisch 1, 837; 
Schindler 2, 317; Rheinwald 1, 91. 

Koppen, köppeln, koepeln, schw. rb. 
kippen , umwenden ; intrans. wackeln, 
mhd. koppen, Benecke-Müller 1, 861 ; 
Scherz 815. — Köppholz, Köpp- 
s c h e i t, n. Hebestange, womit die Waren- 
mangel gehoben wird. Vgl. ahd. chipha, 
humernlus; mhd. kipf. Frisch 1, 515. 

Korrie, f. Haufen, Menge : Korrie Jungen 
(Trebnitz). 

kosen, schw. vb. reden, plaudern; afte r- 
kosen: nachreden, bei Eschenloer 1, 
110: viel afterkosen entstünde von der 
büchsen und pulver wegen, ahd. kös6n, 
mhd. kdson. 

kötgehen, schw. vb. zusammen drücken 
nnd rollen, namentlich Teig; übertragen: 
Leckeres braten oder kochen. — K Atsch, 
m. zusammengerollte gebacken« Speise, 
„eine Art Kuchen," Kernkronik 2, 722. 
— Mohkdtsch: Mohnstriezel. — Aus 
quetschen ? 

Krabate, m. Kroat, aus dem siebenjähri- 
gen Kriege nooh im lebhaften Andenken; 
übertrage» auf wilde unartige Kinder. — 
Kroat wird auch obd. Krabat ausge- 
sprochen. Zu der übertragenen Bedeu- 
tung unseres Wortes vgl. nd. Krabeten, 

Kr Rehe, KrAe, Kröe, f. Ruf an die 
Krähen : 

Hopp du KrAe, hopp du KrAe, 
ineine Mutter is ne Gevatter froe ! 
Daher Hoppdekrde, Name der Krä- 
hen. — 8 chwarzkrähe: es käme auf 
allen Strassen zugezogen wie Schwarz- 
krähen. Schweinichen 2, 102. — Kra- 
be k e n : hakige schlechte Schrift. 

Kracke« f- schlechtes Pferd; Scbeltwort: 
eine kleine Kracke, eine böse Kracke. — 
Pferdekraeke, Schindkracke. — Nebf. 
K r i o k e, für Pferde und Kühe, auch als 



Schelte. Das Wort geht durch ganz 

Deutschland : Scherz 823 ; Schtneller 2, 

380; Schmid 325; Schmidt 86; Brem. 

Wb. 2, 862 ; Schütze 2, 341 und ist auch 

din., norweg., schwed. 
Kralle watsch, m. Schelte für Kinder. 

bair.Kralewadsch : Krummbein. Schindler 

2, 378. schwäb. Trallewatsch : dummer 

Kerl. Zu dieser Bildung vgl. Linke watsch : 

linker Mensch. 
Kram, Kr dm, m. wie hd., Handel, Kauf- 
laden namentlich auf dem Dorfe. H o c h- 

zeitkram (Huxtkröm), Brautkram: 

Ausstattung der Braut an Hausgeräth nnd 

Möbeln, die schön verziert in das Haus 

des Bräutigams gefahren wird. Die Kuh, 

welche bei Bauerstöchtern einen Theil 

der Ausstattung bildet, wird geschmückt 

hinter her geführt — Reichkrfime 

vgl. Baude. Stenzel-Tzschoppe Urkundens. 

194. — kramern, schw. vb. geschäftig 

sein ; hernmkramern : etwas suchen und 

räumen. Auch nd. — Mit einer kramern : 

mit ihr in Liebeshandel stehen. Vgl. auch 

Simplicissim. I. 5, 7 (Ausg. von Keller 

8. 709) : schickte meinen Jungen voran 

die ButterverküufTerin anzupneken und 

mit ihr zu marcken bis ich hernach käme, 
krammeln, s. grammein, 
kränken," schw. vb. 1) in alter Bedeu- 
tung: schwächen. 

Sünden greift mich grausam an, 
Sorgen kränkt mein schwach Gemfite. 

Günther 15. ab kränken: wo im nicht 

die abgekränkten willst mit deiner Hilf 

ergötzen. Chr. Grvph. 84.-2) benacb- 

theiligen: ein Schalk der seinen Mit- 

knechtnoch um hundert Groschen kränkt, 

Logau 864. In solcher Bedeutung noch 

verbreitet Auch nl. 
Krappel, n. Krapfen, Pfannkuchen. Re- 
densart: von einem Krappel haben wollen, 

bei Schweinichen 2, 355. mhd. krapfe. 

Schneller 2, 393 ; Stalder 2, 129 ; Rhein- 
wald 1, 87. — Von der Gestalt übertra- 
gen auf den Pferdemist : Pferdekrappel. 

— kräppeln, Krapfen backen, 
keine die stets kocht und päppelt, 
alle Monat Tiermal kräppelt. 

Scherffer 558. 
Kruppen, plur. alte zerissene Schuhe. Tgl. 

ahd. krapfo, mhd. krapfe , Haken ; also 

hakenförmige krummgetretene Schuhe? ^ 
kraseln, schw. Tb. zusammenkratzen; 

arbeitsam und wirthlich sein. — k r 4 a- 

I i c h, adj. mühsam, sparsam (Reichen- 
bach). Zu kratzen , wie mhd. kriseln und 

nhd. kritzeln sich zu einander verhalten. « 
Kratzbere, f. Brombeere. Von einem ver- 
wirrten zerstörten Menschen: er sieht aus 

wie der Teufel, da er aus den Kratzberen 

kam. Ist zu dieser Redensart der Ravens- 
berger Name des Teufen»: Bromberend 

(Mythol. 955) zu vergleichen? — bair. 

Kratzelbere. 



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Kratzel 

Kratzel , n. Kamm mit Drath zinken zum 
kämmen des Werges. Vgl. kammein. 

Krauche « f- thönerne Kruke. — Verklein. 
Rrauchel, Kräocbel, Kreigl. — Hoch- 
deutache Form des od., in Schlesien unbe- 
kannten, Krake. 

kraus» krius, sdj. wie hd. — mit einem 
kreisen Köpflein. Scherffer 552. — 
kr ausp, adj. dasselbe: du krauspenhaar 
Opitz 2, 221. — k r a u s p r i c h, krausp- 
lich, kreiscbplich : kraus, mhd. kruspe- 
leht. — krauspenbunL 8cherffer 439. 

Krause , f. gläserne Büchse mit anagebo- 
genem Rande, tur Aufbewahrung gesot- 
tener Frücht« u. dgl. in Schlesien bräuch- 
lich; auch die Apothekerbuchsen heissen 
Krausen. — Das Wort ist durch alle deut- 
sche Dialekte verbreitet und bezeichnete 
im 16. Jh. namentlich auch ein Trink ge- 
fass, wie noch heute hie und da. Beneck e- 
Müller 1, 890 ; Schneller 2, 394 ; Stalder 
2, 139; Tobler 122; Schütze 2, 353. 

Kraut, n. Die verschiedenen Kohlarten 
heissen Kraut: blaues Kraut, Weisskraut, 
Welschkraut; auch Sauerkraut; der 
grüne und blaue Kohl behält aber seinen 
Namen; Tgl. Schindler 2, 397; Schmidt 
60. Das Weisskraut hat den Scherznamen 
Schleppkleider (Reichenbach) , Wisch- 
hadern (Weizenrode bei Schweidnitz). — 
Der Spruch: Kraut füllt die Haut, achon 
in dem Bohnenliede bei Docen Miscell. 2, 
254 : so iss ich kraut, füllt mir die baut. 
Wie Früchte! wird auch Kriutel für 
ungezogene Kinder und leicht fertige Bur- 
schen gebraucht. Kräuter für Kraute- 
rer: Kraut- oder Gemüsegirbner; Kräu- 
terei: Gemü»e|>fl:inzuag,um Breslau und 
Liegnitz in bedeutender Ausdehnung. — 
Kräutich, Krottich, n. Laub- oder 
Blattwerk der Pflanzen. Auch ober- 
laus., fränk. Geht in einem Jahre die 
Kraft zu sehr in die Blätter der Rüben, 

das Kräutich is sehen, 
oder de Riben sein ze kleii. 
Unkräutich: Unkraut. 
Krechse* f. Büchse : Wagenschmerkrechse 
(Habelschwert). — Krechse bedeutet im 
österr., bair., schwäb. Traggestell, 
kreischen, krieche n,Nbf.krd sehen, 
krdtschen, schw. rb. 1) wie hd. ; 
2) vom Zischen bratender Speisen, wie 
mhd. susen (Waith. 34, 34)) und schrien 
(Parziv. 164, 23; Helmbr. 1396) ; trans. 
kreischen machen, braten. — Auch 
obiaus. bair.; zu krdtschen stimmt das 
Westerwald, kratschen. Vgl. Frisch 1, 547. 
Krempel, a. Kammeieisen, vgl. kammein. 
Kren, Krln , m. MeerretÜg. — 

Das Wörtchen färt ihm in die Nase 
wie Niesewurz und junger Krien. 
Gunther 974. Schon mhd. kren, krdne ; vgl. 
spinnt gafler und aldne 
ist gegen diner süeze ein krdne. 



Kreol. 47 

Haupt Zeitschr. 8,261 und Beneck e-Mül- 
ler 1, 878. Das Wort ist aus dem alavi- 
schen (ehren , kren, eres, chrzan, was 
schlesisch zunächst kran geworden sein 
muss) in die ostdeutschen Mundarten ein- 
gedrungen. Vgl. Schmeller 2, .187. 

krengreln« schw. vb. kränken, quälen; 
auch Kernkron. 2, 722 verzeichnet. 
Das Ding das krengelt mich, 
mei Sun dar fulgt mer nieb, 
a is a rechter Ldbel. 
Lied aus demFrankensteinschen. Uber mhd. 
krangel: labor. molestia Benecke-Müller 
1, 876 ; Schweiz, krangeln, übellaunig 
sein, filzig sein, in Noth sein ; Krangel : 
Armuth, Noth. Stalder 2, 128 f. — K r e n- 
g e I , m. Quäler : Name des Dorndrehers 
oder Neunlödters (Lantus), mit den Zu- 
sammensetzungen: Garteakrengel, Wa- 
genkrengel (Liegnitz), Wartenkrengel 
(Glas). Vgl. Popowitsch Vereinigung der 
Mundarten 415. 

krempeln, s. kringeln. 

Kreakte, f. Krankheit, besonders fallende 
8ucht, die auch die schwere Krenkt 
heisst; auch bei Schweinichen 2, 33. 
Bei unangenehmen Unfällen: da möchte 
man gleich die Krenkte kriegen I — 
fränk. Kränkt; rbein. Krenkde; nd. 
Krenkte, Krankt 

Kresse , f. 1) Pflanze, aasturtium, 2) klei- 
ner weisslicher Fisch, cvprinus gobio, 
ahd. kresso. — 8prichwort bei Abschatx 
Vera. Ged. 2, 161 : 
ist ein Kressel in der Taschen, 
most du nicht Lampreten naschen. 
Kressel auch übertragen : ein ausge- 
witzter Mensch. 

Kret, nd. Zank, Hader. Brem. Wb. 2, 808. 
mitteldeutsche Formen: Krot, Kroit, 
Kreit. Frisch 1, 548. mhd. krfL — krd- 
teln, kritteln: zanken. — krit- 
I ich, krötlich, adj. zänkisch. Stieler 
1029; Frisch 1,548; Schmidt 91; Weitz- 
Müller 131. — Schlesisch kommt das 
vorangestellte einfache Substantiv nicht 
vor, aber früher wenigstens das zu- 
sammengesetzte A n k re* t, Okrdt, Okrdt : 
Zank, Händel. „Die zwee spinnen doch 
ollen okroot an." A. Gryph. gel. Dornr. 
14 (1661); Berndt führt es noch auf. 
— ankritsch, adj. verdriesslich, mür- 
risch. In der Kerokronik 2, 719 an- 
krätsch, ankrfibech. 

Kretscham* K r fl ta c h m, m. Wirtbshaus, 
Schenke. Kreczjm : taberna, Konrad von 
Heinrichen. — poln. karezma, auch böhm. 
und in die angrenzenden deutschen Län- 
der übergegangen. — Kretachmer, 
poln. karezmarz, Schenkwirts, Bier- 
schenke. Wie eine Kretschmern zu thun 
haben: sehr beschäftigt sein, kreeimer, 
tubernator. Fundgruben 1, 380. 

Krenl, Kr dl, m. Kr die f. Kratz, Riss. 
Mit spitzen Werkzeugen und Krallea 



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48 



macht man Kre*le. Katzenkr&e: Kratz- 
wunde der Katzen. 

Nesseln pflegen bald zu brennen 
und aus zarten Kreilen sind 
Low und Adler zu erkennen. 
Lohensteiu Arm. Thnsn. 1,61. Eine Krele 
haben: angetrunken sein. — ahd. brewil, 
krowil, mhd. krewel,kröuwel, das Werk- 
zeug zum krauen oder kratzen. Krael bei 
Scherz 823. Schweiz. Kraue. — Vgl. 
Benecke-M filier 1,885; Frisch 1, $44. 

— k r 4 1 e n , schw. vb. kratzen ; mhd. 
kreuwelen $ Schweiz, bair. kraulen, kräu- 
eln. — mhd. kreilen, auch frank, «cbwfib., 
gehört nicht hierher. 

kriebeln, schw. vb. kitzeln, jucken. Frisch 
1, 548. nd. kribbeln. — Kribel, m. 
Kitzel: wan aber Kribel bei der jung fr au 
war eingezogen und sie einen man haben 
wolle. Schweinichen 1, 97. 

krimmera, schw. vb. frequent. zu krim- 
men: intrans. jucken, transit. kratzen. 
Krimmer dich! kratz dich selbst wo es 
dich juckt, Abweis unberufener Ruthe. 
Vgl. Fastnachtap. 37, 20: ich sag dir, 
krum dich neurt nit ser. 

Kringel, n. 1) Ring, Kreist; im Kringel 
herumlaufen, Kernkronik 2, 722. 2) ring- 
förmiges Gebick; berühmt sind die in 
Warta gebackenen, die Wartekringel. — 
kringlicht, adj. rund, kraus: kring- 
lichte haare. Lohenstein Arm. Thusn. 
1 , 28. auch Westerwald. — kringeln, 
krengeln, schw. vb. ringeln: schaut 
wie der fischthran an schuhen sich kren- 
gelt. Scherffer 441. — Niederdeutsches 
und von da md. Wort, das südlich bis 
Franken, nördlich bis Island reicht. Kren- 
gel, krengeln sind md. Nebenformen. 
Scherz 827; Frisch 1,547. Vgl. schweizer, 
k rangeln, Stalder 2, 128. 

Krinne, f. weit verbreitetes Wort : a) Ein- 
schnitt, Kerbe, namentlich in den nates ; 
b) Haarscheitel. — ahd. chrinna, mhd. 
krinne. Frisch 1, 549 ; Stalder 2, 132. — 
Krinse, f. dasselbe. — bair. Krinsel. 
Schindler 2, 390. 

Krips, m. 1) Kehle, Hals; einen beim 
Krips nehmen. Durch alle Mundarten; 
bair. md. die Grips, Gröbs, nd. Krips. 
2) klei ner Kerl ; henneberg. auf Kinder 
verwandt. — Am besten wohl zu kripfen, 
gripfen: greifen, zu bringen: das, wo 
mau anfasst, greift — Mit Griebsch hat 
das Wort nichts zu thun ; die schlesische 
Mundart scheidet beide genau. 

KritvAtsch, m. krummbeiniger Mensch. 

— KriwAtache, f. Gestell in Win- 
kelform, auf dessen einem Arme der 
Rocken oder die Vorrichtung zum Woll- 
kimmen steckt , nach Berndt. — k r 1- 
w Atsch ig, adj. schief; ein kr. Haus; 
kr. schreiben. — Aach lausitz. wo die 
Nebenformen Kri witsche, Kriwicbie (An- 
ton 9, 12) Das 



Wort als Bildung vom poln.krzvwy, schief, 
krumm , zu nehmen ; poln. kr» wird 
deutsch zu kr, und umgekehrt. 

Kroepel, m. nd. für Krüppel. — Kroe- 
pelstuhl : Krankenstuhl, Lehnstuhl. — 
nl. kreupel. 

Kroete, Krajte, f. in der zärtlichen 
Bedeutung des süddeutschen Krot wird 
Knete im Schles. nicht verwandt — 
Tümpelkröte: Unke. — Krötengerecke: 
Froschlaich ; auch bei Lohensteiu Arm. 
Tbusn. 1, 12. 

Kropf, Kropp, K r ö p , ro. wie hd. — Die 
Kröpfe kommen als verbreitetes Übel auch 
in achlesischen Thaiern vor, wenn auch 
nicht so hautig als in den Alpenländern. 
Man braucht dagegen gepulverten Kropf- 
schwamm: einen besonders bereiteten 
Schwamm. Wirkliche Kretins kommen 
selten vor. — Du drahniger Kropp 1 
Schelte. — Kroppzeug : schlechtes un- 
nützes Pack, eigentl. kropfichtes Volk. 
Vgl. das Schweiz. Kropfli. Stalder 2, 134. 

Krücke, f. wie hd. — Sich die Kr. be- 
schinden: sieh am Rücken und seiner 
Fortsetzung verletzen. Vgl. bair. Krue- 
cken : Krummbeine, Beine. 

krumpeln, schw. vb. Festlichkeiten an- 
stellen (Ernsdorf bei Reichenbach). 
Wahrscheinlich ist hier blosser Vortritt 
von k, wie vor Liquiden häufig , und 
krumpeln ist gleich rumpeln. 

Krümper, Kremper, m. Scherzweise 
heissen so die nicht unifonnirten Abthei- 
lungen der Bürgerbataillone. Ursprüng- 
lich bezeichnet das Wort die überzähli- 
gen Leute, welche als Ersatzmannschaf- 
ten im Nothfalle in das preuss. Heer ein- 
treten mussten. Vgl. Beitzke Freiheits- 
kriege 1, 63. — Alter Kremper : alter 
wackliger Kerl. 

Kuchcl, f. selten gebraucht statt des 
durchgedrungenen Küche. — Kuchel- 
gatter: die Thür, welche die Küche 
von der Hausflur ahechliesst; wie jedes 
Gatter reicht sie nur bis zur halben 
Höhe der Öffnung. In alten Häusern auf 
den Dörfern liegt die Kuchel oder der 
Herd der Hausthür gerade gegenüber. 

Kuchen, Küche, achw. m. Schlesien 
ist wie Obersachsen und Thüringen ein 
Kuchenland; am eigentümlichsten sind 
die Sträuselkuchon: Weizenkuchen, 
bestreut mit klümpebenartigem Gemisch 
aus Mehl, Zucker und Butter. —Zeder- 
kuebe: Honigkuchen. — Küchel, n. 
nicht für kleine gewöhnliche Kuchen 
(die Kuchel heissen) gebraucht, sondern 
für Plätzchen oder Zettel von feinem 
Teige oder von Zucker. Brustküchel: 
weisse oder bunte Zuckerplätzchen; 
Pfeffermünzküchel , die am besten in 
Gnadenfrei gemacht werden; Citronen- 
küchel: Plätzchen von einem sehr feinen 



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Kofi» — 



KAta. 



49 



Kufe, f. thönernea oder glfiseme» Trink- 
g eschirr, was etwa eine halbe Flasche, 
zweiSeitel, fasst. Die Kufe hat einen Hen- 
kel and einen zinnernen oder hölzernen 
Deckel. Auch oblaus. und weiter ver- 
breitet. Frisch 1, 552. 

kugeln, schw. Tb. trans. intrans. rollen. — 
Der Donner kugelt sich am Himmel her- 
um; ein Wort, das man nicht gleich fin- 
det, kugelt (oder kullert) sich einem auf 
der Zunge herum; der Hunger kugelt 
sich bald auf bald ab in seinem Leibe, 
Stoppe Parnass 399. Ygl. kullen. 

Kuh, K u e , f. In der Kindersprache 
Mnkuh, wie rhein. Mukouh, nd. Buko, 



Hinter Soholzes Schuppen da geht« 

lustig zu, 
da tanzt der polsche Ochse mit der 
deutschen Kuh. 
Verbreitetes Lied. Vgl. das Spottlied 
auf den am 18. Juni 1574 NachU aus 
Krakau entflohenen Polenkönig Hein- 
rich ID. von Anjou : nun tantz du polni- 
scher Ochse mit der französischen Kuh. 
Ambraser Liederbuch herausg. v. Berg- 
mann, S. 197. — K u h h a u t : das ist auf 
keine Kuhhaut zu schreiben! alter Aus- 
druck des unbeschreiblich grossen und 
vielen. — Kühprinz, m. Spott- 
name der Kuhhirten ; rgl. Schweiz. Küh- 
priester. Stalder 2, 141. 

Kulle. f. 1) Kugel; auch hessisch: VU- 
mar Proben 78. — Ku II o , n. in der Kin- 
dersprache alles kugelförmige , runde. 
2) Rolle, Walze, Walker: Mangelkulle, 
Nudelkulle. — kullen, kullern, 
schw. Tb. trans. intrans. kugeln, rollen ; 
nd. kullern. 

er-kullen, ptc. erkaltet, erfroren (Rei- 
chenbach) zu einen fraglichen erkillan 

— kal. 

Kulpe, K ü 1 p e , f. Kolbe, Kolbenartiges. 

— doch wie werd ich den bart von wang 
und Uppen streichen, wer kehrt die kul- 
pen ab? A. Gryph. schwärm. Schfif. 6*0; 
wahrscheinlich sind hier die Schmutz- 
flecken gemeint, die sich kolbenartig 
angesetzt haben. — RotzkOlpe : Schleim- 
knoten. — kulpicht, adj. kolbig, 
stumpf; kulpichte Nase: dicke Stumpf- 
nase. — In dem Osterspiel bei Mone altd. 
Schausp. 124 kulpehte bar: krause 
Ilaare; vgl. bair. Kolpen, Kolpeli : un- 
behauener Stein ; kolpet : grob, holprig, 
henneb. Külpe : Peitschenstiel. 

Kummer« m. da ist kein Kammer drum! 
darum darf man nicht sorgen ; nd. da is 
ken Kummer bi. Wenn ich weiter keinen 
Kummer bitte, den könnte ich mir unter 
dem Knie zusammenknüpfen (Gnaden- 
frei). — Kümmernüasel: abweisende Rede 
auf neugierige Fragen ; auch : kümmere 



dich um sonste was, da hast du was! — 
kümnier dich um Entenmilch die schli- 
ckert nicht, und Haseneier die klappern 
nicht 1 — Im Trebnitxischen liegt das 
Dorf Kummernigk, in der Nahe Ober- 
nigk, hierauf der Reim : 
Obernigk 

ligt zwischen Sorge und Kummernigk ; 
wer sich dorten will ernlren, 
der muss suchen Pilz und Beren ; 
kann er aber die nicht linden, 



v. Holte! Vierzig Jahre 2, 78. 

Kumst, Rums, m. dicker breiiger Satz 
in den Tintenfässern ; aus Kumpest, d. i. 
compositum. Vgl. Komss bei Adelung, 
Gumpost bei Schmeller 2, 49. 

Kuat, n. wie bd. rgl. Frisch 1, »55; 
Schmeller 2, 296. 

Kunfinclirn im Kopfe haben : auf Schnur- 
ren , lustige Streiche (Reichenbach), 
ursprünglich auf fröhliche Gelage (coh- 
Tiria) denken. Nd. hiessen die Gewerks- 
feste Conviven. Schmeller 2, 318. 

Kupltse, K 6 p i tze , f. kleiner Erdhau- 
fen zur Grenzbezeicbnung ; poln. kopiec. 
Über den Grenzbegang der achiesischen 
Fürsten und die Besichtigung der Ku- 
pitzen s. Stemel in s. Urkundenaamml. d. 
Stldte 149. 

Kupitze, f. besonders im Plur. Kupitzen 
haben : Begier 
dines veneria. 

Kupsel, n. hänfener Traggurt. 

Kuppel, Koppel, wovon es Ableitung ist. 

Kur, f. Terflischte Kurt verwünschte Ge- 
schichte I — einem die Kur machen t 
ihm Grobheiten sagen. 

kuschen, schw. vb. legen , coucher. 
kusch dich 1 knsch gemacht ! — einku- 
schen : sich in's Bett verhüllen. — ku- 
schern, frequ. einkuscbern: einen 
einschläfern, überhaupt zart und sorgsam 
bebandeln. — Auch nd. 

Kutte, Kitte, f. nur noch für ein Volk 
Rephühner gebraucht, wie allgemein hd. 

— ahd. cutti grex. Scherz 850 ; Frisch 
1, 560; Schmeller 2, 344; Stalder 2, 147. 

— nd.nl. Kudde, altfries. kedde.— nord. 
nicht nachzuweisen. 

K Uttel, Kottcl, f. Pferdemist, Pferd»- 
kuttel. — Auch sonst md. ; vgl. Schaf- 
und Kühkutteln, Simplisiss. 1, 259 (ed. 
Keller). — nd. Kötel, nl. keutel. 

Kuttel, Eingeweide, als allgemein deutsch 
hier nicht erst zu bebandeln. 

Küts, m. Husten. — k u t z e n , scbw. vb. 
huaten; sich verk Atzen : im Husten den 
Athem verfangen. — Schmeller 2, 347 
leitet dieses auch bair. vorkommende 
Wort von dem Rufe kulz ! den man dem 
hustenden zurufe, und vergleicht koUen. 



Anhang *«m XIV. Bd. d.8iUb.«l. »hil.-hUt.CI. 



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50 Lnbaniler - läppen. 



Labander, m. langer, schlaffer Mensch. 
— nd. Laban: träger Mensch, wie nd. 
Lübbe , engl, lobb , lubber. — Mit 
Ähnlicher Bildung, wenn auch aus andertn 
Stamme, nd. Lakeband: langer Schlingel. 

labern, schw. vb. 1) leckend trinken; 

sich belabern: sich beim trinken be- 
. schmutzen, beklecksen ; 2) langsam und 
einfaltig reden. Laberhans, Laber- 
sack : langweiliger Schwätzer. — 
Schweiz. labbern ; nd. labben, labbern; 
Tgl. lappern. 

Laborant, Aberinte, m. Name der Na- 
turapotheker in den Dörfern des Riesen- 
gebirges, namentlich inKrummhübel, die 
aus den Bergkräutern allerlei Essensen 
und Branntweine bereiten, der Sage nach 
von böhmischen bei der Gegenreformation 
geflüchteten Apothekern herstammen und 
allmählich aussterben, du das Privilegium 
auf bestimmten Familien haftet. — Über 
den Abfall des anlautenden I in Aberant 
vgl. Dialektforsch. GS. 

Lache, f. 1) wie ahd. lacha , mhd. lache, 
stehendes Wasser, Pfütze, Pfui; allge- 
mein deutsch. 2) fliessendes Wasser, 
Bach : Weidelache, ein Zufluss der Katz- 
bach. Vgl. zu letzterem den Namen des 
Rheins unterhalb Schaffhausen : die Lache ; 
ferner das bair. Lech, das nicht blos 
den bekannten grossen Fluss, sondern 
alle Bäche in der Nähe Augsburgs be- 
zeichnet (Scbmeller 2, 422). 

Lache, Läche, f. das Lachen, Geläch- 
ter. Das ist keine Läche : kein Vergnü- 
gen (Frankenstein). — „die die lache 
mit der greine stets in einem säkklen 
hat." Scherffer 559. — Lachrich, m. 
laclisüchtiger, dumm fröhlicher Mensch. 
Lachrich lacht so gern, ist es denn 

natürlich ? 
Lachrich lacht so gern, ist es wol 

hasirlich ? 
Lachrich lacht so gern, was dann solls 
bedeuten, 

hönisch lacht er aus alles thun bei 
leuten. Logau 904. 

Läg-el, n. kleines hölzernes Fass für 
Getränke. — ahd. lagella , mhd. lägel. 
Frisch 1,565; Scbmeller 2,447 ; Schmid 
339; Brem. Wörterb. 3, 36. Wer kei- 
nen trift, sol immer aus dem legel ein 
glass frisch eingeschenkt zur straafe ste- 
chen ans. Scherffer 85. 

Lag-er, Löger, n. Bodensatz, Hefen in 
den Bierflaschen, die als Hefen oder selbst 
als Essig, Lögeressig, gebraucht werden. 
Vgl. Scbmeller 2, 454. 

Lamm, Lamp, n.Bälarap, in der Kin- 
dersprache und als Liebkosung für den 
Liebsten. Auch nd. — Lämmer- 
schwänzel: BIG Utentrauben der Bir- 



ken, Erlen, Pappeln u. dgl. in der Kinder- 
sprache ; nd. Kätsken , nl. kattekens. 

lamper, adj. behaglich, wohlich; sehr 
verbreitet in Schlesien, „scheint doch 
keinem was so lamper und so zärtlich 
wol zu thun." Günther Nachlese 179 
(2. A.). — gelamper, adj. geschickt ; 
ungelamper : ungeschickt ; weil die Bräute 
noch ungelamper, unerfahren, dahero wie 
alle erstlinge sich in den Handel nicht 
allerdings zu schicken wissen. Hoff- 
mannswaldau Ged. 5, 143. Aus heutiger 
Mundart mir unbekannt. — Das Wort 
gehört zu dem Stamme limpfan, lampf und 
zeigt nd. Gestalt; die Bedeutung ist: 
glimpflich, passend, geschickt. Vgl. altn. 
leropi, schwed. lämpa, dän. norw. lämpe: 
MSssigung, Milde; Schweiz, limpflich, 
lind; altn. leinpilegr, schwed. lamplig: 
geschickt, füglich. 

Land, n. im Lande, unten im Lande, 
beisst es im schlesischen Gebirge von 
der Ebene; ähnlicher Sprachgebrauch 
auch sonst in Mitteldeutschland und Süd- 
deutschland ; bair. im Gän. — Unland, 
unbebauter Grund, u. a. die Strassen- 
ränder gehören zum Unland. Weiter ver- 
breitet, z. B. nd. 

lnene, adj. adv. langsam; laene gehn 
(Reichenbach). — ahd. leni, bair. len: 
weich. Schmeller 2, 470. schwäb. leen: 
weich, sanft, Schmid 352. Zwischen sanft 
und langsam zeigt die Sprache mehr- 
fache Verbindung; österr. leise reiten 
■ langsam reiten. 

Iape,l) adj. schwach, untüchtig : lape auf 
die Arme (Reichenbach); 2) verschuit- 
ten : sonst möcht es sein vcrgnnte sachc, 
dass man den han zum lapen mache. 
Logan 2499. — nd.leep, laff; alts. ags. 
altfries. lef ; mnl. laf ; altengl. lave ; neufr. 
lef, laf: schwach; vgl. Grimm Andr. 
Elene 166 ; Richthofen Fries. Wb. 888. 

Läpp, m. Narr, Laffe; Nebenform t L a p p s, 
Lnpprich. — Dies in den früheren Zei- 
ten weit verbreitete Wort, das auch die 
Bedeutung blödsiunig in Mundarten be- 
halten hat (Scbmeller 2, 484), mag mit 
dem vorangehenden zu einem Stamme 
gehören; die Quantität ist schwankend, 
in der Martina reimt lapen : wApen, 
Beneckc-Müller 1,939. Der Grundbegriff 
ist : seh wach, schlaff. Dazu gehört auch 

Lappe, f. anzuführen wegen der Schelte : 
Feuchtlappe. 

läppen, läppe rn, schw. vb. lecken, 
leckend trinken, schlürfen; es läppert 
sich zusammen: kommt in einzelnen 
Tropfen zusammen. — auslappern: 
auslecken, ausschlürfen. — belappern: 
betropfen, begiessen. — verläppern: 
leckend ausschlürfen, übertr. Geld oder 



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LAr* — Lauer. 51 



andere 8achen ntch und nach vergeuden. 
Verläppert heisst geradezu vereinzelt: 
da« Geld kommt verläppert , s. oben : 
läppert sieh zusammen ; vgl. labern, 
schlappem. — ahd. laffan, mhd. laffen, 
läppen, mnd. mnl. lapen, nd. labben, ags. 
lapjan, altn. lepja, franz. laper. In den 
neueren Mundarten Oberall erhalten. Die 
Form mit p ist nicht als nd. zu beanspru- 
chen, da sie auch obd. herrscht: Schind- 
ler 2, 486 ; Stalder 2, 149. 

La.ne, m. Ofenlarz: Ofenrohre (Eckers- 
dorf, Neudorf hei Silberberg:). — Siste 
doch oas, wie der Ufelarz. Gomolke. 

Laschen» schw. m. Schorf, Wundgrind 
(Glogau). Auch oblans. und weiter ver- 
breitet, nd. Latsch: Schmarre, Ritz, unter- 
schieden von Laake, Lasche : Zwickel. 

Laschke, m. Kernbeisser, Loxia cocco- 
thraustes. 

Ivi\sbe, m. langer Kerl: alter Laske, scher- 
zende halbscheltende Benennung. Vgl. nd. 
Laks, Läks : fauler Schlingel , Tölpel. 

lassen, st. vb. Im Imperativ wird lass 
und IA, lao gebraucht ; Gläzisch wird 
geschieden : unterlass : lass ; lass los, 
lass sein : Id. 

I.nwter , n. wie hd. — Laaterdarm : 
Schelte ;lasterbäudig, unglaublich 
„unbändig" gross. 

lateln, n. Rackerlatein reden : 
Schimpfworte ausstossen , wie kürntn. 
gleichbedeutend welschlatein reden. Vgl. 
den alten deutschen Brauch, unverständ- 
liche Rede, selbst die Vögelsprache latein 
zu heissen ; holstein. nl. kramerlatijn : 
kauderwelsch. 

latschen, latschen, Idtscheii, 
schw. vb. wie ziemlich allgemein : ach h ff 
gehen, die Füsse schleppen. — v er I a t- 
a c h e n , durch Nachlässigkeit verlieren. 

— Latsche, f. 1) Schleppschnh ohne 
Hinterleder ; in dieser Bedeutung auch 
männlich : der Latschen ; 2) die Spur 
eines latschenden , der niedergetretene 
Strich im Grase; 8) nachlässiges unor- 
dentliches Frauenzimmer. — Latscher, 
Fusslatscher, m. Fusssoldat; vgl. das bair. 
Lackenpa (scher. — Latsche!, tn.nach- 
lässiger schlaffer Mensch ; bair. Ladschi. 

— latschig, las Ischl ich, adj. — 
L Atschkern, pl. Fetzen, Lumpen. Frisch 
1,582; Schmeller2, »26; SchmidtlOl. 

— Schweiz, leutschen, leitschen. Stalder 
2, 170. — Die Formen Latte, Lattel, 
LKtreige (Svhmid 335), Lätfuss (Frisch 
1, 582), «eigen deutlich den Stamm des 
Wortes an : lat, lass. 

Latsch, m. dünne Flüssigkeit; sich einen 
Latsch machen : dünnen Kaffee kochen 
(Reichenbach). — lAtschern: rinnen, 
tliessen ; es latschert ok asu: es regnet 
stark. Auch schwib. latschen: regnen, 
tätscheln: trinken. Schmid 338. — poln. 
lad, giessen, liegt ganz ab. 



Latte, f. 

Meine Feder griff den reichsten in die 

Haare, 

es mosten jung und alt aus allen Stän- 
den dran 

and meine Latte lief an andre Schollen an. 
. Günther 485. Dagegen scheint die Be- 
deutung schmarotzen in folgender Stelle 
anzunehmen : 
sie ärgert sich genug , dasa er mit 

Latten lauft; 
erst neulich machten ihn, da er aufs 

Dorf geraten, 
die Schenk nnd das Gelach zum Hunds- 
tags-advocaten. 
Günther 504; vgl. Lattenhauer, Schma- 
rotzer. Schindler 2, 512. — Auf Latten 
liegen: von der Soldatenstrafe fiber- 
tragen auf unangenehme Lagen über- 
haupt. 

Lata, m. 1) Hosenlatz. Fischart Gargan- 
tua c. 11, wo er von den verschiede- 
nen Lätzen spricht, sagt: die Schlesier 
thun beckerfürtnch von taffat dafür. 
2) Brustlatz, Mieder. Das Wort Leibel 
verdrängt jetzt Brustlatz. 

lauhen, schw. vb. 1) Laub treiben; es 
lauht: belaubt sich, wird grün; ahd. 
mhd. louben ; 2) Laub brechen, namentl. 
kleine Aste und Zweige für das Schaf- 
futter abhauen. — Schweiz, lauben : 
dürres Laub sammeln, läubeln: Blätter 
brechen ; bair. läuberln. 

Lauben, Läuben, Leben, Le'wen, 
f. pl.die Schwibbogengange an den städ- 
tischen Häusern, namentlich am Markte, 
die als Handelsplätze benutzt, nach deut- 
scher Bauart sich in den achlesischen 
Städten überall fanden und noch heute 
sich an mehreren Orten erhalten haben ; 
ich kenne sie als theilweise bestehend 
in Striegau, Jauer, Waldenburg, Neu- 
rode, Landeshut, Trebnitz, ßosenberg, 
Konsladt. In der Lausitz und in Böh- 
men finden sie sich ebenfalls. — In 
Salzbrunn und Altwasser heissen ein 
paar Häuser, welche die Lauben im ersten 
Stockwerk haben, die Löwenhäuser, für 
Ldbenbiuser, und der falschen Deutung 
gemäss tragen sie Löwenköpfe als Wahr- 
zeichen. — Du Cange erklärte lobia, 
laubia, lobium : porticus operta ad spa- 
tiandum idonea, udibus adjuncta. Über 
die Lauben in Bezug auf den Handel 
vgl. Hüllmann Städtewesen 1, 303. — 
ahd. louba, mhd. loube, nd. löve. Frisch 1, 
583; Schindler 2, 410 ; Stalder 2, 159; 
Schmid 342; Rheinwald 1 , 91 ; Brem. 
Wörterb. 3, 79 ; Schütze 8, 52. 

Iraner, m. Schelm, mhd. Iure, schw. m. 
Schlaf und Tod der macht vergleich 

zwischen fürst und zwischen bauer, 
zwischen arm und zwischen reich, 
zwischen biedermann und lauer. 

Logau 497. 

d* 



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52 



Ein arzt fürt oft« mist, mist füret oft 

ein baner ; 
wie das» man jenen dann heisst doctor, 

diesen lauer? 
Logati öö4. Wie das Wort in diesen 
beiden Stellen gerade«« für den Bauer 
bestimmt erscheint, so auch sonst hiuitiß- 
im 16., 17. Jahrb.; es ging das Sprich- 
wort : bauern sind lauern (Sehers 883). 
Noch heute ist Pau erlauer eine 
schlesische Schelte. Indessen tritt auch 
seine allgemeinere Bedeutung öfter her- 
vor. — Von Franz Dietrich ist das altn. 
lür ignavia verglichen worden (Haupt 
ZeiUchr. 7, 190). Vgl. LeYig. 
Lauer* m. besser L a u r e , f. Lüre 
(Trebnitz) Neige Getränkes , besonders 
Kaffee; eigentlich der Nachwein, Tre- 
sterwein, ahd. Iura, mhd. Iure, mit. 
lora, österr. Glauer. 

Welt gibt ihren hoebzeitgästen erst- 
lich gerne guten wein, 

und zuleUte sauren lauer, wenn sie 
nun bethöret sein. 
Logau 989; Frisch 1,387; Schneller 
2, 488. 

lauern« 1 u r e n , schw. vb. Bei Hochzeit — 
and Gevatteressen luren am Süssem Fen- 
ster die Lurjungen, bis ihnen Speisen 
gereicht werden : bis sie etwas erlurt ha- 
ben(Trebnitz). — Lauer essen: Gevat- 
teressen (Brieg). — Pauerlauer, 
m. Mahlzeit, welche in eiuigen Orten 
(z. B. Böhmischdorf bei Brieg) der Pa- 
stor alljährlich den Bauern geben muss. 

— In der Oberlausitz heisst der Topf, 
worin die Hochzeit- und Kindtaufgäste 
Speisen mit heim nehmen, der Lauertopf. 

laufein, Idfelu, leffeln, schw. vb. 
abhülsen ;ausläufeln: Erbsen, Bohnen 
aushülsen. Auch fränk. Schweiz, laufen, 
läufern, läufzeln; bei Kaisersberg lou- 
fen; Westerwald, lafen, laben; norweg. 
löypa bork: Rinde abschälen; fränk. 
Lauf: Hülse, Sehale. — Verwandt scheint 
ags. leap, Korb, Leib (als Hülle der 
Seele) ; altn. laupr, norweg. laup, Korb. 
Gefäss ; weslphäl. Löpen : Satlöpen, engl, 
seedlop, Samenkorb. — Diefenbach goth. 
Wörterb. 2, 154, der bei einer Uoihe 
schwerlich verwandter Worte an dieses 
Zeitwort erinnert, verweist auch auf die 
mit s anlautenden: schliefen, schlauf. 

Lauge, f. wie hd. — Laugensack : Sack 
mit Laugeuasche, übertragen: schlaffer 
Mensch ; vgl. Dingrich, Schlappsack. 

läukeln, ldkeln, schw. vb. Ifiugnen. 

— v e r 1 e* k e 1 n : verlangten , «b- 
läugnen, — oberharz, läkeln. 

Lanii f. Es ist besser eine Laus im 
Kraute, als gar kein Fleisch ; auch bei 
Simrock Sprichwörter 6233 , vgl. hier 
überhaupt Nr.6222— 6240. —Das ist nicht 
drei Läuse werth! vgl. ich gib urab 
niemand nit ein laus. Fastnachtsp. 397, 2». 



Denn schrieb ich weiter fort, so dürft 

ich wol die Laus, 
die jetzt im Grinde steckt , gar 
auf dieLeber jagen, 
und was mir Hass gebiert, aus Uber- 
eilung wagen. 
Günther 4S8 ; vgl. Frisch 1, 588. — Und 
nu da die Laus im Grinde sizt, weiss der 
undankbare Guckguck vor Muthwillen 
nicht, wie er seine Wohlthäter eg. mich 
scheren und agiren soll. Stoppe Parnass 
520. — Sieh Läuse in den Pelz 
setzen: altbekannte Redensart ; dass 
mich der Äff e lauste ! da wär ich 
wohl nicht gescheut, das zu thun ; einem 
die Kolbe lausen: mit Schlägen 
zusetzen, missverständlicb für: einen mit 
Kolben lausen, vgl. Zarncke zum Narren- 
schiff 90, 12. 

Lehel« m. Eine Mutter singt von ihrem 
unfolgsamen Sohne : er is a rechter 
Lebel. Ist es Löbel , Dentin, von Lob, 
Gottlob? oder ist zu vergleichen nd. 
Lobbes : grober ungeschickter Mensch ? 

L^rie, L ie d e , f. bestimmtes unbebautes, 
meist als Wiese benutztes Aussenfeid auf 
Dominialgütern (Liegnilz , Lobris bei 
Jauer). „Im Jahre 1234 schenkte Herzog 
Heinrich I. dem Kloster Trebnitz 200 Hu- 
fen Waldes bei Heinrichau, welche die 
Deutschen Leiti (Lehden) nannten, wie 
der Verfasser der Kronik aus der Mitte 
des 13. Jahrh. sagt." Stenzel Gesch. 
Schlesiens 1, 338. — Oblaus. Lehde, 
Laide, Lehdung (Anton 9, 16) ; auch 
obsächs. kommt das Wort vor , das 
Frisch 1, 563 mit wüstliegender aber 
brauchbarer Platz erklärt. — Solche 
Aussenfelder , welche von der eigent- 
lichen Feldflur getrennt sind, finden sieb 
überall in Deutschland unter mannivb- 
fachen Namen , die Landau Territorien 
in Bezug auf ihre Bildung und Entwick- 
lung (Hamburg 1854 , S. 177) aufführt. 
In Schlesien sind die Leden, so weit ich 
erfuhr, nur auf Dominialfeldern. — Lede 
ist auf legede, legida, zn bringen und 
bedeutete demnach ursprünglich nichts 
als: Lage, Strecke. 

Ledüehe, Leiduche, m. langer unge- 
schickter Mensch ;lausitz. Lei! ich er, Dan- 
zig. Laidak. Dem slaw. entlehnt: poln. 
lajd, layda, Injdak: Lumpenkerl; lith. 
lediikas, leddkas : lüderlich, faul. 

Leffel, m. alle Vierein einen Leffel setzen : 
die vier Füsse auf einen Ort zusammen- 
stellen, wie trauerkollrige Pferde thun; 
von Menschen : sich zusammenhocken. — 
Dieses Leffel ist für Läufel zu nehmen ; 
schwäb. Löffel : Lauf; Schweiz, ausieffeln : 
einen Schuh austreten. 

Leib« m. ich weiss mir bei meinem Leibe 
kennen Roth. Stoppe 535; kräftiger ist: 
sich beim A. keinen Rat wissen. — 
— Leibel, n. Brustlatz, Mieder. — 



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!>3 



I e i b e I ö s i g , adj. auseinandergehend, 
zerfallend. Auch laasitz. 

be-lemmen, schw. vb. Huschen, hin- 
tergeheo. Das ist belemmert : da haben 
wir uns verrechnet I — nd. lemmern, 
belemmern : in den Weg legen, hindern, 
in Verlegenheit bringen ; sik verlemmern : 
sich das Spiel verderben; rerlemmert: 
bestürzt ; lammern : mit genauer Noth 
etwas bekommen, Brtfm. Wörterb. 3, 52 ; 
Schütze 3, 7. 

lempern. schw. rb. sich belempern: sich 
beschmutzen, einen Schmutzsaum machen 
(Trebnitz). — Hemdelemper, m. 
wie Hemdefist, Spottname für Kinder, 
die im Hemde überrascht werden. — 
schwä'b. Lamp : schmutziger lüderlicher 
Mensch ; lampen. lämpeln : schlumpen ; 
bair. Lampen: Hemdfahne, die zu den 
Hosen heraushangt; westwäld. Lamper- 
lott : Lampenkerl. — hess. westerwäld. 
Lammel : Kothsaum ; frank, sich belam- 
meln : sich beschmutzen, Koth auflesen. 

1 enden, schw. vb. 1) landen: sucht in 
dem Hafen anzuienden. A. Gryph. Gibeon. 
582. 2) lenken, neigen : also dass die 
Luft sich zu einer merklichen Feuch- 
tigkeit lendet. Cureus-Rätel Chronica 
292 (1607). 

du kanst mit deinen hinden 
der menschen stürk und kraft 
nach deinem willen lenden. 
Opitz 1,291. — ahd. Iantian,mhd. lenden. 
Frisch 1, 606; SchmeUer 2, 478. 

lendern, (andern, schw. vb. schlen- 
dern, langsam gehen und kommen ; h e r- 
umlendern: herumschlendern ; die Oe- 
sellschaft 1 a d d ert zusamm en : iiodet 
sich allmählich zusammen (Reichenbach). 
— Lenderjän, La n de r j4 n , m. Lü- 
derjÜD ; Lantrich,m. alberner un- 
nützer Knecht (Lobria bei Jauer). — 
mhd. lendern, Renner 6017; nl. lenteren : 
trSg sein, franz. lenterer; dän. lente: 
zögern ; nd. Lanterfant: langsamer nach- 
lässiger Mensch. Brem. Wörterb. 3, 14.— 
Nebenform: luntern, in gleicher Be- 
deutung ; herumluntern: umher- 
schlendern, die Zeit vergeuden.— Lu n t- 
r i c h = Lantrich. — nl. (unteren, lunde- 
ren, dän. lunte: zögern. 

Lene, f. Bergabhang; auch sonst ver- 
breitet. 

Lenz, bei Opitz 1, 170 (1629) noch als 
schwaches Masc. gebraucht. Hervorzu- 
heben ist die Bedeutung: Freude, lär- 
mender Jnbel : einen Lenz verführen ; 
das war ein Lenz ! 

I.<erfre, Lerche, f. 1) dürres schlech- 
tes Pferd, namentlich aber : dürrer Hund ; 
2) lüderliches Frauenzimmer. — Grund- 
bedeutung ist: schlecht, fehlerhaft; das 
Wort scheint sich zu vereinen mit ahd. 
lirc. lürc, lahm, stotternd, link, worüber 
Grimm Gesch. d. deutsch. Sprache 991. 



l\erig-, m. in unbestimmter Bedeutung 
auf presse ungeschickte Jungen ver- 
wandt, etwa gleich Tölpel, Lümmel 
(Kolbnitz bei Jauer). Bs scheint auf Läu- 
ring, Lauring zu führen, Ableitung von 
Lauer w. z. s. 

L«sake, m. Im 17. Jahrb. im Glogauischen 
Benennung eines Gemeinevorstehers : die 
nokbern und gemene von Garnedorf bau 
mich zu ihrem lesaken gemacht. — Hört 
ihrs, kirchschreiber und lesake von 
Garnedorf! Gryph. gel. Dornrose. — 
Das Wort hat diese Bedeutung uneigent- 
lich angenommen ; früher bezeichnete es 
eine Art minder Freie: „die lazaki, auch 
lazanki geschrieben, scheinen in Schle- 
sien gewesen zu sein, was in Deutsch- 
land die Lassen. Sie waren wie die Las- 
sen frei von Knechtschaft, aber darum 
noch nicht den Freien völlig gleich, wie 
sie deshalb auch unter den Starosten des 
Herzogs stunden." Stenzel in s. ürkun- 
densamral. d. Städte 68. — Linde ver- 
muthete Abstammung des Wortes von 
laska : Gunst, Gnade. 

Leseh&ke, m. grosser ungeschickter 
Mensch. Auch in Danziger Mundart: Lüm- 
mel. In Österreich soll es einen behäbi- 
gen, wohlbeleibten Menschen bezeichnen. 
— Zu vergleichen poln. lezuch: Bären- 
häuter; böhm. lezak : Faulenzer. 

leschen, schw. vb. ausleschen: viel 
gute büebsenschützen waren unter 
den unsern , die mit ihren büebsen 
manchen stolzen Behmen auslescheten. 
Eschenloer 2, 38 ; vgl. Grimm Wörterb. 
1, 912. 

letnea, I » t s c h , adj. mit Ableitung 1 ae t- 
s c h i g: weichlich, schlaff. — Gehört zu 
laUch, latschen, w. z. s. — Schweiz, 
latschig, bair. letzet. 

Leviten lesen: einen abkanzeln, aus- 
schelten ; in Schlesien noch gebräuchlich. 
Vgl. Mone Schausp. d. Mittelalt. 2, 280 ; 
Frisch 1, 609 ; Schütze 3, 29. 

Liebe, f. Ma muss haldich asu denken, 
wies asu hässt : die Liebe fällt nich im- 
mer uf a RosenbUd, se fällt Ach amöi uf 
an Kuhkät (Obernigk) ; vgl. Fischart 
Gargantua c. 33 : 
dann ihr beider lieb hat sonnenart, 
fällt so bald auf ein küttreck als auf 
ein rosenblat. 
nd. de leefte fallet so ligt up enen ko- 
drek as up en rosenblad ; vgl. Simrock 
Sprichwort. 6449. — In A. Gryph. Horri- 
bilicribrifax heisstes : die Liebe ist blind 
und fällt wie die Sonne so bald auf eine 
Grasemücke wie auf ein liebes Kind. — 
lieben, schw. vb. bei den schlesischen 
Dichtern des 17. Jahrh. noch intrans. 
gebraucht; dir aber liebet nicht das 
unbefugte fragen. Logau 799 ; keine 
Schlumper mir auch liebet. Seherner S62 ; 
hat keiner Macht geliebt. Opitz 1,166.— 



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54 



ein I i e b e n : beliebt machen : um hier- 
durch sich beim Augustus einzulieben. 
Lobenstein Ann . Thusn. 1, S. — Belieb, 
m. Gefallen ; die Bibel , Gotteswort , ist 
mein belieb im leben. Logau n. 545. 
Hechte, lichte, adj. sehr gebräuchlich 
in Schlesien : »es wird schon lichte" es 
tagt; gelichte: hell, heiter. — zum 
lichten gehn: Abendbesuche nach 
dem Abendessen machen : auch oblaus. 

— Leuchterknecht was hd. Licht- 
knecht, ältere Sprache t liechtigel (Fast- 
nachtsp. 1216) schwed. ^jusknekt. 

Liese, Elisabeth ; wie Grete auch für 
Mädchen oder Frau überhaupt verwandt. 
Auch gewöhnlicher Namen der Stuten. 

— Flennliese: weinerliches Weibs- 
bild ; M a e r I i e s e : langsames Frauen- 
zimmer ; Pfennigliese: geizige Per- 
son , ein weiblicher Küssenpfennig. — 
Liese für Lisse w. s. s. 

Linktotsch, m. linkischer .Mensch , der 
die linke Hand (Tötsche) für die rechte 
braucht. — Schweiz, linkitatx. linggituss ; 
bair. Linkewatsch. 

Linke, f. Linke), a 1) Fürtuch; 
2) enger dünner Weiberrock (Reichen- 
bach). — Deminutivbildung zu Linne, 
also eigentlich Leinentuch. 

linzen, schw. vb. gucken, aus halb- 
geschlossenen Augen sehen ; vgl. blinzen. 

Lisse, Lixe, f. Nixe, über die Form 
vgl. meine Dialektforsch. 68. — A. Gryph. 
schreibt Wasserlüss im Peter Squenz : 
Der Wassermann im Himmel 

macht kein so gross Getümmel, 
die Wasser-Lüss auf Erden 
mag nicht so schöne werden. 
Die Wasserlisse wird als Mädchen mit 
Fischschwanz gedacht , gleich den Sire- 
nen ; sie wohnt auf dem Grunde der 
Teiche in Häusern , die den menschli- 
chen gleichen. Zwei schlesiscbe Sagen 
von ihnen theilte ich mit in meinen 
deutschen Frauen des Mittelalters S. 46 f. 

— Ein Kinderspiel stellt die Wasserlisse 
dar : eins setzt sich inmitten eines Krei- 
ses , die andern tanzen herum und sin- 
gen dabei: 

Wasserlisse , zieh mich rein ! 
schenk mir Bier und Brantewein l 
die Lisse hascht nach ihnen und der ge- 
fangene wird Wasserlisse , während die 
frühere erlöst ist. Das Spiel schliesst sich 
also dem Gedanken der Langseifersdor- 
fer Sage an, dass Menschen, welche die 
Nixe fängt , sie erlösen und an ihrer statt 
zur Nixe werden. 
Id lö, Zuruf an die Kühe. Beim eintrei- 
ben vor dem Stalle lö la lö Id! wenn sie 
stehen sollen : hö Id hd stt ; daher Löla 
Schmeichelname der Kühe. — 8chweiz. 
(Glarus) lo lo, Ruf an die Schafe ; lob 
loba , Ruf an die Kühe ; Loba, Name der 
Kuh bei Hirten und Kindern. Stalder 



2, 176; Tobler 301. bair. le le t Rnf an 
die Schafe, tele Schaf. Schindler 2, 400. 
Lörie, f. Zotte, naar. — Lodenbock: 
Mensch mit langem wirren Haar. Spruch 
zu Kindern mit ungeordneten Haaren : 
Lndebok, wu giste hin ? 
„ei de SÜt nöch Sissebier. u 
Wart a bissei, war mite gihn, 
wil ok Schuh und Strimp Aziehn. 
Für die beiden letzten Verse ancb diese : 
Sissebier werd sauer warn, 
Hansia wil a Bräuer wärn. 
Hundsloden, übertragen: üble Nach- 
reden ; dem werden sie das Grab gross 
machen müssen, dass alle Hundsloden 
Platz haben, die sie ihm mit geben. 
Lög-e, f. Fass ; eine löge walisch wein, 
ettiche fass bier. Eschenloer 2, 163. 
Herrn Johann erzbischof von Gran, dem 
wurde geschenket von ratmannen vier 
malder haber, zwei viertel weizen, zwei 
logen malrasier, eine löge waliscb wein 
und ein fuder heu dazu, ebd. 164. wie 
denn meinem herrn eine löge rheiufal 
vom rat auch verehret ward. Schweini- 
chen 2, 303. Vgl. schwlb. Logel » Ligel 
w. z. s. 

Loba, m. gewöhnlicher als die Lohe: 
Flamme; bei Opitz II (162S) der loh, 
vgl. der lohen. Renner 13961. nd. Lochen. 

— Der Lohn schlägt aus dem Dache. 
Lohnfeuer: helles Feuer, nd. Lög- 
tenfür. — lichterloh, adj. mit heller 
Flamme, I. brennen. Lohenstein schrieb 
lichten-loh; nd. lichterlögten. 

Loppe, f. Mund, Maul, vgl. lappern. 

Lorber, L dr her , f. Ziegen- und Schaf- 
mist, nach der beerenartigen Gestalt. — 
Lorbersteig: Pfad der Ziegen und Schafe. 

— I d r b o r n , schw. vb. Lorbern ma- 
chen. — Auch nd. Schaps-Lörberen. 

lortaehen, schw. vb. eine Art Brettspiel : 
hier suchet er das Brett , ihm ist nicht 

unbekannt 
das lortschen und wie man die schöne 
Dame ziehet. 
Hofmannswaldau n. a. Ged. 4, 6; vgl. 
Frisch 1, 621 ; Schmeller 1, 490. — lurz : 
matt, labet, 
ge- losen, schw. vb. los werden (Pol- 
nisch Wartenberg). Dass ich mir nicht 
begerte zu gelnsen den kummer der 
mich krenkt. Opitz 1, 274. man fleisst 
sich jetzt den bart vom manle zu gelosen. 
Logau n. 1237. wo ich meiner seelen 
qual — anders sol gelosen. Christ Gryph. 
47 (3. A.). — mhd. gelösen. 
losen, schw. vb. 

Bräutigam Kindt vorsichtig 
braut, ihr mögt zur gersten 
Scherffer 660. Wahrscheinlich ist hier 
lossen anzusetzen: ihr mögt euer Loos 
in der Gerste suchen, sie wählen und 
pflücken. 

Lotschen, I ütschkern, vgl. latschen. 



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I lichten - Lützel. 



55 



i, schw.vb. ich weiss nicht, was es 
lucbten wird: wie ea von statten geben 
wird (Reichenbach). 
Inehtera, I o ch t e r n , aus Missverständ- 
niss auch luchern, löchern, 
schw. vb. riechen , spüren ; a u s- 
I u c h t e r n : ausspüren , aussuchen ; 
heromluchlern: herumspüren. — 
Lucht er, m. Sparer, gewöhn!. Hunde- 
name. — Luchtig, m. alberner Kerl 
(Lobris bei Jauer) ursprünglich wohl 
Schnüffler, der überall herumriecht. — 
Ein nd. Wort ; auch dän. lugte, schwed. 
lukta. — Ausser in Schlesien auch in der 
Oberlausitz und vielleicht sonst in Mit- 
teldeutschland. Campe leitete ea von 
Loch , womit es gar nichts zu thun hat. 
L,ugt m. ein Lug Zeit: Augenblick. — 
lugen, schw. vb. lauernd sehen ; erlugen : 
erlauern; mit erluren gleichbedeutend 
für die Lurjungen gebraucht ; vgl. 
lauern. — I ug s e n, schw. vb. belugsen : 
belauern, lauernd hintergehen ; überhaupt 
betrügen , nd. beluxen, afluxen. — auch 
rbein. schwäb. gtugsen, anglugsen : an- 
schauen, anstarren, 
lullen, lullen schw. vb. 1) den Harn 
lassen, mingere; sich einlullen. — Lullu 
machen in der Rindersprache; das Lullu : 
membrum genitale; 2) mit der Form 
lullen, lillen : den Speichel fliessen las- 
sen, geifern; sich belillen: mit Speichel 
oder Getränk benetzen. — Lülle, f. 
Speichel , auch die in den Tabakpfeifen 
gesammelte Flüssigkeit: Schmirgellülle, 
Tabaklülle. — Lülieputte,f. altes 
Weib, das „lüllt." — Weiterverbreite- 
tes Wort : bei Geiler und noch jetzt in 
Strassburg lullen , bei Fischart lullen ; 
in den meisten oberdeutschen Mundarten 
erhalten in der Bedeutung : sangen, den 
Speichel lecken. Scherz 059. 045; 
Schindler 2, 464; Tobler 304; Stalder 
2, 184 ; nd. lülken, lilken : iu kleinen 
Zügen leeren ; Lull, Lullpipe : Röhre wo- 
durch man etwas laufen lässt. Brem. 
Wörterb. 3, 72. 08; nl. lulpype. Zu 
dem Spottnamen Lülleputte stellen sich 
das Schweiz. Löllerzapfe und die Bauer- 
namen der Fastnachtspiele : Lullezapf, 
Lüllau*, Lüllars, Lüllhart, Lullholz, Lul- 
lapp. — Oberlausitz, mit Wechsel von 
I und n: Nilie Geifer, nillen geifern. 

el, Lämmer, f. schlechtes Mes- 
ser. — Lummelschleifer : lfiderlich wie 
ein L. (Trebnitz). — mhd. lAmel, Klinge ; 
Schweiz. Lamme, Lammele, Lummeie; 
scbwäb. Laurael; nd. Lam, LämmeJ; nl. 
Icminer. 



I, Ummern, pl. Hoden — Fuchslummern : 
Name kleiner Pfefferkuchen (Nimptsch. 
Strehlen) ; vgl. Mehlweissen. — mhd. 
lumbel, Eingeweide. 

Lüiiimel* m. den Lümmel liuten : sobald 
sich im Schweidnilzischen (Schwein- 
schen) Keller in Breslau ehedem ein Gast 
lümmelhaft benahm, wurde eine Glocke 
geläutet , die Lümmelglocke , und der 
betreffende musite Strafe geben. Man 
fragt daher noch bei ungezogener Auf- 
führung : soll ich den Lümmel läuten ? 

— Pfingstlümmel. Diese Benen- 
nung des Hirtenjungen, welcher am 
IMin^sttage die Kühe zuletzt austreibt 
(Mythogi. 746) , kommt meines Wissens 
in Schlesien jetzt nicht mehr vor; für 
die ältere Zeit wird sie belegt durch 
Scherffer, der in seinen Gedichten 410 
sagt : ein Pfingstlümmel ist ein 50facfaer 
Lümmel. 

Lunte t f* Tunterlunte: albernes 
Weibsbild (Reichenbach); vgl. tuntern. 

Lunze, f. feminale ; deminuL Lunzel. n. 
(Reichenbach). Ableitung von dem 
vorigen. — Schweiz. Lunz, Luenz : Metze. 
Aus Geiler führt Scherz 063 an: eine faule 
luntsch. 

Lupe« f. Hündin, Hund. Fleischerlupe 
(Reichenbach). 

Lurke, f. Knoten im Faden, der beim 
spinnen hinein kommt. — lurk bedeutet 
überhaupt das dem rechten entgegen- 
gesetzte, das linke, fehlerhafte. Wie lurken 
sonst stammeln bedeutet , so bezeichnet 
es beim Spinnen Fehler, Knoten machen. 

— Oberlaus, heisst Lurke auch eine trübe 
Flüasigkeit. 

Lusche, f. Pfütze. — Auch in andern nord- 
ostdeutschen Grenzländern und in Baiern. 
Aus dem slavischen : 
lanie. 

Lüsche, Abkürzung der poln. Koseform 

für Karl : Karlusz. 
Lusche» Lutsche, bei Bemdt L u e t- 

sehe, f. Hündin ; nürnberg. Lüsen, 

Leusch , Schweiz. Leutsch , Läutsch. 

Schindler 2, 506; Stalder 1, 170. 
luschnig, adj. lose, sich lösend ; I u s c h- 

niges Kraut: Kohlkopf mit lockern 

Blättern (Zobten a. Berge). — Aus lösnig, 

lösend ; an klingt poln. lulny. 
Lützel* m. Teufel : was fürt dich der 

Lützel bar ? A. Gryph. gel. Dornr. — 

Wenn Sie den Lützel (den verteufelten 

Buben Cupido) nur 

Scherffer Ged. 414. 



i 



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Zweite Abtheilung". 



M — z. 



Anhang min XVI. Bd. d. SiUb. d. phil.-hiil. ( I. 



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so 



Utah, M A h, st. m. Mohn, papaver. Wenn die 
kühle Nacht wird ihr Haupt mit maah 
bekrönen. Lohenstein Ihr. Bassa 3, 329. 
Heute ist Moh die gebräuchliche Form. — 
ahd. mAgo, mhd. mäge, ohd. Mage. Frisch 
verzeichnet Mahn als die gewöhnliche 
Form ; nd. Man, ul. man. 

Machehof, m. Schlachthof, curia macta- 
toria. Urkunde Her«. Boleslavs von Breslau 
von 1307 bei Stemel Tzschoppe 108. 

machen, schw. vb. gemachtes Essen, mit 
Mache oder Mächsei, d. i. Fett oder Butter 
nbgeschmalzene Speise. — ermacben, 
dermachen: durchführen, aushalten; 
er kanns bei dem bösen Weibe nicht der- 
machen. — untermachen: es unter- 
macht den gauzen Monat so: das Wetter 
geht im Laufe des Monats also fort. — 
wegmachen: des achten Heinrichs 
söhn ward plötzlich weggemacht. A. 
C.ryph. Carl Stuard 2, 208. — Mache, f. 
1 ) das anmachende , Mächsei ; 2) in die 
Mache kriegen: einen machen, mit ihm 
fertig werden. Schweiz. Machi. Mach- 
brich: Machwerk. — Gemachte, 
n. 1) Machwerk. Lohenstein Arm. Thusn. 
1,7 ; Günther 500 ; vgl. Schnieder 2, 
541 ; 2) Genitalis, wie allgemeiner. 

maffen, maffern, schw. vb. maffrig, 
venu äfft, vermaffert: ungestalt. 
keiue mit vermafller nase, Scherffer 560 
Vgl. müden, verdorben riechen; nl. muf- 
fen, schimmeln; frank., Westerwald., nd. 
muffen, das Maul hängen lassen, murren, 
worin überall der Begriff des verunstalte- 
ten, verdorbeneu. 

Magd, M:)d, f. nur die weiblichen Dienst- 
boten auf dem Lande heisseu Mägde ; sie 
theilen sich iu Gross-, Mittel- , Klein- 
mägde. — Faule Magd, vgl. faul. 

Mayen, in. Kräutermagen, ein ma- 
genstärkender bitterer Brantwein , den 
die Lahoranten im (tiesengebirge am 
besten machen. Ist dieses Magen das ahd. 
magna, Kraft.Stärke, und also der deutsche 
Ausdruck für Essenz? 

malen« m d I e n, st. vb. wie Mehl rieseln : der 
Saud malt , der von dem ausgeschütteten 
Haufen fein herabrinnt; ahd. malan. — 
M a I e , f. der feine Staub der Landstrassen, 
vgl. mhd. mein). — mal ig, staubig. — 
Mal th euer, f. Wassermangel, so 
die Müller nicht mahlen können. 



malen, m o I en,schw. vb. Mal dir was, so 
hast du was! zu einem schwer zu befrie- 
digenden. — ahd. roAlen , malön. — Ge- 
niale, Gemälde: mancherley geniale zu 
Präge und überal bei den ketzern ufer- 
stunden und lesterliche gesenge wider den 
pabst uud alle preisten (1461). Eschen- 
loerl, 177, vgl. 1, 259. — Mal werk, 
n. Gemälde, Bild (ßolkenhain) : ihr mahl- 
werk der natur, ihr blumen in den grün- 
den. Opitz 1, 245. 

Ge-male, n. der bezeichnete Ort, an dem 
bei Fangspielen die zu fangenden sicher 
sind; sie schlagen dabei dreimal an und 
rufen : angeschlagen. — nd. Mal, Brem. 
Wb. 3, 118. — Die alte Bedeutung von 
Gemale als Ziel, dann aber auch als Zei- 
chen der Heimath, und wenn man will, 
selbst der Gerichtstätte mit ihrem Frieden 
laufen hier zusammen. 

maele, adv. allmählich, für mählich. 

Mahlert den 30. Septbr. versazt ich einen 
ring mit sechs spitzigen demanten und 
eiu maldey vor zehn Thl., Schweinichen. 
Ob der Druck richtig ist wird fraglich 
sein. Schmid schwäb. Wb. 380 führt Me- 
dey auf : ein Kleinod, vielleicht eine Me- 
daille zum Hutschmuck.Scherzl0l7 bringt 
aus Mathesiits bei : sametne parett mit 
medeyen oderstrausfedern, und aus einem 
würtembergischen Statut über die Gerade 
unter den Schmucksachen auch Medeyen. 
Zusammenhang mit Medaille wird nicht zu 
läugnen sein. Vgl. auch Schnieder 2, 552. 

malkern, besser ist melkern, schw. vb. 
mit den Händen drücken und rollen; Kin- 
der malkern ein Thier. — Ableitung von 
melken. 

mnllern, schw. vb. zanken ; zu einem, mit 
einem m. (Reichenbach). Aus mäulern 
entstanden : sich ermäulern, zanken. Vgl. 
rhein. raulle: plaudern, grosasprechen. 
— ud. mallen, thöricht reden, ausgelassen 
sein; nd. nl. mall: thöriebt, wild, lie- 
gen ab. 

Malvasiert Breslauer Bier 

ist der Schtesier Malvasier. 

mn ngr, adv. zwischen , unter : nehm den 
rokken mank die bein. Scherffer 637. — 
der mang: dazwischen, darunter (Rei- 
chenbach). — Niederdeutsches Wort; vgl. 
alts. mang, an gimang, agp. on 
engl, among. 



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(50 



Mann — mnuken. 



Mann, M n n, plur. die Manne, Maunen. — 
Manns mann (rechte Oderueile) ; vgl. 
mil. ml. Mannsmennsch. — Mandel, n. 
das Spiegelbild im Auge (Charlotten- 
brunii), vgl. xoupifiiw. — Galmannel, 
gelber Schwamm. — Sandmann: der 
Sandmann kommt, die prickelude Empfin- 
dung in den Augen schilfernder ; auch 
Westerwald., rhein.; vgl. das bair. Pech- 
mandl. Schnieder 2, 880. 

maniehen, manischen, Nebenf. m e t- 
schen, schw. vb. mengen, mischen, mit 
dem Begriff des unreinlichen. — b e m a n- 
t s c h e n, beschmutzen, e imnantschen, 
einschmutzen, zermantschen, zu 
M a n t s c h , schmutzige Mischung, ma- 
chen, — allgemein: obd., md,, nd. mit 
der Nebenf. matschen. 

mnnsern, schw. vb. herumgreifen, beta- 
sten, sich spielend womit beschäftigen 
(Reichenbach). 

marucheln, schw. vb., nd. Wort, was 
nach dem östlichen Mitteldeutschland vor- 
drang; abmaracbelm ermüden, sich 
abarbeiten. Von Grimm, Wb. 1, 78 aus 
mergeln gedeutet. 

(mere, lieb, werth) , erhalten in dem 
negativen unmasre, unmär: un werth, 
gleichgilUg (nördl. Niederschlesien). So 
wird ein guter kor! bei diesem volk un- 
mar. Scherffer Ged. 659. — Auch erhal- 
ten im mährischen Gesenke und in der 
Oberlausitz; im Kuhlfindchen das Mär: 
der Geliebte. — mhd. rowre , unmwre. — 
Friach i, 642; Schindler 2. 607; Stalder 
2, 192; Schmid 382; Schmidt 112. — 
rhein. unmär: unsäglich, unzählbar. 

nurren ; das schlesische kennt drei etymo- 
logisch von einander völlig zu trennende 
Zeitworte dieses Lantes. I)masren, schw. 
vb. reden, schwatzen ;ausmmren: aus- 
plaudern. — ahd. märjan, mhd. inuren. 
Schmeller 2, 606; Schmid 374; auch in 
den sächsischen und nord. Muudarten. — 
Ableitung von dem eben angeführten 
Adjectiv. 2) masren: zaudern, durch zö- 
gern verderben. — vermaren: Zeit 
vermären, vergeuden. — Maerliese: 
langsames langweiliges Frauenzimmer; 
Maerpeter, Maersack: langsamer 
Kerl. — goth. marzjan, ahd. marrjan, 
merran , mhd. merron , alt*, marrjan, 
merrjan, mnl. merren, mnd. nl. marren, 

— Schweiz, märschen: trotz vieler Müh» 
nichts ausrichten. — Dieses schlesische 
mtBreu ist also auf merren zurückzufüh- 
ren. 3) mwren: mischen, mengend wüh- 
len: im Sande meren ; auch oblaus. fränk. 

— M a e r t e , f. Mischung ; Biermärte, 
Weinmärte : Kaltschale mit Bier oder 
Wein ; auch obsächs. — ahd. merot, 
mert: mixtum, coena. me*rda: suppa, mhd. 
merd. merate : Ahendbrod. — mhd. mern : 
tunken. Fundgrub, i, 383. - meren : 
vipare, tingere. Scherz 1031 ; ein ahd. 



. merdn ist aufzustellen. Schmeller 2, 61 1 
schreibt merren und bringt es mit dem 
vorigen Worte zusammen, wovon es zu 
scheiden ist. Das altn. merja liegt ab. 

.Markt , M a rcht, Mar t, m. wie hd. — sich 
einen Markt machen : ein Vergnügen ma- 
chen , herkommend von der Jahrmarkts- 
lust. — markten schw. vb. verkaufen, 
durch Verkauf einnehmen ; ich habe heute 
noch gar nichts gemarkt. Auch oblaus. 
und weiter in Mitteldeutschland verbreitet. 

zu - marlltten , zerbrechen, zerstossen. 
Kernkronik 2, 727. — Stamm scheint 
mar, mürbe. 

Mariische ♦ poln. Marysia: Mariechen; 
dann liebkosende Benennung jedes 
Frauenzimmers; auch bei Schweinichen 
2, 97: vertrauet Gott und habe mein 
Marauschlein lieb, ebenso das. 2, 111. 
140. — westpreuss. Marnschke. 

.tlntfetüche, Mardaetsche,f. Langfloss 
aus Balkenholz , aus den oberschlesischen 
Wäldern bis Breslau und weiter hinab von 
Bauern, den Matätschbauern, geführt, die 
bis zur Ablösung einen Theil ihres Fron- 
dienstes dadurch leisteten. Diese Leute 
leben auf dem Flosse in einer kleinen 
Strohhütte , vor der sich ein flacher Herd 
befindet. — Der Ramen des Flosaea heisst 
die Matsche. Auch Scheitholz wird in 
Matschen geflösst. 

Matischker, m. Matschkerle, n. Kose- 
name der Vögel, wahrscheinlich aus Matz, 
Mätzchen, wie anderwärts namentlich die 
Kanarienvögel beisscn, entstanden. 

Mauer« f. »hinter der Mauer" in dem 
Gässclien längs der Stadtmauer (Reichen- 
bach); vgl. Schmeller 2, 609. 

Mauke, Maute, st. f. 1) Versteck von 
Obst und Geld. — Weitverbreitet, 
mauchen, vermaucbeln : verstecken. Frisch 

1, 649; Schmeller 2, 548, 558; Stalder 2, 
200; Schmid 377; vgl. mhd. mocken: ver- 
steckt sein , westfäl. muke. — Die Form 
Maute findet sich auch bitirisch, Schmeller 

2, 647; Westerwald. Mutch.— Der Begriff 
des heimlichen ist als erster festzuhalten ; 
ags. muga, Haufen, und dessen verwandte 
(Grimm Gesch. d. deutsch. Sprache 708) 
liegen ab.— 2) Brei, namentlich Fau st- 
oder Fauzroauke, aus Roggenmehl in 
Wasser gekocht und dann in Stückchen ge- 
legtund mit Butter begossen. Auch oblaus. 
und weiterhin kommt Mauke in dieser 
Bedeutung vor. Hoffmann v. F. führt aus 
einem allschles. Glossar an : munke po- 
lenta, wozu der Luzerner Munggel stimmt : 
eine aus Mehl, Milch und Eier in Butter 
gebackene Speise, Stalder 2, 220. 

mAukca, schw. vb. dumpf, stockig werden 
und riechen. — Auch oblans. (der Begriff 
faulen ist abgeleitet). — bair. muecheln, 
miiechten, müevhzen ; schwäb., Schweiz, 
mänchelen, meuchtelen ; henneb. milchen, 
müchzen; Österreich, müechtelu, mucken. 



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HI 



Durch Tausch vuu ch und f verwandt mit 
muffen. 

.Maas« f. £u thun haben wie das MSusel in 
den Sechswochen. — Dass dich das 
Mause) beiss! verwunderter Ausruf; auch 
schwäb. — Mein MSusel : Liebkosung. — 
Das liegt unter einander wie Mäusedreck 
und Koriander, vgl. Sirorock Sprichwor- 
ter 6922 und M. Beheini Wiener 28, 28: 
drei poswiht warn vermischet hie vnder 
dy fronten da zu schein, als meusdrek 
rnder negeleiu. 

Maus» f. Muskel. Die mausen: A. Gryph. 
Card. Celinde, Cathar. v. Georgien. — 
das Mäuse), namentlich die Muskel des 
Oberarms. — ahd. mus. Frisch 1, 651; 
Schneller 2, 628. 

IHn tz. Mit*, Matthias. Das Wetter schlug 
den 3. Augustizum St. Matze (in Breslau) 
in Thum. Schwein. 3, 14. — So wie 
Matze, Metze, Abkürzung von Mathilde, 
allgemein für Weib gebraucht wurde , so 
auch Matz für Mann , und zwar 1 ) einen 
armen gemeinen Kerl : zur Hochzeit eines 
von Zedlitz in Freistadt war eine grosse 
Menge Volkes zusammenkomroeu „und 
»lies grosse Hansen , das» auf allen orten 
wegen raumes und provianls mangel vor- 
gefallen, und also aus der grossen pracht 
eine rechte Matheshochzeit geworden". 
Schweinich. 3, 24. — Sgieng zu wie uf 
Matzes hochzeit, von Gmnolke auf- 
geführte Redensart; vgl. die süddeutschen 
Gedichte des 15. Jahrb. von den Metzen- 
uud Retzenhocbzeiten. — Hierher gehört 
auch der von Gomolke aufgeführte Spruch: 
Matz blas a Sack uf, louss a brumma, louss 
a summa ; bin ich doch ke Edelman, wisss 
ich doch warumma. 2) für einen einfälti- 
gen Menschen: ein rechter MAtz. — 
Schweinichen belegt seinen Gegner 
Komnlus von Kessel gern mit dem Beiwort 
Matz oder Mutz, indem er ihn als einfältig 
schildert. Schwein. 2, 347, 353. So wird 
Malz (gleich Hans, Barthel n. a.) in Com- 
poaitis zur Bezeichnung einfaltiger und 
lächerlicher Mannsbilder gebraucht: 
Scheissroatz. Die Redensart : dnstehn wie 
Matz-Fotz von Dresden, die ind. und nd. 
vorkommt zur Bezeichnung des albernen 
und weibischeu Wesen, ist früher auch in 
Schlesien bekanut gewesen; die beiden 
Worte bedeuten nichts weiter als einen 
weibischen albernen Kerl; an Matthias 
Flacius Ulyricus zu denken, gehört zu 
den unbewussten Spässen mancher Rly- 
mologen. In der Stelle: siotemahl unser 
Liessgen auch weiss, wo Matz most holt 
(Hoffmanawaldau u. andr. Ged 5, 144), 
steht Matz für das gewöhnlichere Bartel 
(Grimm Wb. 1, 1145). Bei der Redensart: 
sich einen MiUz machen , d. i. eine Lust- 
barkeit, denke man an Schwab. Uz für 
Neckerei; zu erklären vermag ich ea 
nicht. 



■nein* pron. poss.; mit Weglassung näherer 
Bestimmung. die gegeuseitigeBezeichnung 
der Eheleute unter einander: meiner, 
menner; meine, menne. Weiter verbrei- 
tet. — mein, meinest Ausruf dor Ver- 
wunderung. Mein! sage was dein Groll aus 
nieinen Worten fasst. Günther 527. Mein ! 
was seht ihr schel dazu. Stoppe 242. — 
Vgl. Frisch 1, 655 ; Schindler 2, 592. 

meinen, schw. vb. hauptsächlich in der 
Bedeutung: reilen, sprechen, wenn die 
Worte eines dritten angeführt werden : 
er meinte, er würde kommen, meint' 
er. Gewöhnlich mit pleonastischer Wie- 
derholung. 

meiselrtriUiff« m£seldr.. miseldr., mistel- 
dr., adj. 1) zusammengerollt, kraus, von 
fehlerhaft gezwirnten Fäden ; 2) übertra- 
gen: wunderlich, mürrisch. — md. und 
obd. verbreiteL Scherz 1022; Schindler 
2, 628; Anton 2, 11. 

ge-meeke, ad^j. 1 ) lüstern, 2) schnippisch, 
meckerfözzig: gelüstig. — Die 
Beziehung auf die meckernde (und lü- 
sterne) Ziege liegt nahe, indessen die 
Zwischenglieder fehlen. — meckaen, 
schw. vb. sprechen, reden. Die Leute 
mcksen davon (Weizenrodo hei Schweid- 
nitz). Nur durch die Ableitung von 
meckern geschieden, bair. meckezen, 
auch von Menschen. Schindler 2, 548. 

Mchlweisscn, kleine platte Pfefferkuchen 
(Breslau, Oberschleaien) ; sie werden am 
Sommersonntage an die Sommerkinder 
vertbeilt. In Brieg heisst dasselbe Gebäck 
Mandelkerne, in Strehlen und Nimptech 
Fuchslummern. 

meidern, schw. vb. qualmen , namentlich 
mit Tabakrauch. — Melder u. Staub beim 
ausfegen. Besser ist Möhler, als Ableitung 
von Moide, ahd. mhd. motte Erde, Staub. 
— Die Form Molter bei Schneller 2, 572. 

melzen, st. vb. v e r m e I z e n : das Getreide 
vermilzt, verdorrt vor Hitze (Jauer). 
Vgt. ags. miltan : sich auflösen , verzeh- 
ren; verwandt ist schmelzen. Malz ist 
eine Bildung aus unserem Worte. — 
Schroetter 2, 574. 

Mensch» st. n. 1) Mensch im Allgemeinen, 
noch in 'Peilau (bei Reichenbach) als 
Neutrum vorkommend; bei den Dichtern 
des 17. Jahrh. öfter, z. B. Opitz 1, 305 
(1629) ; A. Gryph. Card. Cd. 3, 76 ; Lo- 
henstein Ihr. Bassa 1,87; auch mhd.; heute 
noch fränkisch und nberpfälz. 2) Frauen- 
zimmer a) die Liebste; der Liebhaber 
heisst der Kerl ; durch ganz Süd- und 
Mitteldeutschland und am Rhein hinab, 
b) Magd, aber nur für Landmägde, wäh- 
rend in Süddeutschland ganz elegante 
Kindsmfigde sich selbst das Kiudsraensch 
neunen. Früher nilgemein und bis in 
die fürstlichen Hofstate hinauf ge- 
hraucht; Kammermensch, Kammerfräulein 
(Schweinichen). cjal« Schelte gebraucht. 



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r>2 



Ment — Mosanse. 



Mens, m. Lärm ; oinen schrecklichen Ment 
machen (Reichenbach). Vielleicht Ent- 
stellung aus Mette, bair. Mettn s Lirra, 
Gepolter. Schmeller 2, 049; vgl. auch 
die rolle oder trunkene Metten. 

Merge, f- Käthe! pfui, thu doch die Fin- 
ger aus dein Maule! siehstu nicht, wie 
sich die kleine Werkroörge so nichtig 
stellt? Günther 1000. — Marge bedeutet 
Mädchen , im poln. mercha mit üblem 
Nebengriff, litis, mergn, ron hier in die 
preossischen Mundarten aufgenommen: 
Margelle, Marjelle; im Posenschen 
bedeutet es altes Weib. 

Mrse, f. feminale; nd., auch schwäbisch 
(Schmid 381). Es scheint ursprünglich 
dasselbe Wort wie Meise, Tragkorb, 
Schmeller 2, 628; Stalder 2, 205, ahd. 
meisa, altn. meis. Für die Vermittelung 
mögen entsprechende andere Benennun- 
gen desselben Gliedes sorgen : Futlerkre- 
be Fastnachtsp. 749, 28; Futterwanne 
ebd. 181, 4. 327, 15. 375, III; Pfeffer- 
puchse, ebd. 274, 9; Schachtel, ebd. 857, 
4, noch heute gewöhnlich; Tasche, ebd. 
249, 13. 375. 2. Hieraus erklärt sich 
auch die für Weiber sehr häufige 
Schelte: Sack. 

Meste, f. 1) Büchse, 8chachtel , hölzer- 
nes Kästchen; 2) Frau, besonders eine 
starke, dicke ; »gl. das vorige Wort. — 
Die verschiedenen Mesten sind: Guck- 
meste: Guckkasten ; Pfeffermcste: 
Pfefferbüchse; Quargmestei Käst- 
chen zur Aufbewahrung des Quarges ; 
Salzmeste a) hölzernes Salzkfistchen 
mit Klappendeckel ; b) die stellvertre- 
tende Brautmutter, welche die Ehren- 
hut am Hochzeittage hat, selbst wenn 
die Mutter noch lebt; Star meste: 
Kästchen, das zum nisten für die Stare 
auf die Räume gesetzt wird; Strfiu- 
sandmeste: Sandbüchse. — Mone 
altd. Schausp. 119: den salzman mit der 
mesten, wozu Mone aus Würdtwein 
dioec. Mogunt. silig. V. 50 f. anführt: 
III. metretas vulgariter mesten. — 
Frisch führt ein böhmisches Meste auf, 
was im echt Böhmischen wenigstens nicht 
vorkommt 

Mette machen : onatiiren. 

.Tlilch» f. Ein durrer Mensch sieht aus 
wie der elf rippige Milchjude 
(Trebnitz). — Milchmarkt: ubera; 
alt und weitverbreitet, vgl. Zarncke 
zu Brant Vorr. 118. 

inilmig-, adj. zu Staub zerfressen, nament- 
lich von Bettfedern gebraucht, wie bei 
Hans Sachs und Schweiz. (Stalder 2, 
210). Besser als zu Milbe (miliwa), 
dem milmig machenden Thiere, ist 
dies adj. zu mclm (Staub) zu stellen, 
vgl. auch Schmeller 2, 566. — nd. mulmig. 

MÜthau* m. in alter Form statt Mehlthau; 
auch bei Lolienstein Agripp. 4 , 419. 



5, 287. ahd. mhd. millou. Schmeller 2, 
567; Höfer 2,258. 

Minel, M i nd el , Mtnzel, f. Kätzchen; 
mfnlagutt, minzolgut: katzenfreund- 
lich, schmeichlerisch. Die Form mitz im 
nördl. Niederschießen. — kämt. Muindl, 
Muindile, Muinzile. 

nitaplicb, *dj. ausgelassen vor Freude 
(Heichenbach). — schwäb. musper : inun- 
ter, lustig, beweglich. Schmeller 2, 642 ; 
elsäss. muster: lustig, frisch. Scherz 1086. 

misrich, mtstrich, adj. verkümmert, 
dürftig, von Kindern, Thieren und Pflan- 
zen; auch oblaus. — Aus miser? 

moi*{ren t in Igen, schw. vb. wie hd. wol- 
len. — Sprüchlein aus der Grafschaft Giaz : 
Knecht: Wie de Sternla funkaln ! 
Magd : Nu ! mlga se doch. 
Knecht: Nu! gimmer a Guschla ! 
Magd : Nu ! mag Ich doch. — 
In der alten Bedeutung k ö n n e u kommt 
mögen vor u. a. bei Schweinich»:n 2, 185 : 
weil dies» jähr ein gross miss wachs gewe- 
sen , dass ich also die 200 11. nicht ver- 
zinsen und die 120 fl. raietgeld geben 
mögen. — Berndt lührt auch mögen in 
der Bedeutung von dürfen auf. 

Molke, f. nach nd.Art das Milch- oder Käse- 
wasser , während in Oberdeutschland 
Molke alles aus der Milch gewonnene 
bezeichnet, namentlich Butter und Käse. 
Tobler 321. — M o 1 k e n d 1 e b, M o I k e n- 
t e 1 1 e r : gemeiner weisser Schmetterling, 
Kolweissling ; im Osterlande Molkendieb, 
im Fränkischen Molkensteler, Milchdieb, 
Milchtrut, inAugsburg Milchmaler (Popo- 
witsch Vereinigung der Mundarten 516), 
bair., schwäb., elsäss. Milemaler, was 
nichts anderes als Müller ist, schles. Mil- 
lermsler für Müller in der Kindersprache ; 
der Schmetterling heisstauch in Frankfurt 
Mfthler. Die weisse Farbe gab dem Falter 
diesen Namen; ebenso entspringen aus 
dieser Vergleichung die Namen Molken- 
dieb, Milchdieb, Milchtrut, westphäl. Mol- 
kentöwer: der Schmetterling ist durch 
diebisches naschen von Milch weiss ge- 
worden; mythische Vorstellungen von 
verkappten Elfen mischen sich ein. Mol- 
kenteller ist entstellt aus Molkensteler. 

Molle, erhalten im Diininut Mella, d. i. 
Möllein: Kalb (Weizenrode bei Schweid- 
nitz). — schwäb., fränk. Molle, Mollein: 
Stier, Kalb. Schmid 389; Schmeller 2, 568. 

moppein, »chw. vb. reisen , wohin mop- 
pein (Brieg). 

Moppe, M ii p p e, f. gemein für Mund, Maul. 
— nd. Mappe, engl, inop, fränk. Muffe; 
vgl. muffen. — mopsig, adj. sich mopsig 
machen: sich übermüthig benehmen; vgl. 
nd. mupsig, mürrisch; mopsen, maulen ; 
engl, mop; nl. moppen. 

Mosnnze, f. ein Gebäck: zu Breslau auf 
dem Turne becket man gute Mosanzen, 
Osterspiel des 14. Jahrh. Fundgruben H, 



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03 



320, 16; im 17. Jahrh. noch in Schlesien 
bekannt; in A. Gryph. Horribilicrib. legt 
Cyrille des welschenden Daradiridalum- 
darides Worte: si cela est dedans la 
aphere d'activite de vostre counoissance 
aus : es ist ein schweres Gehacke , rothe 
Eier in die Mosantzen. Das auch sonst 
vorkommende Wort wird mit Matz , dem 
ungesäuerten jüdischen Brote (mazah) 
zusammengebracht. Schmeller 2, 659. 

mö tischen , schw. Tb. beschmutzen , be- 
schmieren ; schmutzig und schlecht 
schreiben. — bemdtschen, voll- 
mdtschen. — kuhländ. Mot, obpfälz. 
Moud , fränk. Mud , rhein. Mutt , engl, 
mud : Kot, ünrath, schlammiger Wust 

Mötwulf, m. Maulwurf, entstellt aus 
Moldwerf: Erdwerfer. 

Muchel, m. Scheltwort, etwa tückischer 
Mensch (Reichenbach). — schwäb. Meu- 
chel : verdriesslicher mürrischer Mensch. 
Schruid 377; nach Schmeller 2, 544 furcht- 
samer Mensch. Der Begriff des heimlichen 
liegt in dem Worte und seinen verwand- 
ten, zu denen auch ahd. mücheo, müchihtri 
(Meuchler) gehören. 

mild ein, schw. vb. gemächlich mit den 
Händen worin arbeiten , mit den Händen 
worin wühlen: in der Erde mudeln. — 
vermudeln: auf laugsame und nutzlose 
Weise etwas verschwenden : Zeit , Geld 
vermudeln. vgl. bair. mudeln: streicheln; 
abmudeln, vermudeln: durch streicheln 
oder handhaben verderben. Schmeller 
2, 553. 

muffen, muffeln, schw. vb. kauen; auch 
bair., schwäb., fränk., nd. muffeln; nl. 
muffen, maffen. — Die Bedeutung maulen, 
Scherz 1081, ist auch oblaus. Vgl. Moppe. 
— Heranzuziehen ist Neithart (Beneke 2, 
379) : ir etelfcher möht daz sin gemüffe 
gerner läzen, wo esgleich rüemecsin steht. 

müflen, schw. vb. faulig riechen. Weit 
verbreitetes Wort, das auch in die roma- 
nischen Sprachen übergegangen ist ; der 
Begriff stockig, modrig liegt zu Grunde; 
vgl. nl. muff, ital. muffa: Schimmel. 
Frisch 1, 671; Schmeller 2, 554; Steider 
2, 218; Schmidt 116; Diez 234. 

Ge-mfille, n. Kehricht, Unrath, eigentlich 
das zermalmte; ahd. gamulli, rüdes; mhd. 
gemülle; muljan, conterere. — Weiter 
verbreitet, z.B. hessisch, bair. Frisch 1, 
668; Schmeller 2, 569; Diefenbach goth. 
Wörlerb. 2, 25. — Gemüllemann: 
städtischer Fuhrknecht , der mit dem 
Rufe : Gemülle raus ! durch die Strassen 
fahrt und das Kehricht aus den Häusern 
sammelt (Breslau). 

IV. 

n fernst, adj. jüngst verflossen: den nfich- | 
sten Ostertag. Günther 482; du meintest < 
nächster Zeit, ebd. 658. — adv. neulich: I 



mummeln, m u m p f e n. schw.vb. die Kinn- 
backen bewegen, langsam kauen. — 
muminerizen, schmollen. — Allge- 
mein verbreitetes Wort: Frisch 1, 672; 
Schmeller 2, 575 ; Stalder 2, 219 ; Scbmid 
394 ; Schmidt 118. Auch nd., nl. in n nunc - 
len, mompelen, dän. iuumle , schwed. 
mumla , mnmsa, engl, mump, mumble. 

ifliimpfel, entstellt aus Mundvoll ; früh 
nachweisbar und verbreitet Frisch 1, 673. 

murksen, schw.vb. verdrossen und lang- 
sam handeln und sprechen. — m u r k s i g, 
adj. 1) mürrisch, verdrossen, 2) lang- 
sam. — nd. Murk : mürrischer Mensch ; 
schwäb. murkein : undeutlich reden , un- 
ordentlich zusammenrollen , betrügen. 
Schinid 395. kämt, murggizen : leise und 
undeutlich reden. — Ableitung von mur- 
ren. Unverwandt mit dem Folgenden. 

murksen, schw. vb. abmurksen, ermurk- 
sen: ermorden. — nd. murken, murksen: 
tödlen , abschlachten ; fränk. murksen : 
grob schneiden, Murk, Bissen; bair. 
murkein : grob brechen. — Verwandt mit 
murzen, mutzen: mutilare; ital. mozxare. 

Masche, Mutsche,f. 1) Kuh, 2) lieb- 
kosend für Mädchen. — In der Bedeutung 
Kuh ist Musche auch Schweiz., Bcbwäb., 
westerw. ; bair. Motschen: Kalb. — 
Schweiz. Mutsche: untersetzte Weibsper- 
son. Stalder 2, 225; bair. gemeine Dirne, 
wobei es an das alte nnd auch nd. Mutze : 
cunnus, prostibulum (Scherz 1094, Brem. 
Wb. 3, 210), nl. mot , mahnt. Das nd. 
Mutze wird auch im guten Sinne für Mäd- 
chen gebraucht, wie das schles. Musche 
und das obd. Fut , Foze ; ital. mozza. 

museheln, schw. vb. zerdrücken, rollen, 

— zcrmuscheln, bemuscheln: 
durch drücken und rollen beschmutzen. 

— ahd. firinuscet, zimuscet: attritus; aus 
dem 14. — 17. Jahrh. Beispiele für zer- 
muschen , zerdrücken bei Schmeller 2, 
642 ; Schweiz, mütschen : zerschlagen, 
mütsch : morsch. Stalder 2, 226. 

.Mutter, f. für Frau, Gattinn häufig.— 
Mnttermen8ch: wenn einen Mutter- 
mensch , der sich mit mir verpflichtet. 
Lohenstein Epichar. 2, 332. vgl. mhd. 
muoterbarn. 

Mutz, wie MAtz, was z. s. — Wenn mer 
warn Mutzen hängen, sAl as Litterle trän 
(Gomolke) — Mutz, Mutzet : Liebkosung. 

mutzen, schw.vb. spielen, tändeln (Jauer). 

— Hängt es mit mutzen : schmücken, zu- 
- sammen ? — Vgl. Schweiz, mützen : be- 
haglich trinken. Stalder 2, 227. 

auf-mntzen , ist auch schles. vgl. Grimm 
Wb. 1, 692—695. 



mein Gut besucht ich nächst. Logau 10,53. 
— Weiter verbreitet, auch in der späteren 
_ mhd. Zeit; ebenso isl., altnorweg. naest, 



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<>4 



nachten - nicht. 



näehten, n eich ten, adv. gestern; vor- 
neehlen : vorgestern. 

Koridun war der belriibtste unter allen 

Bauersknechten, 
denn dor Teufel holt das liebste, sprach 
er : Nisa starb mir nechten. 
(Logau 4, 91.) 

Nächta, als der Mända sehen, rumpelts 

uf der Brücke, A 
für dar Hans de Kate hem uf der Ifa- 
krücke. 

(Anfang eines srhles. Liedes) ; oihd. neb- 
ten ; obd. und tnd. allgemein. 

.\arne, f. das nehmen: 1) die Mäuner- 
n a m e : Heirath. Scherffer 622. 2) Raub : 
teglich teten sie grossen schaden mit 
uame Schätzung und brande. Eschenloer 
2, 72. grosse name hatten etliche in 
ßeheim geholt, ebd. 2, 144. — ahd. nama, 
inhd. mime. 

>\nnne t m. Vater: Nann Adam. — Nann 
beisst dem paurvölkleiu so viel als vater. 
Scherffer 584. — Durnruses Naune. A. 
Grypb. gel. Dornr. — Im Kuhlandchen 
Gruossnaun : Grossvater; oberhess.Gnenn; 
im Simplicissiiuus und bei Scherz 601 : 
knän. — Schweiz. Nenne: Mutter. Vgl. 
ahd. ginanno, gnanno : cognominalis ; mhd. 
geuenne, rhein. Genang, nl. genant: 
Namensvetter. — Das ital. nonno, nonna, 
lothr. nonnon : Oheim, wovon das rhein. 
Nonk, Oheim, liegen ab; vgl. Die* roman. 
Wb. 240. 

!\jii!'ri schw. m. hab du Bettelleute zum 
Narren, aber nicht mich! Narren- 
schuss: närrischer Kerl , Mensch voll 
Narrheiten (Hirschberg). — narreu, 
schw. vb. 1) intrans. närrisch thun, n. sein: 
denn das gold der neuen Welt macht dass 
alle Welt sehr narrt. Logau 2502 ; 2) trans. 
zum Narren machen , zum Narren haben. 
Du wirst dich narren! = das ist anders 
als du denkst. — narrinzen: narrisch 
sein*, Possen treiben. 

\n*e, f. dem lnufts aus der Nase ins Maul ! 
dem fällt alles von selbst zu. — Der freund- 
liche Wegweiser: immer der Nase nach! 
auch schlesisch; vgl. Ayrer op. theatr. 
II. 126. rw. geh der Nase nach, so wirst 
ni t irr. — nasla gutt! nasla wart! 
drohender Ruf der Kinder, entstellt aus: 
na, das ist gut! na so wart! — Nasen- 
quetsche, f. Sarg aus glatten, aber 
schwarz angestrichenen Brettern mit fla- 
chem Deckel ;das letzte Almosen, das Blut- 
armeu und Selbstmordern von derGemeine 
gegeben wird. Nürnberg. Nasend rticker, 
Nascnpatscher. 

Untschen, uutschen, schw. vb. saugen ; 
— abnatseben: spöttisch für abküs- 
sen. — Auchoblaus. — N u ts c h, m. Stöp- 
pel, Zulp, Saugläppchen. — Nutsche, f. 
Saugbrust. Kernkronik 2, 723. — Schweiz, 
nätscheu, notschen, nutschen. — frank. 
uuUcheln. 



Untschen, schw.vb. weinen. Aucb oblaus. 
Vgl. knatschen. — Schweiz, nätzgen. 
achwäb. Nasch : Schluchzer, singultns. — 
naUchen und nätscheu scheinen verwandt 
mit netzen. 

naturen, schw. vb. intr. beschaffen sein. 
Ich bin nicht genaturt dazu (Berlhoids- 
dorf b. Heichenbach). Vgl. Cl. Hälzler 
267 ; Ambras. Liedb. 226, 80 ; Schindler 
2, 715;Slalder2, 232.— naturell, net- 
ter ^1, adj. natürlich, ganz und gar: „das 
eine ist naturell wie das andere. Er sieht 
dem Vater naturell ähnlich." Sehr ge- 
bräuchlich. — Schweiz, natral , nettral. 
Slalder 2, 232. 

Neffe, f. Nichte : 

Weil Ariane mir , der Ausbund dieser 
Erden, 

die Neffe meines Herrn , begonte hold 
zu werden. 
Lohenstein Epicharia 1, 124 (1665). 

Neige, f-, diminut. Negel u. ; hier nur zu 
erwähnen als ein schlesisches Lieblings- 
wort; übrigens allgemein bekannt. 

Neisse, Stadt und Festung, Hauptort de« 
früher fürstbischöflich Breslauer Lan- 
des Neisse. Redensart: Es möchte Maden 
regnen, wie zu Neisse. 

ncMen (Breslau, Glaz), n e I e n (Oels, Lieg- 
nitz), achw. vb. zaudern, langsam han- 
deln, langweilig reden. — NeMhana, 
N 4 1 p e t e r. — nd. Wort : nölen , nälen ; 
von da ins dänische : nöle. 

Nerre, f. schlechtes Messer. 

nerren, schw. vb. knurren wie die Hunde. 
— nd. nirren, von Katzen gebraucht. 
Vgl. und machen zwischen in wirren und 

werren 

dass sie des morgens gen einander 
nerren, 

als recht die huut, die da aneinander 
peisaen. 

Von einer meistei l. Predigt, Fastnachtsp. 
1159. Vgl. nirgeln, nergeln. 
nicht, n i o h, n i : bei Opitz vielfach nit ; bei 
ihm und andern schlesischen Schriftstel- 
lern steht „nicht" noch zur Verstärkung 
anderer Negationen : a) nichts nicht: 
die liebliche gestalt bricht nichts nicht 
seinen sin, Opitz A. a. (1625) ; die weil 
sie nichts nicht ist, 1, 204 (1029) ; denn 
nichts nicht , was mein Lorber-Schatten 
decket, wird durch den blitz erschrecket. 
Lohensteiu Agripp.4, 345. Dieses „nichts 
nicht" ist die volle Form, aus der sich 
unser einfaches nichts loslöste. Grimm, 
(irainiii. .1, 67 f. b) dass du kein Kind 
nicht hast. Opitz 2, 131. Noch hente 
allgemein zu hören, c) kein Mordstiick 
ist mir n ie n i c h t in Gedanken kommen. 
Loheustein Agrippina 4, 278. — nimme". 
nemme!, nicht mer, mhd. nie ra«5 ; im Mit- 
telwalder Dialekt noch stets durch „nicht'* 
verstärkt: elz is kein sella solwe neuime 
ne zu kriega. Sohöuig'a Gedichte. 



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Viemands, niemand (Hirschberg); vgl. 
Schnieder 2, 668; Zarncke zu Braut Kl, 2. 
Andere ältere Beispiele : Fastnachtsp. 
665, 7. 697, 12; Eyb.el.weib. 8. (U72). 
niemenscb, niemand ; abd. niemen- 
niscu, mhd. niemensebe. 

niederträchtig;, »""j. w,e atigemein so 
auch schlcs. für herablassend. 

nifleln, schw. vb. reiben , in : zernif- 
feln: alles zerninelt, zerfitschelt , zer- 
fezet. Scherfler.409. — niffen, niffeln, 
nifteu : bair. reiben , wetzen ; schweiz. 
stossen, stechen; westphäl. nuffen. 

nicken, schw. vb. sanft schlafen; ein- 
nicken: einschlafen. — mhd. nicken, 
nncken. 

nipfen, schw. vb. schläfern ; nipf: dormita- 
tio, bei Peter von Patschkau, Fundgrub. 1, 
385. Vgl. Schindler 2, 700 ; Höfer 2, 279. 

Nippel, n. (ursprünglich wohl roasc.) Penis. 
— Vgl. schwäb. Nipp : Stoss ; Schwöb., 
Schweiz, nopfen, noppen : stossen; nd. 
noppen, nubben; mnl. nopen; westerw. 
neipeln : streicheln. 

nu-freln, nergeln, schw. vb. knurren, 
keifen. — n er gl ich, adj. märrisch, 
keifend. Auch oblaus., fränk., — od., ul. 
nurken. — Vgl. uerren. 

Vischel, m. Kopf. Auch oblaus. und wei- 
ter verbreitet. — Schweiz. Nischen : 
Schopf. Stalder 2, 239. 

niessen, st vb. 

Wer der arbeit mark wil niessen, 
muss ihr Bein zu brechen wissen. 
Logau 2, 78. — G e n i e s s, m. Ertrag : die 
Zölle haben nit ihren geniess. Eschenloer 
1, 124. — was vor leiten schelmisch 
hiess , heisset ehrlich , bringt geniess. 
Logau 4, 16. genüssig, adj. vergnüg- 
lich. Kornkronik 2, 721. — unge- 
neussig: unersättlich, habsüchtig und 
neidisch. Vgl. Landsmann, du bist unge- 
neussig. Grobianus übersetzt von Hell- 
bach 48 (IS67). — geniesslich, 
genisslicb, adj. dasselbe. 

nieten, schw.vb. sich nieten oder genieten, 
sich woran erfreuen, noch bei W. Scherffer 
87: billich dess ineyen ihr euch wol 
genieltet: (gewüttet); mhd. nieten. 

Kitsehe, Kürzung von Nitbart; in Schle- 
sien sehr häufig als Familienname. Zu 
berücksichtigen ist auch im (wahrschein- 
lich) schlesischen Osterspiel des 14. Jahrh. 
bei Honmann Fundgruben II, 298, 19: „es 
sei Kunze, Heinrich oder Ott, Hensel oder 
Eckebart oder Nitsch mit dem grossen 
Bart", wo wir beliebte Namen der Zeit 
kennen lernen. 

Könne, f. 1) wie bd. — Nonnenferzel: 
k leine . Pfeffernüsse , verbreitete Benen- 
nung; nd. Nunkenfurte. 2) Sau, die zur 
Begattung unfähig gemacht ist. Frisch 2, 
23; Schweiler 2, 690; Stalder 2, 246. 

Not, Nut, f. da ist keine Not um Angst : 
darum darf man sich nicht ängstigen. — 



- Nonne. 65 

nötig, adj. mit activer Bedeutung: 
drängend, geizig (Beichenbach, Schweid- 
nitz). — Vgl. abd. ganöti parcus, nötac 
violentus ; mhd. nötec dürftig, arm. 

na, sehr gewöhnlich beim Beginn der 
Rede. In Antworten wird zuerst die Frage 
mit einleitendem nu wiederholt, und dann 
folgt die eigentliche Antwort. 

nöricln, schw. vb. rollen, kneten, Nebenf. 
k u fl d el n. 8ehmeller 2, 682; Stalder 2, 
245. Vgl.nl. knuidclen; altn. hnudla. — 
Nudel, f. wie hd. — Nudeldrücker: 
filziger knausriger Mensch. 

ge-noge, genung. adj. ihr könt alleine 
geben genüge rechte lust. Opitz qu ij. 
(1625). — genung haben: befriedigt sein, 
oder wie schlesiscb noch gesagt wird : 
vergnügt sein. Altere schlesische Be- 
lege : es ist der sinnen pest nur stets nach 
eren streben und nie vergnüget sein. 
Opitz 1, 246 (1629); hatte Ariovist sich 
mit deneji gewonnenen Sequanern ver- 
gnüget. Lohenstein Armin. Thusn. 1, 19 
(2. A.) — Frisch 2, 23. 

nuck nuek, Lockruf der Schweine, daher 
Nucke, f., Nuckerle, n. Schwein. 
— Osnabrück, nöks. 

Nulde, f- Nadel, durch die Form Nalde 
vermittelt. Kniffelnulde: Knöpflein- 
oder Stecknadel. — Nolde, aens, Scherz 
1129; rhein. Nölde , nl. naald. 

Xülle, Nille, f. Penis; nd. Nille. — Die 
Bedeutung Hure, welche das Wort nach 
Bernd t schlesiscb hat, und die auch 
oblans. vorkommt (Anton 10, 18) wird 
durch die ältere: vulva, vermittelt ; vgl. 
nol, vüedelnol. Minnes. Hag. 2, il3 b . 3, 
217'; bei Fischart mit Beziehung auf diese 
Bedeutung : Niillenpruck, Gargnntua c. 16 , 
Nollplon c. 21. 

Nulpe, L Tabakspfeife; vgl. nupeln. 

numpern, nunschkern, im nördlichen 
Niederschlesien auch : unschpern, 
unschken, adj. winzig, gewöhnlich 
durch vorgesetztes „klein" verstärkt: ein 
klein numpernes Kind. — Die rfilhselhaf- 
ten Formen scheinen entstellt aus winzig, 
wofür schwäb., pfälz., westerw. wunzig, 
Schwab, auch nunzig, kleinnuuzig (Schmid 
394) erscheinen. 

IVunne, Nunnei, Ninne, Ninnei, f. 
Wiege iu der Kindersprache : in die 
Ninnei gehn. — ninzen, schw. vb. in 
der Wiege schlafen (Heichenbach). Auch 
in der Acbener Mundart: Nina: Wiege; 
ninanen: schlafen. Müller-WeiU 164. 
Susaninne: Wiegeuliedchen : 

Dein Lied war einerlei nur stets vom 

Klosterleben, 
izt gehts (belachs nur mit) auf Susanin- 
nen aus. Günther 39">. 
Von diesen Liedern haben sich H*sto 
erhaltennunu : 

Sause nunne sause, 

der Pap» ist nicht zu hause, 



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mlpelo — oek. 



wenn er wird nach hause kommen, 
wird er schon geklingelt kommen, 

kling, kling, kling! 
Sause ninne sause ! 
die Kitsch is nich zu hause, 
sie is einmal zum Nupper gangen, 
wird sich wol e Mäuse! fangen, 

hunni sausi ! 
Nunne, nunne, nunnel 
der Bubu sleckt in der Tuune, 
er hat en weissen Kittel an, 
er will das liebe Kindel han, 
das kriegt er nicht, das kriegt er nicht! 

(Reicheubach). 
Vgl. Fiedler Volksreime aus Anhalt S. 19. 
Woeste Volksüberlieferungen aus der 
Grafschaft Mark 1. und weiteres bei 
Hotfmanu Geschichte des Kirchenliedes 
421 (2. Aufl.) wo susA ninne als „saus 
Liebchen" erklärt wird? — Vgl. pripp. 
nuneln, nuppelo, echw. vi», saugen. — 
Nupel, mit ümstelluug: Nulpe, die 
Tabakspfeife. — Oblaus. bair. Schmeller 
2, 700. 

Näselte, f. schlechtes Messer. — Aach 
oberlaus. bair. ; von den slawischen Nach- 
barn entlehnt : poln. noz , böhm. duz. 



' nüseln, nA schein, nischeln, schw. 
vb. undeutlich durch die Zähne oder die 
Nase reden; annuscheln einen: un- 
deutlich und mürrisch anreden. 

weil nun die weit wie ein kindisch alter 

greis, 

beissig garstig sattsam wird, bloss auch 
nur zu nuseln weiss. 
Logau 1170. — ahd. nisil4n ; Frisch 2,24; 
Schmeller 2, 71 1 ; Stalder 2, 246 ; Anton 
10, 16. 19 ; Müller-WeiU 167; nl. neu- 
zelen. 

Nun«, f. die gleiche Aussprache von Nüsse 
(nuces) und Nisse (leodes) wird 'zu fol- 
gendem Spasse benutzt, den man sich 
mit Obstweiberu macht: Mutter, hat sie 
Nisse? „Ja!" Nu, da hat sie auch Läuse, 
nütteln, schw. vb. sich hin und her bewe- 
gen, geschäftig sein, bei Günther 853 • 
Du bist auch nicht selten da, wo man 

Stachelnüsse schüttelt, 
und man weiss schon dass dein Kiel an 
den kleinen Tellern nüttelt, 
über welchen Alcimene artig und ga- 
lant coupirt. 
ahd. hnutle'n, vibrare. — Frisch 2, 24; 
Schmeller 2, 720. 



ober, «eher, prfipns. seber der Kerche. 
— adj. in der asbersten Mühle, im Aeber- 
durfe.ufm Aeberboden; — oben, übn, mit 
näherer Bestimmung : drübn, druba, 
düba, diba; hiebn, hieba. — Da- | 
von die Adjectivbildungen: öhig,ubig; 
dribig; hie big: ober; jenseitig; 
diesseitig. Auch oberpffilz., fränk., md. 

Oehne, t'chseschw. m. Ausser der ge- 
wöhnlichen Bedeutung bezeichnet das 
Wort die Luftblase, die sich unter der Eis- 
decke bildet und darunter hinfährt, wenn 
man durch eiu kleines Loch hineinblist 

öder, üder, Ader, pari, für aber, wie 
Aber für oder gesagt wird : Ader ich 
sA dersrh , fulg nu basser. — ich Aber du, 
e*ner müss's sein. — Diess oder, adir für 
aber ist allgemein mitteldeutsch und fin- 
det sich bereits in mhd. Zeit. Ilückert j 
zum h. Ludwig 29, 16. — aber für oder j 
ist auch laus. bair. 

Oder, Uder, f. der schlesische Haupt- 
strom; in den noch heute ausgedehnten 
Oderwäldern hausten früher viel W3lfe, 
daher ist der Oderwolf stehend in 
Redensarten : heulen , hungern , fressen 

A wie ein Oderwolf. 

Ofen, Cfn, m. der B a ck of e n ist ein- 
gefallen: die Entbindung ist erfolgt; auch 
bair. Schmeller 1, 33. Vgl. auch Günther 
•563: sobald wird ein Geschrei aus Adels- 
dorf erschallen, das kleine Vogelhaus sei 
plötzlich eingefallen. Zu beachten ist auch i 
Simplicissimus herausg. von Keller, I 



S. 1044: „wäre der inficirte aber so star- 
ker Natur, dass diese erzehlte Mittel 
nichts verfangen wolten oder könten, 
alsdann ist das beste Mittel, dass man mit 
ihm in den Backofen wische, damit er 
gantz neu umgebacken werde." Der 
Schluss beweist, dass hier nicht :iu das 
Mittel, Aussatz im Backofen zu vertreiben, 
zu denken ist. — Ofen helle, f. Kaum 
zwischen Ofen und Wand, iu der eine 
Wandbank, die H e 1 1 e n r i t s c h e , II e I- 
lenschemmel steht; weiter verbreitet. 
— Ofenrand: Gesims am Ofen, das 
zum Wärmen von Flüssigkeiten in kleinen 
Töpfchen benutzt wird. — Ofenstange: 
Stange , die längs des Ofem zum Wäsch- 
trocknen benutzt wird. — Ofenstein: 
die mit Steinen oder Ziegeln gepflasterte 
nächste Umgehung des Ofens; darüber 
sind die Schieissen (Kienspaue) ange- 
bracht, welche das bäuerliche Reteuch- 
tungsmittel sind. Freundlicher Spruch, 
der die Abendgäste zum Autbruch ennhut : 
Es dunkelt um den Ofenstein, 
Ihr Hockengä'uger schert euch heim, 
oek, ocke, ack, och, eine beliebte 
Partikel des Schlesiers , die sich etwa 
durch: nur, bloss, doch, wiedergeben 
lässt; hir ok! gib ok! — ich hätt ok a 
kle*ss Pakstla. — Die Partikel, die weit 
verbreitet ist, lautet im Kuhländchen 
ocker, hess. ockers, westerw. nassau. 
ackers , nd. ockers, rhn. eckersch, und 
ist augenscheinlich das mhd. ockert, 



i 



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okrftt - Pappe. 



G7 



eckert, ahd. eckorodo (Grimm Grammat. 
III. 113, «A3; W. Wackernagel Glossar 
CIX). Im 14. Jahrb. hatte sich ockert in 
den östlichen Gegenden schon zu og ver- 
kürzt , wie Stellen in Jeroschius Kronik 
(Franz Pfeiffer Beiträge 1, 202) bewei- 
sen; daneben dauerte aber ockert fort 
(Leyser Predigten 153). — Der Meinung 
Friedr. Pfeiffers (Untersuchungen über 
die IWpgowische Kronik, Breslau 1854, 
S. 73), dass unser ock das gotb. ak, abd. 
oh sei , ist nicht beizustimmen. 

Akrot, dkrltsch, s. Kret. 
Olprotze, s. Getze. 

'Hineilt 'Omer, f. plur. ßrandasche; die 
brennenden Büschel , welche bei einer 
Feuersbrunst umherfliegen (Reichen- 
bach); schl. für Anier, Grimm Wb. 1, 192. 
279. 

*0 nisset ?• Ameise; auch oblaus. elsäss. 
Oineis, luxemb. Omes, Westerwald. On- 
utetz, kämt. Uraasse ; vgl. Grimm Wb. 
1,277, und obeu S. 17. Eiuse. — O m s s e n- 
bä r : Ameisenbär, als Schelte gebraucht 
— oinssen, schür, vb. wie Ameisen 
wühlen , von prickelndem Schmer/, ge- 
braucht; auch oblaus.; gleichbedeutend 
ist ömern (Jsuer). 

Ort, n. 1) Ende, Spitze; den Balken am 



stärkeren Orte heben. O r t s t ä m m e : die 
äussersten Seitenstimme der einzelnen 
Abtbeil ungen der Langflösse. — Ort- 
bet: die Stelle wo der Pflug zur neuen 
Furche umgewandt wird , der Anwand. 
— Ortscheit, drischt: Holzander 
Deichsel, an welchem die beiden Wagen 
hängen und worin der Schlossnagel steckt. 
Andere Namen dafür bei Popowitsch Ver- 
einigung der Mundarten 421. 2) Ort, 
Stelle , Absatzort für Milch- und Butter- 
weiber : sie hat die Milcb blossig in die 
Aerter , d. i. für ihre festen Kunden. — 
Dienstort. 

Otter, richtiger Atter, f. Natter. Vom 
Atternknnig weiss auch die schlesische 
Sage mancherlei zu erzählen. Er wird 
durch den Altern ffinger mittelst einea 
Pfeifchens herbeigelockt; diese Land- 
streicher, vou denen sich in den Sagen 
manche Spuren finden, scheinen zugleich 
Spielleute und Märchenerzähler gewesen 
zit sein. Vgl. hiezu: 

Die Welt ist keines Günthers werth. 



sie braucht nur schlechte 
Sänger, 

indem sie von dem Otterfanger 
auch ungereimte Lügen hört. 

Stoppe Parnass 42. 



P. 



i , schw. vb. schreien, blocken, na- 
mentlich vom Kindergeschrei (Neurode), 
ptekera, für poekeln. 
Pallast, m. eine Pitilastkuh: Prachtkuh. 
pumpern, schw. vb., 1) weichlich sein, 
kläglich Uiun; 2) leckeres kochen und 
braten. — Pamper. m. weichlicher 
Mensch. Hosenpamper:l) kleiner Jun- 
ge, der sich in den Tlosen noch ungeschickt 
benimmt; 2) kindischer, ungeschickter 
Kerl, Hosenscheisser. — p a m |» r i c h, adj. 
wie ein Pamper. — Schweiz, bampen, bam- 
peln : ungeschicktsein, naschen. Stalder 1, 
128: österr. Barn bei, Bampel: dickes un- 
behilfliches Weib; schwäb. Pampes: klei- 
ner Kerl, Hosenpampes ; bair. pumpet: 
untersetzt. Vgl. pimpeln. 
Pams, P am ps, in. dicke pappige Masse, 
z. B. im Tintenfasse. — p am ps ig, adj. — 
Verwaudt mit Pappe, Paps. — bair. kämt. 
Pampf, westerw. Painpch, nd. Pampe. 
Pamüehel , P a m u f f e I, m. Duckmäuser; 
geduckter Mensch. P amuf felgesich- 
te: Schelte (Reicheubacb). Vgl. Muchel. 
panschen, pantschen, schw. vb. 1) im 
Wasser herumschlagen mit Händen oder 
Füssen; 2) Flüssigkeiten mischen: ge- 
panschter Wein, gefälschter Wein. — 
verpanschen: die Frucht abtreiben. 
— Pansch, in., nasser Schmutz: in 
Breslau ist fast das ganze Jahr ein rech- 
ter Panisch auf den Gassen. — kärntn. 



i, herumwühlen iu etwas; frink. 
pantschen : mischen, verfälschen ; Schweiz, 
banschen: rütteln, schlagen. Vgl. auch 
Frisch 1, 60 und patschen. 
Pnntsch, m. voller Bauch, Wanst; von 
Berndt aufgerührt, mir unbekannt. Vgl. 
Grimm Wb. 1, 1119. 
Papolsehla.n. pl. Springauf, convallaria 
majalis (Lnngenbielau). Wäre es aus Ba- 
hnscblein entstellt? die Blümchen die wie 
Bnbuschen (w. z. s.) sich im Grün ihrer 
Blätter verstecken? 
Pappe, Papps, m. Brei; Mehlpappe, 
Griesp. , Kartoffelp., Kürbisp., ßirnenp. 
— Pappe im Maule haben: undeut- 
lich, wie mit vollem Munde reden. 

„Es klingt als hättet ihr den Pappe noch 

im Maule, 

wenn euch Flachshecheln hat zu reden 
was beliebt." 
Hoffmannswaldau u. a. Ged.4, 314. Pappe 
ums Maul schmieren: mit Schmei- 
chelworten berücken; vgl. das ältere: 
Bappe einstreichen, mit Bappe geschwei- 
gen. Grimm Wh. 1, 1118. — Pappe- 
kind, n. Kind, das noch mit Pappe 
(»etil- oder Griesp.) genärtwird; kindi- 
scher weichlicher Mensch. — Papp- 
stoffel, m. Mensch, der undeutlich 
spricht, vgl. pipern und päppeln. — p a p- 
pen, schw. vb. essen, in der Killder- 
sprache ; auch kämt. — päppeln, p e p- 



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08 



paps — Penkert. 



p e I u, schw. »b. zärtlich mit einem Kinde 
oder mit einem Kranken umgehen. — v e r- 
p a p p e I u : verzärteln , mhd. pepeln ; 
Schmeller 1, 290; Steider 1, 121; nd. 
verpepeln. 

paps! Schallaut: pappst da fiel was. — 
p a p p s e n, fallen. — nd. Babs, Behalten- 
der Schlag. 

Pnrehe , »chw. m. Pferch, Planke, Pal- 
lisade. „Doch endlich Hessen die Bressler 
du» Cluster S. Vincentii umgraben und mit 
parchen pasteien und weren anrichten. 
— Dessgleicheu zu Namssla Hessen sie 
einen neuen parchen umb die «tat sieben 
uf dem äusersten wale." Eschcnloer 1, 
223. Denkt och, wie oich war, do er noch 
xe nachte über den parchen stieget. A. 
Grrph. gel. Dornr. 

pardcrbipkigr* perderhekisr, adj. ver- 
drüsslich, unsinnig (Reichenhach). 

Iinrl&ren, pol i reo, schw. Tb. reden, 
schwatzen : 

daran französisch ihr parlaren habt 
gemüsst. Scherner Ged. 650. 
barlaren, im rotbwelsch des dreissigjähr. 
Krieges: reden, sagen, plaudern. Scberf- 
fer 425. In der „Feld-Sprach" jener Zeit 
barlen: reden. Philander von Sittenwald 
II. 629 (1050). — Aus dem roman. auf- 
genommen. 

paschkalern, schw. Tb. 

„wo neben das Knie man anfesselt die 

Sorgen, 

paschkalert und schwermet von Abend 
in Morgen." 
Scherffer 579. — Aus pokuliren ? 

Pate« m. f. wie hd. — Patenmauer: in 
Schlesien schenken die Palen dem Kinde 
einen Acker, der Patenmauer genannt 
wird. Grimm, Gesch. d. d. Sprache 183. 
Mir unbekannt. 

patschen, schw. vb. einen Schall hervor- 
bringen, 1) durch Handschlag; Patsch, 
in. Hundschlag, Handdruck ; Patsche, f. 
Haud; 2) durch treten in der Nässe; im 
Wasser herumpatachen. — patsche- 
nass, klatschenass. In die Patsche 
kommen; in der Patsche sein, sitzen: in 
deu Dreck (und übertragen) in Noth und 
Verlegenheit kommen oder darin sein ; 
3) durch schwatzen: klatschen, plaudern. 

— auspatschen etwas: ausplaudern. 

— Schon mhd. patschen (Dietricb's Ge- 
sell. III). Weitverbreitet: Stalder 1, 142; 
Schmeller 1, 302 ; Höfer 2, 308. nd. hal- 
sen, Bats; dän. baake; norweg. baska. 
Vgl. pantschen, das als jüngere, durch 
Nasal erweiterte Forin zu fassen ist und 
mit den vou Diefenbach gnth. Wb. 1,273 

„ herbeigezogenen Worten nichts gemein 
hat. — putschen, schw. vb. gleichbe- 
deutend mit patschen , besonders aber 
gebraucht für 1) mit der Huderstange auf 
den Grund fahren und deu Kahn fortstos- 
son; anderwärts putschen ; 2) schwer und 



schleppend gehen. — Putschen, f. pl. 
plumpe und schwere Schuhe; auch kärntn. 

Patschkau, Stadt im Neisseschen, nahe 
der Österreich. Grenze. Euphemistisch 
aagt man: leck mich zu Patschke,da ista 
nicht weit ins Kaiserliche. — Den Knopf 
des Patscbkauer Kirchturmes müssen die 
alten Jungfern nach ihrem Tode scheuern 
und die alten Junggesellen das Wassar 
herzutragen. — Zu einem langsamen : 
kumste doch gezohn wie Werner vo 
Patschke (Gouiolke). Die darin liegende 
geschichtliche Beziehung ist mir dunkel. 

Patz , m. Schmutzfleck. — Patzkopf: Kopf, 
auf dem Hare und Grind in eins gebacken 
sind. Vgl. batze bei Grimm, Wb. 1, 1160. 
— p a t z i g, adj. trotzig ; ursprungl. dick, _ 
derb. Grimm Wb. ebd. — nd. pattig, 
pratzig. 

Patz, m. aufgenähter Zenglappen. — pa- 
tzen, schw. vb. flicken, Lappen aufflicken. 
Aus basten, besten entstanden; eine Bil- 
dung aus best und mit biiessen verwandt, 
das neben der allgemeinen Bedeutung 
„bessern" auch die von flicken bekannt- 
lich hat. 

nettem, schw. vb. fortjagen, treiben; 
frank., obd. pfeffern: schlagen, mit Ruthen 
hauen (Schmeller 1, 306). Der nd. Anlaut 
ist in andern md. Mundarten (westerwäld. 
Schmidt 133) häufiger nachzuweisen. 
Vgl. auch altköln. paffe, Pfaffe. 

Pelz.m. 1) wie hd. — Klatschpelz 
Pelz von Lämmerfellen. — Kitschel- 
p e 1 z bei A. Gryph. gel. Dornr.: Pelz von 
Katzenfellen. — Zippelpelz: Pelz von 
Lfimmerschwänzen, als die gewöhnliche 
Bauernlracht bei Logau 1586 erwähnt. 

Du Schelme, du Bauer! so zierliche 

Titel 

verehrten die Krieger den Bauern ins 

Mittel ; 

nun Krieger getreten in Z i p p e l p e t z- 

orden, 

sind dieserlei Titel Besitzer sie worden. 
Pelzel, n. Stückchen beharten Rehfells 
an den Blaserohr bolzen; anderwärts Pelz- 
kappe. — Pelz brich für Pelzwerk; 
Pelzfleck: es liegt mir wie ein Pelz- 
fleckel auf der Brust : habe Brustbeklem- 
mung. 2) Haut, Fell im Allgemeinen. 
Sahnpelz: Haut über der Sahne. Einem 
den Pelz waschen: ausputzen, tadeln, vgl. 
Grimm, Wb. 1, 1456 ; 3) das schwammige 
Fleisch in Obst und andern Früchten ; 
vgl. Schmeller 1, 282; Schmidt 133. Von 
der Semmel, deren Oberfläche nicht Farbe 
und Härte bat: sie ist unter dem Pelze 
gebacken. 

pelzen, schw. vb. prügeln, forttreiben, 
durchpelzen, durchprügeln. — Auch 

Oldaus. — Schmeller 1, 283; Stalder 1, 

156; Schmidt 133. engl. pclt. 
Penkert, kleines Taschenmesser, Kniflke. 



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69 



persehen» parschen, paarschein, 
schw. vb. sich brüsten, aufblähen ; in der 
Kernkronik 2, 723 pörsen, pörseln. Auch 
oblaus. — »fad. parz*hi, rahd. harzen : star- 
ren; österr., bair., kärnt harzen: hervor- 
stechen, starren, sich brüsten. — P e r- 
schel, Psrschel, P i e r s c h e I , m. 
hü rtig'er starrender Büschel;Grasperschel: 
Blütenkolbe des Grases; Baumpreschel : 
Wipfel; Perschel Hare. — Spinn en- 
psa r s c h e 1 : Borstwisch gegen die Spin- 
nenwebeu; auch als Schelte gebraucht. 
— ohlaus. Pörschel. 

peiien, schw. vb. wiegen, wägen. — Päse, 
f. Wicht, Gewacht. — Auch sonst md., 
z. B. wetterauisch. — peisen Frisch 2, 
43; franz. peser, ital. pesare. 

p^stern, schw. vb. heraustreiben, fort- 
jagen. Pfeatern, wie zunächst herzustel- 
len ist, wäre hd. pflastern, actitiv zu 
pfansten : schnauben, keuchen, Schneller 
1, 323. Aus Luther führt Scherz 1187, 
pausten an ; auch posen ; nd. pusten. 

Pfnnke, schw. na. Pfannkuchen, Krapfen; 
auch Pfannenkloss. 

Pfeffer, m. wie daa Fleisch ist, so ist der 
Pfeffer. A. Gryph. Horribilier. — Pfef- 
fer r e i b e n , wird von geziertem ren- 
kendem Gange gesagt. Im Pfänderspiele 
kommt folgender Spruch vor : 
Ich armer .Mensch, was musa ich leiden, 
muss mit dem A. Pfeffer reiben, 
mit der Nase Rüben graben, 
mit den Zähnen Möhren schaben, 
mit den Augen Wasser tragen. 
Folgende schöne Reime dürfen nicht vor- 
enthalten werden : 

Bs gieng ein Mädel von Saberwitz 
nach Purtewitz zum Tanze, 
aie hatt' den A. mit Pfeffer beschmärt, 
Gott sakerment ! wie rannt" se l 
Von einem Menschen, der sich in alles 
mischt: er mengt sich nein wie Quarg in 
den Pfeffer. 

Pfeife! , n. ärmlicher Weiberrock. Ver- 
kleinerung zu dem alten, obd. noch er- 
haltenen Pfeit; vgl. meine deutseben Frau- 
en 407. — Die Nebenform Pfeife! ist 
nur ein Versuch, das unverständlich ge- 
wordene Wort zu deuten als ein Röck- 
ehen, durch welches der Wind pfeift, wie 
man auch dafür F I ö t e I sagt. 

Pfiog'Mtleuer erwähnt Berndt als achle- 
sische Sitte; ich kenne nur die Johannis- 
feuer, ludessen könoten jene im südostt. 
Obersohlesien vorkommen, denn in Kra- 
kau und auf den nach Schlesien streifen- 
den Karpathenzügeu habe ich sie gesehen. 
In Steiermark beginnen sie mit den Win- 
dischen Büheln, der Grenzscheide zwi- 
schen deutschem und slavischem Volk; 
die deutschen Theile Sleiers und 
Kärntens haben die Osterfeuer. 

Phinunne, f. Geld (Trebnitz), ans dem 
polo. pieniadze, das wieder ans dem 



deutsehen Pfenning entlehnt ist. Vgl. 
henneberg. Pßns, Profit. 
Pflaume, f. Pflaumfeder: 

wer artig pflaumen streicht und 

angibt wen er kann, 
den zeucht man Kirsten vor. 
A. Gryph., Leo Arm. 1, 25. Pflaumen 
streichen, gleich dem ähnlich bedeuten- 
den, häufigeren Federn klauben (Zarncke 
zum Narrenschiff 100, 8), so viel als 
schmeicheln; nl. pluimstrüken; vgl. auch 
Frisch 2, 54. 
Pflaume, f. 1) wie bd. 2) Nasenstüber, wie 
nd. Pluine. 

pfnuchzen, pf nutzen, in der Kernkro- 
nik pfnutschen, schw. vb. schluchzen : 
was ich itz mit halb erstarrter zungen 
und pfnuchzend habe vorgedrungen. 
A. Gryph. Oden 1, 7. das pfnuUcn dringt 
hervor. A. Gryph.Papin. 5, 453 ; — Frisch 
2, 56; Schindler 1, 330; StaMer 1, 164; 
Tobler 47. — Aus heutigem Sch lesisch 
mir nicht bekannt. 

Pfuftel, Pfeudel, m. Pfütze, Lache: 
Schweinichen 1, 217; 2, 24; dann die 
lachen und pfudeln umb die stadt, darein 
die handwercksleut allerley unflat werf- 
fen, geben einen bösen donst uud ge- 
•tanck. Cureus-Rälel 304 (1607); Mist- 
pfudel, Scherffer Ged. 428. — Aus pfu- 
delnass (Fischart Gargantna S. 83, 
1590), oblans. pfitochefudelnasa, wurde 
achtes, zupudelnass; daneben kommt 
vor pfützenasa. — Daa Wort scheint heute 
in Schlesien ausgeatorben ; in der Ober- 
lausitz ilii^egeu heisst die Mistlache noch 
Fudel ; Appenzell, ist Pfuda der Ausguaa- 
trichter in den Küchen. Tohler 48. 

pimpern, schw. vb. wie pampern: weich- 
lich und kränklich sein. — pimplich, 
adj. weiblich, weibisch. — Weiter ver- 
breitet. 

Pimpernfiasel, Pumpernüssel, n. 
kleine viereckigePfeffernüsse von schlech- 
tem Teig, gewöhnlich aus den Teigresten 
gebacken, die zum neckischen werfen 
bei Kindtauf- und Hochzeitichmäusen 
benutzt werden. Die Jungfern bei diesen 
Gastereien haben für diese Munition zu 
sorgen. — Pimperuuss ist eigentlich die 
wilde Pistazienmandel. Frisch 2, 60; Hö- 
fer 2, 314. 

Pinke, f. Geldsäckel, aus dem poln. pe.k, 
Bündel. Von dem goth. puggs und dessen 
verwandten (vgl. Diefenbach goth. Wörtb. 
1, 338) scheidet der Vocal unser Wort. 

ptnken, schw. vb. ahmt den hellen Schlag- 
laut nach; gebraucht für 1) schmieden; 
Pinke, f. Schmiede; Pinkepank, m. 
Schmied. Scherffer 398; vgl. Gr im in Wor- 
terb. 2, 36; Brem. Wörterb. 3, 310: 

2) Feuer mit Stahl und Stein schlagen ; 

3) schlagen wiedie Finken: wenn mau das 
angenehme Pinken der Finke, die oft 
schweiget, nicht mehr hören kann. Stoppe 



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70 pinkela 

Parnass 43. — Die Ablnulformel |>ink 
pank wird als Nachahmung des Glocken- 
geläutes gebraucht in dem Rinderreim : 

Pinke pank 
Zuckerkant, 

lasst den Todten liegen, 
wird uns ja nicht kriegen, 

der über ein sich todt stellendes Kind 
gesprochen wird, welches dann rasch 
aufspringt und die andern zu fangen 
sucht (Reichenbach). 

pinkeln, schw.vb. raejere.Vgl. Grimm Wör- 
terb. 2, 36 ; Ambraa. Liederb. 93, 39. (die 
Frauen) können wainen, lechlen, pinck- 
len, wenn sie wollen. Auch hamburg. — 
Schwed. pink, pinka; norweg. pink: 
unreiner Branntwein. 

pinseln, sehw. vb. wehklagen, weinerlich 
jammern, klinselu; nd. pinsen ; preuss. 
pinseln. Brem. Wörterb. 3, 319. 

Plnt, m. Penis; nd. pint; engl, piutle. 

pipen» schw. vb. 1) wie allgemein: rufen 
oder schreien wie ein Vogel. — P i p e 1 , 
n. Vögelchen. — P I p h a n , m. membrum 
virile; auch nd. 2) klagen, kränklich 
thun. — p t p i c h t, adj. weichlich. Grimm 
Wörterb. 1, 1808; Brem. Wörtb. 3,321. 

Pippelt Pippelauge, Triefauge: 
keine mit vermaffter Nase, 
keine Pippeleugin nicht, 
noch die schwer und stotternd spricht. 

Scherffer S>60. 

pirln, perln, pirdeln, perdeln, 
schw. vb. verpirln: verderben, ver- 
pfuschen, namentlich auf geistiges, we- 
niger auf Sachen verwandt Die Freude 
ist verpirlt. — pirln steht für quirln, 
verquirlen : verderben. 

Plrl, f. Kindtaufschmaus (Glogau). 

pischen, schw. vb. die Kinder einschlä- 
fern, ein Schallwort. — pi s c h p e r n : flfi- 
stern, wispern ;bair. einpüschen. Scbinel- 
ler 1, 300; hess. pischen, paschen, pe*- 
sen, pfuschen ; sebwz. bismen. — pispern 
ist md. weit verbreitet und auch von 
Göthe n. a. gebraucht. 

Pitfichen, Städteben im Kreuzburgischen; 
hier lieferte 1588 Erzherzog Maximilian 
den Polen unter dem Grosskanzler Zamois- 
ki die bekannte unglückliche Schlacht, 
In welcher er gefangen wurde. Die Erin- 
nerung an diesen Feldzug haben alle fol- 
genden Kriege in Schlesien nicht ver- 
wischen können, und von einer recht 
wüsten liederlichen Wirthschaft sagt 
man noch heute: a* geht zu wie im Pit- 
schenkriege. 

pttschen, schw. vb. trinken, zechen; sich 
bepttschen: betrinken (Langenbielau). 
Auch oberlaus. — Ans dem poln. pic 
trinken und ohne Zusammenhang mit 
süddeutsch. Butsch, Rutsche: Trinkge- 
fäss; butschen: anstossen. Schmeller 1, 
226;Stalder 1, 230. 



- Plan. 

Pitt;, m. Busen, in gemeiner Rede; auch 
nd. Dagegen ohne niedrigen Sinn P i tz e,f. 
1) Brustwarze; 2) Muttermilch ; die PiUc 
geben : sängen. — p i t z e n, schw. vb. 
saugen , von Kindern und Thieren ge- 
braucht; zu pitzen geben: säugen. — 
Pitz scheint eins mit biz : Bi»s, Speise : 
es ist die erste Speise, der erste Bisa, 
den der neugeborne Mensch tliut. Busen 
ist abgeleitete Bedeutung. Trotz des ver- 
wandten Klanges sind frauz. pis, Euter, 
altfrz. pis, Brust, provenz. peitz (Diel/, 
etvmol. Wörterb. 706) unverwandt; sie 
kommen von pectus her. 

pit/.eln, schw. vb. schnitzeln ; verpitzeln: 
verschnitzelo z. B. Feder, Bleistift. Pil- 
ze I, n. abgescbnitzeltes Stück : P. Holz, 
Papier, Brot. — P 1 1 z e I , plnr. Abfall von 
gekrämpeltem Werg. — Gleichbedeutend 
Schweiz, bitzein, Bitzeli. Stalder 1, 176. 
Ableitung von hizen. Grimm Wh. 2, 592. 

Pix, m. kleiner Kerl, oft noch verstärkt: 
ein kleiner Pix. — Vielleicht Zusammen- 
hang mitnd. Pdk, kleines Kind, schwäch- 
licher Mensch? 

Plnare, Pldge, f. Magenkrampf (Rei- 
chenbach). — Im 16. u. 17. Jahrh. be- 
deutete Plage vorzüglich Krankheit; eine 
lange Aufzählung solcher Plagen in Fast- 
nachtsp. 864, 29 ff, darunter ist auch 
der Krampf; vgl. auch Ruff's Adam und 
Eva 2317: dass dich all plag und herz- 
ritt schütt. — Norweg. pläga, Seuche, 
Kindbettfieber. 

Placker, Plackrich,m. Schmutzfleck, 
namentlich Kuhfladen; vgl. Plapper. — 
nd. Plack, Placke : Fleck, Fetzen, Scholle; 
auch md. Grimm Wörterb. 2, 59; Frisch 

I, 102; 2, 61; Schmidt 139 ; Anton 3, 6; 

II, 9. — Herzog Bartholomen von Mün- 
sterberg war zwar ein guter hoffmann, 
thet aber den leuten gross unrecht und 
flickte sich mit p lacker ey. Cureus- 
Rätel Chronik« 375 (1607), wo ein Wort- 
spiel zwischen Placker: Fleck, Fetzen, 
und placken: plagen, gemacht wird. 

planten, schw. vb. in verplanten, sich ver- 
narren: gesetzt! ich verplamte mich mit 
dir noch einmal und liess mich dir 
zum ehlichen Gemahl nefticn. Günther 
1001. plampon: ich werde dir was 
plampen! = Irr dich nicht, ich niese dir 
was! — dafür auch der Ruf: plampe! ~ 
daraus wird nichts; plampe drnf! 
plumpe! (Gläzisch) wienerisch anpumpt! 
Frisch 2, 61 führt auf: einem etwas vor- 
plampen: ihm Narrenspossen vormachen. 

PlAn, m., P l A n e, f. freier ebener Platz in 
den Dörfern, auch fränk. Schmeller 1, 
335; kleinerer Platz in den Städten, z ß. 
der Judeoplan in Reichenbach ; vgl. des 
marktes p!An, Passional 206, 67 (Köpke). 
Auch Ackerstrecken heissen Pläne, daher 
der Spruch auf ein Mädchen, das nach 
Geld heirathet: 



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PInrre 



71 



sie sieht auf den Plan 
und nicht auf den Mann. 

(Reichenbach.) 
PInrre» Plorre, f. wunde Stelle an der 
Haut. Plorren und Laschen (Glogau). 
Vgl. Bl«r, Blarre, Grimm 2, 66 ; Schnel- 
ler i, 337. 

platschen» schw. vb. mit einem Schlage 
(Platz) hinfallen; aufplatschen; el- 
s« ss., pfälz., westerw. plotzen; nd. plot- 
sen ; Schweiz. blötschen. p la tsch e r n, 
plätschern, plantschern: mit 
Händen oder Füssen im Wasser herum- 
schlagen. — platschig, breitplat- 
sch i g , adj. breitgeschlagen» breit. — 
Vgl. Stalder 1, 182 platschen; und unten 
platzen, pletschen, Pldtsch. 

Plane» f. 1) Leinwanddecke über den 
Fracht- und Bauernwagen, anch über 
einem leichten und bequemen Spazierwa- 
gen in Schlesien uud Polen, dem „Plan- 
wagen"; 2) jede Ueberdeckung, z. B. 
eine Plaue von Brettern ; 3) rasch vor- 
übergehender Strichregen : eine sich blü- 
hende Himmelsdecke. Auch oberlaus. — 
Das Wort ist weitverbreitet; mhd. blähe; 
diese Form ist mundartlich uoch erhalten 
und wechselt mit Plaue: Schneller 1, 
236; Tobler 55; Grimm Wörterb. 2, 61. 
83. — Plane, was man in Obersachsen 
hört und was Adelung vertritt, ist aus 
etymologischem Missgriffe entstanden. — 
Zu vergleichen altn. bloeja: stragulum 
velum; norweg. bleia, schwed. blöja, 
dän. ble. 

Plauze, f. 1) Eingeweide, namentlich die 
Lunge: singen was die Plautze halten 
will ; auch für die Leber: wo das naasse 
zur Plaulzen muss fallen. Scherffer 577 ; 
2) Schelle für liederliche, schlechte Frau- 
enzimmer; wie Geschlinke u. dgl.; 3) 
ärmliche , schlechte Betten ; Pläuzel : 
überhaupt ein Haufen schlechter Sachen. 
— Geplä'uze, n. was Plauze. — Das 
Wort ist dem Slawischen entlehnt: poln. 
ptuca, Lunge ; weslpreuss. Pluz , oblaus. 
Plauze; Anton 11, 11. — Die Bedeutung 
Rettstücke mag aus der Vergleichung 
derselben als Eingeweide der Bettstelle 
sich ergeben haben? 

pinuzen. schw. vb. fallen, hinfallen. Ans 
dem Schallwort plauz! gebildet, und wei- 
ter verbreitet Stalder 1, 184; blaut- 
schen: mit dem Munde einen dumpfen 
Schall hervorbringen. 

Platz» PUtz, m. Kuchen, namentlich 
Brotkuchen, der mit Mehl und Petersilie 
bestreut und mit Butter bestrichen ist. 
Weit verbreitet : Frisch 2, 63 ; Schind- 
ler 1, 340; Schmid 74; Schmidt 143; 
Rheinwald 120; auch poln. plac, placek ; 
vgl. lat. placenta. 

platzen, schw. vh. 1) schlagen, durch den 
Schlag einen Schalt hervorbringen; mit 
der Peitsche platzen: daher Kuchen- 



platzen, gläzisch Kuchenknallen: ein 
Martinigebrauch, indem die Knechte im 
Dorfe herumziehen und so lange vor den 
einzelnen Häusern mit den Peitschen 
knallen, bis sie Kuchen bekommen. Man 
sagt gläzisch : der Maerte kirnt Kucha 
knalla. Vgl. die oberpfälz., fränk. Platz- 
knechte, Schmeller 1, 339 f., und den 
Ostergebrauch in Grsez (Steter), dass die 
Lehrbuben am ersten Feiertagsmorgen 
im Gehöfte des Meisters mit Terzeroleu 
schiessen „ums Brill platzen.« Im Ablaut 
zu platzen und gleichbedeutend p lit- 
ten; ein Kind ausplitsen: ihm den 
Popo bearbeiten ; z u p I i t z e n die Thür. 
Das Kleid plizt, wenn es prall sizt und 
keine Falten wirft. — PI itz , m. Schlag, 
Hieb. — p letzen, factit zu platzen: 
knallen mitSchüssen oderPeitschenhiebeu. 

— Gepletze, n. Lärm von Schüssen ; 
vgl. mhd. gepletze ; Schmeller 1, 339; 
Schmid 74. — platzen 2) mit Geräusch 
daher kommen, plötzlich eintreten: als 
unser Sultan geplatzt kam in das Zimmer. 
Lohenstein Ihr. Bassa 4, 22 ; frne quamen 
die Polen an die Oder mit wagen und 
pferden geplatzt. Eschenloer 2, 320. — 
ahd. anablestan : irruere ; mhd. platzen 
in gleicher Bedeutung ; vgl. Pfeiffer Je- 
roschin S. 205. 

Plente,f. dünner, schlechter Rock derMän- 
ner und Weiber. Die Schulglocke ruft : 
Studentel nimm das Plentel 

und das Tinteofass, geh in die Schul 
und lerne was. 
Schön sind die Verse in Holtei's Lied zum 
Schlesinger Feste : 

dursebtige Schkribentel 
im zurissnen Plentel, 
uksig han se über uns »chandfleckt. 
(Schles. Gedichte 115, 2. A.) Vom Zeug- 
rock wird das Wort übertragen auf den 
Federrock, das Geüeder : Scherzspruch 
zur watschelnden Ente: 
o Ente, o Ente, 
wie wackelt dir die Plente! 

— kuhländ. die Plant. 

Flerke» f. 1) alte dürre Kuh ; 2) Schelte 
für Frauenzimmer (Reichenbach). — mhd. 
bleVen: blocken, brüllen; Schweiz, bleren 
Tobler 58;nhd. blarren, plerren, in wei- 
terer Bedeutung. Grimm Wörterb. 2, 66. 
108; nd. blarren. 

Plerrt Nebel vor den Augen, Schmeller 
1, 337; schlesisch erhalten in plerr- 
ä u g i g , adj. schwachsichtig, blöde ; nd. 
blarroged, bleeroged; engl, bleareyd. 

pletKchen» schw. vb. breit dasitzen, vgl. 
fletschen. — sich hinpletschen. — ahd. 
blestan, mhd. blesten. — PIetsche,f. 
kleine breite Büchse oder Schale; But- 
terpletsche; Westerwald, in ausgedehn- 
terer Bedeutung, Schmidt 141. 

nloedern, pleudern, schw. vb. facti», 
zu pl odern: rauseben (mhd. biAdern, 



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7 2 Pldtsch - Frame. 



Grimm Wörterb. 2, 141), namentlich ge- 
braucht für das rauschende, klappernde 
fegen de« Getreides auf der Pleuder, der 
Getreidereinigungs-Maschine. 

Pldtseh, m. plumper, ungeschickter Kerl ; 
Bildung tu platschen. 

plotze, plutze, adj. adr. plötzlich; in 
heutiger Rede wie bei den schlesischen 
Schriftstellern des IS. — 17. Jahrhun- 
derts häufig. Grimm, Wörterb. 2, 152. 

Pluchse,, f. gleich Plautze (Hirschberg); 
das Vieh hat lere Pluchsen. — Neben- 
form zu Pluze, Plauze. 

Plumpel, n. kurze dicke Masse, auch auf 
dicke Kinder übertragen. — Plümpel- 
wurst: dicke kurze Wurst von wech- 
selndem Unfang. 

plunscbljr, p hl n s c h i g, adj. dick : wenn 
du ein plüulschig Kind mit einem kreisen 
Küpflein um Venus her wirst sehn. 
Scherffer 552. — Schweiz, blunsebig: 
dick, plump ; hluntsch bei H. Sachs, vgl. 
Grimm, Wörterb. 2, 1C9. 

Plutzer, m. breite Kartoffel (Franken- 
stein), um Reichenbach Quergel genannt. 
— Plutzer bezeichnet bair., Schweiz. Kiir- 
biss, Melone. Schmeller 1, 340; Stalder 
1, 194; hei Schlager, Wiener Skizzen, 
1839, S. 318 die Pfundbirne. 

Polen. Wo fährst du hin? — nu, aus der 
Welt nach Pole»! — Polen ist offen! = 
da ist Aufregung und Verwirrung; für 
leidenschaftlich erregte gebraucht; Po- 
lack: Pole; Wasserpolacken heissen die 
polnischen Schiettier, die etwa den drit- ; 
teu Theil des ganzen Landes noch inne . 
haben ; über ihre Grenzen s. meine Dialekt- 
forschung S. 17. — Polack: Neige, Rest 
von Taback (in der Pfeife) oder von Ge- 
tränken. Auch frank., rhein. — polsch, 
putsch, adj. polsche Wirthschaft: 10- 
derliche Wirthschaft. — Die Frauen ich 
fieng polnisch an zu herzen und sie bei 
ihrem Knie ergrief. Scherffer 401. — 
polscber Dudcl, Dudelsack: wil ich, so 
lang ich kann, die polsche Dndel blasen. 
Scherffer 516. — polätscbkern, 
schw. vb. unverständlich schwatzen, wie 
in Kärnten in solchem Sinne w indi- 
schen gebraucht wird. 

pomitle, pumitlc. adv. langsam (Neisse), 
pomade ( Reichenbach), aus poln. pomafu. j 
Das Wort ist auch in den anderen östli- 
chen Ländern verbreitet und dehnte sich 
in der entstellten Form pomadig, ge- 
mächlich, weiter aus. 

Popel, P a? p e I , m. ungestalteter Gegen- 
stand: dunkle Wolken ziehen wie ein 
Popel am Himmel herauf. Die Strohpup- 
pen, die als Vogelscheuchen in das Ge- 
treide gesteckt werden, heissen Popel : 
Gerstepopel. Die Warnungszeichen, wel- 
che im dreißigjährigen Kriege auf die 
Thürme gesteckt waren und beim an- 
nähen einer feindlichen Schaar herabge- 



lassen worden, hiessen anch Popel: „der 
Popel fiel," vgl. Flögel, Geschichte des 
Groteskkomiscbeu 24. — Popel bezeich- 
net dann besonders eine eingehüllte Ge- 
stalt oder Person; Spruch: besser im 
Sommer ein Popel, als im Winter ein 
Kröpel. (Es ist eigentlich mit nd. Form 
Krdpe) und Pöpel in den Reim zu setzen.) 
— Fetzpopel, m. schmutzige, zer- 
lumpte Person; in Breslau sind zu ver- 
schiedenen Zeiten gewisse Leute unter 
diesem Namen bekannt gewesen : Flögel 
a. a. O.; Holtei vierzig Jahre 3, 45. — 
Von diesen irdischen Popeln zu denen der 
Geisterwelt! EinPopel oder Popelmann 
erscheint als Hausgeist,mit dem die Kinder 
geschreckt werden. Der Popelinann steht 
drausaen! — Dass dich der Popelmannt 
Vgl. Grimm Myth. 473. Seine Gemahlinn 
ist die Popelhdle oder besser Popelholle, 
vgl. Holle. — popeln, paepeln, schw. 
vb. zum Popel machen, einhüllen, ver- 
mummen ; einpaepeln, verpaepeln. Das 
Gebirge popelt sich ein : bedeckt sich mit 
Wolken. — Popanz, Puppe sind nahe ver- 
wandt. — Von diesem ist völlig zu trennen 

Pöpel, P«pel, m. genauer Nasenpaepel, 
Schleimknoten in der Nase. Vgl. Schmel- 
ler i, 291. poppen, pepl , Kügclcheii, 
Bläseben; nd. Bobel, nl. bobbel, dfin. Bo- 
ble: Bläschen. 

poschoien , schw. vb. streicheln , liebko- 
sen (Namslau); westpreuss. puscheien, 
aus dem poln. piesW, liebkosen, tändeln. 

pötschea, s. patschen. 

Pottekopf» ein schweres Schimpfwort, 
das in Martin. Koblitii Annal. Francosten, 
zum J. 1533 erwähnt wird. Hoffmann Mo- 
natsschr. f. Schlesien 411. Ist es Padde- 
kop, Froschkopf? 

praehten, schw. vb. prächtig thun, prah- 
len : denn auf praehten. denn auf kriegen 
pflegt man allen Schatz zu wagen, Logau 
10, 40. 

Stärk und muth ist auch ein Ding, 
das wie sehr es vor geprachtet, 
endlich doch auf knicken gieng. 
Logau n. 2090. Vgl. Stalder 1, 212. — 
prachtiren dasselbe : in Kleidern sähe 
man ihn nicht zu viel prachtiren. Scherf- 
fer 612. 

prallen, schw. vb. schallen, schreien. Der 
hatt Italien, der Gallien durchzogen, der 
prallte Spanisch her. Opitz 1, 190. Vgl. 
Frisch 1, 124; Stalder 1, 215; nd. prn- 
len, nl. prallen. — prall sachte 1) ab- 
weisender Ruf gegen Zudringliche ; 2) Na- 
me einer sehr groben Leinwand , die aus 
dem Abfall des Wergs gesponnen wird, 
noch gröber als Packlein wand und auf dem 
Lande zu Unterröcken benuzt (Trebnitz). 

Prante t der Herr Bischoff neben den an- 
dern fürsten und herren lege zu Leubus 
und wäre sindter nächten fünf uhr mit 
zwey breumen (prahmen) übergefuhret. 



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73 



Schweinichen bei Stemel Scriptores 4, 
97. — od., nl., dän. Pram, Praam: flaches 
Schiff zum übersetzen über Ströme, altn. 
prAuir (Sn. E. 219) ; engl, pram, prame. 
präsenen, schw. vb. laut und prahlerisch 
reden. — PrAsch, m. Lärm, Geschwätz. 

— P r A s c h • g, g r o s s p r a s c h i g, adj. 
grosssprecherisch, prahlerisch. — Gleich- 
bedeutend oblaus. präschen, frank, bra- 
uchen . nd. draschen, breschen, bräsig, adj. 

— Vgl. ferner Schweiz, brasen , heftig 
bitten ; nd. nl. prasen, brassen : lirmen. 

Pras«, P r a s t, m. Haufen, Menge, uaineut- 
lich nutzloserDinge. Was hilft ihr aller 
Prass von Kleidern, Perl und Spangen. 
Günther 694; md. weit verbreitet Anton 
11, 13, Schmidt 146; nd. Rrass, Brast. nl. 
Bras; aber auch Schweiz. Braschcl. 

Pratsel , Prötzel, f. 1) Pfote, Klaue : 
mehr Meilen — als Quasten jeder Mops 
an seine Protzein henkt. Günther 1123. 

— ftstr., hair. Bratze; Grimm Wb. 2, 313; 
' 2) altes schlechtes Pferd, 
prcetzeln , schw. Tb. hersagen, schwatzen. 

Kernkronik 2. 723. — frank, bräteln 
plaudern, mhd. braten, nd. praten, nl. 
praaten. 

Prenzel, m. Prügel, Knüttel/ — Ist poln. 
pr$t,pr<;ncik,Stah,Gerte,herbei zuziehen? 

preppsch, prepsch, adj. hochmüthig, 
trotzig. Hoffmann Schles. Volkslieder 
S. 111 : du hast mir gegeben so manches 
preppsche Wort. Auch rhein. pröppsch. 
Ursprünglich bedeutet es mürrisch, knur- 
rig; fränk. brripcln: knurren, brummen; 
Westerwald, henneb. brepeln, adj. preb- 
lich Schnieder 1, 264; Schmidt 145; nl. 
prevelen. — Das gleichbedeutende nl. 
preutsch gehört zu nl. preuteleu , rhein. 
pröttele : murren, summen. 

preischen, schw. vb. Irans, intrans. jagen: 
die Pferde preschen, zu vollem Laufe 
treiben. — daherpreschen : daherjagen. 

— preschen, intr. auch von der Brunst 
der Hunde, gebraucht. Hängt es zusam- 
men mit schwäb. preschen, presten: 
pressen, plagen, nöthigen (Schmid97) ? 

pripp, in Kinderliedern gleich dem oben 
aufgeführten Nunnei, Ninnei : 

prippsause, prippsause, der Kater is 

nich ze hause — 
pripprihla, prippribla ! s Kind bot kene 

Schihla — 
prippsause, prippsause , der Tüd stiht 
hingerm Hause. — 
Vgl. Brendel Klänge meiner Heiinath.Frei- 
burg in Schi. 1852, 8. 6 f. 
prudeln, schw. vb. brodeln; md. und nd. 
Form; aus den Fastnsp. 1219 gehört 
hierher: waschen pauchen laugen und 
prudeln. Zu trenucn von diesem ist das 
folgende 

prudeln, schw. vb. langsam arbeiten; nd. 
bruddeln, nl. broddelen: ungeschickt ar- 
beiten, pfuschen. 

Aohiag »in XVI. Bd. d. Siltb. d. phil.-hi.t. Cl 



t, p r u e z c I n, p r i z e I n, schw.^b. 
a) intr. knistern , prasseln , von bra- 
tendem Fett gebraucht; 6) trans. braten, 
kreischen, überhaupt etwas leckeres 
bereiten. — bair. brazeln, bruzeln, kämt 
brezeln. Die Form brazeln weist auf 
brasteln, freqnent. von hrasten, prasseln ; 
vgl. auch Stalder 1, 217. Mit braten hat 
hiernach unser Wort etymol. gar nichts 
gemein. 

pudeln, schw. rb. 1 ) schlecht schwimmen, 
vou denen gebraucht die es nicht nach den 
Regeln der Kunst gelernt haben und sich 
hin- und herwerfen; 2) überhaupt schlecht 
und fehlerhaa etwas betreiben. — nd. 
Brem. Wb. 3, 368, f. Schmeller 1, 278. 
— Die Grundbedeutung scheint schwan- 
ken, hin- und herwiegen ; dafür spricht 
das Schweiz, buden, Stalder 1 , 238 und 
das nd. pudeln, im gehen wanken. 
Pulver, n. 1) wie hd.; 2) der aus Lumpen 
gebrannte Zündstaub, der nebst Stahl und 
Feuerstein im P u I v e r n ä p p e I ligt oder 
lag, da dies alte Feuerzeug jetzt fast 
überall verdrängt ist — pülvern, pel- 
vern, schw. vb. abweisen, fortjagen. — 
auspülvern: aushunzen. Auch schwei- 
zerisch. Stalder 1, 241. 
Pümmer, m. kleiner Hund. Solche Püm- 
merla ziehen im Gefolge des Nachtjägers 
mit und können , wenn die Jagd auf der 
Erde geht, nicht über die Gräben. Wer 
ihnen hinüber hilft, bekomt vom Nacht- 
jäger einen Thaler. — Pummer, eine 
Hundeart bei Schmeller t, 283. 
Pumpan, Kinderreim : 

's war a tnwl a MAn, 
dar hiess PuinpAn, 
1'untpAii hiess a, 
griksse Ferze Hess a, 
grusse Ferze kund a l«Jn, 
mit em 'A'sche Putter schlon. 
Eine locale Fortsetzung aus Jauerscher 
Gegend bei Brendel Klänge meiner Hei- 
math S. 24. (Freibargin Schi. 1852). 
Pumpe, f. P ü m p e 1, n. feminale. Spruch: 
Grusse MAdel, klene Pimpel. — 
Logau n. 1324 hat einen Namen Pimpla 
daraus gebildet: 

Pimpla hat das Jungfernfieber; Rege- 
kraut und Stendelwurz 
kann es dämpfen ; ist zu brauchen nicht 
zu sparsam, nicht zu knrz. 
Vgl. Schmeller 1, 284 ; bei Stalder 1, 242 
Pumpel : Tasche, dicker plumper Mensch ; 
Bümpeli: kleine artige Weibsperson. 
Pfinkel, n. erhalten in Herzepünkel, 
was aber nicht mehr die Bedeutung von 
Herz oder Brust hat, wie noch im bairi- 
schen (Schmeller 1, 287), sondern nur die 
übertragene, dort ebenfalls vorkommen- 
de, von Liebling, 
purren, schw. vb. einen rauschenden 
brummenden Laut geben. A. Gryph. Ifisst 
im Peter Squenz den Brunnen purr nurr ! 
f 



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74 



machen. — anpurrco: anbrummen, 
anfahren. Auch Schweiz., pfiilz., Wester- 
wald.; engl, purr, od. pnrren, nl. pnrren, 
dän. norweg. purrc : rühren, wühlen, rei- 
zen, schwed.purrig : mürrisch. — p u r I en , 
schw. vh. sich mit Geräusch bewegen, 
vom Umhcrrennen der Menschen, vom 
surrend enAuflliegeu der Vogel gebraucht ; 
traus. das Getreide purln, purdeln: aus- 
ständen. — Möglieh, dass auch der Par- 
tieller grosse Schmiedehammer, hierher 
gehört. 

tischen, ac-hw. vh. heimlich durchgehen, 
fortsehlüpfen; einen puscheo lassen, ihn 



durchschlüpfen lassen, durch die Finger 
sehen. Auch obsichs. Bair. pnschen, 
pauschen: unterschlagen; verwandt ist 
paschen. Schmeller 2, 299. 

piVscra, schw. vb. sich pusern: sich auf- 
blasen. — puserig, adj. von den Vö- 
geln gebraucht, die ihr Gefieder aufbla- 
sen (Trebnitz). Niederdeutsches Wort. 

putt, Lockruf der Hühner: davon: die 
l'uttc: Henne. — |> uttel, n. t) Hün- 
chen ; 2) Läuschen. 

Püttich, m. vgl. Bottich. 

PtUxel, n. feminale, statt Pusel ; nd. Puse, 
itländ. pus». 



f. Qual. Nach der Wahle 
kommt die Quäle, 
Sprichwort von wählerischen Miidcheu, 
die zuletzt keineu Mann bekommen, 
«^unlm* m. in der liedeutung „Betäubung", 
wie ahd., mhd.; häufig bei Günther: meiu 
Schlaf ist nur ein Qualm. Günther 267. 
wie wonu ein feuchter Schlaf der 

Sinnen Kraft entreisst 
und Qualin und Dämmerung die mü- 
den Augen bindet. 733. 
so wird mir durch dein Bild 
die Sehnsucht ofterinals in Traum 
und Qualm gesüllt. 406. 
Vgl. Schmeller 2, 402. 
Qualster, m. schleimiger Auswurf. — 
<| u » I s t r i g, adj. schleimig. Niederdeut- 
sches Wort. Brem. Wb. 3, 393; Frisch 
2, 7S ; auch dän. Qualsler. — Vgl. Kü- 
ster, engl, knolster. 
qntuitsehifr, quantsc Ii rieht, adj. 
fett, dass es quatscht, gleich quatschrig; 
von Meuscheu und Thieren. Westerwald, 
quntschig. 

quappeln, schw. vb. schlottern, von wei- 
chen fetten Körpern gebraucht; so viel 
als wappeln. Niederdeutsches Wort. 

Ouarde, bei A. Gryphius, für Guarde, 
Guardia: Wache. 

«juarg-, m. 1) weicher, weisser Käse, 
österr., steir. Topfen. Der Sack durch 
den er gepreast wird, heisst der Quarg- 
sack ; schwitzen wie ein Quargsack. Quarg 
mit Butter gemischt, der längere Zeit ge- 
standen, heisst sehr appetitlich rotziger 
Quarg. Mit weichem Quarg, der mit Saff- 
ran gefärbt und mit Rosinen gemischt ist, 
werden die Quargkuchen bestrichen ; 
2) kleiner runder Käse; Quargel. — poln. 
twarog, böhm. twaroh; vgl. Grimm Gesch. 
d. deutsch. Sprache 1005. 

Quargmännlrin, Quergel, Querke 
heissen längs des Gebirges die Zwerge ; sie 
wohnen in den Quarglöchern. Lausitzisch 
Querk, thüring. Querlich : auch am Mit- 
telrbein und im Elsas» lautet das Wort mit 
qu stall mit zw (tw) im. Ober den Na- 



men vgl. Kuhn in seiner Zeitschrift für 
vergleichende Sprachforsch. 1, 202. — 
Die Volks-Etymologie deutet den Namen 
davon,dass die Quargmännlein dreiQuärge 
hoch seien. — 

q u e r g e l n, sch w.vb. 1 ) quer rollen, zwi- 
schen den Händen reiben; 2) hin und her 
sich drehen, hin- und herlaufen. Auch 
oblaus. — So wie im vorigen Wort ist 
auch hier qu für tw eingetreten. 

Qua», m. Schwelgerei, bei W. Scherffer 
416: auf den bestimmten hochzeitlichen 
Quoss. — Frisch 2, 76; Brem. Wb. 3, 
397. Quaserei, f. dasselbe, Zeehgelag: 
welche in dem Scbwcidoitzen kwller und 
in kretscheraheusern bass trinken und 
scheiden künden, die waren die besten, 
die klügsten, die kr istlichsten; da ward 
aller rat bei der quasserei gefunden. 
Escbenloer 1, 80. 

quntMchen, schw. vb. über die allgemeine 
Bedeutung Frisch 2, 77; übertragen: lang- 
weilig und albern schwatzen ; Nebeuf. 
watschen. — Quatsch, m. 1) weiche 
schmutzige Masse; 2) Geschwätz, ver- 
quatschen, verderben, was von Berndt 
aufgeführt wird, ist auf verquasten zu 
bringen = verquisten ; s. questen. 

qneicheln, schw. vb. a ) weichlich sein, 
kränkeln ; q u e i c h l i c h, «dj. : kränklich. 
b) weichlich, zärtlich thun : 

Da werdt Ihr wieder gleich mit quei- 

cheln 

Euch schaffen einen neuen Mann. 

Scherffer S04. 

queng-ea, schw. vb. (faclit. zu quingen, 
w. z. s.) zwängen, drücken. Die Schuhe 
quengen. — Auch hier Wechsel zwischen 
q und tw. 

quengrelaschw. vb. weinerlich thun; win- 
selnd bitten. Niederdeutsche Form ; «bd. 
quenken, quenkeln, nl. quinkeln; vgl. 
Diefenbach goth. Wb. 2, 469. 

i, s. Quarg. 



qiif steil, schw. vb. quälen, drängen; vgl. 
ul. questie: Zank, Zwietracht. Das Wort 



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rabär.en - Ram. 75 



ist mus quästioniren entstanden , und zu 
trennen von dorn kuhlfind. zuquisten, 
verderben, rheiu. ze quest inachen, z. qu. 
gehn: verderben; nd. nl. verquisten : 
versehwenden; to quiste gAn: verloren 
gehn; goth. quistjan. 



Quetsche, f. 1) Presse; 2) nasse Stelle 
im Acker, wo das Wasser gleichsam her- 
ausgequetscht wird. — Nasenque- 
tsche, s. Nase. 

(Illingen, st. vb. zwingen, mhd. twingen; 
vgl. quengen. 



rahnzen, schw. vb. thätig, geschäftig sein ; 
rumrabazen: a) „herumschaffern", 
geschäftig und thätig sich bewegen; 
6 ) mit einem rumrabazen : zanken, oder 
auch : sich necken, bespa&sen. Schweiz, 
rnlmuxen : hochfahrend, heftig sein ; md. 
rabastern, nd. rabunten; verwandt mit 
mhd. reben , sich rühren , Schnel- 
ler 3, 5 : Schweiz, räbeln : lärmen , pol- 
tern ; Gräbel : arbeitsames Leben, Slalder 
2, 'ISt. — Das Wort reicht auch ins ro- 
manische hinüber : neben der nd. Form 
rabunten tritt auf nl. rabauden, nebu- 
lonem esse, was überleitet zu frz. ribaud, 
ital. span. ribaldo: Lotterbube (Diez ety- 
mol. Wb. 287), eigentlich Herumschwär- 
mer, Landfahrer, wenn wir den Grund- 
begriff aufsuchen. Zu Schweiz, räbeln 
stellt sich altfranz. ribler: herumsch wär- 
men. — Vgl. rappeln. 

Kahincr, als Schelte noch heute in Schle- 
sien zu hören, namentlich langhaarigen 
zugerufen. Bei Scherffer 414: 

Venus bedraut ihn : harr barr du Ra- 

binlein. 

lind, n. Pflugrad: grosse rollende Augen 
werden Pflugrädern verglichen. — Rad- 
bare, RAper: Schiebkarren, in gutem 
Humor die Schweisskalesse genannt; Bre- 
telrAper: Schubkarren mit viereckigein 
Kasten, rflpern, herumrApcrn, 
rädbern: eigentlich mit der Radbare 
fahren, dann überhaupt herumfahren, sieh 
heruinbewegen. Was haste denn rumze- 
rApern? = warum sitzest du denn gar 
nicht still? — Ich habe mich für diese 
Deutung von rapern namentlich wegen der 
Nebenform radbern entschieden und den 
Gedanken an Verwandtschaft mit rebeln, 
rabatzen abgewiesen. 
Ranger, m. Frosch. Kinderlied, zugleich 
ein Stück Thiersage: 

n, gib mit mer eis 
Durf, 
dd klappert der 

Sturch, 
dd tanzt de Laus, 
zum Fanster an- 
aus. 

A springt nfan Sten, abrichtsfeh aßen, 
a giht zum Bilder, a Ifisst sichs heMn. 
A bot ke Gald, dd springt a eis 

Faid, 

dar Bilder andch und stiebten eis 

Loch. 



dd singa de Raeger, 

dd fidelt de Maus, 
dd springt der Flug 



(Reirhenbach.) — r ajge r n , schw. vb. 
schreien, quacken, von den Fröschen; auch 
oblausitz. — reg u z c n : gurren, von den 
Tauben gebraucht, franz. roucouler. — 
Das Wort ist onomatopoetisch ; auch in 
der Wetterau heisst der Frosch nach L. 
Diefenbach Räling. Zusammenhang mit 
dem poln. rzegot, rzekot, Froschgequack, 
Schlangengeklapper, rze^olac, quacken, 
klappern, wird nicht abzuleugnen sein. 

rnfTen, schw. vb. wie hd. — R a f f e, f. in 
B r o t r a f f e, gemein für Mund,beiScherf- 
fer 412: hab ihr auch wol die Brotraffe 
gedroschen. 

IIa In« m. wie hd. der Grenzrand zwischen 
den Feldern ; ahd. rein margo ; altn. reina ; 
altnorweg. marcreina; nl., nd. Ren; obd. 
RAn. — Reindelhorchen: Mädchen, 
welche wissen wollen, wo ihr künftiger 
Freier herkommen wird, gehn in der An- 
dreasnacht auf einen Rain mit einem 
Zaum, den ein Vater und ein Sohn mach- 
ten, welche gleiche Vornamen führten. 
Indem siedenZaum schüttelnsprechen sie: 
Rennzaum, schüttet dich ! 
feine Liebe rippel dich ! 
belle Hundel, belle! 
mags doch sein, wers welle! 
Bellt nun in der Ferne ein Hund, so wird 
der Freier aus dieser Gegend kommen. — 
Das Reindelhorchen ist eine Art der alten 
hleodorsAza. 

Rani, Rom , m. Russ; mhd. rAm. Kadels- 
rdm, s. Kadel. — Rdmkater: schmutziger 
russiger Kerl. — rsemen, schw. vb. 
voll Ram machen. Auch schlesisch kommt 
das weit verbreitete Sprichwort vor : der 
Kessel schimpft den Ofentopf, sie rämen 
alle beide. Vgl. altdeutsche Blätter 1, 10. 
11; ühland's Volkslieder 1, 334. Auch 
wendisch findet es sich: Neues lausitz. 
Magazin 1839, S. 354 ; b e r <e m e n, sich : 
sich beschmutzen, sich betrügen (vgl. 
bescheissen) : der wird sich heremeu! 
er wird sich täuschen. Vgl. Frisch 2, 84; 
Schmeller 3, 81. 

RAm, Rdm, m. n. Sahne, Schmetten, 
Schmand. Sahne ist schlesisch gebräuch- 
licher als Ram. Den feinsten rom der 
milch. Opitz 1, 100(1629) ; der rosen- 
honig und der rom, der um uns fleusst, 
«leicht einem ström, A. Gryph. Gibeon 
S82. — Vgl. Grimm Geschichte der d. 
Sprache 1002; Schmeller 3, 8S : Tohler 
3H8. 



: 



76 Harne — Raaehfiss. 



Käme, f. Ranke von Wein, Gurken u. dgl. 
Auch nd. Frisch 2, 85. — LaL ramiis. 

Knmft, m. R a m f tel, R em f tel , n. Rand, 
Ecke des Brotes. — Klebersmftel : Stelle 
wo zwei Brote an einauder geklebt haben, 
ahd. mhd. raroft. Frisch 2, 85 ; Schinel- 
Ier3,91 Schmid 424. 

Hammel, Rummel, m. Lärm. — Ge- 
rammel: dasselbe; bei Gryph. gel. Dornr. 
und allgemein schlesisch. — ramssen, 
nlmssen: lärmen, rumoren. — Die 
gewöhnlichere und zugleich alte Bedeu- 
tung von rammeln ist coire, laseivum 
esse; ahd. rammalon ascendere, coire; 
daraus entwickelte sich die von mulliwitlig 
und lärmend schenen, mit dem Gegen- 
satze in zanken, vgl. ToLler 358. Auch 
ul. rainmelen : brünstig sein, lärmen ; dän. 
ramle : rumpeln ; norweg. ramla : lärmen, 
lärmend zusammenstürzen ; schwd. ram- 
met: Getöse, ramla gleich norw. Die Be- 
deutung: Lärm, Getöse ist vorzugsweise 
in der nord. Hälfte der germ. Sprache 
ausgebildet 

Hand, m. wie hd. — r e n d e l n , seh w. vb. 
mit einem Rade des Wagens oder des 
Schiebkarrens hart am Rande des Weges 
hinfahren, so dass derselbe durch das 
Gleis gewissermaßen abgeschnitten wird. 

ranken* mit dem frequeut. rankern, 
renkern: renken, drehen, biegen. — 
e i n r a n k e r n, durch unruhige Bewegun- 
gen zerdrücken, z. B. das Belt ; h e r u m- 
rankem: sich unruhig umherbewegen, 
herumlaufen. Scbmeller 3, lll;Stalder 
2, 257 ; Scherz 1264. 

■tanze» f. Sau, Mutterschwein; bei Opitz 
1, 127 (1629) : die rautze laufft der magd 
mit ihren ferklin nach. — ranzen, schw. 
vb. a) intr. sich üppig und heftig bewe- 
gen.— ranzig, rausch ig, adj. geil, 
namentlich von Säuen gebraucht; be- 
ranzt, berauscht : die Sau ist trächtigge- 
worden ; herumranzen: umherschwei- 
fen, wild herumlaufen; b) trans. packen, 
schütteln, schlagen (daher Ranzel: 
Knüppel, Stock ; vgl. Schmidt 158) : a n- 
ranzen: anfahren, hart anlassen; zu- 
sammen ranzen: zusammen schüt- 
teln: die Krankheit hat ihn zusammenge- 
ranzt. — Schon mhd. rauaen, ranzeu; 
fast allgemein erhalten: Frisch 2, 86; 
Scbmeller 3, 1 15 ; Stalder 2, 257 ; Schmid 
424; Rheinwald 1, 126; Anton 3, 10; 
12, 5 ; Brem. Wörth. 3, 432 ; nl. ranselen. 

rapern, s. Rad. 

rappeln, r i p p c I n , schw. vb. rasch, be- 
weglich sein; er rippelt sich nicht : rührt 
sich nicht, ist still und steif; es rappelt 
mit ihm, oder er hat einen Raps oder 
Raptus: es ist in seinem Kopfe nicht 
richtig. — rapplich, rappelköp- 
pisch.- aufgebracht, in grosser Bewe- 
gung. Das Wort ist in dieser Gestalt nd. 
und drang nach Mitteldeutschland vor; 



seltsamer Weise findet sich rappeln auch 
in Kärnten ; im 15. Jahrb. findet sich 
rippeln : jucken, kratzen. Der Grundbe- 
griff ist: leicht schnell: nd., nl.. dän. 
rapp, altn. brappr; dän. rappe sig: sich 
sputen; nd. Repp: Bewegung, repplik : 
beweglich; hamhurg. rabbeln: hastig re- 
den, rabbiig: hastig und albern schwat- 
zend. Die oberdeutschen Verwandten 
haben wir unter rabazen aufgeführt. Zu 
unseren rapplich stellt sich das kärntn. 
rabelisch: aufgeregt, berauscht. 

rapsen, schw. Tb. raffen; obd. und nd. 
vorkommend, im schwäb., Schweiz, mit 
Umstellung: raspen , ebenso allSsterr. 
Helbling IV, 435 : Rasp nnde Gite. — 
r i p ps rapps. Schall worte zur Bezeich- 
nung des reissend raschen; auch bei 
Schweinichen 3, 44: die rechnuug von 
dein vogte abzunemen , welche also be- 
schaffen, dass sieb niemand darein rich- 
ten mochte, denu es war rips raps ge- 
gangen. — Auch nd. rip« raps. 

Hassel, m. Lärm, Gerücht (Charlotteri- 
brunn). — Rasselscheit: altes zän- 
kisches Weib: auch» Rasselscheit wird 
schlecht erfreut. Hoffmaunswaldan u. a. 
Gedichte 4, 441. — schwäb. Raflcl&cjieit. 

Hast* Rist f. die Sonne geht zur Rast 
geht unter: im Fall der Tag verkürzt und si 
zu rasten geht. A. Gryph. Carden. Celimle 
1, 164. — Die sonne gebt z u rü sie, 
A. Gryph. Piast 634, muss doch zu rüste 
gehn, ao oft es abend wird , der schöne 
Himmelsschild, Opitz 3, 286 (1646) so 
gehst du schon so früh zur rüste, du 
angenehmes Sonnenkind. GünUier 233. 
Allerdings liegt es nahe , bei Riste oder 
Rüste an ahd. girusti zu denken , da den 
Sternen einGerüst, ein Sitz, zugeschrieben 
wird, allein besser ist wohl Rist als Ablaut 
zu Rast zunehmen, vgl.mhd.zeresle gAn, 
engl, go to rest; vgl. Grimm Mythol. 702. 

raten, st. vb. in der Bedeutung nützen 
bei Scherffer 393. 

Wem wollte nur ohn mich die nackte 
Strunze rahten ? 

nnuchfiss, den Rauchflss austreiben: 
die Hütejungen gehen am Abende des 
ersten Ptingsttages fast eine Stunde lang 
unter Peitschenknall im Dorfe herum und 
zeigen hierdurch an, dass da* Vieh am 
andern Morgen daa erstemal auf die 
Weide gelrieben wird. Wer bei dem Aus- 
treiben der letzte ist, heisst derRauchtfss; 
er wird Nachmittags ganz in grüne Zweige 
gepackt, und ist, auf einen freien Platz 
gestellt, der Gegenstand des allgemeinen 
Spottes; selten wird er herumgeführt. — 
Den Rauchfisa reiten: die Knechte hal- 
ten am Morgen des zweiten Pfiogstfeier- 
tagesauf der llutung ein Wettrennen ; der 
letzte ist der Rauchfiss. Den Rauchflss ste- 
cken: die Langschläfer in allen Häu«ern 
beissen am zweiten Plingslage Rauch- 



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riui men — richten. 77 



flxse ; an ihr Rett werden grüne Zweige 
gesteckt; Vermisch ung mit dem Meien- 
selnnuek ist hier eingetreteu; Bekannte 
und Liebhaher stecken sich gegenseitig 
Zweige an die Häuser. — Der Hauchfisa 
gehört dem Glogauscheu an. Vgl. Neues 
Jahrbuch der Berliner Gesellschaft für 
deutsche Sprache X, 224 ff. — Über ent- 
sprechende Ptitigstgebräucbe, Grimm M v- 
tb«d. 74S IT. 
raunen, sebw. vb. räumen; geräumt, 
geräumig, Logau 427. — abräumen 
die Riitepflanzen : das Stroh der Röte vor 
dem herausnehmen der Wurzeln vermit- 
telst des Abräumeeisens abstossen ; das- 
selbe ist ein Fuss lang, ein Zoll breit und 
an einem 3V. Ellen langen Stiel schräg 
befestigt. Weber ökonomisches Idiotikon. 

— be r ä u men das Vieh: den Rachen 
der Kühe jährlich zweimal mit Salt aus- 
leihen, was manchen Krankheiten vor- 
beugt. — enträumen: einräumen. 

Zielst du auf Eh' und Pflicht? so darf 

ich nichts enträumen, 
indem ich noch zur Zeit mein selbst 
nicht mächtig bin. 
Lohenstein Epicharis 2, 80 ; gesetzt auch, 
uicht enträumt, ebd. 2, 386. 

raunen, schw. vb. den Halsschleim her- 
aufziehen. — Rautze f. Verscblcimung 
des Halses. — Verwandt mit Roz. 

reiben, »t. vb. (parlic. gor igen, dane- 
ben die schwache Form ger eigt) fäl- 
teln, einnähen. — a ureigen: Perlen 
oder dgl. an eine Schnur reihen. — R ei- 
gen u I d e , f. Nadel zum einnähen der 
Falten namentlich am Hemdkragen. ahd. 
rigan , parte, garigan: sertatus , suti- 
lis ; riga : circuli linea. mbd. rigen, Klin- 
ten oder Falten nahen ; ric,in. Falte, Kno- 
ten, Rand ; vgl. auch Stolles Erfurter 
Kronik, herausg. von Hesse, Stuttg. 1854, 
S. 189. hemde mit grossen breiten brost- 
listen und vorne gericket — gerickteermel. 

— rhein. reigen: mit weiten Stichen 
nähen. Schindler 3 , 78. nd. rijen , nl. 
rijgen, rijgenald (Schnürnadel). 

reisen, st. vb. in seiner alten Bedeutung: 
sich erheben, aufbrechen, in demScheuch- 
ruf an die Katzen : rt's ok, Kitsche! dass 
de dir den Bart nich verbrennst. — Scherz- 
hafter Ahscbiedsreim : 
Res mit Hiob, 

schmier der» Maul mit Syrop ! 
reiten, st. vb. 

wenn ihr mit manchem Zuge 
zu Felde werdet ziehn, und hinter eurem 

Pfluge, 

das reit oh oh oh reit mit vollem Halse 
schrein. W. Scherffer 649. 
Heiter, Retter, m. grosses Sieb vou 
starkem Geflechte, ahd. ritra, bair. öster. 
Westerwald. neiter, Reitern ;ags. hridder. 
oblaus. Retter. 
Heiter, m. der trillernde Finkenschlag: 



das Ohr hört keine Finkeu nicht den 
sogenannten Reiter schlagen . Stoppe 
413. 

Wahrscheinlich aus Beider entstellt, vou 
reiden: drehen, wenden; also Beider: 
der Dreher.Triller ; ahd. gareidi, vibratus. 

recken, schw. vb. wie hd. — Spruch zu 
den Schnecken : 

Schnecke hecke recke deine vier fünf 

Finger (auch Fähnlein) raus I 
weunst se nich wirst raus recken, 
schmeiss ich dich in Graben, 
da fressen dich die Raben, 
kommen die grossen Fleiseherhuude, 
ziehn dirs Fell tum A. runder. Oder: 
kommt das Kalb, frist dich halb, 
kommt das Schwein , frisst dich ganz. 

allein. 

Vgl. Fiedler Volksreime aus Anhalt 93. E. 
Meier Kinderreime aus Scbwabeu 24. — 
G e r e c k e n.Brut, namentlich die Frosch - 
brut, das Froschgerecke : die Kaulfrüsch- 
chen , Quabben , deren verschiedene 
Namen Popowitach Vereinigung der 
Mundarten 223 auffuhrt. Vgl. auch Stoppe 
Parnass 499 : seine Jungfer Tochter und 
mein gnädiger Prinzipal sind mit einan- 
der richtig ; sie hangen an einander wie 
Froschgerücke. — Dasselbe bedeutet 
Kröteger ecke; auch bei Lohenstein 
Arm. Thusn. i, 12. — Frisch 2, 100. 

Kenn IcinbcV, Rendia hslr, in. Renn- 
eber (vgl. Ber) , übertragen auf einen 
säuischen geilenKerl( Reichenbach, Neisse) 
wie bair. Rennsau, Reunferkel als Schelle 
für liederliche Weiber und Kinder ge- 
braucht wird, Scbmeller 3, 100. 

Heiligem, einem einen Rettig über deu Kopf 
geben : einen starken Hieb überziehen. 

Riehel, n. Gestell, Schrank (ßrieg). Bi- 
chel ist deminutiv zu Rieh, oblaus. Teller- 
undTopfbret,schweiz.Rigle,Stalder2,276. 
bair. Rick : Gestell, Schindler 2, 42, nd. 
nl. Rick, Reck. 

richten, schw. vb. wie hd. — berich- 
ten: in der kirchlichen Sprache, einem 
Kranken dasAbendmahl geben, commnnici- 
ren:da ich mich gänzlich zum tode berich- 
ten Hess und das abendmal des Herrn em- 
pfing. Schweinichen 2, 184 — B e rieht, 
in. Krankencommunion. Vgl. Grimm Wh. 
1, 1S22 und für Silddeutschland Scbmeller 
3, 35;Schmid 432 — Eingerichtet, 
die innere Einrichtung der Schreib- 
tische. — verri chten: schlichten: Seine 
Hochwirdigkeit zöge in Polen und 
Preussen den krieg daselbst zu verrichten. 
Escheuloer I, 2üä; im besonderen: die Hare 
schlichten, kämmen; Verrichtkamm: Karoin 
zum „Kopf machen." Vgl. mhd. verrihten, 
bair. ausrichten, Scbmeller 3,33. Schwab, 
grichten , Richter: weiter Harkamm. 
(Schmid 432). — Gericht: aufs Gericht 
gehen, auf den Abtritt gehen, wie obd. 



78 liiechel 

Sprachbaus für Latriue gilt Scbmeller 
3, 385. — ger i cht», genit. adv. gradezu, 
grade weg», beiSchweiuichen gerecht«. — 
richtig, adv. zuverlässig , redlich: ein 
richtiger Hann; durch ganz Deutschland 
tililieb. 

Ilieehel, Bichel, n. Bluraenaträusschen, 
meist aus Nelken, Heisede, Rosenkraut. 
Rosmarin und Pfefferkraut gebunden, ne- 
ben dem Geaangbuche unentbehrlich den 
Dorffrauen für den Kirchenbesuch; wie die 
Männer ihre Schnupftabaksdosen wahreud 
des Gottesdienstes unter den Nachbarn 
umherreichen, so lassen die Weiber ihre 
Richel durch die Bank wandern. — oblaus. 
Bichel; nd. ßükelken, BOkelbusk, Rükel- 
struss; kuhländ. Ricberlai, Schmecker; 
altbair. Schmecker, schwäb. Schmecket. 

Hielte, schw. m. Steinricke: Stein- 
haufen, Steinhögel. Scherz 1302 Schweiz, 
schwäb, Rick: steiler Abhang. Stalder 2, 
274 ; Schmid 433. 

rindern, schw. rb. brünstig sein von der 
Kuh gebraucht, xaupiiv. — Weiter ver- 
breitet. 

Hing:, m. Marktplatz, obschon er vier- 
eckig ist ; das Wort ist durch ganz 
Schlesien verbreitet und auch in Böhmen, 
Mähren, Uugarn und Polen (rynek) in 
Brauch. Die schlesiscben Marktplätze, 
mit dem nicht selten festungsartigen 
Rathhause und dessen Nebengebäuden in 
der Mitte (in Reichenhacb war neben dem 
Rathbause auch dieJohan niter-Commende) 
können wohl an die Avarenringe erinnern. 

— Auf die Frage, welches Kleid sie an- 
ziehen solle, bekommt manches Mädchen 
die Antwort: zieh den Ring an , da 
laufen dir alle Gassen nach. 

ring-Ilcht, adj. kreisrund, im Kreise 
sich drehend: es wird einem ringlich, d. i. 
schwindlich vor den Augen. 

Rinke, schw. ra. Metallring, der als Schnalle 
benutzt wird;mbd. rinke, obd. und md. 
Scbmeller 3, 112; Stalder 2, 278;Schmid 
434; Schmidt 163; Rbeinwald 1, 128. 

rippeln, s. rappeln. 

risch, adj. 1) rasch ; seinen jungen sazte er 
uf ein risch pferd, Eschenloer 2, 43 ; die 
brücke ward risch verbracht, ebd. 1, 179. 

— meinem r e * c h e n : rasch ; die zwei 
Ffirstenthumb Schweidnitz und Jauer 
brachten i n einem reschen bei 3000 man 
bei Reichenbach in das Feld, Escheoloer 
2, 30; der in einem reschen etliche hun- 
dert pferde ufnam, ebd. 42. —2) frühzei- 
tig : es ist noch risch ; vgl. langsam für 
spät; risch er coinpar. früher, eher. — 
risch ist neben oder statt rasch schon früh 
durch ganz Mitteldeutschland nachweis- 
bar : Passional her. v. Köpke (s. Glos- 
sar); .leroschiu von Pfeiffer 211 ; h. Lud- 
wig vonltüekert 89,12 ; MariäHimmeifahrt 
1631 (Mone altd. Schausp.) ; Alsfeld. Pass. 
375 (Haupt Zdlachr. 3, 491). 



— rArlff. 

risch, adj. spröde, hart. — Ger Ische, n. 
dürres Reisicht. — öster. bair. resch 
Schweiz, rösch, schwäb. raison. 

ritschen, rutschen, schw. vb. vom 
schrillen Ton der Finken, den sie bei 
nahem Regen hören lassen. — Schweiz, 
rilsehgeu : knarren wie eine Thfire oder 
wie getretener harter Schnee, Stalder 
2, 278 ; rutschen : schnarchen. 200. 

Rizepumpe , f. Kosewort für dicke kleine 
Kinder (Reichenbach) ; vgl. bair. pum- 
pet: dick, Schindler 1, 285 und oben 
Pumpe. 

röcheln, schw. vb. grunzen wie die 
Schweine. — Geruchel,n. Gegrunze 
(Loliris bei Jauer). — ahd. rohjan. rohdn. 
Stieler 1499; Frisch 2,123; Stalder 2, 279. 
aus-rfiehten , schw. vb. ins Gerücht oder 
Gerede bringen : 

Personen gar nicht auszurüebten, 
die Laster aber zu vernichten, 
hat jeder mügeu Reime tichlen. 
, Logau n. 91. 

Rudel, R ! d e I , m. männlicherHund, Rüde. 

Westerwald. Rüdchen. Scbmeller 3, 38. 
rüge, adj. beweglich, biegsam, in dem ne- 
gativen ungerüge: unbändig, störrisch 
(Primkenau). — Vgl. mhd. rugeln: bewe- 
gen, rüren (Osw. von Wolkenstein) 
östr. rügein : aufrühren, umrühren; rügel- 
sain:rege; bair. rogel: locker , beweg- 
lich; norweg. rigla, rugla: wackeln, 
lose sein. 

rücken, ru ck en , schw. vb. wie hd. — 
hinrücken: so wird er jetzt nicht erst 
durch Thränen hingerückt (ins jenseits) 
Günther 933. — zu rücken: einen 
kürzeren Weg einschlagen; die Zurü- 
cke: kürzerer Weg, Schriemweg. 

Rülpe, schw. m. ungeschliffener grober 
Kerl (Ernsdorf bei Reichenbach). Frisch 
2, 136; Schindler 3, 81. nd. Rulps. 

rummeln, schw. rb. Brot einrümmeln: 
in die Suppe schneiden. Vgl. frfink. rem- 
melu : Gerste remmeln , d. i. zu Grütze 
inachen. Schindler 3, 86. 

rumpeln, schw. vb. wie allgemein; der 
Hunger rumpelt überlaut trotz einem Rum- 
pelweibe. Stoppe Parnass 399. Nach 
Frisch 2, 136 ist ein Rumpelweib eine 
Gerümpelkrämerin, Trödlerin, Tandlerin. 

Humpen, schw. m. gewaltiger Abschnitt 
Brod, hei Stieler 1321 Rumpf; verwaut mit 
Rampf, Ramft. 

Kumps , m. Rumpf. Von einem hübsch 
gewachsenen Mädchen, das gerade kein 
Rcliöues Antlitz hat, sagt man: a hibsch 
Gesichte bot se ni, oder im schönen 
Rumps. — Puppenruinps : Puppenbalg. 

Runks, m. 1) grober Tölpel; nd.2) derbes 
Stück Brot; frank. Runkc, bei Stieler 
1321 Runken, schwäb. Rauke. 

rupsen, schw. vb. rupfen. 

rtirigr« adj. gestockt; verdorbene Eier 
siud rurige Eier ; aufstossen wie rurige 



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70 



Eier. Vgl. bair. Riiercl : gestockte Milch, 
ftiihrmilch, Buttermilch. 

lx'-rüseielm schw. vi». 

das mein Tadel-zahu nicht nagt 
und es zu berüsseln wagt. 

Scheiffer534. 



Rfitsche, f. l)Fusshankchen; auch oblaus. 
2) S te i n r ii t s ch e : Steinhaufen (Qua- 
ritz). Eigentlich bedeutet es eineu steile» 
steinigen Abhang, wie im mini. Vgl. Frauz 
Pfeiffer zu Mystiker I. 8, 8 ; Jeroschin 
S. 213; Röpke Passional 772. Schweiz., 
bair. rösch: steil, jäh. 



S. 



•»Abseiten, schw. vb. feiern, blauen Montag 

machen (Reichenbach) . überhaupt : 
schwiemeln, schwärmen.— WohlAbleitung 
von Sabbat; schwäb. sich einen Sabbat 
machen : sich lustig machen. 

Sache« f. lj Angelegenheit, Grund, Be- 
deutung, caussa; 's ist Sache: das hat 
Bedeutung, '» is nich Sache : es ist nichts 
dahinter , bair. des hol ka Sach ; do 
bots kenne Sache : das ist ohne Schwie- 
rigkeit. — seine Sache machen: verrich- 
ten was zukommt , seine Pflicht thun ; 
schaffen sine sache, Eneit 8462. 2) res. 
Habe, Vermögen; es ist ihm alle seine 
Sache verbrannt ; all mein Bissel Sache ; 
ich hab meine Sache: hab nichts mehr zu 
kriegen. Schnieder 3, 186 ff. 

Sachs , gewöhnlicher .Name der Schäfer- 
hunde. 

sachte» adj. leise, nach nd. Gebrauche. — 
Uber den Zusammenhang zwischen 
sachte und sanft vgl. Grimm Gesch. der 
d. Sprache 349. 

e»ng-en, schw. vb. Über die Zusammenzie- 
hiuigen dieses Wortes vgl. meine Dialekt- 
forschung S. 27, über die Aussprache 
von gl ebd. 83. — In die Erzählung wer- 
den möglichst viele „sagt ich , sagt er", 
eingeschoben; ein Scherzspruch darüber : 
Hitze hat sc, sal se, het se, 
Küiung braucht se, meut se, mecht se. 
S o i l s e, f. Sage, Gerücht (nördl. Nieder- 
schlesien). 

Sack, S ä k , tu. 1 ) wie hd. Auch für Tasche 
in obd. und nd. Weise : Geldsack ; S c h u b- 
sack: Tasche in den Weiberröcken, 
worin das Geld getragen wird ; Sehub- 
sackfreier : Kreier der nur nach Geld geht. 
Schab mir den Schubsack! = schab ab: 
/.ich ah. '2) Hodensack; Sackboden: Theil 
der Hosen zwischen den Beinen. Wie bair. 
Schwanz, mhd. zers, zumpf wird Sack, 
wenigstens in Zusammensetzungen, zur 
Bezeichnung der Mannspersonen ge- 
braucht : Labersack, Msrsack , Tallsack. 

sacken, schw. vb. ansacken: aufahren, 
ausschalten. Daseinfache sacken findet sich 
schlcsisch nicht, aber Schweiz. = strei- 
ten, zanken ; ahd. sachan: streiten, klagen ; 
nd. saken : klagen; vgl. goth. sakan, 
altn. saka. 

Salate, f- Salat (auch nl. satade, f.); lang- 
beinige steigen herum wie der Storch in 
der Salate. 



sn Ilten, schw. vb. wie hd. — besalben. 
a ) bestreichen, beschmutzen, beflecken • 
weun das Behmerland zugelassen hat die 
falschen propheten , so ist es besalbet 
mit allerhand ketzerei. Eschenloer 1, 132. 
dass Osman unserthalben 
mit diesem Schand-Flcck ihm wird sei- 
nen Ruhm besalben. 
Lohenstein Ihr. ßassa 3, 202. b) betrü- 
gen, gleich beschossen. — Der Gedanke 
liegt nahe, in diesem besalbeu neben sal- 
ben (salhdn) auch das altesalawjan sal»- 
w«Ju : schwarz machen, zu suchen. 

salte , scite, adr. 1) dort ( Heichenbach, 
Schweidnitz) damals neulich ( Neisse, 
Mittelwalde, Liegnitz, Trebnitz) : beisalte: 
dort; Nebenformen salkst, saukst. 
saukstern, saukt: duniiils (nördl. Nieder- 
schlesien). Vgl. m. Dialektforsch. 142. 

.Salz , n. wie hd. — Salzwagen tragen : 
Töpfe zum neckenden Gepolter Abends 
an fremde Thören werfen. — S a I z i r I a, n. 
Salznäpfchen, demin. zu Salzir ; nd. Sul- 
serken, eigentlich Salsennapf, aauciere. 
Vgl. Haupt Zeitschr. 7, !»Ö6; Frisch 2, 143. 

isarnen, schw. vb. säen : die ihre Flainmeu 
sätnen in alle herzen kann. Lnhensteiu 
Agripp. 3, 161). 

Mamgtagr ♦ Samsntag,m. uur im däni- 
schen statt des im übrigen Schlesien üb- 
lichen Sonnabend gebraucht. 

sntt , adj. 1) wie hd. 2) adv. sehr (Glaz, 
uördl. Niederschlesien ) sich satt freuen ; 
auch nd. — sattsam adj. übersättigt, 
verdricsslich : 

weil nun die Welt wie ein kindisch 

alter greis 
beissig garstig satsam wird, bloss auch 
nur zu nuseln weiss. Lopau 1170. 

Sau, Saue, Säue, f. Auf dem Zobten- 
berge liegen sehr alte rohe Steiubildcr. 
z. B. eines Büren und eines Wolfes; aber 
mich eine steinerne Sau soll vorhanden 
sein, die jetzt- vou einem Steinhaufen be- 
deckt ist. Die vorübergehenden warfen 
unudich jedes einen kleinen Stein auf da* 
Bild und riefen : Sau, hier hast du dein 
Ferkel ! — Sau ist in den Schellwnrteii 
reichlich vertreten: Saubartel , Säu- 
darm, Siiudreck, Säujunge, Säumagen. — 
Sa u b ä r,d. i. Sauber: Saueber, männliches 
Schwein (vgl. Her) als Schelte noch im 
Brauch — v e rs:i u h a ttc I n,- b o t te I n, 
schw. th. durch N.irliliis.sigkcit cinhüsscii. 



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80 



Zu Säubartel? oder ist es au« versäube- 
leo, versäuweleo = versauen entstellt, da» 
Schweiz, vorkommt? 

Mauern« schw. vb. versauern: durch die 
Nüsse verderben (vomAcker und vou Feld- 
fruchten), übertragen auf Mens ehe u die 
durch die Nässe des Schicksals verküm- 
mern, zwar allgemein bekannt, aber hier 
wegen Chr. Güuthers zu erwähnen, dieses 
Fürsten schlesiseher Dichter, welcher 
sein eigenes Geschick beweint, klagend : 
wie manch geschickt Gemüthe ver- 
sauert in der Noth ! (S. 726, 3. A.) 

saufen, st. vb. saufen wie ein Zugochse. — 
e r s a n f e n : Getreide und andere Früchte 
ersaufen iu zu grosser Nässe; Bergwerke 
ersaufen ; allgemeiner. S a u f a u s, m. Säu- 
fer; sehr gebräuchlich. Es sei erlaubt 
ältere Belege anzuführen: in der kurz- 
weiligen Predigt Doctor Schmossinans 
heisst es: Es haben gegriffen zum sack 
der ee, scheissiu kübels tochter und sauf- 
auss sein sun. Saab gar auss, Unland 
Volkslieder 612; Stieter 60 hat neben 
Saufaus Trinkaus , bibulus ; nd. Siiput. 
Grabschrift in Philanders v. Sittenwald 
Gedichten (2, 239. 1650) : 

Hic jacet extinetus valde veuerabilis 

Auss-sauff, 

von Brandten- Wein und bitter Bier, 
und ist also entschlafen hier. 
Gesäufte, u. und ist beineben ein 
gross gesäufte gewesen. Schweinichen 
3,74. — S uf f , m. sich dem Suff ergeben; 
ahd. suf — Süffling, Sifflig, m. 
Säufer. Stieler 1685 f. ; Schindler 3, 204. 

Saale, f. Säule; die Saul A. Gryph.— Inden 
schles. und böhm. Schenken steht in der 
Milte der grossen Schenkstube eine höl- 
zerne Säule als Träger der Decke; an ihr 
sind die obrigkeitlichenBekanntmachungen 
angeheftet und um sie drehtsidi der Tanz : 
wenn de gäla Gciga han geklunga, 
seim ber im de Säule rimgesprunga. 

Saum, m. auf den säumen treten, Schwei- 
nichen 1, 70 für comprimere aliquant ; vgl. 
aldi) warf ichs under mich und trat ir uf« 
gewant. Minnesinger (v.d. Ilagen) 3, 247 b . 
DA er uuibe ir miune bat,durh das röckel er 
ir trat daniden hf dem soume, ebd. 3, 248'. 

Matz, Siitz, m. beslimiiite Zahl zusam- 
mengehöriger Gegenstände : Satz. Kälber- 
fiisse (4 Sliiek), Satz Stecknadeln (o St.), 
Satz Kegel (9 St.). — Fischsatz: 
Trittbrett an Strömen oder Teichen, 
zum auswerfet! der Netze (Breslau). — 
Satzw a nd , f. von Dünger oder Laub 
geschichtete , mit Stangen befestigte 
Aussenwantl an Häusern und Ställen zur 
Erwärmung von aussen. 

Schachen, schw. vb. scheuchen, verjagen; 
auch schwäb. Schachen, Schmid 430. 
die Schande schächl den Trieb der Pflicht, 
die was vollkommnes liefern sollen. 

Stoppe Parnass 315. 



Sehacht , m. Lärm .- einen Schacht ver- 
führen. Auch oblaus. und weiter; bei 
Scherz 1367 Schachen, lachen; schwäb. 
Schächtcrling : lautes auflachen ; nd. scha- 
chern, laut und unanständig lacheu; nl. 
schateren; verwandt ist schäkern. 

Schachtel , f. t) wie hd. 2) pudeada 
feminae 3) in gemeiner Rede: Weib; 
alte Schachtel. — Schindler 3, 316. 
Schmidt 173. 

aehaehtern, schw. vb. geschäftig sein, 
emsig arbeiten. — herumschach- 
te r n : geschäftig herumlaufen. Tausch von 
ft und cht, vgl. schaffern. — Vgl. schwäb. 
•chechten, schachteln : herumlaufen. 

Sehade, m. besser were ein schedlin denn 
ein schade. Eschenloer 2, 42. 

.Schuir, n. rundes hölzernes Gefäss, beim 
waschen und in den Küchen gebraucht. 
Auch in der östl. Oberlausitz und allge- 
mein obd. Sehmelier 3, 326. — ahd. sc* f. 

schaffen, schw. vb. 1) es schaffen: zu- 
recht kommen : sie kanns vor Kindern 
nichtinehr schaffen ; es vor Gestank nicht 
schaffeu können. 2) anordnen, befehlen ; 
heute in preuss. Schlesien kaum noch 
üblich, aber früher auch bei den schles. 
Dichtern häutig. — S c h a f f e r, m. eigentl. 
der Anordncr (ahd. scaffslri : mconomus. 
dispensator) : der Vogt auf den Höfen, 
Vorstand und Leiter des Gesindes. Ein 
guter Schaffer ist hesser wie zehn schlechte 
Arbeiter, Sprichwort Nebenf. Schaff- 
ner (mbd. aebaffeutere) : Mein Schaffer 
sol alsbald iedwetlem Knechte zahln drey- 
hundertGroschenans. Lohenstein Epichar. 
2, 189. — s c h a f fe r n, schw. vb. geschäf- 
tig sein, wirtschaften. — herumschaf- 
fern. — Vgl. schnchtern. 

schackien , schw. vb. auslaufen, fortlau- 
fen, herumstreichen (Langenbielau); ver- 
wandt mit schachten, w. z. s. 

Schalander , h. Scheltwort, aus Galan- 
der entstanden, vgl. in. Dialektf. 84. ca- 
landrus : gryllus curculio; die Bedeutung 
galerila können wir nicht herbeiziehen. 

SehnläMtcr, f. Elster, die gewöhnliche 
schlesische Gestalt des Wortes; vgl. Agla- 
ster. Auch oblaus. 

schnmpera, schw. vb. hüpfend, trippelnd 
gehen- — Scham p e r, m. Tanz. — Durch 
Einschiebung von m aus schappern 
entstanden, w. z. s. 

Schande , f. nach älterer Weise gleich 
Scham: keine Schande haben: keine 
Scham kennen. Vgl. Scbmellcr 3, 370, 
und frz. honte. 

sehappeln, schappern, schw. vb. 
hüpfend tänzelnd gehen, wie schani- 
pern. — herum schappern: herum- 
hnpfen. — Schaperke, f. Kreissei 
(Falkenberg). — schwäb. schappern: 
umherlaufen ; bair. sehappeln, scheppeln : 
klappern, schlottern ; Westerwald, schah- 
ben, schubbern, schaubern. 



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> 



scharhen, »chw. vb. klein schneiden, 
schaben; Kraut e i nse Ii a r b e u (Glaz). 
Üblaus. Scharbe: Schnittbret zum Schar- 
ben von Hüben, Obst u. dg~l. — ahd. 
scarbon. Frisch 2, 163; Stieler 1735; 
Schweiler 3, 397. od. skarven. 

schar-achen * schw. vb. scharren mit 
den Füssen, schleppend gehen ; rsch aus 
rz: bair. scharrezen. Schmeller 3, 380. 

Schatte« schw. m. Fächer. Vgl. mhd. 
schalehuot, Schweiz. Schathut. 

Sehaub, m. Bund Stroh (öster. Schle- 
sien); ahd. scoup, nd. scdf, ags. scedf. — 
Allgemeiner ist 8 c h a u b e, f.Strohbündel, 
womit die Strohdächer, die Schauben- 
dächer, Schobendächer, ge- 
deckt werden. 

Scliaaer t m. 1) wie hd. 2) kurzer Strich- 
regen. Wahrend Schauer in Süddeutscb- 
land vorzugsweise (aber nicht aiis- 
scbliessiich, vgl. Schmeller 3, 386) das 
Hagelwetter bezeichnet , ist es in Schle- 
sien nur für den milderenRegen gebraucht. 
Vgl. hiezu ags. «cur: Unwetter, Sturm, 
Hegen ; nd. Schur : Regen, Hagel. 

Schauer , m. Schuppen bei den Mühlen, 
iu welchem die Bauten und Ausbesserun- 
gen für das Mühl werk ausgeführt werden, 
ahd.scür: tugurium, dorauncula; ud. Schur: 
Obdach, Hegenhütte. — Aus Vermischung 
mit diesem Wort wird scharwerken 
(worüber Schmeller 3, 382) zu schau- 
erwerken umgebildet : schauerwerken, 
an der Mühle baueu; Schauerwerker: 
Mühlbauer. 

aeheften , schw. vb. schaffen , arbeiten 
(Heichenbach). 

Scheibe, f. 1) wie hd. 2) besonderes 
Ackerstück, meist flach und in der Nähe des 
Herrenhofes gelegen, gegenwärtig durch 
nichts von den übrigen Äckern unterschie- 
den. Die Scheibe ist der Lehde entgegen- 
gesetzt (s. Lehde). (Lieguitz, Domauze). 

be-scheiden, udj. zum unterscheiden und 
erkennen : deutlich : „Man sieht von dem 
Berge Breslau ganz bescheiden liegen." — 
mhd. bescheiden in gleicher Bedeutung. 

(tcheissen, st. vb. in einer Menge kräfti- 
ger Heden gebraucht. Von einem schwer 
zu befriedigenden heisat es : dem Kerle 
trifft mans nicht und wenn man ihm mit- 
ten auf den Kopf scheisst. — In A. Gryph. 
Horibiticribrifax machen sich Cyrille und 
Sempronius folgende Üomplimeute : C. ich 
will dir die Augen auskratzen und in die 
Löcher scheissen. — S. Ich will dir den 
Ars an deine Zunge wischen. — C. Ich 
will dein Maul unter ein Seheisshaus 
nageln. — auss c heis « en : aussehen wie 
ausgeschissen (farblos und eingefallen); 
vgl. die bair. Redensarten: ausschauen 
wie 's Mudl unterm Schweif; ausschaun 
wie c gespibnes Apflmues. Schmeller 
3, 303. bescheissen: ohne üblen 
Nebensinn gebraucht nach alter Weise 



Ncbellltr. 8 1 

1) für beschmutzen: beschissene Uaude, 
Wäsche u. dgl. — Von einem unbrauch- 
baren Knechte heisat es in kräftiger 
Weise, wobei an cacare selbst zu denken 
ist : er besehesst ok Knechtes Stelle. 2) 
betrügen. Sprichw. : wen er nicht be- 
schissen hat, den beseicht er; vgl. jene 
haben uns beschissen , so beseichen uns 
diese. Seb. Franck Weltbuch 43. rw. — 
Bescheisser: Betrüger. — Vgl. Grimm 
Wtb. 1, 1561. — Scheiashänsel: Abtritt, 
vgl. Haus, Häusel. 

Scheit, n. (Plur. Scheite, Scheiter) wie 
hd. — der gantze körper ist noch dürrer 
als ein scheit. Opitz 2, 57 (1629). — So 
sollte eh die gantze stadt zu scheiteru 
geh n. Sch weinichen bei Stemel Script. 4, 
»8. Manch starkesLastschiff gebt zuSchei- 
tern durch denWind. Lohenstein Ibr. Bassa 
3. 187/ K e p p s c h e i t : Stück Holz, wo- 
mit die Mangel (Holle) empor gehoben 
wird, um die fertig gemangelte Wäsche 
hervorzunetameiuv.; — Quaslscbeit: 
Schelte für quätwisebe Kinder. — R a- 
s s e l s c Ii e i t , *r Hassel. — Rumpel- 
scheit: wie das vorangehende, zänki- 
sches altes Weib: der soll anstatt de» 
Macherlohns ein böses Humpelscheit be- 
kommen, die sieben Männern schon den 
Hals, wie ihr die Zeit den Zahn genom- 
men, Günther 439. das alte Rumpelscbeil 
begehrt nach einem Mann, ebd. 1101. — 
Schieissscheits. Schleisse. 

Schelfe, f. Schale; ist mir heute im Schles. 
nicht mehr begegnet, wohl aber bei den 
schles. Dichtern des 17. und 18. Jahrh ; 
wenn man von eiuer Nuss das eine Theil 
der Schelfen verleuret Scherffer 464. M» 
trifft den wahren Kern und sättigt sieb an 
Schelfen. Günther 504. — ahd. sceliva. 
Scherz 1388, Stieler 1719; im bair., 
schwäb., schweiz. erhalten, ebenso ud., ul. 
Schelp. Schulpe : Muschelschale. 

schellifr, »dj. zornig, mürrisch ; ist heute 
mir nicht mehr im schles. begegnet, aber 
mehrfach bei Schweinichen aufzuweisen : 
darauf ward der Herr Bischof schellig und 
unlustig, 11,114; haben einen wunderli- 
chen und schelligen unholdseligen wirt 
gehabt, ebd. 276, auch II. 147. 292. 
Viel Worte machen schwache häupter 
oder ja schellige köpffe, Schweinichen bei 
Stenzel Script. 4, 51. — Über dies mhd. 
zuorst begegnende und bis in neuere 
Zeit häutige Wort sind mancherlei Deu- 
tungen versucht, worüber Zarncke zu 
BrantsNarrenschiffc. 110% 34. — Ich ver- 
suche folgende Ableitung. Obd. begegnet 
ein Nomen Schell , gescheite, schell ing: 
differentia , discordia (Frisch 2, 172. 
Scherz 1389);adj. schell : unterscheidend, 
gescheit : ein Engelländer spilet auch nim- 
mermehr so wol, wie klug und schell er ist. 
Gereimte Vorrede zu Phil. v. Sittewalds 
Gesichte ((630); fürschell: tobend 



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82 



Sehe nun el - Sohlt«. 



rasend. Fastnsp. 629, 5. Hiezu od. sche- 
len i) unterschieden sein, 2) uneinig 
sein, zanken; Schel, Scheie: Uneinigkeit, 
Streit ; schelhaflig, schelachtig: zwistig. 
Brem. Wb. 4, 028 f.; nl.schelen; ags. 
seile, Unterschied, sciljan, trennen ; altn. 
skil, skilja; norweg., schwed. »kilja; dfin. 
«kille. — Wir halten hiernach auch ahd. ein 
Wortscel, scetan: unterschieden, uneins 
sein, aufzustellen, wovon schellic eine Ab- 
leitung, deren Grundbedeutung ist: mit 
Trennung, ZwiBligkeil behaftet; uneins 
in sich und mit andern ; zornig wild. 

Sehemmel. m. wie hd. — Eisschem- 
in e I : grosse Eisscholle (Reichenbach). 
Frisch 2. 160 führt das Wort aus Wurst- 
isens Basier Krouik auf. 

Schenke« f. in Schlesien seltener ge- 
braucht als Kretscham. Pachtschenken 
heisaen kurzweg die Pacht. — Offene 
Schenke : unTerhüllter Busen, — schen- 
ken, schw. rb. neben der Bedeutung 
donare, hauptsachlich propinare, und 
säugen. Die Mutter schenkt dein Kinde. 
Allgemeiner. — (J es c he n k e, n. Paten- 
gescheuk: inenihrura virile. 

seherren, schi rr e n, schw. vb. (verthei- 
len, anordnen, ahd. scerjnn, ags. seerjan, 
scirj.m) erhalten in anschirren: die 
Pferde mit deinGeschirre belegen, anspan- 
nen; vorschirren, fii rs cherren : 
dj» Esseu anrichten. — Geschirre, n. 
das znm Fahren und Reiten nothigeWagen- 
und Pferdezeug , das in der Schirr- 
kammer aufbewahrt wird. Schirr- 
holz: die abgehauenen und behackten 
Birkenstämme, welche zu Wagnerarbeiteu 
gebraucht werden. — Schweix, schirren : 
ordnen; anschirren: anordneu; Geschirr: 
Ordnung. Stalder 2, 319; vgl. Frisch 2, 
185. — Wie die Vergleichung des ahd., 
ags. lehrt, ist die Form scherren neben 
schirren berechtigt. 

Schersen, schw. vb. trans. zum Scherz 
machen, verspotten: wird damit unser 
band und wort nicht höchst gescherzt. 
A. Gryph. sterb. Papin. 2, 253. d:iss ich 
sein haus und stamm und schwester 
so gescherzt, ebd. Card. Cel. 1, 192. 

scheitern« schw. vb. locker, zerbrechlich 
machen, in serschettern: ein altes 
zersehettertes : baufälliges Haus (Rei- 
chenhach). Vgl. unten s c h i 1 1 e r und 
Schweiz, schillern: gebrechlich werden. 

Scheune« f< wie hd. — Hae, merkste a 
Scheindel?= merkst du etwas , was dich 
lockt ? gründet sich auf folgende Ge- 
schichte: Ein Bauer halte sich eine neue 
Scheune gebaut, das Gewitter schlug eiu 
uud sie brannte nieder. Er haute sie von 
.Neuem auf, und da sie fertig war, kurz 
vor der Ernte, zog wieder ein Wetter heran 
und trieb mit plötzlicher Wendung ge- 
rade auf den Wohnort des Bauern zu. Da 



stellte er sich verzweifelnd hin, sah grin- 
send zu der Wetterwolke auf und schrie: 
hae, merkste a Scheindel ?" 

schieben« st* vb. 1) wie hd.; 2) schuh- 
nder stossweise gehen. — abschie- 
ben: sich entfernen. — Vgl. Stieler 1778; 
Schindler 3, 313. Rräuchlicher war in 
der Bedeutuug gehen, ahgehen in alterer 
Zeit schaben : Krone2492. Erec, 4195; J. 
Grimm zu Reinhart Fuchs S. 283. Vgl. 
ferner das gewöhnliche Schabab und das 
brandenb. abschaben. 

Schiede le, n. über der fürstlichen Rare 
ist ein geschiedele gestanden, darauf ha- 
ben 200 Wachslichter gesteckt. Schweini- 
chen 1, 65. Es ist Gesiedele zu lesen: 
Gestiii, hier also staffelartiger Aufbau, 
j schief, adj. durchgehends nach nd. Art 
s c h & f gesprochen. — windsche'f: 
schiefgezogen, von Holzwerk gebraucht: 
auch nd.— w i n d , zu wenden gehörig und 
mitWind,ventus, ohne Verbindung, kommt 
auch sonst zur Bezeichnung des krum- 
men, schiefen vor: windschaffen, wind- 
achsig, windhilsig, windschelch, windvar; 
auch mit Ableitung: w indisch (schle- 
sisch, Westerwald., Schweiz.), winsch: 
schief, krumm. Vgl. Schindler 4, 108. 

Schiefer, Schiever, m. hauptsächlich: 
Splitter; Holzschiefer, Garnschiefer (das 
Garn schiefert: dreht sich auf); auch 
Schiefer Brot: Schnitte Brot. — ahd. 
seivaro, mhd. schtver. Redensart: einen 
Schiefer zu viel haben: etwas verdreht 
oder verrückt seiu. Logau n. 2800 sagt: 
weil im köpfe schiefer stekt, 
hat er auch womit er dekt. 
Schiefer ist hier in seiner andern Bedeu- 
tung genommen; das» aber die von Split- 
ter auch hier die ursprüngliche ist, be- 
weist der schlesische Zusatz: er hat nicht 
hlos einen Schiefer, sonderu einen ganzen 
Balken. Anderwärts bedeutet diese Re- 
densart: zornig sein. Stieler 1780; 
Schindler 3, 336. 

Sehlel-bock, m. schieläugiger. Vgl. Fi- 
schart Gargantua c. 42. 

Schient, m. Schatten, Geisterschatten: 
oberlaus, erhalten, bei Berndt Schien. 

Maria, schwebt dein schiem mitleidend 

um uns her. 

A. Gryph. Karl Stnard 2, 255. — mhd. 
schime , vgl. ahd. scema, nd. nl. Schern, 
Scheine. — Diefenbach goth.Wb. 2, 226: 
Schindler 3, 362. 

schicker, adj. besoffen, das hehr. H3»tf, 
durch die Juden in Oberschlesien in Um- 
lauf gesetzt; auch in der Studenten- 
sprache einheimisch. 

Schild, m. einer Jungfrau in deu Schild 
reiteu, Logau n. 2051 = ihr eine Grob- 
heit sagen ; wie einem in den Schild re- 
den: ihm zum Nachtheile reden. Frisch 2, 
181. Vollständiger wäre: in den offnen 



schliffe - Sehlandcr. 83 



Schild reiten, d. i.inden Rücken fallen,von 
hinten kommen, alln.J npnaskiöldu konia. 

schiljr«», ndj. in r ecli t s ehi I g e entstellt 
für rechtselbig, der rechte: wenn erst 
der rechtsehilge Kreier kommt , wird sie 
schon heimtlien. 

Schilling, Schümm. Münze die früher 
in Schlesien gebräuchlich war und wenig- 
sten» als Werthbestimmung iia 18. Jahrb. 
noch gebraucht wurde (der S c h i I g e r, 
S c h i 1 1 i g). Über den Werth des Schil- 
lings im 14. Jahrh.rgl. Stemel in demUr- 
kundenbuch der Städte 91. Auf den kur- 
zen Schilling giengen wie anderwärts 
(Scherz 1407, Schweiler 3, 345) zwölf 
Pfennige , und daher wurde das Wort 
gleichbedeutend mit Duzend überhaupt; 
so ist es noch beute in Schlesien und 
Lausitz gebraucht: ein Schiig Nüsse, 
Aepfel; viel Schiige Mal. — BeiScherffer 
401 steht: zwei Schilling schmilz bat er 
verdient, eine Stelle, die zu der von 
Sehmelier 3, 347 aufgeführten tritt: nie- 
man sol sinem leYchinde mer siege luon 
danne zwelfe und sme geveYdc. Die Ru- 
tenstreiche wurden also duzendweise ver- 
abfolgt. Oh sich hieraus die Bedeutung 
Schlag, Streich für Schilling entwickelt 
hat, die obd. noch gang und gfibe ist, 
möchte fraglich sein; schon in der 
Thrymsquida heisst es mit einem Wort- 
spiel: hon skell uinhlaut for skillinga 
(Schellen erhielt sie für Schillinge). 

Schimmel» in. einem zureden wie einem 
kranken Schimmel. Über den S ch Im- 
me Ire iter vgl. meine Weihnachlspiele 
und Lieder (Graez 1853), S. C f. 

schinipern, schw. vb. mingere. — Vgl. 
schimpfen. 

schimpfen, schw. vb. die alte Bedeutung 
acherzen verschwindet im 18. Jahrb. 
hinter der von schellen. Günther 469 
sagt: gescherzt ist nicht geschimpft. — - 
Seh im p f Ii ü lt c : Abtritt; auch ohlaus. 
— sehiuipern steht wahrscheinlich für 
Schimpfern : etwas unanständiges machen. 

schinden t in der eigentlichen Bedeutung 
die Haut ( skint) abziehen, wird es schwach 
gebeugt; schon Fundgrub. II. 334, 24 nu 
sinl mir beschint die knie; in der übertra- 
genen Hedeutungqutileti, martern, stark :er 
hat seine Leute geschunden. — Über das 
sonst umgekehrte Verhältnis» vgl. Rückert 
zum h. Ludwig 53, 11. 

schirren, b. scherren. 

sehitter, adj. dünn, lückenhaft, besonders 
vom Getreide gebraucht; mhd. schiler 
und durch ganz Oherdeutschiand ver- 
breitet. — Vgl. schetlern. 

schlachten, in nach schlachten: nach- 
arten ; der Sohn schlachtet dem Vater nach; 
abgeleitet von slacht: Geschlecht, Art. 
Frisch 2, 183. nd. »lachten, von dort 
übergegangen in die neuunrd. Sprachen: 
slügle, »la'glast. 



Schlaf, m. Schlafbursche, Schla f- 
geselle: Bettgenosse. Schau die Hölle 
ist dein Schlafgeselle. Chr. Gryphius 108 
(3. A.). — schlafen: einschläfern ; 

Die Wach ist sinnenlos, geschläft durch 
starken Wein. 

A. Grypb. Rath. v. Georg. 1, 392. 

Schlatittel, n. eiuen beim Schlafiltel 
nehmen : ihn beim Schlagfittich (Gefieder, 
Kleid) packen. — Da» Wort ist durch 
ganz Deutschland verbreitet. Schindler 
3, 444; Rheiuwald 1, 139; Schmidt 185; 
Brem. Wb. 4, 797 ; Schütze 1, 319. - 
nd. heisst es auch: enen bi dem Fiddik, 
hin Flunk kriegen. 

Schlag", m. ein Schlag Zeit: ein Augen- 
blick; aus der Musik herübergennmmen, 
wo Schlag die Dauer eines Tactes bezeich- 
nete, Frisch 2, 187. — Von der Zeit auf 
den Raum übertragen: einen Schlag 
rücken. - Schlage I os,m. 1) streitsüch- 
tiger zum losschlagen bereiter Kerl; 
2) Schleuderer, Kaufmann der unter dem 
Einkaufspreise losschlägt; überhaupt Ver- 
schwender: sieh doch, du Schloilus , du 
hast gewaltig vil zu verschenken. A. 
Gryph. gel. Dornrose; Kernkronik 2, 
724. — schlegebäuchen, s. Bauch. 

Schlacke, f. Hund ; Fleischerschlacke 
(Reichenbach). 

schlampen, schw. vb. schlaff, lüderlich 
sein. — Schlampe, f. 1) lüderliches 
Frauenzimmer ; 2) dünne kraftlose Suppe. 

— Durch einfügen der Labialliquida aus 
schlapp, schlaff; Frisch 2, 192; Schnel- 
ler 3, 440; Stalder 2, 323. 

ge-nchlanke, adj- schlank; bei den ge- 
scblanken Fichten. Stoppe Parnass 413. 

schlappen, schw. t. lecken , schlürfen ; 
schlappern, dasselbe. — a u s- 
schlappern: auslecken, ausschlürfen . 

— sich I) e s c h I a p p e r n : sich benetzen , 
beschmutzen. — Schlappermen ts- 
tag: Festtag wo geschlappert: ge- 
schleckt und getrunken wird. — Weit 
verbreitet in Mittel- und Norddeiilsch- 
land;nd. nl. slahben, slabbern, slubbern ; 
engl. slap. — Vgl. lappern. 

sehlarsehen , schw. vb. die Fnsse schlür- 
fend schleppen ; für slarrezen. — Das 
einfache starren ist nd. erhalten; Ablei- 
tungen : bair. slarfen, Schindler 3, 457; 
schwed. slarfva; Schweiz, schlarpen, 
schlarggen, mit den ablautenden schlir- 
pen , schlurpen , schlirggen , schlurggen 
( Stalder 2, 324). so wie nd. neben star- 
ren, slurren steht. — Vgl. schlurksen. 

Schlaufler, f. nachlässiges lüderliches 
Frauenzimmer: so lange bis einTranUrh, 
ein Schlauder ihn erwischet, SeherflcrO'20. 

— Vgl. mhd. sluder in sluderaffe, Schlatir- 
affe; Schweiz, schludern, bair. Schlei- 
dern, nd. »ludern, slnren: nachlässig, lü- 
derlich sein und arbeiten, schlottern. 



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84 



sehlaunen, schw. vb. von stallen gehen, 
glücken. Wie schlaunts'n denn dohinigte? 
wie geht ea ihnen hier(Kynau). — Stieler 
1089. 1818 sehlaunen: succedere. Wie 
schlaunf es? num valcs ? es schlaunt ja 
noch so dahin, medioeri forluna utor. — 
ahd. slt'ina, Glück, sliinic, glücklich ; mhd. 
sliuneu ; bair. schlaunen: von slatten ge- 
hen, Schweiler 3, 450; kämt, schlaun 
wohl : behüt dich Golt ! S c h I a u n, m. Ge- 
schicklichkeit. 

Schleier , genauer Schleierleinwand : die 
sehr feine Leinwand , deren Weberei im 
17. u. 18. Jahrh. im Hirschberger Thale 
in hoher Blüte stand. Der Begriff des 
feinen , der in dem Worte Schleier liegt 
(vgl.altn.silkislvja, engl, sleavesilk), tritt 
hier deutlich heraus. Vgl. über das ety- 
mologische Franz Dietrich bei Haujit 
Zeitschrift 7, 190. 

schleissen, st. vh. reissen, spalten (abd. 
slizan, ags. slitan), Federn schleissen: 
die Flaumen von den Kielen reissen; den 
Pips oder ZJps schleissen : die harte Haut, 
die sich auf der Zunge der Huhner gebildet 
hat, abreissen. S c Ii I e i s s e, f. Kienspan, 
der als Leuchte in den UanerhSusern 
dient ; die Schleisse ist an einem Ständer 
(Schieissenleuchter) in der Nähe des 
Ofens angemacht; der glühende Aschen- 
abfall heissen die Schlcissentrümel 
(Schlessatrfmla). Mit den Schleiss- 
sch eilen treiben die Schleissen- 
männer einen kleinen Handel durch 
das Land. 

schlenkern , schw. vb. trans. und intrans. 
schwenken; schlottern, schwanken. — 
schlenkricht, adj. schlottrig , schlaff. 
Allgemein; Frisch 2. 197: Schweiler 3, 
433; Stalder 2,328; Schmidt 189; Brem. 
W T b. 4, 822. — ahd. slenkiren, jactare 
— Schlanke), Sc h I i n k s c h I a n k , 
m. schlotternder nachlässiger Mensch. 

Schleifern, s. schlottern. 

Schlcusscrln, Schleisserin. f. weib- 
licher Dieustbote, der etwas unter Ver-* 
schluss hat: auf den Wirtschaftshilfen 
die Milclischleusserin , in den Gasthöfen 
die Freindenschleusserin. In den andern 
Häusern ist die Schleu^serin das Stuben- 
mädchen. Schlei ssrich: Mann der 
Milehschleisserin, kecke Bildung der 
Jauersclien Gegend. 

schlicken, schw. vb. schlingen, schlucken, 
ahd. sliccan , erhalten in dem frci|uent. 
schlickern : schlemmen , schleckeu ; 
Sch lickerhiusel , Wirthshaus wo 
geschlemmt wird. — nd. slickern, Brem. 
Wh. 4, 830. 

schlickern, schw. vb. vom vorigen zu 
trennen; 1) nass, schmutzig sein: das 
Weller schlickert; Schlicker Wetter: 
nasses schmutziges Wetter, namentlich 
wo Schnee und Regen durcheinander- 
fallt. — schlickricht, »dj. hiezu; 2) 



hin und herschwanken wie Schlamm (nd. 
Slick): trans. verschlickern: flüssiges 
verschütten. Stieler 1830; Brem. Wb. 4, 
828; Schütze 3,12t. ul. slik, sljjk. — 
Vgl. seblippern. 

schlimm, adj. weniger in der Bedeutung 
böse, schlecht, als in der „schief, krumm" 
gebräuchlich, die früher auch obd. war 
(ahd. slimb, obliquus, und Schindler 3, 
449) , jetzt aber vorzugsweise nd. und 
nl. ist. — schlimm sehreiben; schlimme 
Füsse haben, schlimmpenig sein. 

schlippen« schw. vb. schlüpfen , gleiten 
(ahd. slipfan) : o war ein giftig Pfeil durch 
Lung und Herz geschlipt. Lohenstein Ihr. 
Bassa 1, 227. — Schweiz, schlipfen, Stal- 
der 2,329. nd.slippen.— schlippern: 
frequent. zu schlippen : gleiten, schwan- 
ken, trans. u. intrans.; mit etwas flüssigem 
fchlippern. nd., nl. slibbern : gleiten, 
schlüpfrig sein. Vgl. schlickern. — 
Schlippermilch, Schlicker- 
milch: gestockte oder saure Milch. — 
Schlipsen = schlippen und schlip- 
pern : gleiten, schlüpfen. 

Schlitz , m. wie hd. — Schlitzloch: 
Mauei scharte, langes Luftloch in den 
Slallwänden. 

schlitzig;, scblitzkig, adj. schlüpfrig, 
glatt. — Schlizkeo: dicke Mehlnudeln 
mit brauner Butler begossen und gerie- 
benem Käse bestreut. — Schlitzken- 
darm: Schelte. — Statt i ist vielleicht ü 
zu schreiben; vgl. bair. schliilzig, schlö- 
tzig: klebrig, schmutzig. Schindler 3, 
402. 

schlottern, schw. vb. nicht im Volke ge- 
bräuchlich; aus dem Stamme sind indessen 
aufzuführen die Bildungen Sehl otti ng, 
S c h I o 1 1 i g, m. lüderlicher Heruinstrei- 
cher. — schld Ischen, schw. vb. 
schlotternd gehen, die Füsse schleppen. 
— schlottern, schletter n,schw. vb. 
schlottrig machen; ein zerschlaetertes 
Haus : baufälliges Haus. — schwäb. schlot- 
tern, sehleltern : verschütten, klecken. — 
Geschlaiter, n. ISderliches Gesindel. 
Kernkronik 2, 721. Schindhund und Teu- 
fels Geschläter. Hoffmannswaldau u. andr. 
Ged. 4, 337. 

Schlucke, f- der Schlucken. Spruch ge- 
gen den Schlucken : 

S c h I u k u p vergfh mfeh ! Aler MAn nim 

mich! 

nirat mich nich Aler MAn, kirnt de Schlu- 
cke ndch dreimal an. 
(Reichenhach.) Vgl. dietinars. Slukiip, 
holstein. Siikup, Schütze 4, 123. 

Sehlunfr, m. Schluck ;* vgl. Frisch 2. 200. 
Zu schlingen wie Schlund zu schünden. 

schlurksen, schw. vb. 1) schlürfen, trin- 
ken. — Schlu rks,m. Schluck, Trunk. 
Vgl. Slurk : Schlund, Frisch 2, 203 ; 
schlurken : schlingen, Schnieder 3, 457: 
(Stamm slir, slar, slur; ud. sliren. 



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schlecken, naschen) , oblaus. schlurksen, 
ausspucken. Schlnrks, Auswurf. — 2) 
schlurrend gehen. — schlurksig, adj. 
schlaft 1 , schlottrig. — Vgl. schweizerisch 
schlurggen, schlirggen, schlarggen; We- 
sterwald. Schlorches: langer Kerl. — 
Verwandt ist schlarschen, w. z. s. 
ge-schmack, gesch macht, adj. wohl- 
schmeckend; »hd. gesmac, gesmahf. ~ 
den wolgeschinacken klee, Opitz 1, '21)0; 
wolgeschmacken safft, Opitz Z. IV. rw. 
(1625); wolgcschmackten wein, Opitz 1, 
204; kein wohlgeschinackter fisch, Gün- 
ther 514. — Schmecke, f. Geschmack ; 
auch bei Stieler 153U. 1871. Gut- 
schmecke: Leckerei, Gourmaudise; 
Sprichw. Gutschmecke macht Bettelsäcke. 

— Bei Stieler 187i : er hat eine gute 
Schmecke alias ein dünn Maul: palatus 
illi sapit. 

Schmagdster, Schmig-, Sc hm eck- 
igster, f. neunfach geflochtene mit 
ßantlschleifen gezierte Weidenpeitscbe, 
mit der am zweiten Ostertage Langschlä- 
fer (besonders die Mägde von den Knech- 
ten) aus dem Bette getrieben werden, 
mit dem Rufe: steh auf! Ostern ist da! 

— Die ertappten Migde geben den Knech- 
ten Nachmittags eine Bewirthung. Das 
Wort ist auch preussisch, oblaus., nord- 
böhinisch und kommt seihst in Hessen vor ; 
Gl imm verwechselt, Mythol. 557, diesen 
Gebranch mit dem Dyngus, dein Wasser- 
giessen. Stieler 1402 deutet das Wort aus 
Scbmack: ferula, schmacken: mit Ruten 
streichen, was in preuss. Mundart begegne. 
Dies ist verwandt oder vielleicht entlehnt 
aus poln. smigac, smagac: peitschen 
schmitzen, smiga, sinaga: Peitsche. Hier- 
aus erklärt sich die schlesische Doppel- 
form Schmagoster und Schmigoster. 
Der zweite Theil hat ursprünglich nichts 
mit „Ostern" zu thun, sonden ist Ent- 
stellung der ßildungssylbe astern, ustern, 
die u. a. in klabastern , klabustern er- 
scheint. Ist nun auch das Wort, wie es 
scheint , ursprünglich den Slawen ent- 
lehnt , so ist der Gebrauch doch echt 
deutsch. Ueberall im deutschen Lande 
linden wir Strafeu für diejenigen, welche 
die heilige Zeit verschliefen. — Zu be- 
merken ist, dass in Nordböhmen der Oster- 
montag Schmeckostern heisst; die Kinder 
gehen an diesem Tage Gaben sammelnd 
von Haus zu Haus und sprechen Sprüche, 
welche zu den schlcsischen Sommerlie- 
dern (vgl. Sommer) meistenteils stim- 
men; vgl. Deutsches Museum 1854,S. 390. 

schmarchat, schroarchsta, adv. des 
Morgens; entstanden aus ze morgens, 
vgl. Schindler 4, 209 und karntneri*ch 
zmorgenster, tschmorgang; zabenster; 
cnachts. 

schmatzen, schw. vb. mit den Lippen 
einen schallenden Laut hervorbringen: 



chmetterha™. 85 

essen dass es schmazt; vgl. smeezen, plau- 
dern. Fundgruben II, 298 ; Sehmeiler 3, 
478. — besonders: schallend küssen; 
abschmatzen: abküssen. — Schmatz, 
m. lauter Kuss ; hei Logau 2460, 685. 
schmatzer, schmätzrieben , Logau 1138 
schinätzerlein, A. Gryph. Peter Squenz 
schmntzerling. — Weit verbreitet: Stie- 
ler 1867; Frisch 2, 206; Schmid 470; 
Autou 4, 0. bair., Schweiz, mit der Ne- 
beuform Schmutz. Sehmelier 3, 478; 
Stalder 2, 337. — ml. smaske, smaken; 
engl, smak ; dan. smaske, smask ; sebwed. 
smaska ; norweg. smatta. 

sehmaueken, schw. vb. rauchen: 

ob gleich alles kracht und schmaucht 
und zusprengt vor donnerschlägen 
durch die lüfte stäubt und raucht. 
A. Gryph. Kath. v. Georg. 1.— Frisch 2, 
205. nd. smoken, smöken; engl, smoke. 

schmeissen, st. vb. werfen (dieses wird 
selten im Volke gehört). Zur Bezeichnung 
eines unzuverlässigen Menschen die Re- 
densart: dem trau ich nicht, so weit man 
mit einem polsehen Ochsen schmeissen 
kann. — Geschmeisse, n. Gescbmeiss, 
Schelte. Katzengeschmeisse : ebendassel- 
be, vgl. Schindler 3. 476. 

Schmeekoster, s. Schmagoster. 

sehmeren, schmieren, schw. vb. nie- 
derdeutsche Form von schmieren. Sprich- 
wort : wer fett schmaert, 

leichte fährt, 
etwas wie geschmärt können: so rasch 
etwas auswendig hersagen , wie ein ge- 
schnürter Wagen fährt. — loicbme- 
ren, beschmwren: beschmieren, be- 
trügen : o ihr albern dummen Mährn, 

o wie werdt Ihr Euch beschmäro. 
Scherffer 643. — S c h m * r e, f. Schmiere, 
Salbe. — S c h m a' r , n. Fett, wie hd. 
Schmer. Schindler 3, 473. Wagenschmer : 
Wagenschmiere. — Schmirgel, in. 
fettiger Niederschlag , besonders der 
Schmutz in Pfeifenröhren und Abgüssen. 
Schmirgellille: Tabakslille; ver- 
schmirgelt: voller Schmirgel. — 
Schmergel, f. Caltha palustris, But- 
terblume . Schmalzblume. Schmergel ist 
auf smerila, Schmerblume, zu bringen. 
Auch oblansitz. Im schwedischen Nor- 
land heisst die Pflanze smörfanga, „ver- 
mutlich weil mit ihrem erscheinen die 
Butterbercitung beginnt", sagt R. Dybek 
in seiner Huna 1845, S. 67. In Norwe- 
gen heissen theils die Ranunkel, tbeils die 
Tormentille smörblom, Aasen Ordbog 452. 

Sehmetterhaus, n. heisst in Reichen- 
hach das alte Gewandhaus zwischen dem 
Rathhause und den Reichkrämen , dessen 
oberer Raum noch jetzt (oder wenigstens 
vor einigen Jahren) während der Jahr- 
märkte zum ausschneiden von Tuch und 
Leinwand benutzt wird. In dem unteren 
Geschoss sind die Fleisch- und Brotbänke. 



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86 



Schmiede — «ehnnrehen. 



(In den lausitatschen Stödten wird noch 
jetzt auf dem Rathhause an den Jahr- 
märkten Tuch feilgehalten. Scheits üc- 
achichte der Ober- und Niederlausitz, 
Halle 1847. 1, 547.) — Es kann, da diese 
Gewandhäuser eine alte Einrichtung deut- 
scher Städte sind, hier nur der Name 
Schmetterbaus, ßedeuken erregen, der, so 
weit ich forschen konnte, nirgends sonst 
erscheint. Ich nehme ihn für eutdellt aus 
Schergadeinhaus ; Schergadem hiessen 
diese Häuser wenigstens in Schlesien: 
Stemel in d. ürkundenbuch der Städte 
194. An einen Eigennamen Schroetter 
kann natürlich nicht gedacht werden, da 
das Gebäude nie Privateigentum war. 

Schmiede, f. Kleinschmiede: Werkstiitte 
des Zeug- oder Zirkelschmiedes ; bei (Jö- 
rn oUe Wegweiser 19: Schmiedeberg, eiu 
Bergstädtlein , von den vielen Klein- 
schmieden also benamset. — In Halle a. 
d. S. heisst eine Strasse „in den Klein- 
acbmieden*. 

schmitzen, scliw. vb. 1) schlagen, werfen, 
mhd. smizzen ; 2) färben : geschwitztes 
Zeug ist huntgeflammtes Gewebe. — b e- 
s c h in i t z e n : warum beschmitzt ihr 
denn die Hand mit seinem Blut. A. Gryph. 
Gibeon. S70. ahd. besmiszan: illinere, 
tingere. — S c h m i t z,m. a ) Hieb, Schlag 
mit Peitsche oder Ruthe : 

zwei Schilling Schmitz hat er verdient. 

Scherffer 401. 

du sollst den ersten Schmitz mit meiner 
Peitsche kriegen. Günther 527. 

Handscbmitz: die gewöhnliche Schul- 
strafe; b) das scharf geflochtene Ende 
der PeiUchenschuur, das hauptsächlich 
schmizt; e) bunter Strich.Flainmeim Ge- 
webe. Die Stücke, in welche das Gewehe 
getheilt werden soll, sind durch einge- 
färbte Schniitze abgegrenzt; gewöhnlich 
sind die Schmitze sieben Ellen aus einan- 
der. — ahd. smiz, naevum ; mhd. smiz, 
8chlag. — Vgl. Frisch 2. 209; Schind- 
ler 3, 478; Stalder 2, 335; Schmidt 197; 
Anton 12. 20 ; Vilinar Proben 88. — nd. 
smitten, Smitte, Smet. 

Mehmets,. Schm Alse h , m. eingekoch- 
tes Mus, namentlich Pflaumenmus : Pflau- 
raen-,Birnenscbmotz.Auch oblaus.— bair., 
schwfib., Schweiz, bedeutet Schmolz Fett, 
Schmer, Schmiere. Sehmelier 3, 479; 
Schmid 472; Tobler 393. — Das sch ist 
nicht wurzelhaft; Zusammenhang mit 
tnot, motschen (w. z. s.) liegt nahe. 

Nctimuck, ailj. eines der Worte, die zur 
Abgrenzung obd. und nd. Gebietes dienen 
können : im selben Sinne in dem nördl. 
Deutschland gebraucht, wie obd. aauber: 
ein schmuck Mädel; ein schmuck Stück 
Vieh. Schmuck und just darf man das 
Vieh nennen, ohne es dadurch zu 



„beschreien", aber nicht schön. — nd. 
dän. smuck ; engl. smug. 

Sehmunken, m. Bissen (Reichenbach); 
auch ohlausitz. 

Hchnäclcrn, schw. vb. schnattern, sowohl 
von (iänseu und anderem Gevögel als von 
geschwätzigen Menschen gebraucht : 
wo man Gans und Weiber hat, 
findet auch Geschwader statt. 
Abschatz Sprichwörter. Weit verbreitete 
Nebenform zu schnattern: Stieler 1886; 
Schindler 3, 497; Stalder 2, 338; vgl. 
auch : die gens mit ihrem geschrei uud 
schnadern, Unland Volkslieder 570; die 
schnadergans die bladergana ebd. 572 ; du 
schnaderend, Phil, von Sittewald Ge- 
sichte 2, 347 (1650). — Von dem Zähu- 
klapperu bei Frost und Angst wird schnat- 
tern gebraucht, gleich wie nd. suatern 
und snätern unterschieden werden. Brem. 
Wörtern. 4, 884. 

schnaken, schnackern, schw. vb. 
schnattern, schwatzen; einschndken: 
einreden. EingeschnAke,n. was ein- 
geredet worden ist (Lobris bei Jauer). — 
Das Wort kommt zwar auch ohd. vor 
(Schindler 3, 482), ist aber vorzugs- 
weise nd. und daher md. : Stieler 1889; 
Schmidt 198; nd., nl. snacken; dän. 
snacke; achwed. , norweg. snacka. — 
Schnake, f. Geschwäz ; lustige Erzih- 
luug. Schnäkebichel, heissen dem 
Landmann von echtem, altem Schrote alle 
Bücher ausser Bibel und Gesangbuch. 
Als der Wilmsensche Kinderfreund in den 
Dorfschulen eingeführt wurde, warnu die 
alten Bauern sehr unwillig, dass die Kin- 
der nun aus einem Schnakebichel lesen 
sollten (Trebnitzer Gegend). — sehn A- 
kisch, adj. lustig, schwankhafl, wun- 
derlich. 

Schnalle, t. 1) wie hd.; 2) prostihulum; 
erklärlich, da Schnalle im bair. Dialekte 
auch vulva bedeutet. Schindler 3, 489. 

schnallen, schw. vb. mit dem Finger 
schnellen, schnalzen ; bei Logau 966 : ein 
gebrechlich mensch mit seineu fingern 
schnallet. Vgl. Stieler 1889; Schindler 
3, 489 ; Stalder 2, 339. 

«ehnnrehen, schw. vb. 1) wie hd. ster- 
tere, ronchisare ; 2) schnauben vor Aer- 
ger oderHochfahrt : waren sieempfindlich, 
so gab ich nichts nach, sondern schnarch- 
te auch. Schweinichen 1, 66; diea all- 
zeit schnarchend haus. A. Gryph. Gibeon. 
563. 

pralen, schnarchen, schnauben, duchen, 
* dringen, zwingen, dräuen, pochen. 
Logau 627. — Geschnarche, n. Ge- 
klatach, prahlerisches und übelwollendes: 
iedoch hielt der Braun ein gross ge- 
schnarche, welches mir einen grossen 
stoss bei vielen redlichen leulen gab. 
Schweinichen 2, 42. — herschnar- 
chen: prahlend verkünden : 



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der nichts denn seine faust und von 

roat roten spiess 
und was der harte Pera in jener schlacht 

verliess, 

herschnarchet. A. Gryph. Leo Armen. 1, 
329. — gross schnarchig, adj. prah- 
lerisch, grossthoerisch : hier gehts gross- 
schnarchig her (Kolbnitz bei Jauer). — 
Vgl. Frisch 2, 211; Stieler 1887; nd. 
nl. anarren: murren, zanken; dän. anerre. 

Ge-sehnarre, Geschnerre, n. 1) ver- 
wickelte Fäden oder Stricke; 2) Gänse- 
klein : Eingeweide mit Kopf, Füsse und 
Flügeln. — abd. snar-abha : Schnur, Fa- 
den, dazu im Ablaut snuor, Schnur; bei 
Stieler 1887, Schnarre, Schnarr corda, 
nervös major. 

Sclumte, Schnote, f. Schnake, lustige 
Erzählung (Weizenrode bei Schweid- 
nitz). — zu schnattern, schnadern; dein 
Schnake neben scbnackern entsprechend. 

ge-schnatzigr, "°J- schmuck, nett: ge- 
schnatzig gehen, sich nett tragen (Kolb- 
nitz bei Jauer) . — schwäb. geschnatzet, 
achnilzig : mager, blas« ; vgl. ahd. snez- 
zan; bair., Schweiz, schnatzen, schnal- 
zen, schnitzen. Geschnatzet oder ge- 
schuatzig üt also eigentlich das zuge- 
schnitzelte, gedrechselte, dem klobigen 
und groben gegenüber. 

Sehn*, S c h n i , m. Wenzel Scherffer Ge- 
dichte 567 singt: 

müsst ich dann anstatt zu lieben 
helfen dort den Schnee durchsieben, 
denn das sol die Arbeit sein 
alter Bursche die nicht frein. 
Schnasieber, m. alter Junggeselle, 
überhaupt alter Herr; noch gebräuchlich. 

Ge-sehnelte, Geschulte, n. Einge- 
schneite, was sonst Geschlinke: Lunge, 
Herz und Eingeweide (Weizenrode bei' 
Schweidnitz). Auch bair. das Geschnait, 
Geschnaitelwerk, Schindler 3, 497. Bei 
Stieler 1902, das Geschnaitel insicium, 
minutal, et in jure, das Eingeschneite!, 
alias Zubusse, Zuepreis et Musteil. 

.Schneckelf n. glatt wie ein Schnecke!, 
sagt man von sauberen Thieren ; wahr- 
acheinlich aus Missverständniss für: glatt 
geschneckelt ; vgl. scbneckeln (schwäb. ) 
sich nettanziehen ;obsächs.,oblaus. schni- 
geln. Vgl. nd. snigger, snögger: hurtig, 
schlauk; nl. snugger; schwed. snygg. 

Schnelle, f. in : Wasserschnelle, 
Wassersuppe; bairisch Wasserschnallen, 
Wasserschnalzen. Sehmelier 3, 490. 

Schnepfe, Schneppe, f. Schnep- 
pen strich, das herumstreichen der 
feilen Dirnen, vgl. Slrich.Vgl.Fastnachtsp. 
858, 20 geschuocht wachtein die bei der 
nacht umbstreifen. 

Schnicke« f. penis, bei Meuschen und 
Thieren; auch bair., schwäb. — schui- 
cken, schw. vb. supprimere aliquam; 
ab seil nicken: abweisen. Vgl. für 



- .ehrime. 87 

beide Bedeutungen bair. absclmackelu 
Schmeller 3, 482. 

schnödem, schnadern, schw. vb. 
schnauben, niesen, namentlich von Pfer- 
den. Stieler 1906 schnöden, schnuden, 
nchnauden, schnödem ; bei Schmeller 3, 
484.486 schnauden, schnodein ; Schweiz, 
schnödem; nd. snottern ; Snotte, Rotz; 
ags., engl., altn., däo. snot. 

Schnürche, Schnerche, f. Schwie- 
gertochter; im Kuhiändchen Schniercher- 
lai ; am Untermain Schnörch. — Ablei- 
tuug von snur: nurus, noverca. 

Schober« m. wie hd. Haufen Getreide, 
Heu, Obst u. dgl. — geschobert 
voll: übervoll, so dass ein Haufen das 
Mass überragt. Schmeller 3, 313; auch 
kärntn. 

.Schocke» f- Name eines grossen Torfla- 
gers im Liegnitzischen, zwischen Kunitz 
und der Weidelache, reich an Sumpf- 
torf und Morptlanzen. 

schockein, schw. vb. schaukeln, schüt- 
teln. — Schockel,f. Schaukel, Hut- 
sche. — schwäb. scbockeln; nd., nl. 
schocken, schuckeln. 

Scholxe, sebw. m. Schulze, Schultheiss; 
Scholtisei: Schulzenhof. — Diese 
Form mit o (vgl. Dialektforsch. 49. 50), 
die auch sonst in Mitteldeutschland, z. B. 
imWesterwaldeund in Hessen vorkommt, 
ging nach Polen hinüber, wo in den Ur- 
kunden scsltetus neben scaltetus er- 
scheint: vgl. Hzyszczewski et Mucz- 
kowski Codex diplomalicus Poloniae I, 94. 
118. 235. 237. 

Schöps, m.ljHammel; 2)alberner Kerl. — 
Schöps ekristel, m.: alberner Mensch. 
— Bekanntlich hiess auch das berühmte 
Schweidnitzer Bier Schöps. Im J. 1594 
galten 100 Achtel Schöps 200 Thaler. 
Schweinichen 3, 77. 

Schoren, seh. vb. schaufeln, besonders 
Schnee schaufeln. — Weit verbreitet: 
Frisch 2, 220; Schmeller 3,394; Stei- 
der 2, 348. nd. Schoren, schüren : reissen, 
reiben. 

Schosse, f* Schaufel oder Schüppe , anf 
der Brot und Kuchen in den Backofen 
geschoben werden. — K uchenschusse 
Stoppe Parnass 510. — Auch oblaus. ; 
Westerwald, das Schoss , rhein. Schösse!, 
nl. Schotel. 

Scltoessel , n. Scbosstheil an Röcken und 
Jacken. — scboesseln schw. vb. die 
Schosslheile im Gehen bewegen, geziert 
und sich renkend gehen. — Schmeller 
3, 411. 

schreioen, st. vb. das ist gar nicht zu 
schreiben , das ist auf keine Kuhhaut zu 
schreiben: unbeschreiblich, unsagbar. 
Alter Ausdruck, vgl. u. a. Nih. 2170. 

schrime, adj. adv. schrims: quer zu, 
schräge; ein Substantiv die Schrfme 
ergibt sich aus dem genitiv. Adverb, der 



L 



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88 Schub - schwappen. 



schrfme, der schrims. — schri- 
m e n schür, vi», schräg zuschneiden in der 
Richtung'. Schrlmweg: Abkürzender 
Weg, der in der Diagonale zuschnei- 
det. — Auch oberlaus. — mhd. schreme : 
schief, schräge; Schnieder 3, 510; nd. 
schräm, schremen, Brem. Wb. 4, 695. 

Schub, oi. Kasten mit Schüben, Commode. 
— S c h ii b I i n g, S c h i b I i c h,m.: Schieb- 
breit in Thiiren , Schiebfenster. Der 
Bauer, der in seiner Lamentation zuletzt 
Gott bittet, ihn in den Himmel zu nehme», 
schliefst so: 

drüben wullber ins an Schiblich machen, 
runder sahn on olle Walt auslachen. 

F. Ens Oppaland III. 

»rhüriern, schw. vb. scheuchen-, auf- und 
forttreiben. Auch oherpfälz. Schmeller 
3, 420; eigentlich schüttern, nd. schud- 
dern. 

schucken* schw. vb. verstohlen schauen ; 
man schuckt durch eine Thürspalte; 
Schüler schucken beim auswendig hersa- 
gen sorgsam in das Buch des Nachbars 
oder in ihr eigenes unter der Tafel. Kuh- 
länd. schucke. — Verwandt mit schauen; 
vergl. die bair. und vizentin. Formen 
scbaugen, schaughen. Schmeller 3, 337. 

schummeln , schw. vb. 1) laufen, gehen ; 
ins Dorf, über die Grenze schummeln 
(Trebuilz). beschu mm el n: hinterge- 
hen, betrügen. — In diesen Bedeutungen 
auch oberdeutsch (Schmeller 3, 361) wie 
nd. und nl. (schommeln). Obd. auch trans. 
einen schummeln: ihn gehen heissen, 
jagen. 2) schaukeln, die Kinder auf den 
Armen wiegen (Reichenbach). Schorn, 
schum, schura, schemma, Anfang eines 
Schununclreims (Brendel Heimathklänge 
S. 8.) ; auch nd. schommeln : sich hin 
und herbewegen, wackeln, schütteln. Die 
Bedeutung „bewegen" ist also die ur- 
sprüngliche. 

schumricht , adj. 1) dämm rieht, düster; 
2) unheimlich. Frisch 2, 233. — holst ein. 
schummern ;dän. skumring: Diimmrnng. 

schuppen, schuppen, schw. vb. schie- 
ben, stosssen ; obd. schupfen. — sich schu- 
pfen : sich niederschieben, niedersetzen : 
schupp dick! setz dich nieder, zumal 
gegen Kinder gebraucht (Trebnitz). — 
scbüppeln, frequent. besonders von 
einem Kinderspiele, in welchem Bönen, 
Nadeln oder andere kleine Dinge an ein- 
ander geschoben werden. — Schups, 
Schüppr ich, m. Schub, Stoss. — 
Schuppe, f. Werkzeug zum schieben, 
Schaufel; auch bei Stieler 1780. — nd. nl. 
Schuppe, Schoppe; in älterer Zeit auch das 
Brett auf welchem Verbrecher, namentlich 
betrügerische Bäcker, ins Wasser getaucht 
wurden. Die Bäckerschupfe wurde in Wien 
noch 1773 angewandt (Schlager Skizzen 
1, 261). Über den Schupfstul, Schup- 
stoil, Grimm RechUalterthümer 726 ; da- 



her : auf der Schuppe stehen = in Gefahr 
stehen unterzutauchen, zu fallen. 

Wer auf der Schiippe steht, stürzt 
leichtlich Kopf und Hals. 
Lohenstein Ibr. Bassa 1, 478. Die Schuppe 
geben: den Abschied geben. — Stieler 1780 
hat : die Schuppe bekommen : repudiari. 

Schüppchen, plur. nollunderbeeren, 
Früchte von Sambucus niger; nd. Schub- 
ken. Nach Üioscorides hiess bei den Gal- 
liern der Hollunder acobis, Graft" 6, 408. 

Schüpprine , f. Schopf, die Kopfhare. 
Auch oblaus. und posenisch ; Stieler 1781 
Schupper, Schuprin. Ins polnische über- 
gegangen: czub, czupryna : Schopf. 

Schur, m. saure braune Suppe , aus 
Roggensauerteig mit Speck gemacht, das 
gewöhnliche Frühstück der Oberscblesier. 

— Das nd. Sur, imAllgeineinen saure Flüs- 
sigkeit, auch Essig; in Pommern die 
Rrühe des Sauerkrautes. 

sch ü r gen, schergeo, schw. vb. 1 ) sebie- 
be ii, stossen.— sich schürgenzsich treiben, 
beeilen; anschürgen: antreiben; 2) 
supprimere aliquam (südl.Grafsch. Glaz). 

— ahd. scurgan, mhd. schürgen. InOber- 
und Mittel-Deutschland sehr verbreitet: 
Stieler 1768; Scherz 14.15; Schmeller 
3, 401. Steider 2, 35»; Schmidt 207. 

Schurke, Tannzapfen,Kernkronik.2, 725. 

schützlich, adj. sparsam, haushälterisch j 
sich etwas schützlich einrichten ; auch 
Westerwald. — Frank., pfalz. schützig: 
reichlich, ergiebig; sparsam. Schützen 
hat oberdeutsch die Bedeutung schütten, 
reichlich hergeben (Schmeller, 3, 424; 
Grimm Wb. 1, 1600); die Bedeutung haus- 
hälterisch, sparsam ist in unserem Worte 
erst die abgeleitete. 

sehwäde, sebwude, links; vgl. bot. 

schwadern, schw Adern, schw. vb. 
klatschen: 1) im Wasser klatschen, plät- 
schern. Die Wäsche ausschwemmen, 
schweifen;2)trinken: aussch wadern manch 
Quart Bier, Scherffer 640. In dieser Be- 
deutung namentlich von Stieler 1979 auf- 
geführt; 3) schwatzen, plaudern. — Ge- 
schwader, Geschwüder, n. Ge- 
plauder. — Stieler 1979; Schmeller 3, 
529; Stalder 2, 357; Schmidt 214. 

schwappen, schwuppen, schw. vb. 
mit Geräusch hin und herschwanken, klat- 
schend schlagen ; s c h w a p s, Schallaut : 
schwap» ! gab ihr der Apoll mit einem 
Fiedelbogen den Tact um ihren Kopf. 
Stoppe 322. — schwap pern, 
schwuppern: 1) von Flüssigkeiten, 
die klatschend an den Rand schlagen ; 
geschwuppert voll; überschwuppern : 
übergiessen im tragen ; 2) schwatzen, 
plaudern. Schwuppermaul. — sc b w u p- 
s e n : gleichbedeutend; Schwups, m.: 
verschüttete Flüssigkeit. Schwappe, f. 
klatschende Ohrfeige; 3) Mütze, die beim 
aufsetzen schwappt. — Galschwappe: 



■ 



89 



Schwamm mit gelbem Kopfe.— S c h »g p- 
pe, f. dünne schwanke Gerte; angs. avip, 
altn. norweg. svipa, in einigen norweg. 
Gegenden svup, svep, nd. swep, nl. zwep, 
dän. sröbe. — Übertragen auf einen langen, 
dünnen Menschen. Ebenso Schwapps, 
S c h w o p p s, m. langer und einfältiger 
Kerl (beide Begriffe finden sich öfters 
verbunden). Kolbnitz bei Jauer. — 
schwapplicht, schwupplicht, 
schwüpp licht adj. schwankend ; ekel, 
übel. — Vgl. Stieler 1962 ; Schmeller 
3, 1544; Schmid485 ; Schmidt 213 ; Brem. 
Wh. 4, 1107; Schütze 4, 231. 

Schweden, Erinnerungsspruch aus dem 
dreissigjährigeu Kriege : 
Brieg und Brünn 
machen die Schweden dünn. 

schweifen , schw. vb. fegen , besonders 
zur leisten Reinigung im Wasser abspülen, 
z. B. Teller, Geschirre, Wäsche. Bei 
Stoppe 399 von einem „feirigen" Bleicher : 
die Grillen die er schweift , verdienen 
doch kein Brod. — Vgl. auch Grimm Wh. 
1, 112. — Schweife f,l) das abspülen: 
in die Schweife gehn, mit der ausgewa- 
schenen Wüsche zum Bach zum ausspülen 
gehen ; 2)der Ort des schweifens, nament- 
lich das Trittbrett im Wasser, von dem aus 
geschweift wird. — ahd.Asweif : purgamen- 
tum; Schweiz, schweifen: kehren, fegen; 
nd. swepen, ags. svApan, engl, sweep, 
fries. swepa, altn. norw. schwed. sopa. 

Schwein, n. das halbe Schwein: das 
feinere Oberhemd der Landinädchen , mit 
bauschigen kurzen Ärmeln; es bedeckt 
nur den halben Leih und darunter wird 
das gröbere Hemd getragen. 

schwetseen, schwutzen, schw. vb. 
gleichbedeutend mit schwuppen,schwup- 
sen : 1) flüssiges verschütten dass es 
kUtscht. — Schwutz, m. verschüttete 
Flüssigkeit. 2) schwatzen ;sie schwutzt wie 
eine Peiler Mastgans (Gans aus Peilau bei 
Reichenbach). —Stieler 1959 schwätzen : 
garrire, diffundere. 

Schwinderling:, ro. Ohrfeige ; auch bai- 
risch, Schmeller 3, 840. Den Titel des 
Schalischen Lustspiels Kuss und Ohrfeige 
gab ein Bresslauer Dienstmädchen wieder 
durch „Guschel und Schwinderling 4 ' 
(Holtei). — Schwinderling kommt oft 
als Eigenname in Schlesien vor , ebenso 
Schwenderling. 

schwirbeln, schw. vb. wirbeln, schwin- 
deln. — sc hwi r b I ich , adj. wirblich, 
schwindlich. — Vgl. Zwirbel; verwandt 
mit wirbeln. — and. awarp Wirbel ; das 
Wort ist obd. verbreitet. Schmeller 3, 548. 
Stalder 2, 365. — Im nd. Gebiet hat es 
die Bedeutung schwärmen schweifen: nd. 
swarven, nl. zwerwen, engl, swerve. 

schwuehtern, schw. vb. schwatzen. — 
S c h w u c h t , f. Haufe Menschen. — 
Gotts schwucht! erstaunter Fluch. — Ein 
Aohaag um XVI. Bd. d. Sittb. d. phil -hui. 



nd. Wort mit dem Grundbegriff des Ge- 
räusches : nd.s wögen swugten: seufzen, 
fluchen; swugtern: laut und ängstlich 
seufzen; nl. zwoegen: kenchen; ags. 
svdgan, avegan: rauschen, rauschend 
dahinfahren. 
Se, S i, n. in Niederschlesien für einen Teich 
selbst geringeren Umfange«, sobald er 
nicht von Menschenhänden 'gegraben ist. 
Nochtjc, der; sichte: derselbe(Glogan). 
— sechte, seichte, adv. damals, dort, 
(rechte Oderseite) ; vgl. meine Dialekt- 
forschung 141. 
sehen, st. vb. siste sich! verstärk- 
tes sieh ! bei rasch eintretendem unver- 
mutheteui. Huste nich gesahn do sihsten ! 
= da ist er rasch da. — ah sehn, ganz 
sinnlich: etwas absehn, sich durch das 
Auge etwas abnehmen von einem andern : 
ein Muster absehn, das Exempel absehen. 
Ich werde dir nichts absehn, sagt der 
Knabe zu dem Mädchen , das er im Ne- 
glige überrascht. — versehen: 1) 
providere, vorsehen, bestimmen: 

wie du sihst , gibt man dir , gib mir 

geneigten Blick : 
vielleicht versiebt man dir auch ein 
versehnes Stück. Logau 10, 87. 
bis ich meinen Schatz umfange, dem 
ich längst versehen bin. Günther 292. 
die Parzen haben uns den Untergang 
versehen. Günther 495. 
2) mit bösem Blicke ansehn , bezaubern. 
Lasst mich immer in die Stube, ich werde 
euch nichts versehn, sagt man zu denen, 
die den Eintritt in das Zimmer zu gewäh- 
ren zögern. — Vgl. bair. übersehen. 
Schmeller 3, 218. 
seichte, adv. sachte, langsam : 
die Junkern gingen seichte, 
sie waren nicht weit her und zu errei- 
chen leichte. Logau 1 138. 
Seifen, m. Name mehrerer Bäche im Rie- 
sengebirge ; so entsteht die Elbe aus der 
Vereinigung des Elbseifens mit dem 
krummen Seifen ; durch das Dorf Krumm- 
hübel geht das Seifenwasser. Dass diese 
Benennung in Schlesien früher verbreite- 
ter war, beweisen die Dorfnamen auf 
-seifen im Hirschberger und Löwenberger 
Kreise: Steinseifen, Görisseifen, Lauter- 
seifen, Schmottseifen, Flachenseifen. Auf 
der böhmischen Seite: Hennannseifen; im 
nordwestlichen Mähren: Braunseifen, Ra- 
benseifen, Stuhenseifen. — Seife (sife) 
heisst mhd. der Bach (Ernst 3520; Wern- 
her von Niederrhein 37, 25) vom Zwt. 
sifeu (ags. sipan), das sich erhalten hat 
im kämt, seifern (sslfern), Schweiz. fränk. 
soifern , sifern, rheiu. seivern siefe , nd. 
stpen , Bipern , sipein, nl. zijpclen, engl, 
sipe : Feuchtigkeit von sich geben, triefen, 
sickern, geifern. Das 8 übst. Seife zeigt 
sich namentlich noch in Hessen , in der 
Wetterau und im Westerwald mit der 
a. g 



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Bedeutung Quellabfluss , sumpfige Wiese, 
(Schmidt westerwäldisches Idiot. 217; 
Weigand bei Haupt 6, 487); westfäl. 
Sipen (n.) quellenreiches Engthal; vgl. 
auch rhcin. (Achen.) Sief: Ausguss,Gosse. 

— Ortsnamen mit - seifen kommen aus- 
ser Schlesien noch vor in Hessen und 
um Trier und Sarlouis. ; Tgl. Weigand im 
Archiv für hess. Geschichte VII, 296 ; Phil. 
Schmitt der Kreis Sarlouis.— Über Seife 
als Metallwäsche: Frisch 2, 259. 

«eignen» schw. vb. wie bd. — s e i k e r n, 
ackern: durchseigen, z. B. denQuarg. 

— S e i g e r, in. rundes durchbohrtes Bret 
mit einer Handhabe, auf welchem Kraut, 
Kartoffeln u. dgl. durchgeseigt werden. 
AllgemeinerS u p penseiger : trichter- 
förmiges Blechsieb zum »eigen der Brühen. 

Seiger, S 6 g e r m.l)UhrjeglicherGrösse : 
SeigerIein(Schweinichen2,27),Hoseusei- 
ger : Taschenuhr;2)Stunde;Klösselseiger : 
Uhr Mittags, wo es Zeit ist die Klosse in 
zwölf den Topf zu thun. Seigerstunde : 
Stunde; die erste Seigerstunde: ein Uhr. 
Die Stunde kommt und der Seiger läuft 
zum Ende. Günther 841. 
um 16 Uhr dea ganzen seiger«. Schwei- 
nieben 2, 9S. um 20 ubr im ganzen seiger 
tbd. 179. — seiger n. schw. vb. 1) vom 
gehn der Uhr: es segert uf swelve; 2) 
die Uhr stellen. Auch oblaus., obsächs., 
kubläod. — Seiger bezeichnet das im 
hangen (seigen) durch eigene Kraft sich 
bewegende: mhd. seigaere Wagebalkeii. 
Seiger ist ferner das Senkblei in der 
Wasserwage ;seigern, ist da nach messen. 
In unserm Wort bezeichnet Seiger dem- 
nach eigentlich den Perpendikel und da- 
mit die Uhr. Es ging auch ins poln. 
über : zegar. 

■eilen, schw. vb. binden: 

diess mensch sol solche not, sol solche 

grosse pein 
mir seylen auf den hals. Opitz 1, 272 
(1629) Vgl. Schmeller3, 223. Zu trennen 
von sülen. 

Sende, f. nach Steinbach Binse, wie ahd. 
aemida semido, mhd. seinde, öster. Semde, 
Sebde. Mir ist es nur vorgekommen als 1) 
spanisches Rührchen ; namentlich in den 
Schulen höchst bekannt; 2) die Sehne 
oder Saite, die straff über das Spinnrad 
gezogen ist. Vgl. Bise. 

Niche, sichte: solcher, vgl. meine Dia- 
lektforsch. 141. 

isidcr, s i n d e r , adv. seit, seitdem ; Bernd t 
verzeichnete es als zu seiner Zeit noch 
gebrauchlich, ebenso gibt es Anton 12,27 
als noch jetzt in der Oberlausitz lebend 
an. Mir ist es nicht begegnet. Sider 
Fosnach sens zwe Jore, A. Gryph. 
gel. Dornrose. Wir suchten sider dem uns 
willigst einzustellen, A. Gryph. Gibeon. 
558 ; sinder dem Fall, Hoffmann Monat- 
schrift 250. — BeiLogau 75 seither im 



Sranevon sider; heute derseit , der- 
sett — ahd. mhd. sider, sint; obd. 
allgemein erhalten. 

Sie, Sfne, f. das weibliche Thierchen; 
vgl. Dialektforsch. 138. 

Killer, sitte r: solcher, jener; vgl. Dia- 
lektforsch. 142. 

Modi, m. das ausgesottene : die Brühe, Suppe. 
Heute mir nicht begegnet, im 16 — 18. Jht. 
häufig zu treffen : Ein koch giesst söder 
auf und senf daran , die dienlich für den 
grau. Logau 747. Herr, ich esse nicht 
nur sodt, es muss auch fleisch drinnen 
seyn. A. Gryph. Horribilicr. Ach Mutter 
soll ich denn das Schwarzsod gelbe ma- 
chen. Günther 446. Die Amtfrau schlach- 
tet ihm kein fettes Küchenkalb, er kriegt 
vom Monde nichts, auch uichts Tom Kiu- 
delsode; ebd.392.— Redensarten : im Sode, 
im eignen Sode liegen: nach seiner ange- 
bornen Art, besonders in roher ungebil- 
deter Art leben: es heisst ich läg im 
Sode und wäre nicht gewandt. Günther 
210; sie wachsen stets im eignen Sode 
und werden unter Rauch und Küche zur 
Niederträchtigkeit gewöhnt; ebd. 426. 
ein jeder Narr in seinem Sode; ebd. 1106. 

— Vgl. Frisch 2, 283; Schütze 4, 154. 
»oeken , sockern, schw. vb. auf Socken 

gehn, überhaupt gehn, in : absocken: 
sich auf die Strümpfe machen, abziehn : 
sock ab, oder ich werde dir heim- 
leuchten. 

Sole , f. wie hd. — Schuhsole: fet- 
tes Gebäck in Gestalt einer Schuhsole ; 
es wird namentlich in Warta gut gebacken. 
Amlcrwürts heisst es Schusterjunge oder 
Afterkuchen. — s olenschw. vb. mit Solen 
belegen ; v er s ol e n: einem das Loch 
versolen, ihn durchprügeln; Schweiz, 
versollen, StaJder2, 377. 

Sommer , m. Ein Leben wie im Sommer: 
voll Lust und Wonne. — Sommer- 
worte heissen unarticulirle Laute , die 
durch den Zusammenhang jedoch einen 
gewissen Sinn haben ; z. B. hm, hm. Man 
gibt auf solches Wort die Eutyeymmg : 
das ist ein Sommerwort, da fliegen dir 
die Fliegen nicht in's Maul (Reichenbach). 

— Hauptsächlich hat der Sommer hier 
seine Stelle durch den Empfang, den ihm 
die So m m e r kind er am Sommer- 
sonntage (D. Letare) bereiten. Kin- 
der und hie und dort auch das Gesinde 
ziehn an diesem Tage mit Tannen- 
zweigen oder kleinen Tannenbäumchen 
von Haus zn Haus und singen ihre Som- 
morlieder. Die Sommer sind mit 
Bändern , Flittergold, bunten Eierscha- 
len, Bildchen und Citronen geschmückt; 
das Hauptstück daran ist eine Kette aus 
gleich langen Strohhalmen und kleinen 
runden Tuchslückchen. Die Halme sind 
der Länge nach aufgezogen und werden 
durch die bunten Tuchfleckchen abge- 



91 



trennt. Mit dieser Kette werden die 
Zweige völlig umwunden. Die Lieder 
sind folgende: 

Den Winter (den Toten) han wir aus- 
getrieben, 

den lieben Sommer bring wir wider, 

den Sommer und den Maien 

mit Ulümlein malcherleien, 

mit Blümlein malcher Zweigelein, 

der liebe Gott wird bei uns sein 

und wird auch bei uns wohnen, 

mit der himmlischen Kronen. 

Da droben in der Herlichkeit 

da sitzt die Frau aufm Stuhl bereit, 

da droben musa sie sitzen 

mit ihrem Herrn Jesu Kristen. 

Statt der letzten sechs Verse auch blos 
der Schluss : 

und auf der himmlischen Krone, 
da singen die Engelein schone. 

Die goldne Schnur geht um daa Haus, 
die schöne FraaWirten geht ein und aus, 
sie gebt wie eine Tocke, ja Tocke,(oder: 

wie eine Tugend ; dann fehlt v. 4.) 
in ihrem roten Rocke. 
Des Morgens wenn sie früh aufsteht 
und in die liebe Kirche geht, 
da sezt sie sich ruhig auf ihreu Ort 
und hört gar fleissig auf Gottes Wort. 

Frau Wirten geht im Hause mm, 
se hat *ne schöne Schürze um , 
mit einem seidnen Bande ; 
sie ist die schönst' im Lande. 
Sie wird mich wohl bedenken, 
und wird mir wohl was schenken, 
zu dem lieben Sommer. 
In Himmel wird sie kommen, 
in Himmel nicht darneben. 
Gott bescher ihr langes Leben, 
bescher ihr doch der liebe Gott 
dass sie tausend Thaler hat. 

Rote Rosen, rote 
blühen auf dem Stengel;« 
der Herr ist schön, der Herr ist schön, 
die Frau ist wie ein Engel. 
•Rote Rosen, weisse Rosen 
wachsen auf dem Stengel. 

Kleine Fische! kleine* 
schwimmen auf dem Teiche, 
der Herr ist schön, der Herr ist schön, 
die Frau ist wie *ne Leiche. 
•Grosse Fischel kleine Fischel. 

Ein Schock, zwei Schock, 

hundert Thaler drinne, 

dass der Herr gewinne! 

der Herr der hat 'ne hoche Mütze 

er bat sie voU Ducaten sitzen, 

er wird sich wol bedenken, 



Der Herr der hat ein Gürtlern grün* 
er hat drei TÖchterle die sein schfa, 
er wird sich wohl bedenken, 
zum Sommer uns was schenken. 
•Die Wirtin hat ein Wieslein grün. 

Die Frau die hat en langen Rock, 
sie greift gar gern in Groschentopp, 
sie wird sich wohl bedenken etc. etc. 

Der junge Herr hat gar spitze Schuh, 
schreit immer auf die Midel zu, 
er wird sieh etc. etc. 

Der junge Herr hat 'nengoldnen Tisch, 
auf jeder Eck ein Karpenfisch, 
in der Mitt ein Fläschel Wein, 
und eine Liebste, die ist fein. 

Die Jungfer ist gar sommerstolz, 
sie setzt sich wohl aufs grüne Holz* 
das Tüchel lässt sie fliegen, 
ein reichen wird sie kriegen. 
Den reichen Ifisst sie wieder gNin 
und siht sich nach em schönen im ; 
sie wird sich etc. etc. 
•Zimmerholz. 

Die Schüssel hat 'en goldnen Rand, 
die Köchin hat 'en Arsch verbrannt, 
sie wird sich wohl bedenken, 
sie wird uns wohl was schenken. 

Wollt ihr mir was znm Summer gan 
da gebt mer an Sackvoll KlisselroAl, 
ein Stöckel Fleisch darzune, 
da seid ihr meine Mume. 

Gegen Geizige: 

Ziegenfnsse, Kilberfüsse, 

in dem Hause kriegt man nischte! 

ist das nicht 'ne Schande 

in dem ganzen Lande ? 

Krimmarsch, Kratzarsch ! 

der Herr der gäbe gern a Gröschel, 

er hat aber keins im Tasche! ! 

Die Lieder im Oppalfindchen stimmen meist 
zu den hier mit^etheillen, Vgl. F. Ens 
Oppnland 3, 100 f.; dort heissen die 
Sommer Meien. Verwandte Reime wer- 
den in Nordböhmen am Ostermontn^t*, 
in Westpreussen zu Weihnachten ge- 
sprochen. — Das Todaustreiben 
besteht nur noch in wenigen Orten Schle- 
siens, während das Sommersingen 
fast über das ganze deutsche Schlesien 
gebt. Im Glogauischen wird der Tod, 
eine Strohpuppe, über die Grenze des 
nächsten Dorfes geworfen , und dann 
eilen alle möglichst rasch heim. Im nord- 
östlichen (polnischen) Oberschlesien 
fuhren junge Burschen zu Neujahr einen 
Wolfsbalg von Haus zu Haus und sammeln 



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92 



Spadefantel 



dabei Gaben ein. — Vgl. über alle diese 
Festlichkeiten der Sommerrerkündiguog 
unddesSonimerempfanges Grimm Mythol. 
723 — 734, und ausser den daselbst ange- 
führten Abhandlungen : C. H. Anton 
comparatur mos recens hieroe expulsa 
aestätemcantusalutandi cumsimilibus ve- 
ter um moribus.Gorlic.1830 — 4t. Drei Pro- 
gramme. 4°. — sömmerig, simrig, 
adj. den Sommer betreffend; simrige 
SAte : Sommersaat, Sommerung. 

Spadeflftntel, vgl. Pantel. 

spalten , als st. rb. noch zu belegen ans 
Scherffer : der Joris kopff spielt und 
aufschlug 390. 
indessen Schlesier-Iand zwei Heusern 

pflichtbar war 
und die sich wieder spüllten, 
dass bey iedwedem gleich 
vier Herzogs Heuser hielten. 91. 

spsenen, achw. vb. spalten , zerspringen, 
von den ausgebrüteten Eiern gebraucht. 
— Vgl. über span Schnieder 3, 505 f. 

spannen, schw. vb. wie bd. — ausspan- 
nen: ausser der gewöhnlichen die über- 
tragene Bedeutung : die Seele ausspannen : 
wenn ihn nur unser Herrgott ausspannte! 
wenn er doch bald ausgespannt wäre ! 
Wünsche über einen sch werLeidenden ge- 
äussert. Günther ruft S. 706 : es ist ge- 
nug, spann ans ! —Stoppe 24t : spann ans 
mein Gott, erlös uns aus der Notb. — Das 
Wort ist den protestantischen Schlesiern 
durch die Kirchenlieder geliufig geblie- 
ben. Vgl. auch Schmidt Westerwald. Idiot. 
223. — Gespann, n. Tagesabtheilung 
der ländlichen Arbeiten ; im Winter sind 
zwei und im Sommer drei Gespanne. 

spnrsnm, adj. wiehd. — sparsam wachsen: 
langsam wachsen, von Thieren gebraucht 

Spetling, Spaetlichm. viereckiger Zwi- 
ckel, Reil von Linnen oder Tuch, in die 
Ärmel und Beinfugen der Gewandstücke 
gesetzt. — frink. schwäb. Spatel, Spettel, 
Spittel. Schnieder 3, 580; Schmid 498; 
verwandt mit dem gleichbedeutenden 
Speidel, Speitel. Stieler 2077; Schnieder 
3, 557; Schmid 498. — Spätling ist ge- 
bildet aus Spate, das spaltende Werkzeug 
und das gespaltene Stück (schwäh. Spalt: 
Splitter). Speidel bedeutet neben dem an- 
gegebenen auch Span, Splitter. Die auf- 
zustellenden Zeitworte spaten , speiten 
müssen bedeuten spalten; vgl. nd. nl. 
Spaden, spitten : graben. 

speien, st. rb. wie hd., vgl. gerben. — 
Nach Speier reisen, bei Scherffer 551 
nach Speier appelliren , jetzt blos appel- 
liren, euphemist. für speien, mit Anspie- 
lung auf Speier, den Sitz des Reichskam- 
mergerichtes ron 1527—1688. 

speien, schw. vb. spotten. — ver speien: 
verspotten, verhöhnen, beiOpitz 1, 69: der 
am holze hangt beladen gepresst, verspeyt, 
gedrückt, verseht, geschmäht, verspott. — 



Das Wort ist obd. in der mittleren Zeit 
in lebendigem Gebranch gewesen, vgl. 
Wackernagel bei Haupt Zeitschr. 8, 516. 
Zarncke zu Brants Narrenschiff 42 , 25, 
wozu sich die Beispiele aus den Fast- 
nachtspielen mehren dessen. — Auch nd. 
speie : spöttisch ; Speivogel ; von da drang 
es in die nordischen Sprachen und selbst • 
ins neuisländ. speu, spJa, mit den Subst. 
spee,spie. — Zusammenhang mit speien: 
spucken, wird anzunehmen sein. Neben 
der Bedeutung spotten nahm das Wort 
auch die von zornig, aufgebracht sein, 
an, wie Schweiz, speuzen, schles. spucken 
belegen. 

Speil, Speiler, m. Stabchen zum an- 
spiessen und auseinander sperren. Die 
Würste werden an den Enden gespeilt; 
der Mund wird auseinander gespeilt. — 
Schnieder 2, 560 ; ud. ist das Wort ge- 
bräuchlicher : Sptle, sptlen. Brem Wb. 
4, 949; llüllenhoff zu Groths Quickborn 
321. — Verwandt mit Spille. 

Spelr, m. Grasspitze, Grashalm: kein 
Speir Gras wächst mehr dort ; es ist kein 
Speirla übrig. — rbein. nd. Spier, engl, 
spire, uorw. spir, dän. spire,schwed.spira. 

Speck, m. Wer dacht's dass die Katzen 
Speck fressen, es ist solch fett ding ! Re- 
densart über solche, die etwas begeh- 
renswertes wünschen. 

Spellen, spülen, schw. vb. reden, 
plaudern ; erhalten in der Redensart Spel- 
len g e h n : auf Besuch gehen (Lan- 
genbielau, Mittclwalde), ganz wie im 
Oberharz und in Henneberg. Spill gehen, 
zu spill gehn.— ahd. spelldn, mhd. Spel- 
len, ags. spei(jan, engl, spell , altn. 
spialla. 

Spiegel , m. 1) wie bd. 2) Die glänzenden 
Rotzflecken an den Gewändern unsaube- 
rer. — Weiter verbreitet; so heisst ein 
Theil der Deutschen am Neusiedlersee 
(Ungarn) Spiegelhinzen, weil ihre Ärmel 
als Schnupftücher dienen. 

Spille, f. Spindel ; spindelartiger spitzer 
Stab. Von einem schlottrig angekleideten : 
man könnt ihm 's Kleid mit der Spille zu- 
schüttein (Goinolke). Thurmspille: an 
ihr sitzen Knopf, Fahne und Stern. — 
Spillaholle, vgl. Holle. — s p i 1- 
licht, adj. spindelartig. Frisch 2, 302. 
Nd. gebräuchlicher als obd., obschon 
auch hier nicht unbekannt. Stalder 2, 384 ; 
Tobler 379. ahd. spilla. 

sprachen, schw. vb. sprechen, bei den 
älteren Schlesiern häufig : dass ein Esel 
hat gespracht, warum wundert man sich 
doch. Logau 11,5; man fragt tote Leh- 
rer aus, spracht mit den klügsten Seelen. 
Günther 517. — Von was besprach tet 
ihr euch gestern. Lobenstein Epicharis 3, 
405. — ahd. sprahhön. mhd. sprAchen. 
Grimm Wb. 1 , 1639. 



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93 



Spreng»«, t. Klammer, Speil : mau lasse 
Klammern dann und Sprengen fertig 
machen. A. Gryph. Carl Stuart 1, 293. — 
tu sprengen : spalten. — Schindler 3, 590 
Sprenge: Sperrut«. Schmid 504 Fuss- 
eisen der Verbrecher. 

springen, st. vb. 1) wie hd. Ich muss 
immer übers Bänkel springen: Redens- 
art, wenn einer immer mit seinem 
Beispiele vorangehen muss ; 2) laufen, 
rennen.— Auch mhd. in dieser Bedeutung ; 
über Oberdeutschland verbreitet; für 
Mitteldeutschland belegt sie Stieler 2105. 

— Springauf, m. Maiglöckcheu, Con- 
vallaria majalis. 

Spuekat, m. Bindfaden. Auch oblaus. — 
österr. Spagrft, bair. Spaget, ital. spa- 
ghetto, schwäb., Schweiz. Spage. — Vgl. 
Schindler 3, 558. 

Spund, m. 1) wie hd. 2) zapfeuartig ge- 
drehterHaarwalst(Reicbenbach).— s p Ü n- 
den,schw. vb. zusammenfügen , in dem 
negativen zerspünden: zertrümmern : 
ein Schiff das andere schlegt zertrümmert 
und zerspiindt. Scherffer 51. 

stssbeln, schw. vb. mit einem Stabe ge- 
hen, stossen. 

«takern, staekern, schw. vb. stechen, 
stochern mit Stab oder Stange, um etwas 
aufzusuchen. — Staekor, m. Stock, 
Stange. — nd. sUkern frequ. zu Sta- 
cken, mit der Stange arbeiten , nachsu- 
chen. Brem. Wb. 4, 982—85. — Wester- 
wald, stäicken, stiecken: festmachen, 
stemmen. 

StaUer, S t A I e r,m. Knecht, der die Pferde 
zu füttern und striegeln hat; er steht 
zwischen dem Pferdejungen und Kutscher. 
Die strenge Raumordnung des männli- 
chen Gesindes ist im Reichenbachisehen : 
Schaffer , Grossknecht , Mittelknecht, 
Kleinknecht, Stäler, Grossjunge, Pferde- 
junge. Vgl. Wagner. 

stampfen, s tarn pen, schw.vb. 1) wie hd. 
2) stapfen, schreiten. — Steider 2, 391. 

— St am per, Stampe, m. f. kleines 
Glas mit dickem Fuss, der kräftiges aus- 
stampfen aushält. Ein Stamper Schnaps. 

Lasst in Krystallen den Rebensaft 

fallen, 

leeret die Stämpchen mit massiger Rub. 
Scherffer 88. Gleichbedeutend ist die 
Stutz, die ii. a. in dem Spruch von allem 
Hausrath (Fastnsp. 1215) erwähnt wird: 
stutz, pierglas, ein pecher darber. 

Stande, f. S t ä n d e r, m. hölzerne Bütte mit 
einem Deckel und zwei Henkeln , in wel- 
cher das Wasser für die Küche aufbe- 
wahrt wird. — ahd. mit. stand» , mhd. 
Stande. Heute noch weit verbreitet: 
Frisch 2, 318; Schmeller 3 , 646; 
Schmidt 232 ; Müller- Weitz 232 ; Brem. 
Wb. 4, 999. 

stänkern, schw. vh. gleichbedeutend mit 
staekern: herumrühren, herumstochern: 



man stänkert in dem Grab nach einer 
schwangern Faust. A. Gryph. Card. 
Cel. II. 204; IV. 340. — au s stank er n: 
durch suchen und wühlen ausfindig ma- 
chen : Beispiele aus Lohenstein bei Grimm 
Wb.1,983.— DasWort kommtauch oblaus. 
schwäb. und Westerwald, vor , mit der 
Bedeutung forttreiben , gleich dem nah 
verwandten nd. stangeln. — stankern ist 
zunächst auf stangern zu führen, da ng 
und nk, namentlich im schles. tauschen ; 
stangern ist frequentativ zn stangen, das 
im Ablaut steht zu ahd. stingan, stungan : 
pungere, stimulare. Vgl. auch bair. 
stengen: stecken, stossen. Schmeller 
3, 648; schwäb. stänken. Schmid 507. — 
bair. Stänker : Pfahl zum aufhängen von 
Getreide und Heu. Schmeller 3, 649. 

»tanken, schw vb. Gestank verbreiten ; 
ahd. steneban. Schmeller 3, 649. 

Veturia ruft ihre Jugend mit seufzen, 

wenn sie an sie denkt; 
sie aber fleucht je mehr zu rücke, weil 
jen' im seufzen etwas stenkt. 
Logau 2763. — stinkern, stankern : 
freqoent. hiezu; übertragen: Uneinigkeit 
stiften. — Stänker, m. Zwietracht- 
stifter, Zänker: einen Balger einen 
Stänker. Logau 911. Es sind unnütze 
Zänker. Was ? meinen diese Stänker man 
hab anizt nichts an der Hand. A. Gryph. 
Piast631. — Weitverbreitet obd. md. nd. 

st&ren, schw. vb- 1) stochern, stechen, in 
ausstitren: durch stochern und wühlen 
ausfindig machen ; herumstären: 
herumstechen. — Ein Subst. Star : Stan- 
ge, Stock, ist anzusetzen, dem altn. stör, 
carex ; schwed. stör, Stange, Pfahl ent- 
sprechend. — Vgl. bei Frisch 2, 353, 
stören, sturen, und bei uns stirlen. — 2) 
vom vorigen verschieden : staren, stier 
blicken; ahd. mhd. staren. 

stäte, adv. 1) stets, beständig (nördl. 
Niederschlesien); 2) da das beständige 
rasch zum Ziele führt : rasch, schnell ; 
stiUe gehn (Langenbielau). — ahd. stflte. 
— Stieler 2115; Schmeller 3, 670; 
Stalder 2, 392. 

Staub, m. Blas mir den Staub weg: iass 
mich in Frieden. — stäubern, stö- 
bern, staebern, schw. vb. 1) stie- 
ben, namentlich von Schneewetter ge- 
braucht ; es ist Steberwetter, wenn 
heftiger Schneefall mit Wind ist; 2) trans. 
stieben machen, fortjagen; aufstae- 
b er n , aufjagen; ausstiebern, durch 
jagen ausfindig machen, überhaupt auf- 
finden. — mhd. stouben. — Weit ver- 
breitet: Grimm Wörterb. 1, 983. 987; 
Stieler 2125 ; Schmeller 2, 603; Stalder 
2, 393; Schmidt 231; Brem. Wtb.4, 1042. 

Stein, m. Redensart: das gienge schon, 
wenn kleine Steindel Geld wären und 
Fluchen keine Sünde. — Etwas zu s te i n- 
t o d e veigesscn -• ganz und gar vergessen. 



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94 Stekap - 

Schneller 3, 641. — Steinwand,*f. 
Fels; auch oberdeutsch, uud älter nach- 
zuweisen. Scherz 1567. 

Stekap, dieselbigen 12000 RU. gaben IFG. 
mir in meine verwarung, welche ich 
im steckapp (a. IL stockop) rerwaret. 
Schweinichen 2, 303. — Sicherheit über 
das Wort wird erst eine genauere Be- 
sichtigung der Iis. geben; vorliiußg 
werde an poln. stek : Gussstein, Gosse, 
stok, Cisterne erinnert, wenn nicht die 
Annahme einer deutschen imperativischen 
Bildung Stecknb, d.i. Steck beiseite, vor- 
zuziehen ist. 

Stenzel, Stanislaus, früher in Schlesien 
als Vorname sehr verbreitet, jetzt auf die 
polnischen Theile beschrankt. In den 
deutschen Gegenden Polens hat Stenzel 
die Nebenbedeutung eines dummen Töl- 
pels. — Bei St. Stenzel! A. Gryph. 
Peter Squenz. 

stanzen, schw. vb. jagen, forttreiben: 
ich werde dich stenzen t Auch hennoberg. 
Im fränk. und pfälz. bedeutet dieses Wort 
stehlen, betrügen. Schneller 3, 650; 
Rhein wald 1, 156. 

Ster, Ster, m. Schafbock, Widder. Der 
man setzt hörner auf und stellt sich wie 
ein stehr. Logau 339. Auch Schwöb. — 
ahd. stero. 

sterben, st. vb. 1) intr. Sterben und ver- 
derben thut wehe. Schweinichen bei Sten- 
zel Script. IV, 55 ; demnach es zu Bres- 
lau dies Jahr sehr starb. Schweinichen 2, 
205. — Sterbe, f. Tod, Pest: da könnte 
man auf dem Flecke die Sterbe kriegen! 
(Reichenbach) ; ahd. sterbo, pestis; der 
Sterb Schmeller 3, 656; rhein. die Sterf. 

— Sterbensieufte, f. Pestzeit, an- 
steckende Seuche. Stenzel Script. 4, 282. 

— 2) trans. taten : (den Ruhm) den der 
tod uns nicht kann sterben. Opitz 1,336. 
der tod, der alles sterbt, den sterbt ein 

gut gerächte: 
das stirbt, wenn gleich die weit muss 

sterben, doch mit nichte. 
Logau 1361. Vgl. ahd. sterbjan. 

Stielt, m. in Stich geben: in Gewalt 
geben, vom Kartenspiel entnommen: 
(o dass Junonia Gütte) 

geb auch der mich nicht in Stich, 
die mit List ist über mich. 
Scherffer 561. — Langstich föder 
dich ! spöttischer Ruf an Putzmacherin- 
nen, die grosse Stiche machen. 

Stiefmutter, f. Abfall vom Werg (Glaz). 
Die gläzische Spilladrulle (vgl. Holle) ist 
mit Stiefmutter gefüttert und in Stief- 
mutter eingehüllt. Eine Deutung dieses 
Wortes böte sich durch Fudikan, den 
holsteinischen Namen für den Flachsab- 
gang (MüllenhoiT Sagen 135); dies Wort 
deutet Kuhn in seinen nordd. Sagen 505, 
als Entstellung aus Frickan : der Fricke 
gehörig, indem die Überbleibsel eine 



Storch. 

Gabe für die Göttinn des Flachsbaues und 
des Spinnens waren. So wäre die gläz. 
Stiefmutter das Geschenk für die als 
Stief- oder stellvertretende Mutter ge- 
dachte Drulle oder Holle. 
Stift lieh, adj. stiftartig: stiftlich etwas 
schneiden : in linglichen spitzigen Stück- 
chen. — stiftein, schw. vb. stupro in- 
finitere. 

stirlen, stirdeln, sterdeln, schw. vb. 
mit der Stango stossen und rühren, na- 
mentlich im Wasser, um die Fische auf- 
zustören. Die Frankensteiner machten auf 
vier sächsische IliÜint'Lster,diesieim Juni 
1G45 arg gequält hatten, diese Reime: 
Grill, Fischer, Dunau und Knoch 
haben gefischt die ganze Woch, 
sie haben gestirdelt und gefischt, 
dass mancher Bürger die Augen wischt. 
Ulke, gesammelte Nachrichten von Fran- 
kenstein S. 34». — abstirlen: mit der 
Stange etwas abschlagen, z. B. Obst. — 
a n s t i r I e n : anstacheln, aufrühren. — 
Stirl, m. Stange, Stock.Bntterstirl: 
Stiel derButterfassscheibe;übertragen: ein 
langer Kerl. — stirlich, sterdlich, 
adj. stangengleich, lang aufgeschossen. 
— Vgl. zu dieser Wortreihe Grimm 
Reinbart Fuchs S. 107; Stieler 2174; 
Frisch 2, 353 ; Anton 4, 13 und staren. 
»täten, schw. vb. schreiten, stapfen. Vgl. 

Staffen, stapfen bei Schmeller 3, 650. 
Stopfe, Stoppe, Stnppe, f. der dreh- 
bare Aufsatz auf den Butterfässern und 
Milchkannen ; von stopfen. — Stöppel, 
m. 1) das mit Brei gefüllte zugebundene 
Läppchen, das den kleinen Kindern zum 
Saugen in den Mund gestopft wird; an- 
derswo Zulp, Zuzel. Nach der kopfarti- 
gen Gestalt desselben heisst 2) der Kopf 
Stöppel ; 3) überhaupt etwas zusammen- 
gestopftes , zusammengebundenes. So 
hiessen die auch Popel genannten Wahr- 
zeichen, die im dreissigjährigen Kriege 
auf den Thürmen steckten, Stöppel : 
der Kirchenthürme Wacht wird bald 

unnöthig sein, 
noch minder mehr zu thun den Stöp- 
pel aus und ein. 
8cherffer 649 macht biezu die Antner- 
knng: durch Einziehung der Stöpfel auf 
den Dorfthürmen ward in Schlesien die 
Losung den Ackerleuten gegeben, dass 
Unsicherheit aufm Land vorhanden, wor- 
auf sie mit Vieh und allem flüchtig wor- 
den und in ihren Gewahrsam eilten. — 
4) an die vorige Bedeutung anknüpfend : 
ein Haufe , eine Menge Menschen. — 
Stöpperle, Stipperle, n. Nudel; 
Gänsestöpperle, Mohnstöpperle. — stöp- 
peln, schw. vb. 1) intrs. Stöppel krie- 
gen, mit dem Stöppel aufgezogen wer- 
den; 2) trans. den Stöppel geben. 
Storch, m. dem Storche lausen: etw M 
schwieriges und unfruchtbares treiben. — 



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strabeln 

herum steigen wie der 8toreh in der Sa- 
late, wird von dem steigenden Gange 
langbeiniger gesagt. Im Mittelalter wurde 
stolzer und steifer Gang dem Kranieh- 
sch ritte verglichen: Minnesing v. d. Hagen 
3, 196*; Freidank 30, 13; Walther 19, 31. 

»traheln, schw. vb. mit Hfinden und Füs- 
sen um sich strumpfen. Ableitung von 
streben. — Bei Fischart Gargantua c. 10. 
zabelen, strabelen. — strapelu, strabeln, 
Schindler 3, 688; Steider 2, 403. — 
Strabelkatze, vgl. Katze. 

ver-gtrauehen, schw. vh. mit Strauch- 
werk verwachsen: hierauf notwendig die 
zuvor wol angebauten Getreide -läml er 
verwildert, verstrauchet. Scherffer Ge- 
dichte Zuschrift a. IV. rw. 

streichen, st. vb. wie hd. — Streich- 
junge: der Junge in den Ziegeleien, 
welcher die frisch gestrichenen Ziegeln 
abtragt. — Wildstreicher, Land- 
streicher ;Streicherma>del: fahrende 
Dirne. — Auf den Strich gehn: feilen 
Dirnen nachlaufen; Schnepfenstrich, 
das abendliche schwärmen der Streicher- 
mädel ; vgl. Schnepfe und Schindler 3, 
493; Schmid 514. — Strichen, m. 
Zitze des Kuheuters : das Euter hat vier 
Strichen; der fünfte, der zuweilen vor- 
kommt, gibt keine Milch. — Weiter ver- 
breitet: Schindler 3, G80; Stalder 2, 
408 ; Stieler 2198, nd. Streit, Streke. 

streiten, st. vb. wie hd. i) namentlich 
mit Worten streiten ; 2) einen , etwas 
streiten : etwas bewältigen , womit fertig 
werden. — mhd. einem strften, gestriten, 
vgl. W. Grimm zu Freidunk 80, 9; Gr. 
Rudolf I, 3; Erec 6427. — Stritt, 
Strit, m. Streit: siste kumma mer sei 
lahtige ne med anander ze stricte, Stoppe 
Parnass 511. 

n Irenen, straen, schw. vb. wie hd. — 
Streusal, Streusel, m. Gemisch von 
feinem Mehl, Butter und Zucker, das 
klümpchenartig auf die „Streuselkuchen* 
gestreut wird. — Auch oblausitzisch. Vgl. 
Kuchen. 

Strumpf, Strümp, m. Stamm, Stock, 
Stutz: Äste, Stamm, und Strümp A. Gryph. 
Leo Armen. 5, 90; hat ihm Wäll und Festen 
geschleift mit Strümp und "Asten, Opitz 2, 
48; kü Strimpla is tbrig. — strump- 
lich, adj. str. Besen: abgenutzter Besen, 
von dem nur die Strümpe, die Stiele 
übrig sind. — strumpzelig, adj. mit 
gestuztem Zagel (Schwanz). A loft rim 
wie a strumpzaliger Hund (Gomolke); die 
feirigen Hamlwerksburschen laufen rum 
wie die strumpssdigen Hunde (Trebnitz). 
Das Wort, nicht mehr verstanden, musste 
sich in strumpsfilig entstellen lassen. — 
Vgi. Frisch 2, 349. Schindler 3, 686. 

Strunk, m. wie das vorige: Stock, Sten- 
gel, Stiel; besonders gebräuchlich 
Krautstrunk. 



Dero der uns nicht rauchen lässt 
soll anstatt der Nerv und Flachsen 
ein Tobakstrunk wachsen. 
Günther 920. Vgl. Frisch 2, 349; Brem. 
Wb. 4, 1073; Schütze 4, 213; nl. Stronk. 
Strunze, f. im verächtlichen Sinne: 
Frauenzimmer; namentlich faule Strunze, 
wem wolte nur obn mich die nakte 
Strunze (Venus) rahten. Scherffer 395. 
— bair., schwlb. stranzen : sich stre- 
cken, dehnen; faul herumlaufen; Stran- 
zen: fanle Weibsperson; fränk. die 
Strenz, Schindler 3, 687. — westerwäld. 
stronze, herumstronze : herumlaufen, fan- 
lenzen. — nd. strunzen: prahlerisch 
herumgeben. — strunzen und stranzen 
verwandt mit dem gleichbedeutenden 
sträunen, was zugleich „gewinnsüchtig 
sein" bedeutet (ahd. striunan, lucrari) ; 
Streun, nd. Strüne: Herumstreichen»; 
vgl. mhd. Striun, Hundename Helbl. IV, 
456. 

Strutt, m. Name eines Berges bei Schöm- 
berg ; bedeutet Wald, Gebüsch ; ahd. mhd. 
struot, stnU, Frisch 2, 350; Schindler 3, 
690. Das Wort kommt als Ortsname in 
Franken vor; Weigand (Archiv für hess. 
Geschichte VII, 299) führt es als Name 
oberhessischer Waldbezirke und Dörfer 
auf.— S t r ü t ti c h, n. Gesträuch: der Name 
Sprotlaw ist polnisch und heisst so viel 
als ein Ort, dannen vil Ddrner und Strüt- 
ticht ausgerottet. Curäus-Rätel Chronika 
(Leipzig 1607) S. 307. Dörner Strotticht 
und Bäume, ebd. 308 ; nun ist aber an 
demselben Ufer noch heut ein solcher 
Dornpusch und Ströttich, ebd. 298. — 
Gestrütlich, n. Buschwerk, Gesträuch : 
mit dickem Unkraute und dörnichtem 
Gestrittig, Lohenstein Widmung des Ibr. 
Bassa ; der Mohre wirft nicht eh in das 
Gestrittig Flammen. Lohenstein Ibr. Bassa 
I, 523. — nd. Struddik. 

Strüzel, Strtzel, m. länglich geformte 
Teigmasse: Butterstrüzel, besonders aber 
dasWeihnachtsgebäck : Weihnachtstrüzel ; 
anderwärts Christstollen , Christwecken, 
Stuten, Tütscher. — Schon ahd. mhd., 
struzil, strüzel, vgl. Grimm bei Haupt 
Zeitschr. 8, 419; Schindler 3, 691. Das 
Wort ist baierisch, Österreich., kirnt., 
wetter au., oblaus., westpreuss. , dänisch 
nachzuweisen , und findet sich wahr- 
scheinlich auch sonst noch. 

Strüzel, m. steifer Mensch. — verstrü- 
zeit: starr, namentlich vor Erstaunen. — 
nd., strutt: starr, steif. — Verwandt mit 
strotzen, nd. strutten. 

Stumme, m. Gaul, Pferd; bei Scherffer 
ein ieder in denStall zu seinem Stummen 

reiset 

und zenmt und sattelt auf. Ged. 61. 
dass der Knecht dem Pocht entschleich 
und die Stummen wisch und speise, 
ebd. 539. Auch jetzt noch in Schlesien 



I 



96 



für das Thier, als das nicht redende, die 
muta bestia gebraucht, 
stftren, schw.vb. starren, stieren(Breslau). 
Miirzen, schw.vb. 1 )wie hd. trans. umstür- 
zen, umkehren. — Sturzacker: Acker der 
mitdem Pfluge zum erstenMale umgewen- 
det ist — S t Q r z e, f. Deckel auf Töpfe nnd 
Krüge zu stürzen oder decken. Logau 
973 ; rgl. Schindler 2, 060 ; 2) intrans. Aus 
der Bedeutung : herumschweifen, Tagiren, 
die das Wort in früherer Zeit hatte, 
bildete sich schles. die von abziehen, 
ausziehen: 

der jetzt mit Sack und Pack von Hofe 
stürzen muss. Günther 1039. 
Es wird besonders von dem Umzug des 
ländlichen Gesindes gebraucht; der 
Stürz tag ist der 2. Januar; dabei wird 
der Stürzbranntwein getrunken und 
viel lärmender Unfug getrieben. — Lohen- 
stein braucht das Wort in mehr übertrage- 
ner Bedeutung : der nie gestertzetaus Os- 
mans Lieb und Dienst. Ihr. Bassa I, 231. 
Auch für sterben, das letzte stürzen, 
as Wort vor. — Stürz.Sterz, 



m. 1) der Umzug ; 2) die Sachen die dabe 
mitgeführt werden. Vgl. das fränk. schür- 
zen, scherzen. Schweiler 3, 406. 

Stützet, n. Pulswärmer von Pelz oder 
Wollenstrickerei. — Auch baier., Schind- 
ler 3,674; österreichisch, ist gebräuchlich 
das Hauptwort der Stutzen : Muff. 

sülea, 8d»w. vb. wälzen; sehr gebräuch- 
lich. Gesielt in Sand und Blntt. Lohenstein 
Ihr. Bassa 1, 224; man siehlt und quält 
sich spät und frühe. Stoppe 376. — auf 
den Hals sülen, aufsülen: aufbürden, 
zuschieben, von schlechten unangenehmen 
Sachen. — b e s ü 1 e n , sich : sich wälzen, 
namentlich vor Lachen. — S ül e, f. einge- 
wälzte Stelle in Gras, Getreide od. dgl. 
ahd. sol : volatubrum. — Das Wort ist weit 
verbreitet und früh mit dem Begriff 
beschmutzen verbunden: gotb. bisauH,an, 
ahd. soldn, bisuljan: inquinare, illinere. 
Frisch 2, 355 (wo sülen und sudeln ver- 
mengt werden); Schindler 3, 230 ; Stalder 
2, 419; Anton 4, 10; Müller- Weitz 241 ; 
Brem. Wb. 4, 914; Diefenbach goth. Wb. 
2, 193. 



T. 

Vergleiche Ü. 



i, schw. vb. schnattern: derSchua- 
der Entenquatsch , der wilden Gänse 
tadern. Scherffer Ged. 83. — Vgl. die 
Gans mit ihrem dadern da da, da da, da 
da, mit ihrem Geschrei und schnadern, 
da da, da da, da da. Unland Volkslieder 570; 
Stieler 269; Stalder 1, 256. 286. nl. 
tateren,nd. tatein. dötern. Grimm W.2,671. 
Tngr, Täk, m. um den andern Tag: 
übermorgen ; j e n t i g : neulich, vgl. jener. 
Tag und Nacht, Kuhweizen, melam- 
pyrum uemorosum; poln. dzien i noc. — 
T o i (Trebnitz),T o i z t (Glogau),m. Mor- 
gendämmerung : eb der Toi quam. — Toizt 
aus Tagezeit zusammengezogen ; Toi auf 
ein schwaches Tage, ahd. tago , zu 
bringen ? 

tnfr, adj. träge (Dreissigbuben bei Beichen- 
bach). — nd. täg: zäh. Schütze 4, 241; 
Brem. Wb. 5, 1 ; einer der Bestandteile 
schles. Mundart, welche sich in rein nd. 
Gestalt neben entschieden oberdeutschen 
erhalten haben. 

Take, T a e i e, f. Bastdecke, hauptsächlich 
Fensterdecke. — ahd. tacha: matta,mattu- 
la, mhd.tache,vgl. Schindler l,427;östr., 
baier., Täke. — Mit decken und Dach 
verwandt; von dem österr. Theke, poln. 
teka, Buchschale, Mappe zu trennen, die 
vom lat.theca, griech. ftrjxTj entlehnt sind. 

taten, schw. vb.dalen, albern oder närrisch 
reden und handeln, Possentreiben. Häufig 
bei Günther ; z.B. küsst man euch, so heisst 
es thalen, ich versteh wohl das sind Schn- 
len.darum woltihr nurden Kern,241; ebd. 



schlaf, essen nnd im Bette thalen ist alles 
was er thut und weiss, ebd. 436 —Stieler 
323; Schmeller 1, 364; Stalder 1, 260. — 
taten, dalen ist mit ahd. twAldn, betäubt, 
schlaff sein, zu verbinden. Vgl. das mhd. 
twalm, twalmdn zu baier. delm, nd. nl. 
talmen wir«. Stieler hat als gleichbedeu- 
tende Nebenform zu dalen dalmen. — 
taelsch, adj. 1) albern, läppisch; 
ein echt schlesisohes Wort Redensart: 
Wer bei Tische singt, kriegt eine tatische 
Frau. 2) toll, verrückt: jungatwlsch: 
mannstoll; tadscb Kerle sein Bruder, 
zarte Umschreibung für tieischer Kerl. 
3) verkehrt: es ist mir ttelsch gangen; 
Gegenstände, welche der geforderten 
Eigenschaftentgegengesetzt sind, heissen 
tsdsch: UelscheButter ist harte spröde. — 
Getelsche, n. albernes treiben, scher- 
zen und lärmen. Nu seid vernünftig und 
lasst das Gctarische, sagt die Mutter zu 
den Kindern, die genug gelärmt und 
Possen getrieben haben. Auch oblaus. — 
Vgl. mhd. getdse.— Grimm Wb. 2,696. 
talken, schw. vb. mit der Frequentaliv- 
form talkern: tasten, streichen; betal- 
ken: betasten. Grimm Wb. 1, 1694. — 
Nebenform talken: den Teig kneten ; vgl. 
Fastnachtsp. 570, 9, die kes zusammen 
telken. Auch baier. Schmeller 1 , 368. 
Baier. und schweizer, mit anderer Ablei- 
tung dalfern (Schmeller 1, 368; Stalder 
1, 260), anderwärts dalpern. Schlcsisch : 
dieTalpe,Hand, Schweiz, die Talpen. — 
Vgl. das folgende: 



i 



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97 



t allen« schw. Tb. stammeln; „tallen: 
lippseben ; it. nicht recht reden können," 
Kernkronik2,725. — ahd. tallazjan, pal- 
pare. — Tallsack m. stammelnder 
alberner Kerl ; im Hirschbergischen Be- 
nennung der aus Semmelteig' gebackenen 
Mannsbilder. — Redensart: Tall Tall 
(al. Tilro Ulm) er hatte Holzel feil, er 
gabs Gröschel für Gebinde! ; nach einer 
älteren Aufzeichnung- gleichbedeutend 
mit: wasch mir den Pelz und mach mich 
nicht nass. — Talke, f. stammelndes 
albernes Weibsbild, nd. Talke; das öster., 
bair. der Talk (auch nd. Taalk) kommt 
achlesisch nicht vor. — talkicbt: 
albern, ungeschickt; baier., österr. 
dalket. — Vgl. tillen. Vgl. oblaus. dalpern : 
stammeln, undeutlich reden; Schweiz, 
talpen, rhein. talpe: plump auftreten, 
Uppen, langsam arbeiten (Stalder 1,260; 
Müller- WeiU243)und das allgem.verbrei- 
tote Tölpel, nebst Tolpatsch. Grimm 2,700. 

tiemiHch , ti misch, adj. taumelnd, 
schwindlicht •■ dasliäut is mersu thamisch. 
A. Gryph. gel. Dornrose, „thamisch, ver- 
rückt im Haupt" Kernkronik 2, 725. — 
Ist auf lau misch zu führen, Schmeller 
1, 443. Grimm Wb. 2, 704. 

tampern, tempern, schw. vb. zaudern, 
langsam arbeiten, trägsich umhertreiben, 
srhweiz. dampern, dampen. Stalder 1, 
262. — Gebildet aus Upern. 

Tantas, m. plur. die T & n t u s s e : Bechen- 
pfennig. — baier. Tantes. Schmeller 1, 
448; aus dem spanischen Unlos, plur. zu 
Unto. 

tÄpern, schw. vb. langsam und unbehilflich 
sein. — Taperarsch,Tapermichel, Taper- 
gritte : unbehilflicher, langsamer Mensch, 
tilprig, adj. unbchilflich , langsam. 
— Tips, Taps; Ta p pertiS w izer 
(Obernigk) = TApermichel. Vgl. mhd. W- 
pen, Schweiz, tapen, dö>en. Stalder 1, 26S. 

tapfer , tapper, als verstärkendes Advb. 
im nördlichen Niederschlesien gebraucht; 
topper schein : sehr schön. 

tar, vgl. türren. 

taren , schw. vb. von ßerndt mit der Be- 
deutung: „kindisch sein, spielen," auf- 
geführt. Ursprünglich heisst es : lang- 
sam sein . wie noch Schweiz, schwül), 
oblaus. dären. — t a r a d e, adj. beharrlich, 
eigensinnig (Reichenbach) , eigentlich 
langsam, zäh, wie das einfache Schweiz, 
darr. Stalder 1, 267. — Zu der Rildungs- 
sylbe — ad — vermag ich ausdemSchles. 
nichts entsprechendes aufzuführen. 

Tarrfsbüchse, Bastionbüchse, Kanone. 
Die ratmanne liessen uf den Elbing 
eilens tarrisbüchsen füren und meineten 
sie sollen geladen sein. Rschenloer 1, 
109. — Tarris: Terrasse, Schanze. Vgl. 
Frisch 2, 362; Schmeller 1, 432. 

Tasche, f. 1 ) wie hd. 2) Samenhülse. 3) 
Mund, — Brodtasche: ich hab das 



Haus voll kleine Kinder, die mir mit ih- 
ren Brodtaschen das Geld in zwölf Leibe 
vernaschen. A. Gryph. Peter Squenz. 4) 
vagina der Kuh, früher auch die mensch- 
liche. — Frisch 2, 363 ; Schmeller 1,450. 

— Maultasche 1) Ohrfeige : 
Maultasch ist ein, Ding, zwar nicht 

schädlich an dem Leben, 
ausser dass sie dem Gehör Abbruch 
will und Nachtheil geben. 
Loga« 1097. 2) ein Gebäck ; Antonia 
braucht im Horribilicribrifax das Wort- 
spiel : da hergegen Frau Gertraud mehr 
Maultaschen als Krametsvögel von ihrem 
Mann auffressen muss. 

tasehen, Utschen, schw. vb. 1) lasten, 
schlagen, namentlich klatschend schlagen; 
vgl. titschen. — T ö t s c h e f. TaUe, Hand. 
Linktötsch, m. linkischer Mensch. 2) 
beUsUn, streicheln , zärtlich behandeln, 
namentlich die Kinder. — verkitschen : 
verzärteln. — Oberlaus, täscheln : mit 
Kindern spieleu , sie liebkosen. 3) klat- 
schen, in übertragenemSinne: schwatzen, 
albern reden. Wie „Spellen" gehn, heisst 
t:U sehen gehn zum Schwatzbesuch, 
auf einen Plausch gehen, namentlich von 
Kinderwärterinnen. — Getäsche, n. 
GekUtscb: die Getäsche wird Ursachen, 
mir und andern Argwohn machen. Seherf- 
fer Ged. 562. — Vgl. Frisch 2, 395 ; 
Schmeller 1, 459 ; Stalder 1, 269 ; Schmid 
117; Schmidt 253. 

Taat, m. Schmutz, besonders Kopfgrind. 

— ahd. dostcoenum, mhd. test, österr. 
Test : dicke zähe Masse ; bair. döstig : 
zäh, schwer, vom Boden gebraucht. 

Tater, m. 1) Tartar. Der Einfall der Tarla- 
ren oder Mongolen von 1241 in Schlesien 
lebt in der Erinnerung des Volkes durch 
das Schlachtfeld bei WahlsUlt und durch 
die h. Hedwig fort. In WahlsUlt wird 
alljährlich zur Erinnerung an die Schlacht 
im April ein Markt „das Obrenfest" ge- 
halten. Hie und da zeigt man auch 
TaUrenschanzen, z. B. im Höllengrunde 
zwischen Reichenbach und ISimptsch. 
2) kolioldartiges Gespenst, Tatermann: 
Scherfler Ged. 408 nennt den Vulcan den 
ungestrigelt verwichtelten Tater. Vgl. 
Grim Mythol. 469—471. 

Tatzen» f. plur. durch eine Schlinge 
verbundene Knöpfchen , welche durch 
die Knopflöcher gesteckt, die Stelle an- 
genähter Knöpfe nach alter Weise ver- 
treten; die mhd. tassel. — Scherfler 
409: sol er mit datzen die Ermel be- 
stecken. 

Tebs, s. teebsen, tob. 

Teckel, ». Döggel. 

Tempel, m. 1) wie hd. — Judentempel: 
Synagoge; lleidentempel nennt das Volk 
hier und da Mauerreste , die von den 
„Alterthumsforschern" für Heidontempel 
und zwar für römische erklärt wurden; 



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98 



Tengel — Tocke 



u. a. die Trümmer eines Wartthurmes 
auf dem Ruhberge zwischen Schweid- 
nitz und Heichenbach. 2) abgegrenzter 
bewachsener Fleck Landes : so beisst ein 
kleiner Grasplatz ein Tainperle (Habel- 
schwert) ; ebenso eine Baumgruppe, mag 
sie frei im Felde stehn oder mitten im 
Walde unter andersartigen Bäumen : im 
Kiefer piischel steht ein ganzerTempel sau- 
re Kirschbäume. (Liegnitz, Bolkenhain). 

Tenjrcl, m. Schmutzsaum am Gewände; — 
tengein, sich betengel n: schw. vb. 
sich am Saume beschmutzen. — Auch 
sonst mitteldeutsch: oblaus. obsächs. 
Süeler 763. — Tengel ist dasselbe 
Wort, nur mit eingeschobenem Nasal, 
wie österr., bair. Tegel : Lehm ; tegeln : 
schmieren, beschmutzen; engl, daggle. 

Tene , M) Schachtel. Kernkronik 2, 725. 
2) Frauenzimmer : ich hoas er amol ge- 
aoat, dass se su an grobe Tese wer. 
Stoppe Parnass 509. — nd. Döse: Büchse. 
Schachtel. 

teuer», schw. vb. zittern, rasseln. Wa- 
gen tettern ; Töpfe und GiSser, die einen 
Sprung haben , tettern beim aufsetzen. 
Bauernregel: wenn der Hirse mit dem 
Ohre rauf komt und er hört den ersten 
Erntewagen tettern , da wird er noch 
reif (Obernigk). — eintettern, trans. 
zittern machen , einschüchtern (nördl. 
Niederschlesien). — Vgl. bair., österr. 
tattern : zittern ; schwäb. dattern, dottern ; 
engl, totter. 

Teuehe, f. feuchte Stelle im Acker 
(Liegnitz, Jauer). — Schmeller 1, 426. 

Tilke, f. Thälcben , kleine Vertiefung. 
Auch nürnberg. ; im übrigen Mittel- 
deutschland Teile, Delle. 

tillea, schw. vb. ablautend zu tallen, w. z. 
vgl., erhalten in tillazeln: tändeln, 
mit Kindern spielen, Kernkronik 2, 725. 
dass er dem wütten läppischer Sitten, 
Tylatzeleyen, Fantastereyen, 
— einmal entfliehe. Scherffer 475. 

tieren , schw. vb. sich tieren : sich be- 
wegen, rühren, sich um etwas bemühen : 
um die Jungfrauen thieren. Schweinichen 
1, 63; kamen allgemach zu I. F. G. die- 
jenigen, welche sich zuvor nicht sehr um 
I. F. G. gethieret, ebd. 2, 60. — Vgl. 
gezweit geviert scherlich tieret. Os- 
wald v. Wolkenstein 33. 2, 23; all in 
den plnmen ich mich tiert. Spruch vom 
Einsiedel , in den Fastsp. 1124; ich 
gieng ein nacht spazieren , ward in der 
fin stern mich umbtieren, ebd. 339, 21 ; 
und tet mich kaum zwier drin umbtieru 
ebd. 72, 16. Das Wort scheintun verscho- 
ben herübergenommen vom nd. tieren: 
munter, lebhaft sein, lärmen; tierig: 
munter, lustig. 

Tisch, m. Ein Bauer sitzt am Tisch und 
stemmt sich mit dem einen Ellbogen so 
stark auf, dass der Tisch zu brechen 



droht Der Sohn ruft ihm zn : Vater ! der 
Tisch knackt ! Der Bauer sieht den Jun- 
gen an, stemmt den zweiten Ellbogen zu 
dem ersten und fragt : „Seld'a ?* 
Titie, T i s s e , f. TSubchen; auch oblaus. 

— In der Kindersprache werden auch die 
Honiggcfässe des Sturmhuts (Aconitum), 
die Samenkapseln der Päonien und dgl. 
Tisel genannt (vgl. Gittel). — Das Wort 
ist aus dem Lockruf tfse, tNe, gebildet. 
Bairisch-schwähisch werden die Hühner 
und Enten mitdis! dis! gelockt, daher 
Hisel Hänchen. Schmeller 1,401 ; Schmid 
129. rhein tiet! tiet! Tiez, Hnhn : Mül- 
ler- Weitz 245. 

litM'hen, schw. vb. Ablaiitform zn tatschen 
w. %. s. 1) schlagen, klatschend anschla- 
gen, namentlich dieTantussean die Wand 
werfen (ein Knabenspiel) ; wessen Tan- 
tus auf Spannenweite an einen auderen 
fällt, hat diesen gewonnen. Vgl. rhein. 
titsche: Schnellkügelchen auf einen 
Stein werfen und fangen. 2) tauchen, 
eintauchen; anstitschen: austnnken. — 
Titsche, f. Brühe, Tunke; nürnberg. 
Tütscben. — Frisch 2, 373. 
Titte, f. 1) Zitze, Brustwarze: Titte titte 
machen , in der Kindersprache : saugen. 
2) übertragen: Schnabel: 

hier liegt verscharrt Agtaster Gritte, 
die mit der achwar/.en Sehn;ihel-titte 
wusch als ein alte achlesche Magd. 
Scherffer 691. — ags.,nd. titt,engl. teat 

— Vgl. ahd. tutto, Schweiz. Tütti, Totta, 
kämt. Tuttele, Titel; tutteln, säugen. 

tob, adj. tobend, toll : du mehr denn tober 
Hund. A. Gryph. Sonette 1, 31. — Be- 
lege für tauber Hund bei Zarncke zum 
Narrenschiff 95, 51. — tmbsen, tib- 
sen, schw. vb. toben, lärmen. — Tlbs, 
m. tobender Lärm , namentlich Kin- 
(I er lärm. 

Tocke, f. 1) Puppe, sehr gewöhnlich. — 
ahd.tocha, mhd. tocke. Schmeller 1, 3. w »0. 
Doch lasst euch auch nicht bei der 

Tocke 

und schon im Flügelkleide frein. 
Günther 439. — Tock enspieler: 
Puppenspieler , überhaupt Schauspieler 
(Obernigk). — Tockenkram: eigentl. 
Puppenkram , fibertragen : Putz- und 
Spielsachen: ich halte diese Ketten höher 
als aller närrischen Jungfern Tocken- 
kram. A. Gryph. Horribilicr. — T o c k e n- 
werk: Puppenwerk, Gaukelspiel: 

was ist doch Ehre, Macht, Pracht, 
Schönheit, Lust und Geld ? 

ein gläsernes Gepräng, ein Tocken- 
werk der Welt. 
Logau Zweite Zugabe zu d. 3 Tausend, 
nr. 31. 

Der Scepter Tockenwerk ist eine lere 
Pracht. A. Gryph. Leo Arm. 1,45. 

vergänglich Tockenwerk und schnöde 
Gaukelei. Christ. Gryph. 127. (3. A.) 



Tocle — Trcsknminer. 



99 



2) wie Pappe, für Mädchen, a) liebko- 
send, häuög. Auch W.ScherlTor singt auf 
die Taufe einer kleinen Prinzessin von 
Brieg: nun tragt zum Heilhrunn hin, ihr 
Pathen diese Tock. Ged. 49. — In solchem 
Sinne auch bei Osw. r. Wolkenstein , in 
den Fastnachtspielen (488, 1 1 ),schweizer. 
(Stalder 1 , 286) und nd. (Brem. Wb. 
1 , 222) ; vgl. auch das verstärkte mhd. su- 
mertocke Minnesing2, 93 ; Gesamtabent. 
1 , 462. h ) hohnisch mit dem Vorwurfe der 
Putzsucht ; man geh' die Häuser durch, 
dort sitzt die Docke bloss, bespiegelt ihren 
Stat. Gunther 4SI. hetracht einmal mein 
Freund die dicken Polstortockeo, 
die so verzärtelt sind, ebd. 447 ; es brüste 
sichSerran mit seiner Pfeffer docke 
in dem von Mammonsblech erkauften 
Hirtenrocke, ebd. 395; das was man 
Gratia genannt, sind bloss Verführungsdo- 
cken.ebd. 352.— ge Iii ekelt, geteckelt : 
geputzt , zierlich gekleidet. — Schweiz, 
döckelet. Stalder 1, 286. bair. dockelen : 
putzen. Schmeller 1, 356. 

Joele, Dele,f. 1) Hündinn, Hund.2)Frau- 
enzimmer, namentlich ein albernes. — 
Auch nd.; rhein. ein einfältig gutmüthi- 
ges Weibsbild. MÜller-Weitz 246. — 
Grimm Gesch. d. d. Spr. 468 hat den 
Namen von Odoakers Sohn Thela und 
das sebwed. tillika , Hündin verglichen. 

Tölpel, m. wie allgemein deutsch. — 
Wochentölpel: Backengeschwulst, 
auch ßauernwfitzel genannt, bair. Dale- 
watsch. — Tolpatsch, m. Tölpel , in 
Oberdeutschland ziemlich allgemein. — 
tölpisch, telpsch, talpscb, adj. 
tölpelhaft. Schmeller 1, 442. Vgl. unter 
tallen die Formen talpen, talpern, welche 
die angenommene Entstehung von Tölpel 
aus dörper (vilains) zweifelhaft machen. 

Topf, Topp, Tupp, m. wie hd. — In 
früherer Zeit zugleich Benennung eines 
Masses Flüssigkeiten, wie nd. Pot: ein 
Fass hatte 10 Eimer, der Eimer 10 
Töpfe, ein Topf 4 Quart Frisch 2,377. 

— Der Herr von Neuenhaus , dem ward 
gesant zwei malder haber, ein fuder 
Heu, ein viertel weizenbier, zwölf töppe 
schwer Wein ; — herrn Franz von Hag 
acht töppe schwer wein ; und so immer 
löppeschwer wein.Eschenloer2, 164 f. 

— Ins Töppel sehn: sich um die 
Wirthscbaft bekümmern: habe jedoch 
mich der Dienste gänzlich entäussert und 
also neben meinem lieben Weibe in mein 
Tippel gesehen. Schweinichen 2, 139. 
Bald bekam aber dies eine schlimme 
Nebenbedeutung , desshalb warnt Mo- 
seherosch in Philanders V. Sittenwald, 
Gesichten (2, 345. 1650) „hingegen sol 
der Mann kein Erbs in Hafen zehlen, 
kein Bierenbrader sein, kein Obs zum 
Essen schelen , er sol nicht seine Nass 
in allem Dreck umbkehren." Töppel- 



gucker ist demnach gegenwärtig eine 
Schelte; das obd. Guckinhafen hat über- 
haupt die Bedeutung des unberufenen Ein- 
mengens, vgl. Fischart Kehrab 257. — 
T o p f b r e t , offener Schrank, in dem 
Töpfe und Schüsseln aufgestellt sind. 
Und wil er ungefähr des Nachbars 



Topfbrct, Tisch und Bank mit 
Fluchen eingeschmissen. 
Günther 467. — Von einem vollbusigen 
Frauenzimmer: sie hat ein gult Toppbre- 
tel. Vgl. das bair. österr. Holz bei der 
Wand haben, 
torsche Rüben: Uuterriiben(Obernigk). 

— ahd. lorso: thvrsus, ruobitorso. Graft" 
V, 459. Dors, Torsen, Torschen: Kraut- 
strunk, caulis olerum. Frisch 2, 377. 

tt'Areo, schw. vb. schwatzen , langweilig 
reden. — GetrAre n. Geschwätz 
(Kolbnitz bei Jauer). 

trsUchen, tratschen, transchen, 
treseben, tretschen, schw. vb. 

1) schallend aufschlagen, schallen, klat- 
schen. — Trdsch, m. Lirm, Geschwätz. 

— Transch,m. albern 
überhaupt dummer Mensch : 

und o dass Junonis Gütte 

einem Trantscb behütte. 
SchcrfTer 560 ; so lange bis ein Transch 
ein Schlauder ihn erwischet ebd. 620. — 
Tr Atsch (Ablaut zu Tratsch) Tölpel; 

2) mit Geräusch giessen, Wasser ver- 
schütten, es trascht ok asu : es regnet, 
giesst stark. — betr dachen, begies- 
sen,besprützen. — Tränt sch,Tresch: 
Regenguss; Nässe, Schmutz; 3) im Nassen 
berumtreten; zertranschen: durch 
Waten im Nassen verderben, z. B. Schuh- 
werk; überhaupt zertreten: Gras zer- 
transchen. — Vgl. die gleichbedeutenden 
klatschen, patschen. — Weit verbreite- 
tes Wort: Stieler 2339; Schmeller 1, 
497; Stalder 1, 298; Schmidt 263; 
Rheinwald 1, 168; Anton 7, 17. 13, 18. 
engl, trash. 

trecken, schw. vb. ziehen; aus früherer 
Zeit für Schlesien zu belegen : trekte sie 
so lange. Schweinichen 2, 157; die sich 
beym Freudenfest als ein Esel trekken 
lässt. Scherffer 555. — Niederdeutsches 
Wort; obd. trechen; vgl. übrigens bair., 
Schweiz, treckelen: hinziehen, trödeln; 
verdreckeln : verziehen, bindern. Schmel- 
ler 1, 474; Stalder 1, 301. 
, 8. traschen. 

f. eigentlich die Schatz- 
kammer (ahd. tresokamara), dann einge- 
schränkt auf den Aufbewahrungsort der 
kirchlichen Geräte , die Sacristei. Mein 
Herr Weiss das Sprichwort von Pisowol: 
See sonder Fische, Kirche sondor Dress- 
kammer, Hurhaus sonder Hure und ma- 
gere Suppen. A. Gryph. Seugamme. — 
Iii dieser Bedeutung noch in einigen schle- 



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treten — Tuch 



sischen fiependen, z. B. Trebnitz, Ures- 
lau, erhalten. Ebenso oblaus., schweizer, 
(vgl. namentl. Tobler 151). 

treten, st vb. den hat die schwarze 
Kuh schon getreten! d. i. über den 
ist das Unglück schon gekommen, er ist 
ihm verfallen. Dieselbe Redensart führt 
Grimm Mythol. C31 aus Einers Apoth. 
514 an ; entsprechend ist das livländ. die 
schwarze Kuh drückt ihn. Schwarze Kühe 
gelten für koboldartig, sie zu schlachten 
bringt Gefahr. 

treufre, adj. trocken. Die treuge Znnge 
leckt geliefert Blutt. Lohenstein Ibr. 
Bassa 1, 72. Auch kuhlind., oblaus. — 
mnd. und in md. Denkmälern des 12 Jh. 
trüge; rhein. drüch, nl. droog, nd. drög, 
ngs. drfge, engl. dry. — treugen, 
schw. vb. trocknen; rhein. drüche , nd. 
drögen , nl. droogen , ags. drugjan, 
drygjan, engl. drio. 

Tribs, m. Trieb, Stoss; auf den Tribs 
geben : den letzten Stoss geben : 

drum sieht er auch so blass als hätt ihn 

Angst und Noth 
mit Leib und Seel gebeugt und auf den 
Triebs gegeben. 
Stoppe Parnass 399. Niederdeutsche Bil- 
dung wie Draps, Schupps u. a. Vgl. Dia- 
lektforsch. 103 f. 

trtseln , s. trüseln. 

Tritt -ling, Tritlicht, m. Trittbrett 

a) Stufe, z. B. in den Pensternischen ; 

b) Tritt am Spinnrade. Stieler 2334. 
Treben, m. Querbalken (Reichenbach); 

rhein. Trov; Ingolstadt. Vocabui. von 
1445 traam (Schmeller 1, 489). — mhd. 
draine, trame , bair. österr. nd. TrAm ; 
westerw. Träm. Der Stamm ist, wie das 
schles. Wort und die ihm zunächst aufge- 
führten deutlich zeigen , trab oder trav, 
verwandt mit goth. triu, slov. drevo: 
Baum, Holz. — dremel und drum hängen 
hiermit nicht zusammen. 

Trojr, in. wie hd. — Trogkratze, f. 
Reste des Teiges, die aus dem Backtroge 
gekratzt werden. - Trogscharre, f. 
dasselbe, und die daraus gebackenen klei- 
nen Kuchen, trogescherre : torresterna 
Fundgrub. 1, 394; Renner 1652 heissen 
solche Kuchen teigseberre. 

trören, tr Ar e n , schw. vb. durchsickern. 
— T rörwasse r : Wasser welches durch 
die Teichdamme sickert. — »hd. trör : 
cruor; trörjan: pluere. Schmeller 1, 
499: Tobler 156. 

trotzig:, adj. wie hd. — Wird auf eine 
Anfrage eine kurze barsche Antwort 
gegeben , so ist die gewöhnliche Gegen- 
äusserung : nu , nu ! es ist ok um einen 
trotzigen Bericht zu thun. 

Trulle, f. dickes Frauenzimmer. — Vgl. 
Troll: Klotz Frisch 2, 389, hess. drolch: 
dickfüssig. Andererseits kommt in Be- 
tracht das altoberd. Trülle: Metze, Frisch 



2, 392 ; Stalder 1, 312; in selber Bedeu- 
tung nd. Trülle, nl. Drille, engl, trull. — 
Beide Bedeutungen vereinen sieb im Vb. 
trollen, trullen : schwerfällig treten, rol- 
len, herumschweifen. Auf ähnliche Weise 
heisst Trumpel, Trampel ein ungeschick- 
tes and ein fahrendes lüderlicbes Frauen- 
zimmer, vgl. Schmidt 269 und mhd. trum- 
pelnunne. 

Trum, m., T r i m e 1, n. deminutiv : Ende, 
Stück, Splitter, Span. — Scbleissentrü- 
mel : Ascbenabfall von den „Schleissen". 
— mhd. drum, drümel; fast in sämmtli- 
chen deutseben Mundarten erhalten: 
Schmeller 1,490; Stalder 1, 314; Tobler 
155; Schmid 144; Schmidt 268; Müller- 
Weitz 37; Brem. Wb. 1,256. 

Truhne, Troh n e, f. Truhe, Lade ; auch : 
ein Kasten mit Fächern , zur Aufbewah- 
rung vonEsswaaren (Obernigk). — In die 
lange Truhne bringen: auf die lange 
Bank schieben: denn er liess hängen und 
schlafen, was er nur mochte in die lange 
truhne bringen. Schweinichen 2, 48; in 
die lange truhne und in anstand kommen, 
ebd. 2, 61. — Auch oblaus. Trohne. Aus 
Truheue zusammengezogen: ahd. truha, 
mhd. truhe. — Schmeller 1, 487. 

TriiMchel, Druschel, f. scherzend für 
Weibsbild gebraucht . oft selbst für die 
Liehst« gleich wie im 16 Jh. So heisst es 
in den „zwen new Bremberger" (Nürn- 
berg. Jobst Gutknecht o. J.): verflucht sei 
die creatur, die mir mein druserlein be- 
trübt; und ebd. Geseng dich Gott schöner 
Saphier, du zart freüntliches Druserlein, 
und edler ruwine. — Es hatte aber da- 
mals schon die zweite gröbere Bedeutung 
eines dicken plumpen Weibsbildes: schau 
zu was grober feyster truseln , die sich 
mit sawr milch gar beknuseln. Grobia- 
nus übersetzt von Hellbach, 1567, S. 35. 
In solchem Sinne kennen es fast alle obd. 
und md. Mundarten: Stalder 1, 310; 
Schmeller 1 , 500; Schmidt 271 (Trut- 
schel, Troschel, Trösch). 

trüseln, schw. vb. 1) intrans. sich auf- 
drehen, aufwinden, namentlich vom Garn 
gebraucht, dessen Fäden sieb aufdrehen; 
2) trans. herumdrehen , im Kroise dre- 
hen. — nd. Trisel : Wirbel . Schwindel, 
Theutonista trysswind; hamb. holstein. 
drysen, drisen: winden. Brem. Wb. 5, 
111; Schütze 1, 255. 

Tuch, n. euer Tuch hängt nach- dem Wit- 
wer ! sagt man Frauenzimmern , deren 
Tuchzipfel schief hängt, weil es als Vor- 
bedeutung gilt, dass sie einen. Witwer 
heiratheu werden. Stoppe Parnass 2 7 reimt: 
die kriegen Witwer, wie man spricht, 
die sonst das Halstuch seitwärts tragen. 
Fürtnch, n. Schürze (vgl. Vornafür). 
Ihre schneeweissen Fürtücher hatten sie 
raufgeschürzt. Lohenstein Arm. Thusn. 
1 , 60. — Auch süddeutsch. 



tüchte, lichte, adj. tüchtig: ein lichter 
Mann, vir probus; a lichtes Mensch : kräf- 
tiges, arbeitsames Frauenzimmer. — adv. 
tüchte.— Auch oblaus.— nd. dögt ;ein ahd. 
tohti zu muthmassen. — T u c h t , f. mhd. 
tubt, 1) in : U n t u c h t, f. Untauglichkeit, 
Schlechtigkeit: eine Untucht Ton einem 
Kerle, ein ganz unnützer schlechter Kerl ; 
2) verdorbenes, untaugliches, auch gera- 
dezuKrankheitsstoft*. — od.Undugt,Undögt. 

tilgen , vb. mit verschobenem Präterit.: 
taugen. — Der alte Infinitiv ist noch im 
Glfizischen erhalten ; die rechte Form des 
Präsens bei Loheostein Ihr. Bassa 3, 89: 
wie das« euch der nicht taug, der hes- 
ser ist als alle. Dagegen bei Günther 358: 
du weisst dass Kunst und Treu nicht 
tü get, wie noch heute gesagt wird. — 
Menschen würden wenig tügen, wenn sie 
nicht in Himmel tüchteu. Logau 651. 
Mancher ist hei Hof ein Herr, tüchte 
Bauern nicht zum Scholien. Logau 2680. 
Häufig Ist hei den Schlesien! des 17 Jahrh. 
die Verbindung „zum tü gen" für tüch- 
tig, gewaltig: 

Es irrte Grunnia zum tügen menschlich 

nur, 

sie solle gehn zum Mann und ging zum 

Knechte zu. 
Logau 446. Schmieret die alte Hexe zum 
tilgen ab. A. Gryph. Horribilicribrif. S. 27; 
sie fallen über einander her und schlagen 
einander zum guten Tiegen ab, ebd. 84; 
znvor aber sollen dir die Flöhe von dem 
Rücken mit Ruthen zum tügen abgejaget 
werden. Gel. Dornrose S. 70 (1661). 

tückisch, ticksch, teckseh, adj. 
gewöhnlich in der Bedeutung zornig, auf- 
gebracht, wild: lasst mich zu Friede, 
suste wer ich tücksch. — T ückschheit, 
f. zornige Verschlossenheit : n»i! semmer 
og vertroilich ! de Tekschait (is ne wohr ?) 
is gor ze sehr obschoilich. Schönig gläz. 
Gedichte 10. 

tulkcn, s. talken. 

Hillen, sebw. vb. ntingere. — tullo ma- 
chen, dasselbe. — Tu II o, n. membrum 
genitale; Kindersprache. 

Tülle, f. röhrenartiger Einsatz in den 
Leuchtern, wodurch die Kerze auf und 
abgeschoben werden kann ; bei Stieler 
323, Frisch 1, 198 Dille. Vgl. mhd. tülle, 
Einsatzrohr am Lanzen- und Pfeilschaft. 
Biterolf 7089; Nibel. 897, 3. Ursprüng- 
lich bedeutet das Wort überhaupt Um- 
fassung, Einfassung, und wird wie Pferch, 
Park, für die Befeetigunpsplanken ge- 
braucht: Schindler 1, 442; Haupt zu En- 
gelbert 1916; ein mhd. Verb um umhetül- 
len : umfassen, umfrieden. 

Tümmerze, f. Gefängnis«, bei A. Gryph. 
gel. Dornrose: as wenn einer in der 
Tümmerze sesse und kriegte uischte as 
scbimlig Brud. — Auch lausitz. und po- 
senseb. Bernd deutsche Sprache in Posen 



-tote». 101 

28.— Tümmerze für Timmerze,und dies für 
Temnitze : temnica, poln. ciemnica : Fin- 
sternis«, finsteres Loch. Vgl. Frisch 2, 368. 
Tümpel, m. Wasserpful; im Bache eine 
besonders tiefe Stelle ; ahd. tutnphilo, mhd. 
tümpfel. Frisch 2, 394; Schindler 1,373. 

— Trübetümpel, m. trüber stiller 
Mensch, nd. dröve* drumpel. dreves 
drumpler. trübetümplich: trübe und 
verdrossen. — Tümpelkröte, f. 
Unke ; als Schelte gebraucht 

tmnpeln, schw. vb. lärmen, schreien 
(Obernigk). Von tummeln ; Tummel auch 
im schwäb. : Lärm. 

t Ii im, schw. vb. hervorzuheben die Bedeu- 
tungen a) sich gebärden, den Schein an- 
nehmen : thuok nichasu, wir wissen» bes- 
ser, wies stiht. — G e t h u e , n. Benehmen, 
Gebaren. Auch kärnthner. — b) spielen, 
in der Kindersprache : woll mir mal thnn ? 

— besonders von Gewinnspielen, 
tuntern, schw. vh. zaudern, langsam sein. 

— Tu n terti es e, Tunterl unte, f.: 
dummes Frauenzimmer.— Tuntr ich,m. 
alberner Mensch. — tuntricht, adj. 
dumm (Reichenbach, südwestl. Glaz). — 
ahd. tantardn: delirare; Schweiz, dunti, 
duntel : alberne ungeschickte Weihsper- 
son; bei Stieler 2255 tüntein, tentein: 
torpere, cunetari; nd. tunteln : zaudern, 
tuntern : schwatzen. 

tunzen, d u nzen , schw. vb. im Bette lie- 
gen, schlummern, in der Kindersprache; 
Heinde!, tunz noch a bissei ! — Anndel 
muss tunzen gehn. — bair. dunsteln, 
dünzeln. Schnieder 1, 386. 

Türmelung, f. Wirbel, Wirbelwind. 
Eschenloer 1, 293 spricht von den furcht- 
baren Gewittern und Stürmen, die 1465 
in Böhmen hausten und sagt: solch wun- 
derliche tnrmelunge war, dass etliche 
meinten, die stat Präge und andre stäte 
mer, da es gehöret ward, müsten ver- 
gehn. — Vgl. Dremel 2. 

türren , vb. mit verschobenem Präterit. an- 
statt dürfen im vollen Gebrauch ; nur 
der Infinitiv ist mir nicht begegnet (kuh- 
länd. tore), die übrigen Formen 8. Dia- 
lektforschung 130. — Auch nd. ist dür- 
fen durch dern verdrängt. — Turat, f. 
Kühnheit, Wagniss, im 15. — 17. Jahrh. 
bei den Schlesien! häufig: was wüsten 
wir von Helden und ihrer Thurst zu mel- 
den, Logau 403; hat niemand Beistand dir 
zu dieser Thurst versprochen? Gryph. 
Leo Armen. 2, 203. — turstig, adj. 
kühn; noch von Berndt aufgeführt, 
tuten, tütten, ditten, schw. vb. bla- 
sen dass es tönt; ins Horn tütten; auf der 
Tutte, d. i. der Hirtenschalmei , blasen. 
Nach der Form heissen gerollte dünne 
Pfefferkuchen Tuten; in Glaz werden 
Himmelfarts tuten zu Christihimmel- 
fahrt gebacken. Allgemein md. nd. tuten, 
nl. tuiten. 



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102 



Übeln - vor. 



Übeln, schw. vb. übel thun, jammern (Rei- 
chenbach). 

uberlei,adj. übrig, Kernkronik 2, 726. — 
Stieler 1374; Frisch 2,398; Schniellerl ,15. 

Ulrich rufen: sich erbrechen. — Auch 
bair. österr.; kärnt. den Uole rufen. 

Ulteinan, m. der letzte einer Reibe: z. B. 
beim Abladen der Ziegeln ruft der Ablader 
beim letzten Stück: Ultemäu! (Reichen- 
bach). In Trachenberg heisst der letzte 
Erntewagen der Ulteman. — Aus ultimus. 

um, üm, im, präpos. — hinum: mtm; her- 
um: rum. — Wie spät ist es? 'S ist drei 
Viertel nf nim ; wenns rim kirnt, schlägst 



Urbans Urben dummer mittem blechen 
Hütte (Gomolke). Urban dummer ist ent- 
stellt aus Urbanus Dominus; die weitere 
Beziehung der Redensart kenne ich nicht. 
— Als Spottwort hat der Name Urban den 
Beisatz Fettsack ; ich deute es als einen 
ursprünglich sehr guten Zunamen, indem 
der Urbanstag (25. Mai) ein wichtiger 
Lostag für die Landwirtschaft ist ; Tgl. 
Böbel Haus- und Feldweisheit S. 25. 

urbarn, urbern, schw. Tb. 1) bearbei- 
ten, schaffen : was er macht und urbart, 
das sollte mir auch gefallen. Schweini- 
chen 2, 40; vermaledeit ist ein iglich re- 
giment einer iglichen stat, das ufdem 
predigstul und nicht uf dem rathhause in 
heimlichem rat regirt und georbert wird. 
Eschenloer 2, 49. — beurbern: den 
Acker urbar, d. i. ertragbar machen, be- 
arbeiten (Reichenbach). W. Scherffer 
658 : sie hat ein Flecklein noch vor Ihn, 
dass sonst doch braache liegt; vor andern 
Rr vielleicht es zu beurbern kriegt — 



Besonders häufig in der Bedeutung 2) lär- 
mend arbeiten, poltern. Was urbert denn 
aso? es urbert mir im Leibe. — lausitz. 
orbern, urbarn, auch vom Ackerbau. 
Anton 3, 4. — mhd. urborn: Ertrag 
haben , Ertrag schaffen. — Die Bedeu- 
tung lärmen ist abgeleitet. 

Ihre, f. ein Spiel auf dem Eise: dereine 
setzt sich quer über die Eisbahn und die 
andern „kaschein" heftig an ihn an, so 
dass er sich wie der Zeiger einer Uhr 
rings herum dreht. 

urschen, schw. vb. vergeuden, unnütz 
verderben: Geld, Holz, Flachs u. dgl. 
verurschen. — Ürscho,f. Schütte 
Stroh mit ausgefressenen Halmen, die in 
der Raufe gelegen hat (Weitzenrode bei 
Schweidnitz) ; nd. Ort, Orteis, Ortstro. — 
Urse her, m. Vergeuder, Verschwen- 
der. — Arsch ig, adj. vergeudend. — 
österr. bair. steir. Arassen , urezen ; 
obpfälz. uraussen ; Schweiz, ursen; 
henneb., westerw. ürze, örze; nd. orten, 
verorten ; ags. orettan. — Über das ety- 
molog. vgl. Dialektforsch. 117; urschen 
ist auf goth. uzitan, ahd. orezan : her- 
ausfressen, zu bringen. 

"Urte» I r t e , f. (bei Scherffer schw. m.) 
Zeche, a) das Verzehrte, Vertrunkene. 
b) die Rechnung; in dieserBedeutung noch 
gewöhnlich (Reichenbach, Hirschberg); 
das hiess ohne Wirth den Irthen selbst 
beschliessen. Scherffer 60. c) Zechge- 
sellschaft; jetzt ungebräuchlich. — mhd. 
irte, ürte ; folgende Zeit : irte, urte, orte. 
Vgl. über dies Wort Stalder 2, 425; 
Sehmelier 1, 114; 8tieler 885; Scherz 
910; Zarneko zum Narrenschiff 77,87. 



1, Voland, m. Teufel. Das alte 
weitverbreitete Wort findet sich auch bei 
Stoppe Parnass 495 : er Resse sich eher 
bereden, der böse Voland wäre weiss, 
ehe er glauben würde , mein werthes 
Petermängen wäre aufrichtig. 
V fitere! , f. väterliches Erbgut. Er hat die 
Viterei : den väterlichen Hof (Reichen- 
bach, Friedland). 
Velke, Valke. f. Verkürzung von Veilke, 
Veilchen : der ungestüm April lasst den- 
noch Veilcken blühen. Logau 202. 
' ¥lah, Vtch, n. das Deminutiv wird lieb- 
kosend, wie das obsächs. Thierchen, auch 
für Menschen gebraucht — Geviecbe, 
n. collectivisch : siches schtnes Geviecbe. 
viel, adj. adv. mit „zwanzig" zur Bezeich- 
nung einer unbestimmten Menge: viel 
zwanzig kommen den Tag zum Herrn und 
wollen ihn sprechen. 
Viertel, n. Wie spät ists ? — Drei Viertel 
über guck nei l — Drei Viertel über die 



Acle; wenns schlaet so zaele. — Drei 
Viertel über kalte Erbsen. — vierteln, 
schw. vb. durchprügeln. Aus vicrtheilen? 

Vog-el, m. plur. Vaegel. — Vogeleisen : 
feminale; vgl. den kloben mhd. Gedichte. 
— vögeln, schw. vb. stuprare, coneum- 
bere, Dialektforsch. 111. 

voll , adj. ich bin stickewickevoll ! ruft der 
angetrunkene Page in Gryph. Horribili- 
cribrifax. — vollends: vulnd, vund; 
vund zemal itze, pleonastisch vollends und 



vor , v ü r, präpos. — Hauptsächlich auf- 
zuführen in der Bedeutung vorher , frü- 
her : mich bedüncket ganz und gar dass 
dir vor viel besser war, Opitz Mm. j. 
(1625) ; was Bürgern vor war recht, soll 
das nicht Kaysern gelten? Lohenstein 
Agrippina 5, 334. — Vornefür, m. 
Schürze : tanz mit mir, tanz mit mir, 
hab en schönen Vornerur. 



4 



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Waffen 

(Reichelibach). In Wittenberg und Pom- 
mern (Pasewalk) lautet dasselbe Lied- 
chen : Tanz mit mir, tanz mit mir. 



Wate. 103 

hab 'ne schöne Schürze für. 
„Mit mir auch, mit mir auch, 
meine Schürze blinkert auch." 



w. 



Wagten, m. zusammengezogen in Win, 
Woan, Wo in, Wuin,Wain, Waen. 

— Wagner, m. 1) im Allgemeinen in 
Schlesien nicht üblich, dafür Stellmacher ; 
im Liegnitzischen Stellwagner. Wagner 
kommt übrigens in der Willkür der 
Stadt Schweidnitz von 1344 (Stenzel- 
Tzschoppe 554) in der zusammenge- 
zogenen Form „weyner" vor. Wagner und 
Weiner sind als Familiennamen nicht sel- 
ten in Schlesien und Lausitz. — Wag- 
ner bezeichnet 2) den Wagenknecht. 
Im Liegnitzischen folgt das Gesinde im 
Range so: Schaffer, Gross-, Mittel-. 
K I e i nk n echt,Gross-,KI e i n wagner,Pferde- 
junge (vgl.Staller). ImSprottischen heisst 
der Wagenknecht der Woi (vgl. Toi), 
auf Wage, wago, zurückzuführen. — 
W a g e n k r e n g e I , Woingrengel : Neun- 
töter, Dorndreher (Liegnitz). 

wallten» in dem frequentat. Walgern, 
weigern, w ul gern: wälzen, rollen; 
kneten, drücken.— W a I g e r, f. gerolltes, 
durch rollen gebildetes: Schmutzwul- 
ger; Teigwulger. Die Gerstennudeln 
heissen Wulgern, besonders aber die 
Reste des Sauerteiges, welche aus dem 
Troge zusammengekratzt, mit Mehl ver- 
mischt, in den Händen zn Nudeln gewul- 
gert und dann getrocknet als Gährungs- 
jnittel für den Brodteig aufgehoben wer- 
den. Das Mädchen, das fleissig die Wul- 
gern rührt, hat einen treuen Schatz, da- 
her die mütterliche Mahnung: Mädel, 
rührt fleissig die Wulgern um, dass der 
Schatz an euch denkt — Wulger Fast- 
nachsp. 1037, 4, österr. Walger ; Stieler : 
Wilger. — ahd. walgön, mhd. walgen. 

Wampe, f. 1) Bauch, Leib in gemeiner 
Rede; ahd. wamba,mhd. wamme, wampe. 

— Habsüchtige können die Wampe nicht 
vollkriegen; die Wampe bähen: durch- 
prügeln ; Kuh wampe : Moorboden , der 
elastisch den Füssen nachgibt, bair. 
Mooswampen , schwed. gungfly. 2) 
das die Wampe bedeckende Gewand: 
Hemd( Reichenbach ); vgl. Wamss.— Frisch 
2, 420; Schindler 4, 77; Schmidt 320. 

— wamssen, schw. vb. die Wampe 
bähen, durchprügeln. — Wamsse, 
f. pl. Prügel, Schläge. Allgemein ver- 
breitet: Höfer 3, 268; Schmeller 4, 78; 
Schmidt 320; Brem. Wb. 5, 174; Schütze 
4, 335. Kärntner, heisst Wamps ein 
Schlag, besonders auf den Bauch der 
Thiere. 

was, adj. den Mangel und die Leere be- 
zeichnend, nur erhalten in wanschaf- 



fen: wahnwitzig, verrückt. — nd. wan- 
skapen. 

Wahn , m. Hoffnung, Meinung; zu erwäh- 
nen wegen derVerbindung o h n e W a h n 
und Witzen. Opitz 1, 316. — u n- 
w a n s , genit. adv. unvermuthet. Eschen- 
loer 1, 102. 

wann, conj. denn, weil ; noch häufig hei 
Eschenloer und Schweinichen. 

Wannen, Stadtchen im Briegiscben. Go- 
molke Wegweiser 22 bemerkt hiezu: 
Wansen ist bekannt wegen des Tabackes 
und der alten Frau, welche denen un- 
bärtigen kann Bärte machen, wie man 
im Sprichwort sagt. — Die alte Frau und 
das Sprichwort scheinen verschollen zu 
sein ; der Taback dampft indessen noch 
aus vielen schlesischen Pfeifen, und 
man lobt ihn gerade nicht. 

wappeln, schw. vb. mit der Nebenform 
quappeln: schlottern, von weichen 
fetten Körpern. — wapplicht, adj. 
schlotternd , hängend, obd. (schweiz.) 
und nd. 

wirren, schw. vb. ahd. weren, mhd. 
wern : machen, geben : in gewären: 
Getreide gewären: abliefern, abfahren 
an den Käufer oder Besitzer. Schmeller 
4, 132; Stalder 1, 429. 

was , pron. wenig und was (etwas)- gar 
nichts (nördl. Niederschlesien); was 
und wing (Reichenbach). — w a s e r I e i : 
welcherlei. Logau 1252, vgl. Dialekt- 
forsch. 143. 

waNclien, st. vb. 1) wie hd. — ein 
frumer Furste , Herzog Heinrich zu 
Glogau, waschende uf beiden benken. 
Eschenloer 2 , 327. — Waich, m. 
Wäsche, Waschtag; den Wasch haben. 
2) schwatzen, klatschen ; schon Fundgr. 
2, 298 und weit verbreitet. — Ge- 
wäsche, n. Geklatsch; waschhaf- 
tig, waschhaft: klatschhaft. Vgl. 
Frisch 2, 424. 

Wut, W ö t , f. Gewand, Kleidung (Hirsch- 
berg, Obernigk). Auch lausitz. Wot, 
Wotge: Pakt Kleider, überhaupt Pakt, 
Bündel. Anton 15, 12. — ahd. mhd. wiU. 
— WA t sack m. ein Gewand- oder Rei- 
sesack. Logau 748 ; vgl. Watechker. — 
w d t s e n , schw. vb. aawötaen : dick an- 
kleiden. — Schmeller 4, 194. 

Wate, f. Zugnetz, allgemein germanisch ; 
ahd. wato , mhd. wate , altnord. vadi. — 
Volurous insuper et concedimus ut praj- 
nominati cives (Olavienses) et ipsorum 
p oster i habeant llbertatem piscandi super 
fluvinm Odram et in ipsa Odra cum 



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104 



retibus et instrumenta, qu» waten in 
ligua teutonica dicontur; cum sagenis 
autem, hoc est cum instrumcnti», qua? 
reisen nuncupanlur teutonice, civibus 
piscatiouem quainlibet prohibemus. Ur- 
kunde Herzog Heinrichs IV. ron Bres- 
lau vom 31. OcL 1291 bei Stenzel- 
Tzschoppe 415. — Dass man die Kar- 
pen mit Waten und Garnen fange. 
Schweinichen bei Stenzel Scriptores 
4, 49. 

Wntfsohe, f. Ohrfeige; durch ganz Süd- 
und Mitteldeutschland verbreitet: Schma- 
ler 4, 203; Stalder 2, 437; Schmidt 322. 
— mbd. walz, wetzelln. 

watschen« schw. vb. 1) quatschen, von 
dem Ton, den treten und kneten nasser 
Gegenstände hervorbringt; Stalder 2, 
437. 2) schwatzen, plaudern. — frequent. 
watschkern; nachwalschkern : plap- 
pern, nachplappern. 

Wntschke, Watschker, m. Gewand- 
sack, Reisesack ans Watsack entstellt, 
vgl. Wat. Bei Gryph. gel. Dornrose: an 
watschgen mit sechs Fächern. — Jetzt 
nur ein kleiner Geldbeutel mit Schloss 
(Iteichenbach, Trebnitz, Oels). Schwei- 
ler 4, 203 ; Frisch 2, 426. 

Webe« n. Gewebe: das grobe Webe ruft 
dem feinen hönisch zu. Stoppe Parnass 
140. — Vgl. Fimdgrub. 1, 397. 

Webbs, m. 1) Stöppel, Sauglappen; 2) 
wie Stöppel: dicker unförmlicher Mensch. 

weh« adj. »dv. der wehe Finger; die we- 
hen Lippen. Sch melier 4, 1. — Weh- 
that, f. Schmerz. Obgleich Weht hat 
ganz guten Grund für sich hat, liegt doch 
Entstellung aus dem alten und jetzt noch 
anderwärts üblichen wetag: Schmerz, 
nahe, wofür auch altscblesische Belege: 
wytag Usio, Stenzel Urkundenb. 377; 
wetagen: laedere, der gewitagte: 
laesus, in der Übersetzung des Leob- 
schützer Ottokarschen Privilegiums bei 
Stenzel-Tzschoppe 374. — w e h m ü t h i g, 
zornig: so war der Herr denn auch weh- 
mütig, wenn nichts vorhanden war; wust 
nicht anders, ich wäre es schuldig zu be- 
stellen. Schweinichen 2. 35. — wehthu- 
nig, adj. schmerzhaft. 

welbeln , w e b e I n , schw. vb. wanken 
vor Schwäche; Ableitung von weiben, 
ahd. weiben; bair., Schweiz, waibeln. 
Schmeller 4, 5; Stalder 2, 441. — mbd. 
web ein liegt der Verwandtschaft 
ferner, ist aber gleichbedeutend : als ez 
(daz oi-s) wolde gen, so began ez webeln 
hin und her. Krone 19841. 

weich, adj. weichkatsch ig, weich 
zum kauen, weichlich. — Weichet, n. 
der innere weiche Theil von Brod und. 
Semmel, im Gegensatze zur Rinde oder 
dem Krüstel. 
weichen, st. vb. entweichen: sichent- 



der Färbergesellen zn Reichenbach ron 
1783 heisst der Altgeselle den angeklag- 
ten einen Gang entweichen; der beklagte 
steht hiernach auf und sagt: Alles mit 
Verlaub, dass ich mag aufstehen und einen 
Gang hinausthun. — Altgesell: Alles mit 
Verlaub, ihr Burschen ! wie hoch ersteuert 
ihr den entwichenen Gesell in der Strafe? 
— verwichen, vergangen : ich gieng 
verwichner Zeit. Günther 1135; verwi- 
chen Jahr: vergangenes Jahr; verwichen: 
neulich. 

Weise, f. Tonweise, Melodie; unter dem 

Landvolke noch ganz gebräuchlich, 
weisen, st. vb. weit gebräuchlicher als 
zeigen. — Weisel, m. Führer, Zeiger: 
Wegweisel, 
wellen, schw. vb. wallen oder sieden i 
chen, aufkochen. — verweilen, 
selbe: es ward nur die Sache derwellet 
und nicht ganz gekocht, Schweinichen 
2, 39 ; sonsten aber wenig in Sachen ver- 
riebt ausser dass wir sie ein wenig erwcl- 
let, ebd. 344. — Schmeller 4, 53; Brem. 
Wörtcrb. 5, 225. — Wellfleisch: 
das fette Fleisch vom Bauch und Hals des 
Schweines, das im Schlachtkessel aufge- 
sotten, von den Schlachtgästen gekostet 
und dann wür flicht in die Würste ge- 
schnitten wird. — Auch oblaus., obsäch- 
sisch. — Vgl. die Wellete beim Käse- 
kochen, SUIder 2, 444. 
Welt, f. neue Welt: cunnus (Breslau), 
wenig:, wing nach rad. Weise, wie obd. 
weng. — Zu viel und zu wing 
ist immer ein Ding. 
Vgl. Geiler Vorrede zum »irrig Schaf 
(Strassburg Matth. Schürer), zu wenig 
und zu Hl verhönt alle spil. 
Werk.n. in Zusammensetzungen zn-b r i c h 
verstümmelt, z. B. Hamprich: Hand- 
werk ; Flachbrich: Fach werk ; Hülzprich: 
Holzwerk ; Derzahlbrich : Erzähtwerk, 
Erzählung. — Mal werk: Gemälde 
(ßolkenhain). 
Wets, m. Eber,männliches Schwein, erhal- 
ten im Deminutiv Watzel, m. in über- 
tragenem Sinne: dicker nnreinlicber 
Kerl; Läuse wetze), verlausterMensch. 
Bauernwffitzel, Backengeschwulst, 
nach der unförmlichen unfeinen Gestalt, 
welches das Gesicht hiedurch erhält. — 
Wetzabe*r,-bär, m. Zusammensetzung 
zweier Synonyme (vgl. Ber) : übertragen 
geiler, zudringlicher Mensch, wie im 
Westcrwalde das einfache Watz. — Bair. 
Wetzber : Schweineber;Watz: schweizer, 
nordfränk. nrhein ; im südlichen Nieder- 
hessen herrscht Watz, im nördlichen Ber, 
nach Vilmar Proben, 
wetzen, schw. vb. 1) wie hd.; 2) abnut- 
zen, z. ß. Kleider; bewetzen; auch 
bei SUeler 2519. — Davon herum- 
wetzen: herumschlendern, herumlau- 
bei Stieler. 



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105 



wibeln, schw. vb. 1) sieb munter regen, 
namentlich vor Freude. Auf die Frage: 
wie genta? hört man oft: nu, '«gibt halt, 
oder es wibelt nich => es ist gerade nicht 
lustig nnd ergeUlich (Reichenbach). Vgl. 
I.ogau OSO : 

da ror Freuden alles wibelt, 
da mit gleichem gleiches liebelt. 
Bei ßerndt wiewelu: zunehmen, von stat- 
ten gehen ; 2} wimmeln, wudeln : 'skriebelt 
und wibelt von Raupen ; 's wibelte ok su 
von Menachen. — Anch bair. schwab.fränk. 
wetteran. rhein. — Vgl. Frisch 2, 445. 

Wichtel, iu. mir nicht mehr begegnet. — 
Wichtelhaar Weichselzopf: er muss 
ihm kampeln auf sein granes Wichtel- 
Haar, Scherffer 441. — verwichteln: 
die Haare verwirren : den ungestrigelt- 
verwichlelten Tater, ebd. 408; heute: 
verwuchtelt, verfuchtelt. 

Wide, Wlte, f. aus Zweigen oder Ruthen 
gedrehte« Band; Strohseil; dürr wie 'ne 
Wlte (Liegnitz, Obernigk); gewachsen 
wie 'ne Wtte (schlank gewachsen). — 
ahd. wit, widi: Band (wetan: binden); 
altn. schwed. norw. vidja, nd. Wede,engl. 
withe. — Frisch 2, 446; Schindler 4, 31 ; 
Schmidt 331. 

Wiekler, m. Frauenmantel (Reichenbach). 
— Auch österr. 

wild, adj. — Wildstreicher: Land- 
streicher (Reichenbnch). — wildern, 
schw. vh. wild sein, sich lärmend herum- 
treiben: herumwildern. — wilderen- 
>en: wild schmecken oder riechen ; 
wilderenzig, adj. — wilderbö- 
c k i g , adj. wild wie ein Bock, ungestüm 
und unartig. 

Wille» scbw. m. wie hd. — Der öffent- 
lich e g n t e W i 1 1 e beisst das Trinkge- 
fäss und der Trunk, aus dem bei feierli- 
chen Gelegenheiten, z. B. dem Aus- 
schenken fremder Gesellen , vom Alt- 
gesellen zugetrunken und Bescheid ge- 
than wird. Folgendes theile ich hierzu 
mit aus dem „Geschenke" der Schwnrz- 
und Schönfarbergeselleu zu Reichenbach, 
nach einer Aufzeichnung von 1783: »Es 
ist allezeit hier in Reichenhach der Ge- 
brauch gewesen, dass wenn fremde Ge- 
sellen sein herein gewandert kommen 
oder haben von ihren Meistern Feier- 
abend genommen oder bekommen, so ist 
ihnen jederzeit von mir und meinen Mit- 
geselleu ein öffentlicher guter Wille, Ehr 
und Gutthat angethan , erzeigt und er- 
wiesen worden." — „Die weil du diesen 
öffentlichen guten Willen von mir und 
meinen Mitgesellen für gut begehrest 
auf- und anzunehmen, so stell ich dir im 
Namen der ganzen löblichen Brüderschaft 
diesen off. guten W. vor und ist dir auch 
zugetruuken worden von denenjenigen 
fremden Gesellen, die vor acht oder vier- 
zehen Tagen vor dir sind ausgesehenket 
Auhaog i. XVI. Bd. d. SiUJ>. d. phil.-hi-t. Cl. 



worden. So nimm ihn an und thu einen 
Trunk daraus und trink es denjenigen 
Gesellen zu, die auf frischer grüner 
Heide laufen. Helfe Gott dass sie mögen 
herein kommen , und wenn sie werden 
herein kommen, so werden sie aus die- 
sem öffentl. guten W. einen Bescheid 
thun; ist es nicht aus diesem, so ist es aus 
einem andern und frischen. Darum nimm 
ihn an und trink ihn aus; trinkst du ihn 
aber nicht aus, so erlegst du deinen Gro- 
schen, denn wir haben hier nicht Bier 
und Brod umsonst, sondern wir müssen 
es vor unser eigen Geld bezahlen. So 
nimm ihn an und trink es demjenigen Ge- 
sellen zu, der dir der liebste ist." — Der 
fremde Geselle: „Alles mit Vergunsl, das* 
ich mag den ölf. guteu W. angreifen und 
aufheben ; a. m. V. dass ich mag den «in", 
guten Willendeckel angreifen , aufhellen 
und niederstellen u. s. f." — Dieser gute 
Wi 1 1 e ist der Willk om m e n , der fast 
mit denselben Worten in den Gebrauche» 
andrer Zünfte zugetrunken wird. 

Wied , m. der Wind, der Wind, das himm- 
lische Kind 1 Kinderreim, aus dem Mährcfaen 
vom Pfefferkuchenhäusel her übergenom- 
men. — Die scblesische Sage kennt 
eine Fran Wind in, die weit hefti- 
ger als ihr Mann ist. Bei besonders stür- 
mischem Wetter sagt man: heut gehl 
die Windin selber. Vgl. die Windsbraut. — 
Nicht weniger war ich dabei lustig und 
liess mich einen sauren Wind nicht 
bald umwebn. Schweinichen 2, 97. — 
W i n d s w e b e, W i n d w e h e, f. Schnee- 
wehe;bei Stieler 2461 Windwehdc, tnhd. 
gewAte conflatus (Kroae 33 t.'J. 3319), 
Westerwald. Wöht, steier. Schuewete, 
hair. Schnewonde, Gahwind. 

winden, st. vh. er winden; 1) mit 
Anlehnung an die alte Bedeutung sich 
abwenden, ablassen wovon: mangeln, 
fehlen; wir Hessen nichts erwinden, 
Opitz 1, 230; ich schwer, es sol an 
mir auch nichts erwinden. A. Gryph. 
Gib. 573; 2) unterwinden : wenn wir 
Diener uns erwinden. Logau Anhang 62. 
— windsch, adj. gewunden, verzogen, 
schief, linkisch. Auch oblaus., Westerwald., 
Schweiz. — windschief, vgl. schief. 

Winnen, st. \h. — heruntergewi n- 
nen, herunterlangen, herabuebmen 
(Glaz). Uber gewinnen vgl. Schmeller 4, 
90. — G e w i n ii s t r e , n. Gewinnst 

Wirtel, m. starker Ritig von Holz, Stein, 
Metall oder Glas an dem unteren Theile 
der Spindel, der durch seine Schwere das 
drehen beschleunigt. — ahd. wirt, tor- 
tus; wirta, filex; wirten, alibrum. — 
Frisch 2, 452; Schmeller 4, 165; Grimm 
Wb. 1, 4*55 (unter anspin). 

wlseben, w u s eh e n , schw. vb. hinfah- 
ren über etwas, namentlich von dem hin- 
schlüpfen kleinerThierc gebraucht: Mliuse, 

ta 



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106 Wiese - 

Wiesei waschen an der Erde bin; man 
wischt fegend über etwas (allgemein); 
Redensart : reiche Leute wischen sich 
mehr vom Munde als die Armen hinein 
kriegen. — entwischen: er ist der 
Welt entwischt. Opitz i, i77. — er- 
wischen: dem wischen ein Ende ma- 
chen, erhaschen. Allgemein. — Wusch, 
m. so viel man erwuschen kann, Handvoll 
Haare, Flachs u. dgl.; bei Slalder 2, 458 
Wuhsen. — Wüsche katzel: Hasch- 
oder Fangspiel. — AUgemeiu verbreitetes 
Wort. Vgl. wutschen. 

Wiese, f. wie hd. — Wiesebaum, wie 
allgemein, der Heubaum, die lange Stan- 
ge, welche das Heufuder festdrückt. 
In schlesischen Sagen werden Schlangen 
gross wie Wiesebänme geschildert. — 
Wiesewasser, das Bild der Unzu- 
verliissigkeit : wie Wiesewasser sein. 
Vgl. bereits Reimar von Zweier: er ist 
eiu waller her unt dar, swar er sieb hin 
erbiutet, sA wil erlebte anders war: alsas 
man sine reise den wisewazzern dicke 
gliche silit Minnesinger 2, 210* (Hagen). 

wittern, schw. vb. spüren ; sich wittern : 
sich wittern lassen ; nun ein kleiner armer 
Wind nur zu wittern sich beginnt. Opitz l± 
351. Die Poeterey, die ungeachtet der nun- 
mehr langwierigen Kriege sich allbereit 
hin und wieder so sehr wittert und reget. 
Opitz Vorw. zu d. deutsch. Poemat. acht 
Bücher. 1625. b. ij.; weil sich die Sün- 
den bei mir wittern. Chr. Gryph. 3JL 

Woche, f> zu erwähnen als Umschrei- 
bung der Zahl sieben: wenn doch sie- 
ben wehren, so hätten wir eine gantze 
Woche voll Hochzeit. A. Gryph. norri- 
bilicrb. Noch weiter geht dieser Gebrauch 
in Bezeichnung von Örtlichkeiten: die 
letzten sieben Häuser der Frankensteiner 
Vorstadt in Reichenbach heissen die neue 
Woche ; ebenso heisst eine Gasse in 
Ernsdorf bei Reichenbach die neue 
Woche oder Mos die Woche. Drei ein- 
zeln liegende Häuser bei Habendorf (Kr. 
Reichenbach) heissen die halbe Woche. 

wol dan! belieht bei Andr. Gryphius: 
wnl dan , dass es dir nach Wunsch und 
Willen geh. Schwärm. Schaf. 664 ; wol 
dan dass man es wage, ebd. 675; wo) dan, 
nach der Ordnung 1 keiner falle dem an- 
dern in die Rede. Gel. Dornrosc. 

Wulf, m. der starke dicke Hauch, den 
kalte Luft beim einströmen in ein warmes 
Zimmer hervorbringt. 

worbsen, schw. vb. beim ringen fest fas- 
sen (Habelschwert); Ableitung von worben 
(werben) : umdrehen. Vgl. Sehmeiler 
4^ 139; Stalder 2, 437. 

Wi-ittigrel. Die Erinnerung an diesen 
schwedischen Feldherrn des dreissigjnhr. 
Krieges hat die bei Gomolke verzeichnete 
Redensart: „er ist arger als der tolle 
Wrangel", bis ins 1£L Jahrh. bewahrt. 



wuzeln. 

wudeln, schw. vb. wimmeln. Allgemein 
verbreitet: Frisch 2_, 458; Schnieder 
4j 203; Stalder 2^ 457; Schütze 4, 379. 
— Verwandt ist schwäh., elsäss., rhein., 
Westerwald, wuseln. — Vgl. wuzeln. . 

wiilg-ern, s. Walgern. 

wandern, schw. vb. persönlich und nicht 
reflexiv : ich wundre, man wundert. Die 
ältesten bekannten Beispiele der nicht 
reflex. Verbindung gehören dem UL Jahrh. 
an: Zarncke z. Narrensch. 49, 17. — 
Wunder, m.- die personificirto Ver- 
wunderung : der Wunder will mich fres- 
sen: bin aufs höchste verwundert. 
Schweiz., bair. ein masc. Wunder : Neu- 
gier, Vorwitz. Stalder 2» 458; Schnel- 
ler 4j 114- — wunderbar, adj. wun- 
derlich; ei Leute, die sehr alt, die werden 
wunderbar. Logau 602. — wunder- 
haftig, adj. 1) verwundert, 2) wun- 
derlich; vgl. Schweiz. Wunder: Laune, 
seltsame Stimmung. Stalder 2j 459. — 
wunderlich, adj. wanderbar, wie 
mhd. — 

Was sein soll, schickt sieb wunderlich, 
der Pelz beregnet und die Ärmel nich. 
Wune, s. Bnne. 

Würde, wie hd. ; U n w 3 r d e, Beschwerde 
(Glas); vgl. mhd. unwürde Schmach, 
erniedrigende Behandlang. 

würgen, wergen, war gen, schw. 
vb, (fact. zu würgen, worgen), am Halse 
drücken in guter und böser Absicht, aus 
Zärtlichkeit oder Hass : die zärtlichsten 
Liebesleute, und die feindlichsten Ehe- 
leute würgen sich. — ahd. wurgjan : 
strangulare, suffocare. — Schindler, 
4, 154; Stalder 2, 459. 

wuschen, s. wischen, watschen. 

waspern, wuschpern, schw. vb. Ab- 
laut zu wispern. 1} flüstern ; 2} rasch and 
leicht hinseblüpfen. — bewusch pert, 
anhebende \b) einschmeichelnd, zärtlich. 
Auch oblaus. — W u s c h p e r, m. verbrei- 
teter Hundename, gleichbedeutend mit 
Flink. — Obd. nd.wispelu iu gleicher und 
ähnlicher Bedeutung. 

Wüste, L Weichen , Dünnen des Viehs ; 
Fleisch aus der Wüste des Ochsen. — 
Schnieder 4, 193 führt an aus einem 
handschrifll. Vocab. ital. — tedeaco von 
1424: el moiame (zwischen Dünnen und 
Hüfte) die wüst. 

wutsehen, schw. vb. Nebenform zu wu- 
schen, w. z. s. — Wutsch! Ausruf be 
rasch dahinfahrendem; Wutschge- 
d r eck , verstärktes wutsch, namentlich 
bei raschem Einfahren in die Tiefe. — Vgl. 
schweizer, wutsch. Stalder 2, 461. 

wuzeln, w d z e 1 n , sch w. vb. wie das ver- 
wandle wndeln: rasch und behende sich 
bewegen; w uz Hg, wuzelnd. — Wü- 
tet, m. kleiner bebender Mensch , auch 
von Kindern gebraucht. — Obd. in ausge- 
dehnterer Bedeutung. Schweiler 4. 208. 



/teil ei- — Zauke. 



107 



ziriler, s. zeiler. 

Xngel, ZAl, Z61, nach Berndt Zaikel,m. 
SchwanzSchweif. O desDinges werd weder 
Ende noch ufhirn, wederZol nochSchwanz. 
A. Gryph. gel. Dornrose. — Ochsenzäl: 
Hinterviertel des [{indes. Fleisch roin ZÄle. 
— Z a 1 1 a , n. Zagellein , peius. Z a 1- 
karpfen: Schwauzkarpfen. Gegensatz 
zu den Hauptkarpfen. Schweinichen 
2, 312. — Katze n zal, PferdezAl: 
ei|uisetutn arvense. Der viel gedeutete 
Name Ruhe zal wird, wenn überhaupt 
deutsch, hierher geboren: Riihenschwanz 
kann ein elbischer Geist wohl beissen, 
die Benennungen der Elben (Elfen) von 
Kräutern sind bekannt. Diese Deutung 
gewinnt Unterstützung , indem sich der 
Name auch sonst nachweisen lässt : ein 
Henricus itübezagel erscheint urkundlich 
1262 zu Salmansweiler; ein Feld zu 
Nussloch kommt 1599 mit dem Namen: 
der HQbenzagel vor. Mone Anzeiger VI, 
231. — abd. mhd. zagel. Das Wort hat 
sich vornehmlich in Mitteldeutschland er- 
hallen : Friscli2,46?;Stieler260i ; Schnel- 
ler 4, 229 (aus Franken), Rheinwald 
1, 198; Vilmar Proben l()2;Anton6, 7. 

Zake, f. grosses grobwolliges Schaf. Vor 
«0 Ochsen 300 rthl. 87 Zeckel 87 rthl., 
Schweinichen 3, 77. 

Znhl, f. die Zahl stricken, spinnen: 
die zugezählte aufgegebene Arbeit. — 
Za h 1 ge , f. Zahlung. — Z a h 1 n u s, m. 
Bezahlung, namentlich in klingenden Hie- 
beu; überhaupt Vergeltung , Strafe. — 
loszählen, schw. vb. haben I. F. G. 
mich meines Dienstes loszäblen lassen. 
Schweinichen 3, 103. 

ge-zame, adj. ruhig, anständig (Schmie- 
deberg) ; ahd. gizitmi : decens honestus ; 
Schindler 4,258. 

/.an^er, adj. zart, schmächtig, mager 
(Reichenbacb). In dieser selteneren Be- 
deutung auch oblausitz. Ebenso muss es 
Kl. Hälzlerin 102\ 108' als Beiname von 
Jungfrau zart bedeuten. Ahd. mhd. nd. nl. 
heisst zanger zäh, dann : hart , tapfer, 
frisch ; scharr und hell von Klang. 

Zanke, f. Ablautend zu Zinke: Zacke, 
Spitze. DreyzMiiks-stab •. Neptun'a Drei- 
zack. Lobenstein Arm. Thunn. 1, 8. — 
llimplciächlich heissen die BSnderzacken, 
die als Besatz an Kleidern, Hemden und 
Tüchern dienen, Zanken. Auch Henneber- 
gischZauke: Spitze. Rheinwald 1,197. — 
mhd. zanke; Schnieder 4, 272 Vgl. Ziuke. 

y.annen, schw. vb. mit der Nebenform zin- 
uen (herrschend imReichenbachischen) : 
1) sich auseinanderthun, klaffen: ha 
stürmte mit grussen Zurn , do zanten de 
Tannen, do zanten de Eichen. A. Gryph. 
gel. Dornrose; diese ursprüngliche Be- 
deutung auch in der Besprechungs- 



forinel in Horribilicribrifax : das sagen 
die sieben Siegel, dass alle Fische 
werden brüllen , die Engel werden 
weinen, und werfen mit Steinen, die 
Wege werden schwimmeu . die Wasser 
werden glimmen , die Gräslein werden 
zannen und alle hoebe Tannen. 2) den 
Mund verziehn aus Neid, Schmerz, Freude 
(wie flennen und grinsen) : ziunen wie 
ein Heftelmacher. Vgl. Heftel und die 
alten Vergleichungen : durch ihr deut- 
lichen bejac zannelens als die schrowele, 
Passional (Röpke) 122, 63; er zannete 
als die ubeln hunt, ebd. 466, 22. — 
Zannen , schon mhd. weinen , klagen : 
dA wirt weinen, zannen und klaffen, Fron- 
leichnamsspiel 377, heiMonealtd.Schausp. 
154. kippeln und keifen, greinen und 
zannen, Eyb elich Weib 2. rw. (1472. 1. 
Ausg.) — anziuneu: angrinsen, anlä- 
cheln mit blekenden Zähnen; mhd. hiess 
es zannen uf einen, Passional (Röpke) 
499, 8. — Vgl. Grimm Wb. 1 , 523 ; Frisch 
2, 464 ; Schindler 4, 263 ; Stalder 2, 464. 

— Zinne, f. zinnendes , neidisches, 
geiziges Weib (Reichenbach). 

Zarge, Zerge,f. Einfassung im Allge- 
meinen; jetzt nur noch gebraucht für die 
einzelnen Theile der Wände von Bött- 
chergefüssen : Tonnen, Kannen, Wannen, 
Schäffern u. dgl. — ahd. zarga, mhd.zerge. 

— Frisch 2, 463; Schindler 4, 284; 
Rheinwald 199. 

zu sarte gehn: vorgehn, sich ereignen: 
es gehn schon Dinge zu zarte ! (Jauer, 
Hirschberg). 

Zaspel, f. 1) Garnmass: das Stuck hat 
vier Strähne , der Strähn drei Zaspelu, 
die Zaspel zwanzig Gebiud, das Gebind 
zwanzig Faden. Auch Henneberg. rhön. 
2) übertragen auf eine Menge über- 
haupt : eine Zaspel Worte, eine artlicho 
Zaspel Jungen. — Auch oberlaus. 

Ge-z&ue, Gozde, u. Werkzeug: in der 
dem 15. Jahrb. anscheinend augehörigen 
Übersetzung des Ottokar'schen Privile- 
giums für LftoIctehüU von 1270 wird über- 
setzt instriimentum per quod mortem in- 
tiilit: das geezeweadir gewirke, mit dem 
her den tot hol iugetragen ; jetzt nur be- 
schränkt auf den Webstuhl (Langenbielau). 
In gleicher eingeschränkter Bedeutung 
rhein. (Achen) Kazau, nd.Tou, Getou, nl. 
Getouw.— Ahd.ge»awa,suppellex ;Schmcl- 
ler 4,21 1 ; Frisch 2, 465 ; Schidl337. 

zaubern, r.aubern,zebeTn, schw. vb. 
herheizeheru: herbeilocken, herbei- 
ziehen (Heichenbach), nach dem Glauben, 
das* es möglich sei durch Zauberinittel 
entfernte herbeizuführen. 

Zauke , f. eigenUich Hündin ; mir nur 
bekannt übertragen auf liederliche Dirneu 
(Reichenbacb). — Ahd. zolin, mhd. zohe, 

h* 



108 



Schweis, schwäb. Zaugg, Zauche; bei 
Stieler 2635 Zauke, Zucke; westpreuss. 
Zuk. Dasaltu. norweg.achwed. tik ist ver- 
wandt. Neben diese Farm mit inlauten- 
dem k tritt die mit inlautendem |> : Znupe, 
iu Franken, Pfalz, Hessen, Rhein; nd. 
nl. Teef, dän. Taeve. 

Zaun, m. sie haben nicht verdient dass 
man sie durch einen löchrigen 
Zaun ansehe. A. Gryph. gel. Dornr. 
69 (1661). Der dich vor begehret , da 
er in geringerem Stande , will dich izt 
nicht, da er gestiegen, durch einen zu- 
hrochenen Zaun ansehn. A. Gryph. 
Horribilicrib. — Fischart Gargantua S. 
379 durch ein Zaun zannen. 

zeiler, zeder, zaedrig, adj. zih,fase- 
richL — Zcderkuche, zäher Honig- 
kuchen. — nd. nl. teder, teer : zart ; ags. 
tedre, tidder: gebrechlich, zart; altfries. 
teddre. 

Zehe, Z e" n e , Z f n e, f. Zehe Knoblauch : ein 
(zehenarliger) Theil der Knohlauchbnlle. 

Kecke, Z e c k e I scheint ein zacken- oder 
spitzenartiger Besatz der Kappen und 
Hauben gewesen zu sein: in weissen 
tuchenen Kappen mit rothen zeckeln. 
Schweinichen 2, 94. Hiernach ist auch 
die Stelle in ßrants Narrenschif 93, 2 zu 
verstehen : „dem solt man grifen zu der hü- 
ben und im die zacken wohl abklnben," 
worin allerdings zugleich Wortspiel mit 
Zecke Laus (karntn. Klette) liegt , wie 
Zarncke zu dieser Stelle deutet. 

Zein, «n. noch erhalten in Zeindel klei- 
ner Stab oder Stecken; ebenso in Zein- 
eisen: Stabeisen. — Allgemein germa- 
nisches Wort: ahd. mhd. zein, golh. 
tains. altn. teinn, ags. tan, nd. te"n. 

seisen, zesen, schw. vb. zausen, rau- 
fen : die ihn gezöst, gerauft. Lohen- 
stein Ibr. Bassa 5, 128; besonders die 
Wolle kratzen. Ze iser ö ssel , die Bank 
mit dem Kammeieisen, vgl. kammein. — 
ahd. seisan, mhd. zeisen, nl. taezen. ags. 
taesnn, nd. lasen. Frisch 2, 466; Schnel- 
ler 4, 287. 

Zetske, m. Zeisig; auch nd. Ziseke, 
Zieske. — Dem Gesänge des Zeisigs 
werden die Worte untergelegt: Ziege- 
flesch is za>h! — Bergzeiske, Name 
eines Schwämme». 

Zeit, f. bedenke bei zeitewol. Lohen- 
stein lbr. Bassa 3, 120. mhd. bezite. — 
in der Zeit, früh, mhd. enzite. — 
zeitlich, adj. adv. früh: wie wol es 
zeitlich (früh am Morgen) regnete. 
Eschenloer 2, 108. Der Mensch stirbt 
zeitlich oder spat. Opitz Pp. j. rw. 
(1625). — Zeitliches Frühjahr, zeiüiche 
Kartoffeln. 

Zeker, Zatker, m. breite Tasche 
aus Bast. Die Fleischer tragen im Ze- 
lter das Fleisch über Land; Hausfrauen 
kaufen die Hansbedürfnhwe im Zäker 



ein. — Auch oberlaus., bair., österr. 
kämt. — Schindler 4, 222. 

zempern, schw. vb. dienen, roboten; 
zempern gehn: auf Robot gehn (rechte 
Oderseite). Man hatdas Wort zur Erklä- 
rung von semperfrei: herbeigezogen, und 
dieses als zemperfrei, dieustfrei, gedeu- 
tet. So dunkel semperfrei anch etymo- 
logisch ist (denn sendbarfrei wird nicht 
genügen), so ist doch sein Begriff ein 
ganz anderer und höherer als blos 
dienstfrei und schon daran müsste diese 
Deutung scheitern. 

zends, zengs, s. Ende. 

Zenscber-, S chenscher-, Ts che n- 
tscherlied, n. Volkslied im Allgemei- 
nen: do machen se denn Bulerbriefe 
unde Zschnntacberlieder vum schiene 
Schaffer und der falschen Sylviges. A. 
Gryph. gel. Dofnr. — Jetzt namentlich 
kürzere Lieder heiteren oder auch spöt- 
tischen Inhaltes, Hil tenlieder. Über das 
etymologische, vgl. Dialektforschung 79. 
Proben aus Reichenbacher Gegend : 
I. 

Wisst er nich wu Strahla leit? 
Strahl» (Strehlen) leit im Grunde; 
's bot gar hübsche MAdla drein, 
's sein gar faule Hunde. 

Obens wenn se schMfen gihn, 
satzens sich uf de Treppe, 
warta bis dar Freier kimmt, 
namn en mit eis Bette. 

Murgens wenn se frü ufstihu, 
do sahn se ei de Wulka : 
»oje! o je"! der Hart Ja naus, 
mer han noch ni gemulka !" 

Satt ok underscb Schulzas Weida, 
dd wart er sahn den Harta treiba ; 
satt ok underscb Scbulzas Brirkla, 
dA wart er hirn en narta titta; 
hippopä, hippope! 
's hot no hübsehe Mädel inel 
Vgl. Fiedler Volksreime aus Anhalt- 
Dessau S. 106. 

II. 

'Sginga zwi Gansla im Wäge naus. 
„Ki, liebe Gansla wil gfht er hin?- 
Mer gihn uf de grine SAte. 
„ Woa wuld er uf der grine SAte thun ?" 
Mer wnlln ins a Bardia Wede buln. 
„Wart! ich wArsch ein Pauer sAn!" 
Ver mir mAgst ins beim Schulz« ver- 

klAu ! — 

Der Pauer koam geganga 
mit vier un zwanzig Slauga; 
a schlug dan Gansinn de Lendla ei, 
a hung se iliersch Hartahaus. 
Schaft mer andre Gansla raus ! 
zerren, schw. vb. 1) wie hd. ziehen, 
reissen. 2) zanken , mit Jemandem zer- 
ren; auch reflexiv. — «hd. zerjan, zerran ; 



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109 



mini, zerren. — Frisch 2, 472; Stieler 
231S; Schnieder 4,281 ; thüring. rhein., 
zerren; nd. nl. tergen. 

Ge-settere, n. zäher sehniger Fleisch- 
lappen: — zettrig, adj. sehnig und 
zSh. — ahd. zata, zota, nhd. Zotte ; 
tnhd. zotten: herabhängen. 

Zeug, n. 1) Rüstung, Heergerät, s. Gezeug. 
2) die gewappneten, das Heer: wie nun 
I. F. G. zu Brieg vor Tage mit einem 
reisigen Zeuge von fünfzig Rossen aus- 
zogen. Schweinichen 1, 100; so war 
doch der deutsche Zeug ihnen sowohl 
an der Anzahl als an der Geschwindig- 
keit überlegen. Lohenstein Armin. Thusn. 
1,51. — Hieraus die Bedeutung: Haufe, 
Menge überhaupt, namentlich in verächt- 
lichem Sinne ; Kroppzeug: gemeines 
kropfiges Gesindel ; Rackerzeug. — 
Gezeug, Gezeuke, n. 1) Oerath, 
Ausstattung; Sprich w. : wie die Leute 
so's Gezeuke. Besonders das Kriegsge- 
rfith, Rüstzeug des Heeres : Alle Büchsen 
waren geladet uf die wagen und vil schö- 
ner grosser gezeug käme in der feinde 
hende — darumb die niederlage an leu- 
tcn nicht als gross zu achten war als an 
dem schonen gezeuge von wagen, wa- 
genpferden, hüchsen , schildern , har- 
niach. Eschenloer 1, 45. 2) wie Zeug, 
der reisige Zug: der markgraf Fridrich 
von Brandenburg, Churfurste, mit einem 
schönen gezeug hei 300 pferden käme 
gen ßressla. Eschenloer 2, 167. 

Zieche, Ziehe, f. Bettüberzug. Gassen- 
bauer: Mei Man und iche, 
ban kenne Ziehe ; 
mei Man zieht« Hemde aus, 
macht uns 'ne Ziehe draus. 
Z i c h n e r , m. Weber der Zichenlein- 
wand (karierter Leinwand ; die Inletlein- 
wand, die sie übrigens auch machen, 
ist gestreift). — ahd. ziecha , mhd. zie- 
che. — Frisch 2, 473 ; Schindler 4, 221 . 

zifern, zivern, schw. vb. mit den Zäh- 
neu vor Frost ziehen und klappern 
(Heichenbach). — nürnberg. zifern : leise 
ziehen, zwacken. Schmeller 4, 228. 
sebweiz. ziefen : Noth und Mühe haben. 
Stalder 2, 471. 

Zignnke, f.Zigeunerin ; lüderlicbesWeibs- 
bild ; poln. cyganka. Sonst gewöhnlich 
Zikauer, Zikane : „Man möchte schier 
denken dass dieser Name (Sigynä) sei 
unser Ziehegan , mit welchem Namen 
unsere Vorfahren die Landfahrer, die 
für und für umbherzogen, nenneten, zu- 
vor ehe die egvptischen Umbläufer be- 
kand worden.« Cureus - Rätel Chroni- 
ka (1607) S. 297. Vgl. uugar. tzygan, 
puln. cvgan. 

wickeln, schw. vb. heranziehen, locken ; 
frequent zu zicken, zücken: ziehen. 

Zieler, m. 1) der letzte Enkel der alten 
Pritschmeister; er hat bei dem Schei- 



benschiessen die Schusse anzuzeigen 
(zu zielen) und bedient sich dabei 
einer Art Pritsche. Bei den festlichen 
Pfingst- oder Königschiessen , hier und 
da (z. B. in Schweidnitz) noch Mann- 
schiessen genannt, figurirt er in buntem 
liHiiswurstmässigem Aufzuge und trägt 
die Scheibe vom It.-ithhause zur Schiess- 
stätte. — Vgl. Frisch 2, 470; Schmel- 
ler 4, 252. — 2) die Barthaare der 
Katzen, mit denen sie gleichsam nach 
ihrer Beute zielen. 
Zi loter, n. lüderliches Frauenzimmer 
(Reichenbach, Jauer). — Ursprünglich 
vielleicht von ganz anderer Bedeutung 
und eins mit Zelote, einem Worte, das 
in dem theologisch oft erregten Schlesieu 
leicht zur allgemeinen Schelte werden 
konnte. 

Zinke, f. Spitze, Zacke : Gabelzinke, He- 
chelzinke.— Vgl. Zanke. — Zink en, m. 
wie Zinke; übertragen auf 1) die Nase, 
2) den penis. — ahd. zinko ; Frisch 

2, 478 ; Schmeller 4, 273. 

Sinsen, schw. vb. einen zinsen : ihm tüch- 
tige Prügel auszahlen. — Zinse, f. 
Zins, Miethzins. Einem, der sich wegen 
Läusen krazt, sagt man : die Läuse mah- 
nen um die Zinse! mit seltsamer Um- 
kehr des Verhältnisses von Wirth und 
Hausleuten. 

Zipfel, Zippel, m. wie hd. — Sprich- 
wort : so man eine Gngel zu den Leu- 
ten setzt, so ist der Zippel verloren. 
Eschenloer 1,222. — Besonders 1) der 
Lämmerschwanz ;Z i ppel pelz, Schaf- 
pelz. Von einem Sohne, der seinen Va- 
ter um eiuen Zippelpelz angeht, ist ein 
mundartliches Lied durch Schlesien 
und Deutschböhmen verbreitet; es steht 
bei J a r i s c h Heimathsklänge. Eine Samm- 
lung von Gedichten in der Muudart der 
Deutschen in Nordböhmen und Schlesien. 
Wien 1853, 8. 59 ff. — Neue Zippel- 
pelze sind überhaupt Gegenstände der 
ländlichen Wünsche ; die Bauern erwar- 
ten sie auch im Himmel : 
do warm bersch Geld nach Pfunds wieg», 
noie Zippelpelze kriega. Ens Oppaland 

3, 73. 2) penis; wie das bair. Schwanz, 
scherzhafte Bezeichnung von Manns- 
personen: ein verdrehter Zippel. — 
Herren/ippel: Art länglicher Kar- 
toffeln. 

Zippe, f. Mutterschaf. — Auch märkisch. 
Vgl. Westerwald. Zaupe, Schaf, was sonst 
auch Hündin bezeichnet, a. Zauke. 

zisciiRUs, n. das inembrum pudeudum, in 
der Kindersprache. Zischaus! höhnender 
Zuruf bei unanständigen Entlassungen 
oder Thaten. 

sisseln, schw. vb. rütteln, schütteln, er- 
halten in einzisseln, locker das Maas» 
füllen, schlecht messen. — Westerwald, 
zieseln : rütteln. 



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110 



zocken — zwisten. 



schw. vb. ziehen, zupfen ; na- 
luentlich in socundärer Bedeutung- : ne- 
cken; sich bezo cken: necken, seher- 
zeu, namentlich mit Frauenzimmern. Schon 
mhd. zocken, zecken in diesem Sinne: 
ez sol ein man mit rremden vrouweu 
uiht ze viel gezecken. MSH. 3 , 246. 
vreischet ez mine inuome, ja kiut si mir 
leit, daz ich immer iht mit iu gezecke. 
Nithart, Beuecke 388, ich wil mich mit 
den jungclingen zocken. Alsfeld. Pass. 
in Haupt« Zeitschr. 3, 499. — Schweiz, 
zocken: zupfen. — zekern, schw. vb. 
frequ.an sich ziehen, locken: herz^kern, 
herbeilocken; auf zöckern zu führen. 
Zolke, Zulke, f. Zotte, Lode. Zulka- 
bök = Lodenbock w. z. 8. — Zolker, 
Zulker, Zulper, f. 1) Zotte; lum- 
pichtes Gewand; 2) liiderliches Weibs- 
bild. — zolkern, zulkern, schw. 
vb. wie zotlen und schlumpern : lieder- 
lich und nachlässig einherlaufen. — nach - 
z u 1 k e r u : nachschlumpern. — Vgl. 
Schindler 4, 255; Stalder 2, 478; 
Schmidt 340; Anton 6, 9. 
zu, präpos. Als Steigerung steht z u zwi- 
schen dem doppelt gesetztem unbestimm- 
ten Artikel: ein zu ein guter Mann; eine 
zu eine schöneGegend.Ebeiuo wird„sehr" 
gestellt. — Vgl. Dialektforsch. 136; Ra- 
ckert zu h. Ludwig 16, 18. — Von zu 
wird ein Adject. zuer-e-es gebildet: 
zugemacht, geschlossen; ein zuer Rock, 
eine zue Thüre, ein zues Thor. — Auch 
bair. rhein. ; Schmeller 4, 213; Grimm 
Vorrede zu E. Schulze goth. Glossar. S. V. 

Zuber, Zober, m. wie hd. Bütte mit zwei 
Henkeln, durch die beim Wasserholen 
eineTragstange, die Z u b e r s t a n g e, ge- 
steckt wird ; ahd. zwtbar, mhd. zwtber : 
das mit zwei TrSgern, wie Eimer: einbar. 

— Wenn sie mich und die meinigen in 
einem Leffel betten künnen ersäufen, sie 
hätten keinen Zuber dazu 
Schweinichen 2, 137. 

Zucht frau, f die Ehrmutter bei den Hoch- 
zeiten. Züch tj ungfer, Brautjungfer. 

— Züchten, n. Frühstück im Braut- 
hause. Vgl. meine Mittheilungen bei 
Haupt Zeitschr. 6, 464. — Auch lausitz. 
fränk. Schmeller 4, 247 Rheinwald 1,203. 

züge, gezüge, adj. gefüge, dehnbar, 
zäh. — da noch ziege war die Haut. Scherf- 
fer Ged. 568 — süddeutsch zügig. 



Zump , Z u m p e n, m. 1 ) Spitze , Ende ; 
ein Zümpel Zigarre; 2) Fetzen, Lode. 

— z u m p e 1 n, schw. vb. wie zulkern und 
schlumpern und zotteln: schlottrig und 
nachlässig gehen. Auch schweizer.— ahd. 
zumpf, zumpo : penis. — Frisch 2, 485; 
Schmeller 4, 263 ; Stalder 2, 482. 

Zange, f. Worte die man nicht gleich fin- 
den kann, kollern oder wälzen sich einem 
auf der Zunge rum. 

's welzt mir uf der Zunge rim, 

's wird wul endlich noch rauskummen. 

Stoppe Parnass 508. 

zwiebeln, zwip pel n, schw. vb. quälen, 
scharf vornehmen; durchhauen. — ver- 
zwiebelt, verflucht! verzwiebelt böse, 
schwer, überhaupt als Steigerung schlim- 
mer Sachen. — bair. österr. zwifeln. 
Schmeller 4, 303; auch md. Stieler 
2661 ; Schmidt 343. 

Zwinge, f. metallener runder Beschlag um 
das untere Ende der Stöcke.— ahd. twinga ; 
Schmeller 4, 306 ; Stalder 2, 487. 

zwinkern, schw. vb. blinzeln, die Augen- 
lieder zusammenzwingen und zucken. 

— obpfäiz. zwinken. Schmeller 4, 307. 
zwirbeln, schw. vb. wirbeln. — Z Wir- 
bel, m. Wirbel: schaust du, der alles 
schaut, wie Holl und Luft durchbrochen 
der Zwirbel höchste Angst A. Gryph. 
bestand. Mutter 1, 9.— Z w ir be I wi n d 
Wirbelwind. A. Grypb. sterb. Pupin. 5, 
399; Lohenstein Ihr. Bassa 5, 189. Von 
der Todschädlichkeit der Zwirbelwinde 
weiss das Volk viel zu berichten. Man 
muss mit einem Messer hinein werfen, 
«o vergehen sie. — Zwirbelrad, Wir- 
bel, Strudel: so wusste deine Hand das 
Ruder so zu führen, dass mich kein Zwir- 
belrad auf Klippen konnte führen. Hoff- 
maunswaidau u. a. Gedichte 5, 200. — 
Zwirbelschn e, Wirbelschnee, Schnee- 
wirbel. — z wirblig, sch wirblig: 
wirbelnd, schwindelnd. Stalder 2, 487; 
Schmeller 4,308; Rheinwald 1, 206; 
Schmidt 344; Anton 6, 11. 

Zwisten, schw. vb. zwirnen , doppeln : 
zwei oder mehr Garnfäden auf dein Spinn- 
rad e zusammendrehen. Gezwistes 
Garn ist entweder einfach weiss, oder 
weiss und roth, weiss und grüu, weiss und 
blau. Auch oblaus. — ahd. zwirnen : tor- 
quere. — engl- twi8l: drehen, flechten; 
ags. eogl. twisl, altn. twistr: doppeltge- 
drehter Faden; Westerwald, zwösse. 



Nachtrag. 

S. 49 zu Kummer. Zu der Redensart: einen kleiuen Kummer unter dem Knie 
knüpfen vgl. mhd. daz leit ze (»eine binden : es gering achten. Haupt zur Winshekin 21, 7. 
Vgl. ferner p a s c h k a I e r n. 

S. 67 zu PnmuAVI. Die Gollnower iu Pommern haben die Spitznamen Pomuffelsköppe 
oder Klüter; die Wolliner heissen Stintköppe, die Kamminer Plunderköppe. II. Schmidt die 
pommerschen Chausseen. Stettin 18Ö3. S. 7. Antn. 1. 

(Bemerkung. Die Orthographie dieser „Beiträge - gehört der Druckerei au ) 



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